Philaretos Brachamios (, , arabisch Filardūs ar-RūmīScott Redford: The archaeology of the frontier in the medieval Near East. Axcavations at Gritille, Turkey (= Archaeological Institute of America Monographs. NS Nr. 3). University Museum Publications – University of Pennsylvania for Archaeological Institute of America, Philadelphia PA 1998, ISBN 0-924171-65-0.; † 1092?) war ein byzantinischer Domestikos und Strategos (General), Statthalter der Provinz Koloneia im Militärbezirk Armeniakon und kaiserlicher Kuropalates und Protosebastos.
Quellen Die wichtigste Quelle zum Leben Philarets ist der Chronist Matthias von Edessa, ein Mönch ohne höhere Bildung, der in seiner Chronik die Jahre 952–1136 schildert. Er beschreibt ihn als „...der lästerliche und verderbte Anführer Philaretos, ein wahrer Abkömmling des Teufels“ (II, 60), eine „giftige Bestie“ (II, 62), der Trinkschalen aus den Schädeln seiner toten Feinde machen lässt (II, 61). Weitere Erwähnungen finden sich in der Alexias der Anna Komnena (II, 9). Sie beschreibt ihn als tapfer und weise. Die Nachricht von Blendung und Tod des Kaisers Romanos IV., dem er sehr zugetan war, habe ihn jedoch zur Rebellion getrieben (Alexias II, 10). Weitere Angaben finden sich bei Michael dem Syrer und Gregorius Bar-Hebraeus.
Mehrere Siegel von Philaretos sind aus dem Kunsthandel bekanntSpink & Son, Christie, Manson & Woods: The Zacos Collection of Byzantine Seals, part II, et al. Auction Results. Sale 1199, London 25. Mai 1999, Lot 122, und Folgende.. Er führte den heiligen Theodor in voller Rüstung mit Speer und Schild in Frontalansicht als Siegelbild, die Beischrift lautete: St. Theodor, Martyrer, beschütze Philaretos Brachamios Protosebastos und Domestikos des Ostens ().
Chronologische Übersicht Regierender Kaiser Seldschuken Anatolien und Mesopotamien Datum Alp Arslan 1063–1072 Romanos IV. 1068–1071 Schlacht bei Manzikert 1071 Michael VII. 1071–1078 Malik Schah I. 1072–1092 Nikephoros III. 1078–1081 Eroberung von Urfa 1078 Machtantritt in Antiochia 1080 Alexios I. 1081–1118 Fall von Samosata 1085 Fall von Antiochia 1086 Fall von Urfa 1087
Leben
Philaretos entstammte der orthodoxen armenischen Familie der Varadschnuni, die in Antiochia ansässig war, aber vermutlich ursprünglich aus Zaghkadsor () stammte. Philaretos trat, wie damals viele seiner Landsleute, in die Armee ein, wo er schnell Karriere machte. Die Ränge Taxiarches (Befehlshaber eines Infanterieregiments), Protospatharios und Topoteretes (stellvertretender Kommandeur) der Tagmata von Kappadokien, Magister und Dux sind durch Siegel belegt. Er wurde schließlich zum Stratopedarchen des Themas Anatolikon und Kuropalates ernannt. Unter Kaiser Romanos IV. Diogenes (1068–1071) wurde er zum Autokrâtor und Statthalter von Maraş ernannt.
In den 1060ern wurde das langsame Vordringen verschiedener türkischer Volksgruppen nach Westen nachdrücklicher. Die Grenze konnte zwar weitgehend gehalten werden, aber schon 1059 wurde zum Beispiel Sebaste von türkischen Truppen geplündert, nach Matthias von Edessa mit Billigung des Kaisers. Diese Behauptung gilt als unhaltbar (Cheynet 1996, 70), zeigt jedoch, dass das Vertrauen der östlichen Provinzialen in die Regierung in Konstantinopel schwer erschüttert war. Die Auflösung der Themenverfassung und die Annexion Armeniens hatten die byzantinische Armee stark geschwächt, sie konnte der sehr beweglichen türkischen Gruppen nicht mehr Herr werden. Wann Philaretos zum Strategos von Koloneia im Armeniakon ernannt wurde, ist unklar.
