Aachen Hauptbahnhof ist der größte der fünf in Betrieb befindlichen Bahnstationen in der Stadt Aachen. Hier halten im Fernverkehr unter anderem Eurostar-Züge von Dortmund über Köln und Brüssel Süd nach Paris Nord sowie der ICE-International-Linie Frankfurt–Köln–Brüssel. Außerdem halten hier die Nahverkehrszüge der Linien RE 1 (NRW-Express), RE 4 (Wupper-Express), RE 9 (Rhein-Sieg-Express), RE 18 (Dreiländerzug), RB 20 (Euregiobahn), S 41 (euregioAIXpress) und RB 33 (Rhein-Niers-Bahn). Mit Ausnahme der Euregiobahn enden und beginnen alle genannten Nahverkehrslinien im Aachener Hauptbahnhof.

Geschichte

Entstehung der ersten Aachener Bahnhöfe mini|links|Bahnhof Marschiertor um 1890 links|mini|Fahrkarte 2. Kl. von Aachen Marschierthor nach Templerbend Die Epoche der Eisenbahn begann in Aachen am 1. September 1841 mit der Eröffnung der Strecke von Köln nach Aachen durch die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft. Mit der Verlängerung der Strecke nach Herbesthal an der belgischen Grenze und der Weiterführung nach Antwerpen ging am 15. Oktober 1843 die erste grenzüberschreitende Bahnstrecke in Betrieb. Dazu errichtete die Rheinische Eisenbahn im klassizistischen Stil außerhalb der Stadtmauern westlich des Burtscheider Viadukts den Rheinischen Bahnhof an dem auch die Vennbahnlinie angebunden war. 1853 erreichte die von der Aachen-Düsseldorf-Ruhrorter Eisenbahn-Gesellschaft errichtete Bahnstrecke Aachen–Mönchengladbach die Stadt Aachen. Der Endpunkt dieser Strecke war der Bahnhof Aachen Marschierthor, der vier Bahnsteiggleise, ein eigenständiges, 4½-geschossiges Empfangsgebäude, mehrere Güterschuppen und Ladestraßen und eine Werkstatt besaß. Der Bahnhof Aachen Marschierthor wurde in Nachbarschaft zum Marschiertor und unmittelbar westlich des Rheinischen Bahnhofs errichtet; es existierte ein Verbindungsgleis zwischen den beiden Bahnhöfen.Lutz-Henning Meyer: 150 Jahre Eisenbahnen im Rheinland. Verlag J. P. Bachem, Köln 1989, ISBN 3-7616-0961-2.

Neubau des heutigen Hauptbahnhofs mini|Wenig Betrieb im Oktober 1923 mini|Hauptbahnhof (vor 1938)

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden sowohl die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft als auch die Aachen-Düsseldorf-Ruhrorter Eisenbahn-Gesellschaft verstaatlicht und gingen in den Preußischen Staatseisenbahnen auf. Die Preußischen Staatseisenbahnen benötigten jedoch keine zwei unmittelbar nebeneinanderliegenden Bahnhöfe. Außerdem umschloss durch das Wachstum der Stadt die Bebauung die beiden Bahnhöfe; durch die ebenerdigen Gleise kam es immer öfter zu Schwierigkeiten mit dem zunehmenden Straßenverkehr. Daher beschloss die Preußische Staatseisenbahn die Errichtung eines neuen Zentralbahnhofes.

Der Aachener Hauptbahnhof wurde an der Stelle des Rheinischen Bahnhofs errichtet, da die Strecke nach Lüttich zwischen den beiden Bahnhöfen abzweigte und nur über den Rheinischen Bahnhof zu erreichen war. Als erstes erfolgten umfangreiche Dammschüttungen und Brückenneubauten. Danach folgte der Bau eines provisorischen Bahnhofs, um den Abriss des alten Bahnhofs zu ermöglichen. Das denkmalgeschützte Empfangsgebäude wurde in seiner heutigen Form am 21. Dezember 1905 eingeweiht. Es wurde als trutziger Bau in einer strengen Ausformung des Jugendstils errichtet. Die Fassade erhielt eine Natursteinverblendung, die durch zurücktretende Gliederungen gekennzeichnet ist. Die Fenster besitzen romanische Anklänge, die größeren, wie insbesondere das der Empfangshalle, sind als Thermenfenster ausgeführt. Der Giebel der Eingangsfront trägt eine Maske und die Bahnhofsuhr, darüber findet sich ein Hochrelief mit dem Adler des Preußischen Wappens (Krone, Zepter, Reichsapfel und ein stilisiertes FR im Herzstück für Fridericus rex). Im Innern wird der Festungscharakter durch gedrungene Säulen mit kräftigen Reliefkapitellen, die das Gewölbe der Eingangshalle tragen, fortgeführt. Im Bildprogramm finden sich Motive zur Eisenbahn und historische Themen. Die figürliche Ausstattung stammt von dem Mainzer Bildhauer Franz Vlasdeck.Reinhard Dietrich und Ferdinand Werner: Der neuromanische Bahnhof von Worms. In: Der Wormsgau 40 (2025), S. 135–230 (211). Lebhaft bunte, florale Malereien und mosaikhafte Wandverkleidungen bildeten eine Symbiose aus neuromanischen und Jugendstil-Wandgestaltungen.

