Der etwa 185 Meter hohe Lohrberg oder kurz Lohr gilt als Hausberg von Frankfurt am Main und ist gleichzeitig der einzig verbliebene Weinberg innerhalb des Stadtgebietes. Er gehört zum Stadtteil Seckbach und ist Bestandteil der geologischen Formation des Berger Rückens, der sich in der Form eines flachen U von Berkersheim bis hinter das Ortsende von Bergen – auslaufend nach Maintal-Bischofsheim – erstreckt. An der Berger Warte liegt der höchste Punkt des Stadtgebietes mit 212,4 Metern über NN.
Geschichte Der Name des Lohrberges geht auf den bereits im Mittelalter belegten Flurnamen Lohr zurück. Die Ableitung dieses Wortes ist nicht eindeutig belegt. Neben einer Deutung als Weideland findet sich auch eine Deutung auf der Basis des althochdeutschen Begriffes lar, der leer bzw. kahl bedeutet. Beide mögliche Deutungen weisen jedoch darauf hin, dass der Lohrberg unbewaldet gewesen und vermutlich landwirtschaftlich genutzt worden ist.Lohrpark und Lohrberg, frankfurt.de abgerufen am 25. Feb. 2020
Über den Lohrberg verläuft ein Teilabschnitt der Hohen Straße, die wiederum Bestandteil der Via Regia ist. Dabei handelt es sich um eine schon seit dem Mittelalter bedeutende Reichs-, Pilger- und Handelsstraße zwischen dem Rhein und Breslau in Schlesien, die im Streckenabschnitt Frankfurt-Leipzig den Namen Hohe Straße trägt, vermutlich, weil sie die Feucht- und Sumpfgebiete möglichst mied und so zu allen Jahreszeiten genutzt werden konnte. Die Via Regia war eine prähistorische Verbindung von Spanien nach Russland. Auf dem heutigen Frankfurter Stadtgebiet verlief sie von Höchst (alte Elisabethenstraße) über die Nidda bei Nied (Rödelheimer Straße, heute Oeserstraße), am Rebstock vorbei durch den Biegwald (Biegweg), dann nördlich an Bockenheim vorbei, über die Ginnheimer Höhe (Diebsgrundweg), den Dornbusch (Marbachweg) und den Lohrberg sowie Bergen.
Der Lohrberg ist indirekt Namensgeber des Ortes Seckbach. Seckbach bzw. das historische Seckibah steht für Sickerwasser. Das Wasser der Quellen des Lohrbergs versickert im Seckbacher Ried.
Der Weinbau an den Hängen des Lohrberges ist seit dem 9. Jahrhundert belegt, er wird bereits bei der zweiten heute bekannten urkundlichen Erwähnung Seckbachs im Jahr 882 thematisiert. Es ist jedoch davon auszugehen, dass der Weinbau an dem heute genutzten und von der Sonne verwöhnten Hang bereits erheblich früher stattgefunden hat, möglicherweise schon durch die Römer. Zumindest wurden von Archäologen ganz in der Nähe neben anderen Bodendenkmälern die Grundmauern eines römischen Gutes, ein römisches Heiligtum, römische Straßen und Relikte einer römischen Jupitergigantensäule gefunden, die heute im Historischen Museum Frankfurts zu bewundern sind.
Bereits im Zuge der Säkularisation ging der Weinbau am Lohrberg 1803 aus dem Besitz des Frankfurter Karmeliterklosters in den Besitz der Stadt Frankfurt über. Der Weinberg Lohrberger Hang wird vom Weingut der Stadt Frankfurt am Main bewirtschaftet.
Nach der Eingemeindung Seckbachs nach Frankfurt (1. Juli 1900) entstanden unter dem Gartenbaudirektor Carl Heicke und dessen Gartenarchitekten Bernhard Rosenthal ab 1902 Planungen für zwei Seckbacher Volksparks nach dem Vorbild des Günthersburgparks. Der entsprechende Beschluss der Stadtverordnetenversammlung datiert vom 24. Januar 1905. Grundstücksankauf und Enteignungsverfahren nahmen viele Jahre in Anspruch, da der Lohrberg in sehr viele kleine Parzellen aufgeteilt war, wie ein Plan des Frankfurter Tiefbauamtes von 1906 veranschaulicht.
Dieser Plan und ein undatiertes historisches Foto zeigen noch das Lohrhaus als einziges Gebäude auf dem Lohrberg, ein zweigeschossiges Fachwerkhaus mit ausgebautem Dach. Es wurde vermutlich 1763 errichtet und 1933 saniert. Heute ist es Teil des Gartenlokals Lohrberg-Schänke, das ab 1933 von der Stadt Frankfurt an die Familie Pflug verpachtet worden ist. Zur Zeit der Anlage des Lohrparkes wohnte im Lohrhaus die kinderreiche Seckbacher Familie Quanz, die Erfrischungen an vorbeikommende Spaziergänger und Wanderer verkaufte. Da das Haus auf dem Lohrberg keinen Anschluss an Trinkwasser hatte, musste dieses neben anderen Lebensmitteln und Materialien von der Familie per Esel auf den Lohrberg transportiert werden.
