Der VfB Fichte Bielefeld (vollständiger Name: Verein für Bewegungsspiele Fichte Bielefeld e. V.) ist ein Sportverein aus Bielefeld. Der Verein entstand am 1. Juli 1999 durch Fusion der Vereine VfB 03 Bielefeld und SpVgg Fichte Bielefeld und bietet die Sportarten Fußball, Handball, Judo, Leichtathletik, Tischtennis, Tennis, Turnen sowie „Freizeit & Fitness“. Die Vereinsfarben sind rot, schwarz und grün.
Bekannt wurde der Verein durch seine Fußballabteilung. Die erste Mannschaft spielt seit dem Aufstieg im Jahre 2025 in der achtklassigen Bezirksliga. Zwischen 2001 und 2006 war der Verein Mitglied der Oberliga Westfalen und nahm einmal am DFB-Pokal teil. Der Stammverein VfB 03 Bielefeld war 1931 Westdeutscher Vizemeister und nahm an der Endrunde um die deutsche Meisterschaft teil. Dagegen spielten die Fußballer der SpVgg Fichte 20 Jahre lang in der höchsten westfälischen Amateurliga.
Die Spieler des VfB Fichte sind als die „Roten“ oder die „Hüpker“ bekannt. Das Wort „Hüpker“ kommt aus den plattdeutschen und bezeichnet junge Fußballspieler („junge Hüpfer“), die durch eine Gasse liefen und hüpften, um den Sportplatz zu erreichen.
Die Stammvereine VfB 03 Bielefeld
mini|Historische Vereinswappen des VfB 03 Bielefeld Am 3. März 1903 wurde der Bielefelder SK Cheruskia gegründet, der 1907 seinen Namen in VfB 03 Bielefeld änderte.Hardy Grüne, Christian Karn: Das große Buch der deutschen Fußballvereine. AGON Sportverlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-89784-362-2, S. 71. Gleichzeitig nahm der Verein erstmals am Ligenspielbetrieb teil und wurde 1915 Bezirksmeister und -pokalsieger. Nach Kriegsende spielte der VfB mit unterschiedlichem Erfolg in der erstklassigen Bezirksklasse bzw. Bezirksliga Westfalen, die zu dieser Zeit von der Arminia dominiert wurde. Erst 1928 wurden die „Hüpker“ Gruppensieger, verloren aber das Finale um die Westfalenmeisterschaft gegen Borussia Rheine. Nun begann die erfolgreichste Zeit des Vereins. 1930 wurde der VfB Westfalenmeister und verpasste die Qualifikation zur Endrunde der Westdeutschen Meisterschaft nur knapp. Ein Jahr später war die Mannschaft erfolgreicher. In der Endrunde wurde der VfB Vizemeister.
In der Endrunde um die deutsche Meisterschaft verlor der VfB im Achtelfinale gegen den späteren Meister Hertha BSC. 1933 verpasste der VfB die Qualifikation für die neu eingeführte Gauliga Westfalen. Erst 1939 gelang der Sprung in die Gauliga, wo die „Hüpker“ in der Aufstiegssaison durch ein 3:1 gegen Schalke 04 für Furore sorgten. Ein Jahr später wurden die „Roten“ sogar Dritter. Danach ging es sportlich bergab und der VfB stieg 1942 ab. Am 25. Juli 1943 ging der VfB 03 mit dem DSC Arminia eine Kriegsspielgemeinschaft (KSG) ein. Der so genannte „Bielefelder Fußballrest“ war jedoch chancenlos und beendete die Gauligasaison 1943/44 auf dem letzten Platz. Abseits des Fußballplatzes arrangierte sich der VfB 03 mit dem Nationalsozialismus. So wurden bereits im Jahre 1935 Schilder an der VfB-Kampfbahn aufgehängt, nachdem Juden hier unerwünscht seien.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verpassten die „Hüpker“ 1947 die Qualifikation zur Oberliga West. 1949 schafften die „Roten“ die Qualifikation für die II. Division West nicht und rutschten erstmals in die Drittklassigkeit ab. Ein Jahr später stiegen die „Hüpker“ als westfälischer Vizemeister in die II. Division auf. Bereits nach zwei Jahren musste die Mannschaft wieder abstiegen. 1953 später wurde der VfB Westfalenmeister und erreichte bei der deutschen Amateurmeisterschaft das Halbfinale, wo der VfB gegen den Homberger SV ausschied.vgl. Grüne (1996), S. 333 1955 wurden die „Hüpker“ westfälischer Vizemeister und schaffte den Aufstieg in die II. Division West. Nach nur einer Saison folgte der sofortige Wiederabstieg. 1962 stieg die Arminia in die II. Division West auf, womit sich die Wege beider Vereine bis heute trennten. 1972 wurden die „Roten“ erneut Westfalenmeister, belegten in der Aufstiegsrunde zur Regionalliga West aber nur den letzten Platz.