Die Bahnsteighalle überspannte insgesamt vier Bahnsteige mit zusammen sieben Gleisen. Auf jedem Bahnsteig befanden sich eine Wartehalle und ein Kiosk. In den 1930er Jahren passierten mit dem Nord-Express, dem Ostende-Wien-Express und dem Ostende-Köln-Pullman-Express drei Luxuszüge der CIWL die Bahnsteige des Aachener Hauptbahnhofs, zudem weitere internationale und nationale Fernzüge. Von Aachen bestanden Direktverbindungen unter anderem nach Paris, Berlin, Kopenhagen, Riga, Bukarest, Budapest, Prag, Wien, München und Athen.

Auf dem Gelände des nicht mehr benötigten Bahnhofs Aachen Marschierthor wurde das Bahnbetriebswerk Aachen Hbf errichtet.

Kriegsschäden und Nachkriegszeit

mini|Dampflokomotive im Hauptbahnhof

In der Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg blieb das Gebäude weitestgehend unverändert. Erst während des Rückzugs wurde der Bahnhof im Herbst 1944 bereichsweise zerstört. Da die Alliierten die Wiederaufnahme des Verkehrs über Düren und die Bördebahn nach Euskirchen und weiter über die Voreifelbahn nach Bonn forcierten, wurden die Schäden an den Gleisanlagen rasch beseitigt. 1950 waren auch die Gebäude wieder instand gesetzt. In der Nachkriegszeit lebte der Verkehr wieder auf, Vorkriegszüge wie der Nord-Express und der Ostende-Wien-Express wurden wieder eingeführt und neue Züge wie der Tauern-Express kamen hinzu. 1959 wies der Aachener Hauptbahnhof schon 850.000 Reisende auf, 1961 wurde die Millionengrenze überschritten, 1964 waren es 1,25 Millionen Fahrgäste und 1965 1,35 Millionen. Parallel dazu stieg der Zugverkehr von 20 Fernzugpaaren 1959 auf 31 im Jahr 1965 und die Zahl der Kurswagen von 58 auf 80 an. Ab dem Jahre 1957 fuhren die Dieseltriebzüge VT 11.5 als Trans-Europ-Express Molière und Parsifal nach Paris sowie Saphir nach Ostende.

Umbau im Zuge der Elektrifizierung

mini|Gleise 7 und 8 im Bahnsteigbereich im Jahr 2000 vor Beginn des Umbaus mini|Südwestliches Gleisvorfeld

1966 wurde der elektrische Zugverkehr zwischen Belgien und Deutschland aufgenommen. Dazu wurde der Aachener Hauptbahnhof zum Systemwechselbahnhof zwischen dem deutschen und dem belgischen Bahnstromsystem umgebaut. Zu diesem Zweck wurden die Oberleitungen an den Gleisen 6 bis 9 so geschaltet, dass man dort wahlweise die 15 kV 16,7 Hz Wechselstrom der Deutschen Bundesbahn oder die 3 kV Gleichstrom der belgischen NMBS/SNCB einspeisen konnte. Zuvor waren zahlreiche Umbauarbeiten durchgeführt worden. Die entsprechenden Bahnsteige wurden auf 400 m verlängert, das mechanische Stellwerk wurde durch ein Relaisstellwerk ersetzt und mit modernen Signalen versehen. Ebenfalls wurden besondere Durchfahrgleise für den Güterverkehr eingerichtet.

Im Zuge dieser Bauarbeiten wurde das Gesicht der Gleisanlagen und der Bahnsteige im Innern des Bahnhofes stark verändert. Die Bahnsteighalle und die Brücke westlich des Bahnhofes behinderten den Umbau. So wurden fast alle Gleise und Bahnsteige neu verlegt, eine Verladestation für Autoreisezüge eingerichtet und die Überführung für die Fahrgäste durch eine Unterführung ersetzt. Hinzu kamen neue Gebäude für die Bahnmeisterei, den Wagendienst und die Signalmeisterei. Am Ende waren aus 12.400 m Gleis 13.575 m geworden, von denen 10.390 m neu waren. Statt der zuvor 118 Weichen gab es nun 180. Über den Betriebsbeginn gibt es widersprüchliche Angaben. Einige Quellen geben den 18. Mai 1966 (offizieller Elektrifizierungs-Eröffnungszug) und den 23. Mai 1966 (Fahrplanwechsel und damit Umstellung des Zugverkehrs auf E-Loks)Hans Schweers, Henning Wall: Eisenbahnen rund um Aachen. 150 Jahre internationale Strecke Köln – Aachen – Antwerpen. Schweers und Wall, Aachen 1993, ISBN 3-921679-91-5, S. 151, andere den Jahreswechsel 1966/1967 (vermutlich Abschluss aller Umbaumaßnahmen) an.