Nach der Realisierung des ersten dieser beiden Parks zwischen 1910 und 1913, des nach einer Flurbezeichnung benannten Volksparks Auf dem Huth, wurde dann 1919 unter der Ägide von Gartenbaudirektor Max Bromme und Oberbürgermeister Franz Adickes auf dem Lohrberg zunächst die erste Frankfurter Dauer-Kleingartenkolonie mit 60 Kleingärten für die Bevölkerung angelegt. Diese Entscheidung ist jüngeren Datums als die Planung des Volksparks Auf dem Lohrberg, denn auf den Plänen von 1914 waren noch keine Kleingärten vorgesehen. Ebenfalls 1919 fand auf dem Frankfurter Messegelände vom 13.–21. September die Ausstellung Hof und Garten zur Förderung des Kleingartenwesens statt. 1924 begannen die durch den Ersten Weltkrieg (1914–1918) und die Inflation (1914–1923) verzögerten Arbeiten am neuen Volkspark auf dem Lohrberg sowie die Integration eines Weinberges.
In den 1930er Jahren bestanden Pläne, den 1871 errichteten Röderbergturm, einen hölzernen Aussichtsturm, im Ostend abzubauen und auf dem Lohrberg neu zu errichten, da dort ein erheblich besserer Panoramaausblick gegeben ist. Der Umzugsplan wurde jedoch nicht verwirklicht, der Röderbergturm 1936 abgerissen.
Ende der 1920er Jahre wurde im Lohrpark der so genannte Kinder-Erholungsgarten fertiggestellt. Er umfasst ein 100 Quadratmeter großes Wasserspielbecken, einen Sandkasten und Spielgerät, eine Liegewiese, eine Spielwiese und Sitzbänke. 1930 wurde im Lohrpark ein Ehrenmal für die Seckbacher Gefallenen des Ersten Weltkrieges errichtet. Es umfasst ein Areal von 5 × 10 Meter, mit Innenhof und 5 Meter hohem Holzkreuz, das Seckbach zugewandt ist.
Das ab 1919 geplante Gartenlokal Lohrbergschänke kann erst im Juni 1933 im Baustil der 1920er Jahre eröffnet werden. Die Seckbacher Gastwirte hatten gegen die unliebsame Konkurrenz in so prominenter Lage opponiert. Im Zweiten Weltkrieg erhielten Lohrpark bzw. Lohrberg bei den Luftangriffen auf Frankfurt am Main 1943 Bombentreffer, große Bombentrichter befanden sich zum Beispiel mitten auf der heutigen Rodelbahn. Die Rasenflächen wurden während und nach dem Krieg zum Teil zweckentfremdet, so für den Anbau von Gemüse und Heilkräutern.
1947 entstand der Beispiel- und Beratungsgarten für Obstbau betreibende Bürger. 1951 fand auf der zweiteiligen großen ebenen Rasenfläche des Lohrberges das erste Lohrbergfest statt, eine rein leichtathletische Sportveranstaltung. 1953 wurde dort das Frankfurter Friedrich-Ludwig-Jahn-Denkmal errichtet und durch Oberbürgermeister Walter Kolb eingeweiht.
Im Jahr 1961 kam es zur Eröffnung einer Minigolf-Anlage, die jedoch wegen zu geringer Nachfrage bereits 1966 wieder eingeebnet wurde.
Unter der Nummer 06 112 000/1 wurde die Rebfläche Lohrberger Hang im Jahr 1971 als kleinste und östlichste Einzellage im Weinbaugebiet Rheingau in die Weinbergrolle eingetragen.
Mitte der 1970er Jahre wurden auf dem im Winter bei Schnee als Rodelbahn genutzten Hang grüne Kunststoffmodule ausgelegt, um Skifahrern auf dem Rasen auch im Sommer geeignete Übungsflächen anzubieten, ohne ihn stark zu beeinträchtigen. Die Abfahrt der Aktiven verursachte eine entsprechende Geräuschkulisse und wurde von Erholung suchenden Spaziergängern nicht goutiert. Das Experiment wurde wieder eingestellt. 1975 fand das 25. Jubiläum des Lohrbergfestes statt. mini|Sichtbare Hangbewegung an den Einfassungsmauern des Weges zwischen den Weinstöcken 1990 veröffentlichte das Stadtvermessungsamt Höhenmessungen der vergangenen zwölf Jahre. Sie ergaben, dass der Lohrberg pro Jahr um einen Zentimeter rutscht. Auf dem Weg zwischen den Weinstöcken konnten schon seit Jahrzehnten Bewegungen der Einfassungsmauern beobachtet werden (siehe Foto rechts). Diese Erkenntnis ist indes nicht neu, denn darüber wird in Seckbachs Chronik bereits aus früheren Jahrhunderten berichtet. Seinerzeit kam es sogar zu mindestens einem größeren Bergrutsch.
