Die Torrey Canyon war ein Öltanker und konnte etwa 115.000 Tonnen Erdöl transportieren. Sie sank am 26. März 1967 vor der Küste Südenglands und verursachte damit die zweite große Ölpest nach dem Untergang der Thomas W. Lawson 1907.Brockhaus Kalender Abenteuer Geschichte, 26. März 2008

Geschichte Das Schiff wurde in den USA unter der Baunummer 532 bei der Newport News Shipbuilding and Drydock Company gebaut und lief am 28. Oktober 1958 vom Stapel. Es hatte ursprünglich eine Kapazität von 60.000 Tonnen, die 1965 durch einen Umbau in Japan auf 120.000 Tonnen erhöht wurde. Bei diesem Umbau wurde der Torrey Canyon ein komplett neues Vorderschiff angebaut. Der beim Umbau abgetrennte Schiffskörper wurde zunächst ebenfalls unter dem Namen Torrey Canyon als schwimmendes Öllager verwendet. Von 1972 bis 1979 wurde sie vom niederländischen Unternehmen SBM Offshore N.V. unter dem Namen IFRIKIA - FPSO III als 70.000 Tonnen fassende FPSO (Floating Production Storage and Offloading Unit) für das Mineralölunternehmen Elf Aquitaine im Ashtart Feld vor der tunesischen Küste betrieben. (pdf, englisch)

Havarie Zur Zeit des Unfalls gehörte die Torrey Canyon der Barracuda Tanker Corporation, einer Tochterfirma der kalifornischen Union Oil Company (Unocal), war aber von BP gechartert.

Die letzte Fahrt der Torrey Canyon begann am 19. Februar 1967. Sie verließ Mena al-Ahmadi in Kuwait voll beladen mit Öl und erreichte am 14. März die Kanaren. Von dort aus steuerte sie Milford Haven an.

Am 18. März 1967 stieß die Torrey Canyon wegen eines Navigationsfehlers gegen Pollard's Rock im zwischen Land’s End und den Scilly-Inseln gelegenen Seven-Stone-Riff. Der Untergang des Schiffes verursachte enorme Umweltschäden an den Küsten Englands und Frankreichs.

Dies war der erste bedeutendere Untergang eines Öltankers, auch weil es noch keine Pläne gab, welche Maßnahmen im Notfall erfolgen sollten. Versuche, das Schiff wieder flott zu machen, scheiterten, wobei ein Mitarbeiter des niederländischen Bergungsteams starb. Das Schiff brach auseinander, nachdem es mehrere Tage lang auf dem Riff gestrandet gewesen war.

Für den Versuch, das Schiff zu versenken, den Ölteppich abzubrennen und so den Ölverlust zu reduzieren, bombardierte die Fleet Air Arm (FAA, die Marineflieger der Royal Navy) das Schiff. Auf die Bombardierung folgten Versuche, das Öl mit Hilfe von Benzin und Napalm, das von Flugzeugen der Royal Air Force und der FAA abgeworfen wurde, abzubrennen. Insgesamt war das Schiff das Ziel von 161 Bomben und 16 Raketen, dazu wurden Napalm und 44.500 Liter Kerosin abgeworfen.|1967 bombing of SS Torrey Canyon, pathé Wochenschau, Minute 4:30Unseen footage of Torrey Canyon tanker's trail of death, BBC, 30. März 2017Torrey Canyon: The shipwrecked supertanker, BBC, 17. März 2017, Minute 1:25

Auswirkungen und Lehren Etwa 190 km der englischen und 80 km der französischen Küste waren mit Öl verschmutzt und etwa 200.000 Seevögelfluter – Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung: , 9. Juli 2007. und viele andere Meeresorganismen wurden getötet.

Weiterer Schaden wurde aufgrund fehlender Erfahrungen angerichtet durch den großflächigen und teils improvisierten Einsatz von Reinigungsmitteln zur Zerstörung des Ölteppichs. Mit 42 Schiffen wurden mehr als 10.000 Tonnen an damals neuen und von BP bereit gestellten Reinigungsmitteln auf das schwimmende Öl gespritzt, um es zu emulgieren und aufzulösen. Es wurden sogar auch einfach Fässer davon über Klippen herunter gerollt. Jedoch waren diese auf das Öl und Strände aufgebrachten Substanzen extrem giftig für viele Meeresorganismen und richteten genauso großen Schaden an wie das Öl selbst. «Die Medizin war schlimmer als die Krankheit» sagte dazu ein Meeresbiologe, der verschiedene Strandabschnitte über die Folgejahre verglichen hatte. Die Reinigungsmittel hätten jene Mikroorganismen abgetötet, welche das Öl hätten aufbrechen können; dort wo die Mittel zum Schutz von Robben nicht ausgebracht worden waren, erholte sich das System in ungefähr drei Jahren, während in den "behandelten" Gebieten bis zu deren Erholung bis zu 14 Jahre vergingen.Torrey Canyon disaster – the UK's worst-ever oil spill 50 years on, The Guardian, 18. März 2017

Das Unglück der Torrey Canyon führte zu vielen Änderungen internationaler Vorschriften, z. B. der Civil Liability Convention (CLC) von 1969, die die absolute Haftung von Schiffsbesitzern bei nachgewiesener Fahrlässigkeit festsetzte, oder auch die International Convention for the Prevention of Pollution from Ships 1973.

Einige Experten zögen laut Guardian eine direkte Linie vom Unglück zur Schaffung des 1970 begründeten britischen Ministeriums für Umwelt, Ernährung und ländliche Angelegenheiten, laut Guardian das erste Umweltministerium weltweit. Das Unglück habe auch zum ersten Ansturm ehrenamtlichen Engagements im Umweltbereich geführt und David Bellamy sagte dazu „Es war wahrscheinlich das erste Mal, dass in den Medien Worte laut wurden wie „Umwelt“ und „Naturschutz“ – Begriffe, die später so alltäglich werden sollten.“ (“It was probably the first time that words like environment and conservation were voiced on the media, later to become so commonplace.”)

Siehe auch Liste bedeutender Ölunfälle

Quellen R. Petrow: In the wake of the Torrey Canyon. 1968 New York: David Mackay Co, Inc.

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