Die Schlacht bei Orscha ereignete sich am 8. September 1514 nahe der Stadt Orscha im heutigen Belarus im Zuge des Russisch-Litauischen Krieges 1512–1522. Die Streitkräfte des Großfürstentums Litauen, durch die Polnisch-Litauische Union mit dem Königreich Polen verbündet, besiegten unter dem Kommando des Großhetmans von Litauen, Fürst Konstantin Iwanowitsch Ostroschski das Heer des Großfürstentums Moskau unter der Führung des Stallmeisters Iwan Tscheljadnin.

Den LitauernDen litauischen Truppen, die sich aus ethnischen Litauern und Ruthenen [Weißrussen, Ukrainer etc.] zusammensetzten und PolenUnter den Polen waren auch tschechische und deutsche Kontingente gelang die Einnahme des russischen Lagers sowie die Gefangennahme vieler russischer Würdenträger und Kommandanten. Trotz des taktischen Sieges blieb die strategische Bedeutung der Schlacht gering, da das Ziel des polnisch-litauischen Feldzugs, die Rückeroberung des einen Monat zuvor an Moskau verloren gegangenen Smolensk, nicht erreicht werden konnte. Im Zuge des polnisch-litauischen Sieges verließ jedoch Kaiser Maximilian I. einseitig die gegen das Königreich Polen gerichtete deutsch-russische Allianz.

Hintergrund

mini|Litauens Expansion nach Südosten im 14. Jahrhundert

Zwischen dem Großfürstentum Litauen und dem Großfürstentum Moskau gab es bereits seit langer Zeit eine ausgeprägte Rivalität, die in zahlreichen Konflikten mündete, die als Russisch-Litauische Kriege bekannt sind. Beide Staaten beanspruchten für sich das Erbe der Kiewer Rus und waren mit dem „Sammeln der russischen Erde“ beschäftigt.Peter Nitsche, Eckhard Hübner: Zwischen Christianisierung und Europäisierung, Stuttgart 1998, S. 91 Litauen hatte zuvor aus der Verwüstung der Rus durch die Mongolen einen Vorteil gezogen und nach und nach den Westen der ehemaligen Rus unter seine Herrschaft gebracht (siehe Schlacht am Irpen). In der Folge bestand der Großteil seiner Einwohner aus orthodoxen Ostslawen, die jedoch von einer zunächst heidnischen baltischen Elite beherrscht wurden, welche bald zum polnischen Katholizismus übertrat. Im freien Teil der Rus erfolgte hingegen eine Konsolidierung rund um das Großfürstentum Moskau, dessen herrschende Rurikiden-Dynastie bald auch russische (ostslawische) Gebiete im Großfürstentum Litauen zurück beanspruchte.Hermann Wiesflecker: Kaiser Maximilian I., Bd. 1, Köln 1971, S. 311–312.

In den vorausgegangenen drei Kriegen zeichnete sich ein Übergewicht Moskaus ab, das sich von der Oberherrschaft der Goldenen Horde befreit hatte. Durch die Niederlage in der Schlacht an der Wedroscha 1503 verlor Litauen de facto ein Drittel seines Staatsgebiets an den Moskauer Großfürsten Iwan III. Die orthodoxen Feudalherren östlich des Dnepr begannen bereits zuvor wegen ihrer Benachteiligung gegenüber den Katholiken und im Besonderen seit der litauischen Niederlage an der Wedroscha massenhaft mit ihren Ländereien überzulaufen und dem Moskauer Großfürsten den Treueeid zu leisten.В.В. Каргалов: Конец ордынского ига. М.: Наука, 1980.

Auseinandersetzungen im Vorfeld der Schlacht

mini|Ein russischer Reiter in der Mitte des 16. Jahrhunderts, zeitgenössischer Stich

Gegen Ende des Jahres 1512 begann ein neuer Krieg zwischen Moskau und Litauen. Unmittelbarer Anlass war die Verhaftung der russischstämmigen litauischen Großfürstin Helena von Moskau in Vilnius, die als Schutzherrin der Orthodoxen in Litauen auftrat und eine Schwester von Wassili III. war. Ein zweiter Grund war der neue Vertrag zwischen Litauen und dem Krimkhanat, nach dem Litauen die Krimtataren für Überfälle auf den Moskauer Staat bezahlte.Nikolai Karamsin: Geschichte des russischen Staates, Band 7, Kapitel 11.