1993 widmete die Stadtverwaltung das bereits 1930 errichtete Ehrenmal für die Gefallenen Seckbachs im Ersten Weltkrieg um; seitdem wird dort auch der Seckbacher Gefallenen des Zweiten Weltkrieges gedacht. Bis 1994 bewirtschaftete die Stadt Frankfurt den Weinbau am Lohrberger Hang selbst, seitdem ist er an einen Winzer in Hochheim am Main verpachtet, der auch den dortigen Weinbau Frankfurts betreut.
Mitte der 1990er Jahre kam ein Open-Air-Kino auf dem Lohrberg ins Gespräch und wurde vom Mal Seh’n Kino zeitweise realisiert, mit einfachster Technik, ausgefallenem Filmprogramm und bei freiem Eintritt.
Im Jahr 2000 wurde auf der großen Spielwiese, dem Kernstück des Lohrparks, die seit 1951 einmal pro Jahr als Wettkampffläche des Frankfurter Bergsportfestes dient, das 50. Jubiläum des Lohrbergfestes begangen.
Der Quellenwanderweg im Frankfurter Grüngürtel, der zwischen dem Alteborn in Seckbach und dem Schelmenborn in Bergen-Enkheim am Südhang des Lohrbergs verläuft, wurde im Jahr 2001 eingerichtet.
Seit 2004 werden im Lohrpark private Parkwächter eingesetzt, die den Erhalt der Grünflächen schützen und möglichst präventiv gegen eine Verschmutzung der Anlagen durch Nutzer des Parks vorgehen sollen.
2005 übernahm der 2003 zum Schutz der Streuobstwiesen im Raum Frankfurt gegründete Verein Streuobstzentrum die Trägerschaft für den bereits zweimal von der Schließung bedrohten städtischen Beratungsgarten am Lohrberg. Er unterhält dort das neu errichtete umweltpädagogische Main-Äppel-Haus Lohrberg mit Äppel-Bistro und wurde daher in MainÄppelHaus Lohrberg Streuobstzentrum e. V. umbenannt.
Paläontologie Durch Ausgrabungen der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft (seit November 2008: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung) Ende des 19. Jahrhunderts wurden zu Füßen des Lohrberges Überbleibsel eines fossilen Säugetieres entdeckt. Das Tier wurde in der Größe eines großen Ochsen beschrieben. Friedrich Kinkelin, damaliger Sektionär der geologisch-paläontologischen Abteilung des Senckenberg-Museums, ordnete die Fundstücke der Gattung des Flussschweines zu und beschrieb sie als neue Art, der er nach dem Fundort den Namen Hippopothamus seckbachensis gab. Diese Bezeichnung revidierte man allerdings wieder, als auch Zähne dieses Tieres gefunden wurden. Die erste Gattungszuordnung ist nun nicht mehr aufrechtzuhalten. Das Tier erhielt den neuen Namen Anthracotherium seckbachense, Seckbacher Kohletier. Der Seckbacher Volksmund ist nicht ganz so förmlich und benennt es seinerseits rasch in Seckbacher Kohlensau um. In seiner Größe entspricht das Tier einem Flusspferd. Der Bezug zur Kohle ergibt sich aus dem Umstand, dass nahe dem Lohrberg einst untertage Kohle abgebaut worden ist und die Relikte des Tieres in etwa 17 Metern Tiefe in den Bergwerksschächten lokalisiert werden.
Lohrberg-Gedicht mini|Panoramaweg oberhalb des Weinberges Lohrberger Hang im Lohrpark mini|Ausblick oberhalb des Weinberges Lohrberger Hang im Lohrpark mini|Blick von der Friedberger Landstraße zum Lohrberg Wenn ich so auf dem Lohrberg steh un laß mei Blicke schweife, guck in die Fern und in die Näh da kann ich schon begreife, daß des in Frankfurt ganz gewiß eins von de schönste Flecke is.
Wer glaubt, mir däte Äppelwoi alleinig groß nur schreiwe, versuch der mal den Lohrbergwein, die Schnut wird der sich reiwe! Südlich stehn Rebstöck da am Hang, wie mer im Bild ja sehe kann.
Un guckt mer dorch der Bäum Geäst, was dut ein da wohl grüße? So richtig wie e kuschlich Nest, liegt Seckbach eim zu Füße. Die Baumblüt, es is net vermesse, die Bergstraß kannste glatt vergesse!
Mei Lohrberg-Loblied, glaub es mir, es fände noch kein Ende. Mer bräucht noch arsch viel Zeit dafür, um alles zu bedenke. Warum ich hier so glücklich bin? Am beste is, geht selwer hin.
Verfasser unbekannt; das Gedicht steht vermutlich im Kontext einer Abbildung des Lohrberges, 20. Jh.
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