Der normannische Söldner Robert Crepin hatte 1069 gegen den Kaiser rebelliert. Wahrscheinlich war Philaretos Teil der Armee, mit der Diogenes nach Anatolien zog, um die Rebellion niederzuwerfen. Nachdem sich Crepin ergeben hatte, wandte sich der Kaiser gegen die Seldschuken und besiegte einige plündernde Gruppen. Er ließ Philaretos zur Verteidigung des Euphrat zurück und marschierte auf Ahlat bei Erzurum, das von den Truppen Alp Arslans gehalten wurde. Philaret konnte jedoch nicht verhindern, dass die Seldschuken den Euphrat überquerten und erlitt eine empfindliche Niederlage bei Melitene. Die Seldschuken plünderten Konya und konnten erst auf dem Rückweg in einen Hinterhalt gelockt werden. Zu dieser Zeit war, ebenfalls von Romanos IV. ernannt, der Armenier Katchatour in Nachfolge von Bekhd, Dux von Antiochia. Er scheint zahlreiche armenische Soldaten um sich gesammelt zu haben.
Nach der vernichtenden Niederlage von Romanos IV. in der Schlacht bei Manzikert 1071 im Südosten des byzantinischen Reiches, bewirkt zumindest teilweise durch Verrat aus den eigenen Reihen, begann der Hochadel der Hauptstadt einen Kampf um die Macht. Andronikos Dukas, der in Manzikert als Befehlshaber der Nachhut desertiert war, wandte sich offen gegen den Kaiser, konnte dessen erschöpfte Truppen auf dem Rückmarsch schlagen und nahm Romanos selber gefangen. Er ließ ihn foltern, mit heißen Eisen blenden und verbannte ihn auf die Insel Prote, wo er im Sommer 1072 an den Folgen der Blendung verstarb. Seine Gattin Eudoxia, die Witwe von Konstantin X., hatten die Verschwörer bereits vorher unter Waffengewalt zum Eintritt in ein Kloster gezwungen.
Der Bürgerkrieg und der Versuch von Kaiser Michael VII., den Normannen Sizilien zu entreißen, entblößte die östlichen Provinzen der dringend benötigten Truppen. Der Seldschukenherrscher Alp Arslan hatte den überwältigenden Sieg zunächst nicht weiter ausgenutzt. Während des Bürgerkrieges 1071/72 begannen jedoch einzelne Truppen von Kriegern auf Beutezug (Ghāzī) und turkmenische Nomaden über die nun schlecht gesicherte Grenze nach Zentralanatolien einzudringen, um zu plündern, aber auch, um eigene Herrschaftsgebiete einzurichten (Beylik).
Michael VII. erkannte den von Romanos IV. geschlossenen Frieden nicht an und stellte die vereinbarten Tributzahlungen von 360.000 Solidi jährlich ein. Nach dem Tode Alp Arslans am 24. November 1072 begann sein Sohn und Nachfolger Malik Schah I. mit verstärkten Angriffen auf Anatolien.
Die Verwaltungs- und Militärstruktur in Koloneia und wohl auch in der Euphratregion, also der Osrhoene, Melitene, Kommagene, und der Kyrrhestike war zunächst weitgehend intakt geblieben (Gerard 1996, 80). Philaretos erkannte jedoch bald, dass ihm die geschwächte Zentralregierung keine Unterstützung zukommen lassen konnte oder wollte. Es blieb ihm und seinen loyalen Offizieren überlassen, sich den vordringenden Seldschuken und aufrührerischen Lokalfürsten, welche die gesetzlosen Zustände zu ihrem eigenen Vorteil auszunutzen versuchten, entgegenzustellen.
Eine Reihe anderer örtlicher Befehlshaber folgte seinem Vorbild, darunter Isaak Komnenos in Antiochia, Nikephoros Palaiologos in Mesopotamien, Gregor Pakourianos in Theodosiopolis, Abul Gharib (Apelgaripès) in Kilikien, Basileos Apokapès in Edessa und auch Gabras, dem es in der Folge sogar gelang, Trapezunt und das Thema Chaldia zurückzuerobern.