Erneute Renovierung

Im Jahr 2000 wurde mit der Renovierung des Bahnhofs begonnen. Diese umfasste die Umgestaltung der Eingangshalle, bei der unter anderem die Abhängung der Decke entfernt wurde. Die Bahnsteige und der Zugangstunnel zu den Gleisen wurden renoviert. Für den behindertengerechten Zugang zu den Bahnsteigen wurden Aufzüge eingebaut. Da der Bahnhof zur Bahnhofskategorie 3 gehörte, wurde der Service Point, der sich vor dem alten Reisezentrum befand, entsprechend dem neuen Service-Konzept von DB Station&Service entfernt. Dafür wurde in Aachen die erste technische 3-S-Zentrale der DB im Rahmen einer Verkehrszentrale in Betrieb genommen. Die Renovierung wurde rechtzeitig zu den Weltreiterspielen 2006 in Aachen abgeschlossen. Vom 17. bis 19. August 2006 wurde der neue Hauptbahnhof eröffnet.

Vom 23. bis 25. November 2007 wurde das bestehende ESTW Düren für 40 Millionen Euro um ein zusätzliches Modulgebäude erweitert. Dieses auch ESTW-A genannte Modulgebäude ersetzt das bisherige Relaisstellwerk sowie drei weitere Stellwerke in Aachen-Süd und Aachen-Rothe Erde. Der Eisenbahnbetrieb wird seitdem von der Betriebszentrale in Duisburg ferngesteuert. Zur Anbindung der belgischen Hochgeschwindigkeitsstrecke HSL 3 erfolgte eine Ausrüstung mit TBL1+ auf einigen Gleisen.

Im östlichen Teil zwischen Hackländerstraße und Kasinostraße befindet sich ein Fußgängertunnel unter den Gleisen des Hauptbahnhof, der jedoch von vielen Bürgern ungern genutzt wird. Deshalb wurde zur Verbesserung der Anbindung des Stadtteils Burtscheid seit den 1990er Jahren ein Tunneldurchstich des im Empfangsgebäude befindlichen Fußgängertunnels zur Südseite geplant. Im Juni 2019 schrieb die Stadt Aachen Planungsdienstleistungen aus:Ausschreibung 2019/S 115-282609 in Tenders Electronic Daily. 18. Juni 2019, abgerufen am 13. November 2019 Zunächst sollen der Durchstich des Tunnels unter den Gleisen nach Süden sowie ein Treppenaufgang und eine Aufzugsanlage geplant werden. Auf der Rückseite des denkmalgeschützten Hochbunkers Kasinostraße soll ein kleiner Vorplatz entstehen, der eine Zufahrt durch einen Durchstich des Bunkers erhalten soll, dessen Planung nicht Teil der Ausschreibung ist. Außerdem sollte dieser Vorplatz über einen Fuß- und Radweg von der Burtscheider Brücke erreichbar sein. Hier befindet sich ein Brachgelände der ehemaligen Deutschen Bundespost. Laut dem städtischen Presseamt sollte der Beginn der Bauarbeiten für den südlichen Zugang frühestens 2021 umgesetzt werden, doch nachdem Anfang September 2021 die Pläne erneut auf dem Prüfstand kamenNeue Pläne für Ausgang Richtung Burtscheid, in Aachener Zeitung vom 6. September 2021, wurde Anfang 2022 ein neuer Bebauungsplan vorgelegt, wodurch die eigentlichen Umbauarbeiten auf unbestimmte Zeit verschoben wurden.Stadt legt Bebauungsplan „Burtscheider Straße / Kasinostraße“ aus, in: Aachener Nachrichten vom 8. Februar 2022

Ausblick Im dritten Gutachterentwurf des Deutschlandtakts ist ein Ausbau mit zusätzlichen Weichen und Überholgleisen unterstellt. Dafür sind, zum Preisstand von 2015, Investitionen von sechs Millionen Euro vorgesehen.

Verkehr und Betrieb

mini|Lokomotiven von NRW-Express, Rhein-Sieg-Express und Wupper-Express (2007) mini|LIMAX an Gleis 7 nach Maastricht im Jahr 2019 mini|S41 der S-Bahn Lüttich (2024) mini|euregioAIXpress an Gleis 9 nach Spa-Géronstère im Jahr 2015 mini|Rhein-Niers-Bahn nach Duisburg an Gleis 6 im Jahr 2011 mini|An der Ostseite des Hauptbahnhofs befinden sich Stumpfgleise, die häufig zur Abstellung von Lokomotiven genutzt werden.

(Stand 2021)

Von Aachen Hauptbahnhof führen Gleise in drei Hauptrichtungen, die vom Personenverkehr genutzt werden, und zwar nach:

Köln (Schnellfahrstrecke Köln–Aachen, KBS 480), über Stolberg, Eschweiler, Langerwehe, Düren und Horrem, Mönchengladbach (Bahnstrecke Aachen–Mönchengladbach, KBS 485), über Herzogenrath, Geilenkirchen, Baal und Rheydt, Lüttich (Bahnstrecke Liège–Aachen, KBS 480a)