1976 stieg der VfB erstmals in die Viertklassigkeit ab. Durch die Einführung der Oberliga Westfalen im Jahre 1978 war der VfB erstmals nur noch fünftklassig. 1980 qualifizierten sich die Bielefelder wieder für den DFB-Pokal und unterlagen in der ersten Runde gegen den VfB Friedrichshafen. mit 1:3. In den letzten Jahren seiner Existenz wurden die „Hüpker“ zu einer Fahrstuhlmannschaft, die zwischen 1987 und 1990 bis in die Bezirksliga abstürzte. In der letzten Spielzeit vor der Fusion war der VfB 03 in der Verbandsliga am Ball.
SpVgg Fichte 06/07
mini|Historische Vereinswappen der SpVgg Fichte 06/07 Die SpVgg Fichte 06/07 entstand aus einer Reihe von Vereinsfusionen. Im Jahre 1921 schlossen sich die Vereine SC Concordia 1906 und SV Teutonia 1911 zum Spielverein 06 zusammen. 1925 fusionierte dieser mit dem 1. BSC Eintracht 1907 zur Bielefelder SpVgg. Ein Jahr später schloss sich der Sportverein Sieker der Spielvereinigung an. Parallel dazu existierte der Arbeiterverein FTSV Fichte Bielefeld, der 1933 von den Nationalsozialisten verboten wurde. Im Jahre 1945 schlossen sich die Spielvereinigung 06/07 und die wieder gegründete FTSV Fichte zur Spielvereinigung Fichte 06/07 zusammen. Andere Quellen sprechen von 1947 als Jahr der Fusion.
Die Spielvereinigung 06/07 schaffte 1928 und 1930 den Aufstieg in die zweitklassige Bezirksliga Westfalen, Gruppe Ost und belegte dort in der Regel Plätze im Mittelfeld. 1937 stieg die Mannschaft aus der Bezirksliga Ostwestfalen ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg schaffte Fichte 1954 den Aufstieg in die Landesliga, damals die höchste Amateurliga in Westfalen. Das Gastspiel dauerte jedoch nur ein Jahr. 1958 folgte der Wiederaufstieg und die Mannschaft konnte sich sechs Jahre lang in der Verbandsliga halten. 1975 stieg Fichte sogar in die Bezirksliga ab, aus der die Mannschaft nach zwei Jahren wieder Aufstieg. Nach zwei weiteren Jahren stieg Fichte wieder in die Verbandsliga auf. Nach dem Abstieg 1985 dauerte es bis 1990, ehe der dritte Verbandsligaaufstieg perfekt gemacht wurde. Der Verein wurde wie der VfB 03 zur Fahrstuhlmannschaft. 1995 stieg die Mannschaft in die Landesliga ab und 1997 wieder auf. mini|600px|Stammbaum des VfB Fichte Bielefeld Fusion Bereits im Jahre 1967 diskutierten beide Vereine über eine Fusion, da sich beide Vereine aufgrund der räumlichen Nähe gegenseitig die Sponsoren wegnahmen. Mit 1. Bielefelder Sport-Vereinigung war auch schon ein Name für den Fusionsverein gefunden. Jedoch scheiterten die Gespräche.Hendrik Köplin: Schattenspieler: VfB Fichte Bielefeld. In: Zeitspiel, Nr. 18, Seite 20–23 Auf Anregung des VfB-Vorsitzenden Walter Goldmann und Fichtes Abteilungsleiter für Fußball Berndhard Geldmeier wurden 1998 neue Verhandlungen über einen Zusammenschluss aufgenommen. Ziele waren die Stellung einer schlagkräftigen Fußballmannschaft, Erhöhung der Werbeeinnahmen und die Beendigung der jahrzehntelangen Rivalität zwischen beiden Vereinen.
Während beim VfB 03 die Mitglieder sofort für die Fusion stimmten, hatten die Befürworter der Fusion bei der SpVgg Fichte mehr Überzeugungsarbeit zu leisten. Fichte hatte seinerzeit mehr Mitglieder und Abteilungen. Erst im zweiten Anlauf stimmte auch Fichte der Fusion zu. Beide Vereine gingen schuldenfrei in den Zusammenschluss.