Die Festung Smolensk bildete nach ihrer Eroberung vor rund 100 Jahren den wichtigsten östlichen Vorposten der Jagiellonen. Sie wehrte erste russische Belagerungen zu Beginn der Auseinandersetzungen 1512Laut Philipp Strahl und Ernst Herrmann in Geschichte des russischen Staates, S. 18 …war der Casus belli unter anderem eine geheime Allianz zwischen König Sigismund und Meñli I. Giray, dem Khan der Krim. Laut [Paweł Jasienica: Polska Jagiellonów, 6 Auflage, Warschau 1992, S. 315–316] ließ der Khan nach der Schlacht bei Wiśniowiec 1512, in der eine große Tatarenrazzia durch Ostroschski und Kamieniecki vernichtet wurde [laut Chambers's encyclopaedia, unter Sigismund, S. 715, fanden in der Schlacht bis zu 27.000 Krimtataren und ihre Verbündeten den Tod], gegen polnische Tribute mit dem Titel eines „Upominek“ (wörtlich Andenken, hier als „Geschenk“ gemeint) in Höhe von 15.000 Złoty, das Moskauer Gebiet [Rjasan mit Umland] mit Razzien verheeren [die polnisch-krimtatarische Allianz hielt bis etwa 1519, dann wechselte der Khan erneut die Seiten]. Die erste Belagerung begann etwa im November 1512 [die Autoren erwähnen nicht das genaue Datum, nur dass der Großfürst im Dezember erschien]. Der Großfürst erschien am 19. Dezember persönlich vor Smolensk, sah sich jedoch aufgrund von Überschwemmungen des Dneprs, der die Kommunikation und Zufuhr erschwerte, zum Abzug im März 1513 genötigt und 1513Philipp Carl Strahl, Ernst Herrmann: Geschichte des russischen Staates, Ausg. 3, 1832, S. 18, begann die zweite Belagerung im September des Jahres 1513 und wurde aufgrund des schlechten Herbstwetters bereits nach sechs Wochen abgebrochen erfolgreich ab. 1514 ließ Großfürst Wassili III. ein 42.000 Mann starkes InvasionsheerКром М. М. О численности русского войска в первой половине XVIв. // Российское государство в XIV – XVII вв.: Сборник статей, посвященный 75-летию со дня рождения Ю.Г. Алексеева. — СПб.: 2002. — С. 77. mit bis zu 300 KanonenLaut Stryjkowski, Maciej: Kronika polska, litewska, żmódzka i wszystkiéj Rusi, Bd. 2, S. 377; Jerzy Samuel Bandtkie: Dzieje narodu polskiego, S. 91. unter der Führung der Fürsten Glinski und Schtschenja gegen Smolensk in Marsch setzen. Die Russen begannen am 17. MärzAllgemeine Welthistorie von August Ludwig Schlözer, Bd. 50, 1785, S. 232: 17. März 1514 mit der Belagerung der Stadt, während das Smolensker Umland durch Streifzüge der Nowgoroder Statthalter Schujski und Morosow gebrandschatzt wurde. Großfürst Wassili erschien persönlich im Juli vor Smolensk und ließ die Festung am 29. JuliPhilipp Strahl, Ernst Herrmann: Geschichte des russischen Staates, S. 19. durch seine Artillerie beschießen.

