mini|Hansken. Kreidezeichnung von Rembrandt van Rijn (1637)

Hansken (* 1630; † 1655) war eine Ceylon-Elefantenkuh, die als sogenannte „gelehrte“ Dame im 17. Jahrhundert in Europa herumgeführt wurde und ihre Kunststücke zeigte. Hansken starb wahrscheinlich am 9. November 1655 in Florenz.

Herkunft und Leben mini|Rembrandt: Adam und Eva. Radierung (1638): Detail, mit Hansken im Hintergrund mini|Stefano della Bella: Zeichnung 1655 Hansken wurde 1630 auf Ceylon geboren und von dort 1637 nach Holland gebracht; der Name wird als Diminutiv des Malayam-Wortes ana für Elefant (siehe hierzu auch den Artikel über den Elefanten Hanno) erklärt. Das Hänschen war aber wohl eine Elefantendame. Rembrandt sah das Tier 1637 in Amsterdam und fertigte vier Kreidezeichnungen auf einem Blatt von ihm an, durch die Hansken in die Kunstgeschichte einging; in einer Radierung Rembrandts von 1638 begleitete sie im Hintergrund den biblischen Sündenfall.

Hansken wurde auf eine Tournee über holländische und deutsche Jahrmärkte geschickt. Nach einer Darstellung aus dem Jahr 1982 soll sich ihre Reise anhand von Quellen wie folgt nachvollziehen lassenim Folgenden referenziert nach Oettermann S. 124–129: Auftritte 1638 in Hamburg,Annales Hamburgienses I (1638). n. E. Finder: Hamburgisches Bürgertum. Hamburg 1930, S. 372f 1639 in Treptow an der Rega,1639, herfst. Trzebiatów (Treptow an der Rega). Information des Museum Het Rembrandthuis. 1640 in Bremen,Koster: Chronik von Bremen. n. F. Peters, Freimarkt in Bremen. Geschichte eines Jahrmarkts. Bremen 1962, S. 83 1641 in Rotterdam,John Evelyn: Diary (am 13. August 1641); ed. by. E. S. de Beer, Oxford 1955, I, S. 39–40 1646A. A. Lersner: Der weit-berühmten Freyen Reichs- Wahl- und Handelsstadt Franckfurt am Mayn Chronica. 1706–1734, 2 Bde. I/1, Cap. 27, S. 431 und 1647Johannes Peisker: Auszug aus einem Briefe des Johannes Peisker in Diensten Johanns Maximilian zum Jungen in Frankfurt a. M. an Jubker Daniel zum Jungen … mitgeteilt von Dr. Bauer … In: Mitteilungen an die Mitglieder des Vereins für Geschichte und Altertumskunde in Frankfurt am Main 5 (1874–1879), S. 253–256; Brief vom 27. April 1647, S. 254 in Frankfurt und 1650 in Lüneburg.Torquato Tasso: Der adeliche Hausvatter, verteutscht durch J. Rist. Lüneburg 1650, S. 84 Wenn auch bei der einen oder anderen Quelle Zweifel angemeldet werden können, dass es sich wirklich um Hansken gehandelt hat, so sei ihr Auftreten zwischen 1649 und 1651 in Sachsen als zweifelsfrei zu erachten;Oettermann (1982), S. 126 in einer Chronik von 1714 wird der Auftritt eines Elefanten 1650 in Leipzig bezeugt.Johann Jacob Vogel: Leipzigisches Geschicht-Buch, Oder Annales [...]. Linckisch, Leipzig 1714, S. 647 (online, Ausgabe 1756, zuletzt abgerufen am 16. Februar 2023)

