Das Fach Naturwissenschaften (auch: NaWi, NW) ist die Konzeption eines fachübergreifenden naturwissenschaftlichen Schulunterrichtes, der die Fächer Biologie, Chemie und Physik vereint.
Einführung des Faches Deutschland und Europa In allen deutschen Bundesländern teilt sich in der Primarstufe das Fach Sachunterricht in einen gesellschaftswissenschaftlichen und einen naturwissenschaftlichen Teil auf. Letzterer enthält bereits die dem Fach Naturwissenschaften zu Grunde liegende Idee.
In den Niederlanden gibt es seit einigen Jahren einen übergreifenden Naturwissenschaftsunterricht in den unteren Klassen. In Frankreich ist ein solcher Unterricht in der letzten Phase in Vorbereitung auf ein literarisch orientiertes Abitur („Bac“) vorgesehen. Dieser Unterricht wird kontrovers gesehen (siehe unten: "Kritik").
Einführung in deutschen Bundesländern An Gesamt-, Gemeinschafts- oder Stadtteilschulen und verbliebenen Haupt- und Realschulen einiger Bundesländer (z. B. Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg oder Berlin) existiert seit den frühen 2000er Jahren ein übergreifender naturwissenschaftlicher Unterricht in der 5. und 6. Klasse, teilweise weitergeführt bis Klasse 10. Dem korrespondiert ein integrierter Unterricht in Gesellschaftslehre.
Das Land Schleswig-Holstein führte 1990 einen neuen didaktischen Ansatz für das an den Gesamtschulen bestehenden Fach Naturwissenschaften ein. Unter der Bezeichnung „Praxis integrierter naturwissenschaftlicher Grundbildung“ (kurz: PING) wurden Bildungsinhalten zum Mensch-Natur-Verhältnis thematisch gegliedert und im Lehrplan festgeschrieben. Seit 2014 liegen Fachanforderungen für das Fach Naturwissenschaften vor.Fachanforderungen Naturwissenschaften, auf sinus-sh.lernnetz.de Sie lösen den Lehrplan ab. In den Gemeinschaftsschulen (Nachfolgebegriff für Hauptschulen und Realschulen) wird in den Jahrgangsstufen 5 bis 7 verpflichtend Naturwissenschaften unterrichtet, in der Jahrgangsstufe 8 bis 10 wahlweise.
Inhalte Die Inhalte werden nach den Jahrgangsstufen aufgeteilt, in denen das Fach unterrichtet werden soll.
Kernlehrplan Naturwissenschaften Der Kernlehrplan Naturwissenschaften (erstellt in NRW, übernommen von SH) beinhaltet den naturwissenschaftlichen Unterricht der Klassen 5 und 6, in denen in NRW üblicherweise zwei Jahre lang Biologie und ein Jahr Physik mit je zwei Wochenstunden am Gymnasium unterrichtet werden. Chemie kommt in diesen Klassen noch nicht vor. Das Curriculum orientiert sich thematisch grob an dieser historisch gewachsenen Struktur.
Neueren schulpolitischen Entwicklungen entsprechend sind nur Themenbereiche und zu erwerbende Kompetenzen, nicht jedoch Einzelthemen én detail vorgegeben. Neben naturwissenschaftlichen Denk- und Arbeitsweisen sollen soziale Kompetenzen erworben werden. Insgesamt ist ein phänomenorientierter Unterricht vorgesehen.
Themenbereiche sind: Struktur und Funktion Veränderung und Entwicklung Strahlung, Bewegung, Kreisläufe, Strömungen Energie Diese Themen beinhalten biologische, physikalische und chemische Aspekte.
Als Rahmenthemen werden vorgesehen: Pflanzen - Tiere - Lebensräume Wahrnehmung mit den Sinnen Mein Körper - Meine Gesundheit Wege in die Welt des Kleinen Geräte und Stoffe im Alltag Sonne, Wetter, Jahreszeiten
Kritik Massive Kritik kommt einerseits vom Philologenverband, andererseits von wissenschaftlichen Fachverbänden, z. B. Deutscher Verein zur Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts.
Die Kritik des Philologenverbandes richtet sich vor allem dagegen, dass der Lehrer quasi fachfremden Unterricht erteilen muss. Eine Lehrkraft für Physik- oder Chemie hat von Biologie in der Regel wenig Ahnung, eine Lehrkraft für Biologie kennt sich in der Physik häufig nicht gut aus. Dies führt zwangsläufig zu Unsicherheiten und zu einem Niveauverlust des Unterrichts. Die GEW teilt diese Kritik überwiegend nicht. Eine weitere Gefahr wird darin gesehen, dass der Fachlehrermangel, insbesondere in Physik, dadurch behoben werden solle, dass dieses Fach mit seinen physikalischen Anteilen nunmehr von anderen Fachlehrern (Biologie, Chemie) erteilt werden soll, um Neueinstellungen von Physiklehrern zu vermeiden oder deren Mangel zu kaschieren.
Aus wissenschaftliche Fachverbänden, wie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (nur Diskussion), kommt Kritik einerseits auf Grund der Befürchtung, "fachfremder" Unterricht habe geringere Qualität, andererseits mit der Begründung, der Unterricht in den Naturwissenschaften erlaube ohnehin kaum einen Überblick über die einzelnen Disziplinen, da in der Oberstufe nur ein bis maximal zwei naturwissenschaftliche Kurse belegt werden können. Durch die Aufweichung der Fachprofile in einem Überblicksfach werde die Sicht auf die Einzeldisziplinen noch unschärfer, was sich negativ auf eine mögliche Studienentscheidung auswirken könne.
Einzelnachweise
Kategorie:Unterrichtsfach