Am 30. Juli 1514 fiel Smolensk schließlich durch den VerratJerzy Samuel Bandtkie: Dzieje narodu polskiego, S. 91; Meyers Konversationslexikon: Glinski, Michael, S. 435; Norman Davies: God's Playground: The origins to 1795, Oxford 2005, S. 114. des Garnisonskommandeurs Juri Solohub.Jerzy Hrycyk, Józef Buszko, Walter Leitsch, Stanisław Dzida: Österreich Polen, S. 35, 1996; Sigmund von Herberstein, Wolfram von den Steinen, Paul König, Walter Leitsch: Das alte Russland, S. 185, 1984; Paweł Jasienica: Polska Jagiellonów, 6 Auflage, Warschau 1992, S. 317: nur Juli Knjas Glinski, ein abgefallener Vasall des polnisch-litauischen Königs mit guten Kontakten nach Litauen, überzeugte Solohub von der Notwendigkeit der Kapitulation. Für den Fall eines militärischen oder diplomatischen Erfolgs bei Smolensk aufgrund Glinskis Initiative versprach ihm der Moskauer Großfürst, sein Handeln mit der Herrschaft über Stadt und Umland in Form eines russischen Erblehens zu entgelten.Allgemeine Welthistorie von August Ludwig Schlözer, Bd. 50, 1785, S. 233; Nach dem Fall von Smolensk, sah sich der Großfürst Wassili hingegen nicht mehr an sein Versprechen gebunden; Maciej Stryjkowski fasst das Verhalten des russischen Oberhaupts indirekt als verräterische Versprechen zusammenSolohub, der anfangs Widerstand gegen die voreilige Übergabe leistete und der Stadtbevölkerung Entsatz durch den polnischen König versprach [Allgemeine Welthistorie von August Ludwig Schlözer, Bd. 50, 1785, S. 233], aber nach Morddrohungen durch die lokalen Würdenträger gegen seine Person den Forderungen der prorussischen Konspiranten nachgegeben hatte, wurde laut [Paweł Jasienica: Polska Jagiellonów, 6 Auflage, Warschau 1992, S. 317] für seine Entscheidung später angeklagt und hingerichtet Einen Tag später hielt der russische Großfürst feierlich Einzug in die eingenommene StadtHermann Aubin: Geschichtliche Landeskunde und Universalgeschichte, 1950, S. 170. und ließ umgehend den einheimischen Adel ins Innere des Moskauer Staates umsiedeln, während auf ihren Ländereien Moskauer Edelleute angesiedelt wurden.Laut Stryjkowski, Maciej: Kronika polska, litewska, żmódzka i wszystkiéj Rusi, Bd. 2, S. 387…gab Großfürst Wassili den (verschleppten) Smolenskern russische Namen, den angesiedelten Russen smolenskische

mini|Eine Darstellung des Moskowitisch-Litauischen Kriegs aus dem Werk Jacob Pisos: Die Schlacht von dem Kunig von Poln und mit dem Moscowiter, 1514

Das Großfürstentum Moskau errang durch die Einnahme der Stadt eine Schlüsselposition am Oberlauf des Dnepr.Paweł Jasienica: Polska Jagiellonów, 6 Auflage, Warschau 1992, S. 317. Die Nachricht über die Niederlage der Polen und Litauer verbreitete sich über ganz Europa.In Rom vermutete man, das Ende des Königreichs Polen wäre angekommen, des Weiteren erwartete man einen Angriff seitens deutscher Staaten (Kaiser Maximilian von Habsburg im Bund mit Hochmeister Albrecht von Hohenzollern) [Paweł Jasienica: Polska Jagiellonów, 6 Auflage, Warschau 1992, S. 317] zur Stützung der moskowitischen Offensive. Am 4. August 1514 ratifizierte Kaiser Maximilian die im Januar 1514 bei Großfürst Wassili von Russland vorgelegte Allianzurkunde, die sich gegen König Sigismund von Polen-Litauen richtete [Maike Sach: Hochmeister und Grossfürst, S. 210, 1. Auflage 2002]. Durch diesen Sieg ermutigt, sandte Großfürst Wassili III. Anfang August mehrere getrennt voneinander operierende Truppenverbände ins Grenzgebiet des Großfürstentums Litauen und zur Einnahme der Städte Krytschau, Mstsislaw und Dubrouna. Ihre Gesamtstärke wird von manchen russischen Forschern auf maximal 12.000 Mann geschätzt.Форум//Studia Slavica et Balcanica Petropolitana 2009 № 1-2. С.120-121.Курбатов О. А. Отклик на статью А. Н. Лобина//Studia Slavica et Balcanica Petropolitana 2009 № 1-2. С.104-119 Ältere Quellen, die sich auf glorifizierende Siegesschriften des polnischen Königs an den Papst berufen, sprechen von einem Invasionsheer von 80.000 Mann.Jerzy Samuel Bandtkie, Dzieje narodu polskiego, S. 91 unter anderem: 80.000 Mann gegen Wilno