Die Torfgränke (Chamaedaphne calyculata), auch Zwerglorbeer oder Lederblatt genannt, ist die einzige Art der Pflanzengattung Chamaedaphne innerhalb der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae).

Beschreibung Vegetative Merkmale mini|links|Zweig mit wechselständigen einfachen Laubblättern mini|Blütenstand mini|Zweig mit jungen Früchten mini|Torfgränke auf einem Schwingrasen, hier in Litauen mini|Illustration von Pierre-Joseph Redouté in Traité des arbres et arbustes que l'on cultive en France en pleine terre mini|Torfgränke mit dem Pilz Exobasidium savilei Die Torfgränke ist ein immergrüner und reich verzweigter Zwergstrauch, der Wuchshöhen von 40 bis über 100 (20 bis 150) Zentimetern erreicht. Die Hauptäste sind aufrecht. Die Zweige sind aufsteigend bis ausgebreitet. Die rötlich-gelbbraune Rinde der Zweige ist mit Schuppen bedeckt und behaart.

Die wechselständig an den Zweigen angeordneten, teils aufrechten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Der Blattstiel ist mit einer Länge von 1,5 bis 3 Millimetern relativ kurz. Die einfachen, derben, ledrigen, steifen, kahlen, flachen Blattspreiten sind bei einer Länge von selten, 1 bis, meist 2 bis 5 Zentimetern sowie einer Breite von 1 bis 1,5 Zentimetern meist länglich bis elliptisch oder lanzettlich bis selten verkehrt-eiförmig, seltener eiförmig mit keilförmiger Basis und gerundetem bis spitzem und fein-stachelspitzigem oberen Ende. Der oft leicht umgebogen Blattrand ist ganzrandig bis feingekerbt oder -gezähnt, gezähnt-gekerbt. Vor allem die matt oliv-grüne Blattunterseite ist gelblich bis silbrig oder bräunlich, rostig beschuppt. Die Blattoberseite ist dunkelgrün. Die überwinternden Laubblätter werden braun bis bronzefarben bzw. die Schuppen.

Generative Merkmale Die 8 bis 20 hängenden Blüten befinden sich einseitig in einem endständigen, 4 bis 12 Zentimeter langen, kurzen und bräunlich schuppigen traubigen Blütenstand. Der dicht behaarte Blütenstiel ist mit einer Länge von 2 bis 5 Millimetern relativ kurz. Am Ende des Blütenstiels direkt unter der Blüte befinden sich zwei Deckblätter (kleiner als die normalen Blätter; nach anderer Meinung reduzierte Blätter), die auch während der Fruchtreife noch vorhanden sind und laubblattähnlich sowie auf ihrer Außenseite bräunlich beschuppt sowie am Rand bewimpert sind.

Die relativ kleinen, meist zwittrig, seltener funktionell eingeschlechtig Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf freien, ledrigen Kelchblätter sind bei einer Länge von 1,5 bis 3 Millimetern breit-dreieckig bis eiförmig mit spitzem oberen Ende, außen bräunlich beschuppt und bewimpert. Die fünf weißen, kahlen, 5 bis 7 Millimeter langen Kronblätter sind auf etwa 3/4 ihrer Länge zylindrisch bis urnenförmig verwachsen und der etwas verengte Schlund endet mit fünf kurzen, zurückgebogenen Kronlappen. Es ist ein zehnlappiger Nektardiskus vorhanden. Es sind zehn kurze Staubblätter vorhanden; sie überragen die Blütenkrone nicht. Die weißen verbreiterten, abgeflachten, pfriemlichen, kahlen Staubfäden verschmälern sich an ihrer Basis kurz abrupt. Die Staubbeutel besitzen am oberen Ende zwei aufrechte, röhrige Anhängsel, die so lang sind wie ihre Staubbeutel, die sich mehr oder weniger am oberen Ende mit Poren öffnen. Fünf Fruchtblätter sind zu einem fünfkammerigen, oberständigen Fruchtknoten verwachsen, mit knapp vorstehendem Griffel und kleiner Narbe.

An der Frucht sind der beständige Griffel, der Kelch sowie die Deckblätter vorhanden. Die mit einer Länge von 4 bis 6 Millimetern und einem Durchmesser von 3 bis 4, selten bis zu 5 Millimetern relativ kleinen, oben etwas eingedrückt und abgeflacht rundlichen, kahlen, lappigen Kapselfrüchte öffnen sich lokulizid und enthalten viele (35 bis 50) Samen. Die bräunlichen, ungeflügelten Samen sind bei einer Länge von bis zu 1 Millimeter halbmond- bis keilförmig und abgeflacht. Die Samenschale ist streifig.Frucht und Samen sowie Blätter von Chamaedaphne calyculata bei University of Minnesota. Die Früchte bleiben noch länger an der Pflanze stehen.Datenblatt Chamaedaphne calyculata bei Northern Ontario Plant Database.Marilena Idžojtić: Dendrology.

Chromosomensatz Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 11; es liegt Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 22 vor.

Ökologie und Phänologie Phänologie Die Hauptblütezeit reicht in Mitteleuropa von April bis Juni; im Spätsommer erfolgt oft eine zweite Blütezeit; in Nordamerika reicht sie von April bis Juli.

Die Früchte reifen in Nordamerika von Juli bis August. Im Sommer werden mit der Reife der Früchte bereits die Blütenknospen für das nächste Jahr angelegt und die leeren Kapselfrüchte bleiben noch sehr lange an den Zweigen erhalten.