Im Juli 1651 sei Hansken, so weitere Quellen, von Amsterdam über Bregenz und St. GallenBartholome Bischoffsberger: Appenzeller Chronik, St. Gallen 1682, S. 534 nach Zürich und SolothurnF. Haffner: Kleyner Solothurnischer Schaw-Platz historischer Weltgeschichten, Zweyter Theil: sonderbare Statt Chronology. Solothurn 1666 n. P. Th. A. Bruhin: Zoologisches aus der Solothurner Chronik. In: Zoologischer Garten 8 (1867), S. 61–67 geführt worden; die Reise habe, so wird vermutet, weiter nach Rom geführt, denn hier sei 1655 ein 25-jähriges Elefantenweibchen gemeldet worden. Ein römischer Beobachter habe in seinem Tagebuch vermerkt, dieses Weibchen sei trächtig gewesen;Fabio Giglio: Diario (1655) n. William S. Heckscher: Bernini’s Elephant and Obelisk. In: Art Bulletin 29 (1949), S. 155–182, Abb. vermutet wird, dass es sich hierbei womöglich um einen Reklametrick ihres Besitzers gehandelt haben könnte, da keine Quelle die Begegnung mit einem hierfür erforderlichen Elefantenbullen erwähnt.

Eine Zeichnung des Florentiner Künstlers Stefano della Bella zeigt einen Elefantenkadaver mit kleinen Stoßzähnen; auf dem Blatt ist vermerkt: „elefante morto in Firenze adi 9 di novembre 1655“.

Der gelehrte Elefant mini|Anonymer Kupferstich, 1641, der Hanskens Können zeigt mini|Niederländischer Anschlagzettel mit Kupferstichen von Jan Drapentier, 1650. Stadtgeschichtliches Museum Leipzig Die Gelehrten des 17. Jahrhunderts ließen sich, folgt man den Quellen,im Folgenden referenziert nach Oettermann S. 43 ff. zu durchaus fantastischen Annahmen über die Fähigkeiten des Elefanten hinreißen, womöglich wegen seines eindrucksvollen Formats. In der Antike, so war man überzeugt, habe man ihn für den „Liebling der Götter“ gehalten;Caspar Horn: Elephas. Das ist Historischer und Philosophischer Diskurs/von dem großen Wunderthier dem Elephanten/Dessen wunderbarer Natur vnnd Eygenschafften; dergleichen vnlängsten einer in Teutschland umbgeführet/vnd von vielen Tausend Menschen gesehen worden. Auß bewehrten alten und newen Historien zusammen getragen und verfasset durch Caspar Hornium Phil & Med Doctorem. Nürnberg: Simon Walsmeyer 1629, S. 95 Plinius war sich sicher gewesen, dass der Elefant des Schreibens griechischer Buchstaben kundig gemacht werden könne.nach: Julius Caesar Scaliger: De Elephante. In: J. C. S., Exotericarum Exercitationum liber quintus decimus de Subtilitate ad. H. Cardanum. 1557, exerc 204; dass. Frankfurt am Main 1576; 1592; 1612; Hannover 1620; Frankfurt am Main 1665 Auch von furchtsamen Träumen war die Rede gewesen, ebenso von seiner „mildigkeit und sanftmütigkeit“;Horn (1629), S. 59 wer ihn reite, dem kehre es „den Magen umb, gleich als wenn man auff dem Meer fähret, so etwan ungestümb ist“.Horn (1629), S. 71

Nie allerdings war, wie es scheint, bei den Gelehrten von den wirklichen Fähigkeiten dieser Geschöpfe die Rede, die diese im 17. Jahrhundert auf den Jahrmärkten zur Schau zu stellen wussten. In den Bildtafeln von Hansken kommt zum Ausdruck, dass die Dickhäuterdame die Fahne schwenkte und eine Pistole abfeuerte; sie konnte das Hütchen auf- und absetzen und, folgt man den zeitgenössischen Blättern, sogar mit einer gewissen Eleganz den Degen führen. In Frankfurt habe das Tier, so eine Quelle, auch zum Erstaunen und Vergnügen des Publikums die Trommel geschlagen, die Trompete geblasen und „seine gebührliche Reverenz mit einem Kratzfuß gemacht, gar höflich“.Peisker (1647), S. 254 s. o.