Geschichte des VfB Fichte In die Oberliga und zurück (1999 bis 2007) mini|hochkant|Uli Stein hütete in der Saison 2003/04 dreimal das Tor der „Hüpker“ Der neue Verein startete holprig in seine Existenz. Vor allem die Trainersuche sorgte für Streit. Zwar wurde über eine externe Lösung debattiert, ehe der VfB-03-Trainer Mario Ermisch den Zuschlag erhielt. Der VfB Fichte spielte in der Saison 1999/2000 in der Verbandsliga Westfalen, wo beide Stammvereine in der Vorsaison bereits spielten. Zunächst gewann der Verein in den Jahren 1999 und 2000 jeweils die Bielefelder Hallenstadtmeisterschaft, bevor die von Mario Ermisch trainierte Mannschaft im Jahre 2001 mit dem Aufstieg in die Oberliga Westfalen den ersten Erfolg auf dem Feld erzielen konnte.
Nach zwei Platzierungen im Mittelfeld der Tabelle wurde die Saison 2003/04 zur erfolgreichsten Spielzeit nach der Fusion. Im Dezember 2003 sorgte der Verein bundesweit für Schlagzeilen, als er für drei Spiele den ehemaligen Nationaltorwart Uli Stein verpflichtete, nachdem sich zwei Torhüter verletzt hatten. Rund 2000 Zuschauer und zwei Kamerateams verfolgten Steins Debüt für die „Hüpker“. Lange Zeit belegte die Mannschaft den zweiten Platz und hatte die Möglichkeit, in die Regionalliga aufzusteigen. Am vorletzten Spieltag unterlagen die „Hüpker“ jedoch Arminia Bielefeld II mit 0:2 und der VfB Fichte wurde letztendlich Vierter.
Trainer Ermisch verließ daraufhin den Verein in Richtung SC Verl, während Jörg Weber das Traineramt übernahm. Nach der Saison 2005/06 stieg die Mannschaft unter Trainer Sven Moning wieder in die Verbandsliga ab. Im Westfalenpokal erreichte die Mannschaft das Halbfinale, unterlag dort aber dem Delbrücker SC mit 0:1. Ein Jahr später folgte der freiwillige Rückzug in die Landesliga, nachdem der in der Chemiebranche tätige Hauptsponsor Rainer Goldmann seinen Rückzug angekündigt hatte.
Fahrstuhljahre (2007 bis 2016) Im Jahr 2008 zog der VfB Fichte als erste Bielefelder Mannschaft seit 1991 in das Finale des Westfalenpokals ein. Im Halbfinale setzten sich die „Hüpker“ mit 6:5 im Elfmeterschießen gegen den Delbrücker SC durch. Im Endspiel trat die Mannschaft am 11. Mai 2008 bei Preußen Münster an und verlor mit 0:3 nach Verlängerung. Die erfolgreiche Mannschaft bestand zu 90 Prozent aus Spielern, die bereits in der Jugend des VfB Fichte aktiv waren. Mit dem Finaleinzug konnte sich der Verein die Teilnahme an der Hauptrunde des DFB-Pokal 2008/09 sichern. Am 9. August trafen die „Hüpker“ in der ersten Runde auf den Erstligisten Borussia Mönchengladbach. Aufgrund des geringen Platzangebots auf der Rußheide wurde das Spiel in der SchücoArena ausgetragen. Vor 8.100 Zuschauern endete das Spiel mit einem 8:1-Sieg der Gladbacher. Torschütze für Fichte war der eingewechselte Sami Önen.
DFB-Pokalspiel gegen Borussia Mönchengladbach
Am letzten Spieltag der Landesligasaison 2008/09 sicherte sich der VfB Fichte unter Trainer Mark Sawkill durch einen 7:0-Sieg über die dritte Mannschaft von Arminia Bielefeld die Meisterschaft und profitierte vom 1:1 des direkten Konkurrenten FC Preußen Espelkamp beim FC Bad Oeynhausen. Die „Hüpker“ konnte sich jedoch nur für zwei Jahre in der Westfalenliga halten und musste in der Saison 2010/11 den Abstieg in die Landesliga hinnehmen. Zwei Jahre später verpassten die „Hüpker“ nur aufgrund der schlechteren Torvdifferenz gegenüber dem Lokalrivalen VfL Theesen die Meisterschaft. In einer Relegationsrunde mit den anderen Landesliga-Vizemeistern verlor die Mannschaft zunächst in Ahlen mit 1:2 gegen Grün-Weiß Nottuln und stieg nach einem 4:2-Sieg nach Elfmeterschießen in Erwitte gegen den FC Lennestadt in die Westfalenliga auf. Nach zwei elften Plätzen rutschten die „Hüpker“ im Frühjahr 2016 auf den letzten Tabellenplatz hinab. Trainer Yorck Bergenthal wurde daraufhin durch Teammanager Christopher Gliniars ersetzt. Am letzten Spieltag reichte der Mannschaft ein 3:1-Sieg gegen den TuS Hiltrup nicht zum Klassenerhalt, da der direkte Konkurrent TSV Victoria Clarholz gleichzeitig gegen Grün-Weiß Nottuln gewann.
Gegenwart (seit 2016)