Die Torfgränke als Wirtspflanze für Pilze Die Nacktbasidien Exobasidium cassandrae und Exobasidium savilei befallen die Torfgränke. Erstere kommt auf einzelnen Blättern vor, letztere befällt die Jahrestriebe.Svengunnar Ryman, Ingmar Holmåsen: Pilze: über 1.500 Pilzarten ausführlich beschrieben und in natürlicher Umgebung fotografiert. Bernhard Thalacker Verlag, Braunschweig 1992, ISBN 3-87815-043-1, S. 72.

Vorkommen Die Torfgränke ist zirkumpolar verbreitet. Vorkommen existieren in Nordosteuropa, insbesondere in Finnland, Russland und im Baltikum, in Nordasien und in Nordamerika. Es gibt Fundortangaben für Schweden, Finnland, Polen, Belarus, den europäischen Teil Russlands, West- sowie Ostsibirien, die russischen Gebiete Habarovskij, Region Primorje, Oblast Amur, Kamčatskij, Magadanskaja sowie Oblast Sachalin, die japanische Insel Hokkaido, die Innere Mongolei und die chinesischen Provinzen Heilongjiang sowie Jilin, die kanadischen Gebiet Northwest Territories, Yukon, Québec, Nova Scotia, Ontario, Prince Edward Island, New Brunswick, Neufundland und Labrador, Saskatchewan, Alberta, Manitoba sowie British Columbia und östlichen bis zentralen US-Bundesstaaten Connecticut, Indiana, Maine, Massachusetts, Michigan, New Hampshire, New Jersey, New York, Ohio, Pennsylvania, Rhode Island, Vermont, Illinois, Minnesota, Wisconsin, Maryland, North Carolina sowie Virginia. In Polen sind geringe Vorkommen bekannt. In Russland kommt die Torfgränke bis 68° 30' nördlicher Breite vor.

In Nordamerika gedeiht Chamaedaphne calyculata in den subarktischen bis borealen Torflandschaften, Rändern von moorigen Sümpfen und Fließgewässern in Nadelwäldern, Pocosin in Küstenebenen und bilden oft dichte Dickichte in Höhenlagen von 0 bis 1300 Metern.

Die Torfgränke gedeiht meist in Hochmooren, kommt in Schwingrasen vor sowie in (Rauschbeer)-Kiefernbruchwäldern. Seltener ist die Torfgränke in Zwischenmooren anzutreffen.Datenblatt Chamaedaphne calyculata bei Atlas roślin. (polnisch) In Deutschland sind keine natürlichen Vorkommen bekannt. Dennoch wurde die Torfgränke in der „deutschen Botanik“ behandelt, da sie im ehemaligen Ostpreußen vorkommt.

Systematik Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen (Basonym) Andromeda calyculata durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 394. Die Gattung Chamaedaphne wurde 1794 mit der Neukombination der Art zu Chamaedaphne calyculata durch Conrad Moench in Methodus Plantas Horti Botanici et Agri Marburgensis, Marburgi Cattorum: Nova Libraria Academiae. S. 457 aufgestellt. Synonyme für Chamaedaphne calyculata sind: Andromeda calyculata var. angustifolia , Andromeda calyculata var. latifolia , Andromeda calyculata var. nana , Cassandra calyculata , Cassandra calyculata var. angustifolia , Cassandra calyculata var. latifolia , Chamaedaphne calyculata var. angustifolia , Chamaedaphne calyculata var. latifolia

Chamaedaphne calyculata ist die einzige Art der Gattung Chamaedaphne aus der Tribus Gaultherieae in der Unterfamilie Vaccinioideae innerhalb der Familie Ericaceae.

Inhaltsstoffe und Nutzung Die Laubblätter sind giftig; sie enthalten Andromedotoxin. Die Laubblätter wurden jedoch von den Indianern als Tees genutzt.Merritt Lyndon Fernald, Alfred Charles Kinsey: Edible Wild Plants. 1958, Dover Pub., 1996, ISBN 0-486-29104-9, S. 308. Die Torfgränke wird gelegentlich als Zierpflanze verwendet.

Literatur Nathaniel Lord Britton, Addison Brown: An Illustrated Flora of the Northern United States, Canada and the British possessions. Volume II, Scribner, 1913, S. 686 f, eingescannt auf biodiversitylibrary.org. Marilena Idžojtić: Dendrology. Academic Press, 2019, ISBN 978-0-12-819644-1, S. 157. Dorothy M. Fabijan: Chamaedaphne Linnaeus. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 8: Magnoliophyta: Paeoniaceae to Ericaceae. Oxford University Press, New York und Oxford, 2009, ISBN 978-0-19-534026-6. Chamaedaphne calyculata (Linnaeus) Moench., S. 508 - textgleich online wie gedrucktes Werk. Sally S. Weeks, Harmon P. Weeks, Jr.: Shrubs and Woody Vines of Indiana and the Midwest. Purdue Univ., 2012, ISBN 978-1-55753-610-5, S. 26 f, 415.

Einzelnachweise Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck, Band V, Teil 3, Verlag Carl Hanser, München 1966. S. 1654–1656. Dorothy M. Fabijan: Chamaedaphne Linnaeus. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 8: Magnoliophyta: Paeoniaceae to Ericaceae. Oxford University Press, New York und Oxford, 2009, ISBN 978-0-19-534026-6. Chamaedaphne calyculata (Linnaeus) Moench., S. 508 - textgleich online wie gedrucktes Werk.

Weblinks

Datenblatt Chamaedaphne calyculata bei S. J. Meades, D. Schnare, K. Lawrence C. Faulkner: Northern Ontario Plant Database Website, Version 1, Januar 2004. des Algoma University College and Great Lakes Forestry Centre, Sault Ste. Marie, Ontario, Canada. Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).

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