Hanskens Erfolg basierte insbesondere auf ihrem Charme für die „oculi vulgi“, die – so Stephan Oettermann 1982 – „sprachlos gaffende Schaulust des Pöbels“. Für die Gelehrten indes setzte sich das Bild des Tiers „zusammen aus einem (für moderne Augen) heillosen Sammelsurium von gelehrten Ungereimtheiten. Nur ganz allmählich beginnt sich unter dem Wust von allegorischen Überhöhungen, Fabeln und Geschichten von wundernswürdigen Tugenden und Eigenschaften der Umriß des Elefanten abzuzeichnen, den wir heute kennen.“Oettermann (1982) S. 46

Rezeption Hansken war nicht der erste Elefant, der über die Märkte Europas herumgeführt wurde. Zwischen 1629 und 1631 war ein Elefant zwischen Nürnberg und Rom aufgetreten, der als erster Jahrmarktselefant in Europa geführt wird und sowohl Caspar Horns Darstellung Elephas von 1629 inspirierte als auch Vorbild für Gian Lorenzo Berninis Obeliskenträger in Rom wurde.

Hanskens Auftritte wurden Anlass, die Ausführungen Caspar Horns über das Wesen des Elefanten erneut dem Publikum nahezubringen, so zum Beispiel in einer Schrift, die 1650 anlässlich der Elefantenschauen in Sachsen entstand.Eigendliche Beschreibung / Des grossen und wunderbaren Elephantens / Welcher in diesem Jahre 1650. in unser Meißner Land zwar erstlich in die weltberümbte Handelsstadt Leipzig hernach in die Churf. Sächsische Residentz Stadt Dreßden durch einen Niederländer ist gebracht worden […] Gedruckt im Jahr 1650 Die Quellen zu Hanskens Reise wurden 1982 in einer Studie über Die Schaulust am Elefanten. Eine Elephantographia Curiosa erstmals zusammengestellt.

Ein Forscherteam befand im Jahr 2013, dass es sich bei dem Elefantenskelett im Museum La Specola in FlorenzElefantenskelett, Florenz um das Skelett von Hansken handele.Roslin team helps solve elephant riddle. The University of Edinburgh, 15. November 2013; abgerufen am 3. April 2015.

Literatur Stephan Oettermann: Die Schaulust am Elefanten. Eine Elephantographia Curiosa. Syndikat, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-8108-0203-4, S. 44 ff. sowie S. 124–129. Leonard J. Slatkes: Rembrandt’s elephant. In: Simiolus: Netherlands Quarterly for the History of Art, Band 11, Nr. 1, 1980 Elephant, – Neger, – Mißgeburt. In: Otto Beneke: Hamburgische Geschichten und Sagen. Perthes-Besser & Mauke, Hamburg 1854, S. 299–301; Volltext (Wikisource) alternativtext=Sgraffito, den Elefanten "Hansken" darstellend|mini|Sgraffito zur Erinnerung an den Auftritt Hanskens im Herbst 1639 in Treptow an der Rega an einem Eckhaus des Marktplatzes (2013). Es zeigt sie bei einem ihrer Kunststücke, dem Aufheben eines Schwertes. Das vor 1800 entstandene und 2013 nicht ganz originalgetreu restaurierte Sgraffito gilt als Sehenswürdigkeit und bietet Anlass zu öffentlichen Feiern.1639, herfst. Trzebiatów (Treptow an der Rega). Information des Museum Het Rembrandthuis.

Weblinks

Eigendliche Beschreibung Des grossen und wunderbaren Elephantens Welcher in diesem Jahre 1650 (…) in die weltberümbte Handelsstadt Leipzig hernach in die (…) Stadt Dreßden durch einen Niederländer ist gebracht worden, Göttinger Digitalisat elephanthansken.com

Anmerkungen

Kategorie:Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit Kategorie:Individueller Elefant Kategorie:Elefant in der Kunst