mini|Herrschaftsgebiet von Philaretos Brachamios Philaretos machte zunächst Mschar, südlich von Melitene, zu seiner Basis. Viele örtliche Befehlshaber versuchten inzwischen, die direkte Macht über ihr unmittelbares Einflussgebiet zu erlangen und widersetzten sich jedem Versuch, wieder größere territoriale Einheiten herzustellen. Das sollte er bei dem Versuch, das Gebiet von Sassun unter Kontrolle zu bringen, erfahren. Er lud T'ornik, Sohn des Muschegh zu Verhandlungen ein, dieser lehnte jedoch ab, mit der Behauptung, er kenne ihn nicht – immerhin den kaiserlichen Statthalter von Maraş. Auch der Magister Gregorius Arsakides (Pahlavouni), der im Heer von Philaretos diente, schaffte es nicht, seinen Schwiegersohn zur Vernunft zu bringen. T'ornik, der sich nach einem bei Bèken gefundenen Siegel inzwischen die Titel Anthypatos und Strategos von Sassun zugelegt hatte, sammelte ein Heer, das angeblich 50.000 Fußsoldaten und 6.000 Reiter umfasste. Mit 1.000 Reitern unternahm er einen Vorstoß nach Aschmuschat im östlichen Teil von Armenien, und es gelang ihm, im Bezirk Handzit' in der Ebene von Aleluay ein Kontingent von Philarets fränkischen Söldner, die die bereits vor Manzikert im Armeniakon stationiert gewesen waren, zu überraschen. Sie konnten die Franken in einem Überraschungsangriff einschließen, und sogar ihren Anführer, von dem nur der armenische Name „Rmbaghat“ bekannt ist, gefangen nehmen. Die Übersetzung des Namens ist unsicher, sowohl Rimbaud/Raimbaud (Dulaurier) als auch Roussel (Bartikian) wurden in Erwägung gezogen. Es erscheint jedoch unwahrscheinlich, dass Philaretos einen Mann, der immerhin seinen verehrten Kaiser in offener Feldschlacht verraten hatte, in seine Dienste genommen haben soll. T'ornik plünderte die Umgebung aus und zog sich auf Sassun zurück, während Philaretos in Kharberd Truppen zusammenzog. Bevor er jedoch eingreifen konnte, war T'ornik bei dem Versuch, mit dem türkischen Emir Amr Bakr' eine Allianz abzuschließen, getötet worden. Der Ablauf der Ereignisse ist nicht ganz klar. Matthias von Edessa behauptet, Amr Bakr' habe T'ornik in seine Festung gelockt, um ihn zu ermorden. Fest steht, dass T'ornik seinen Gastgeber während eines Festmahls mit einem Dolch den Bauch aufschlitzte und entwich, auf der Flucht nach Sassun aber von einem Soldaten des Emirs von Maiyafariquin mit einem Speerstoß getötet wurde.
Danach scheint Philaretos Maraş in der Kommagene zum Zentrum seines Herrschaftsgebietes ausgebaut zu habenMartijn Th. Houtsma, Thomas W. Arnold, René Basset, Richard Hartmann (Hrsg.): E. J. Brill's First Encyclopaedia of Islam. 1913–1936. Photomechanical reprint. Brill, Leiden u. a. 1987, ISBN 90-04-08265-4, nennt Shīrbaz als seinen Sitz.. Hoffmann (1974, 6) nimmt an, dass er zu dieser Zeit eine Streitmacht von ca. 30.000 Mann befehligte, hier sind aber die Besatzungen der Städte und Festungen mit eingerechnet.
Philaretos setzte 1076 Sargis, den Neffen des Katholikos Peter (1019–1058), nach Vardan ArewelʿI. „einen heiligen und bescheidenen Mann“ als Bischof von Chônion (Honi) am oberen Pyramus ein, versuchte also auch, die kirchliche Organisation wiederherzustellen. Er wurde durch die Äbte des Klosters von Haghbat geweiht. Nach dessen Tod 1077 wurde Theodor Alakhosik (T'oros Alaxosik) Katholikos.
1079 suchte eine Hungersnot das Gebiet zwischen Edessa, Maraş und Tarsus heim; im Süden war selbst Antiochia betroffen. Flüchtlinge verhungerten auf den Straßen, und nach Matthias von Edessa waren die Geier so satt, dass sie weitere Nahrung verschmähten, und der Gestank unbestatteter Leichen das Land erfüllte. Zu dieser Zeit scheinen sich zahlreiche Flüchtlinge aus Armenien besonders in Maraş und Doliche (Tluk) in der Kommagene, aber auch in Edessa und der Osrhoene angesiedelt zu haben (Dédéyan 1996, 82).
Der Caesar Johannes Dukas war von Michael VII. zum Katepan von Edessa ernannt worden. Der Kaiser suchte scheinbar unter den monophysitischen Armeniern Verbündete gegen Philaretos, die er unter anderem in Gagik von Ani fand, der zu diesem Zeitpunkt in Caesarea residierte und dem er trotz dessen Gräueltaten den Titel Protoproedros verlieh, der auf einem Bleisiegel überliefert ist. Auch die Familie Bahlavouni, die seit der Zeit von Konstantin IX. Monomachos in kaiserlichen Diensten stand, konnte er auf seine Seite ziehen. Der Magister Gregor Bahlavouni (Arsakides) führte nun die Titel èpi tou koitônos und Graf von Vaspurakan und Tarôn.