mini|hochkant|Oswald Schäfer, um 1937 Oswald Theodor August Wilhelm Schäfer (* 14. Juni 1908 in Braunschweig; † 9. April 1991 in HamburgSterberegister des Standesamtes Hamburg-Altona Nr. 1198/1991.) war ein deutscher Jurist und SS-Führer. Schäfer war Leiter der Staatspolizeistellen Wesermünde-Bremerhaven, Reichenberg und München sowie Führer des Einsatzkommandos 9 der Einsatzgruppe B.

Leben Vorkriegszeit und Zweiter Weltkrieg Schäfer studierte Rechtswissenschaften in Berlin und promovierte zum Dr. jur. Bereits zum 1. April 1933 trat er in die NSDAP (Mitgliedsnummer 1.772.081)Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/36681049 und SA ein. Mitglied der SA blieb er bis zu seinem Eintritt in die SS (SS-Nummer 272.488) am 1. Januar 1936.

Nach Beendigung seines Studiums war er von 1935 bis August 1937 bei der Gestapo in Berlin Referent von Werner Best im SS-Hauptamt Sicherheitspolizei, bevor er ab dem 1. September 1937 zum Leiter der Staatspolizeistelle Wesermünde (Stapo Wesermünde)–Bremerhaven bestellt wurde. Im Mai 1940 übernahm er im Sudetenland die Stapostelle Reichenberg.

Im Oktober 1941 löste Schäfer, inzwischen im Rang eines SS-Sturmbannführers, SS-Obersturmbannführer Alfred Filbert von der Führung des Einsatzkommandos 9 (EK 9) der Einsatzgruppe B ab. Diese Einheit der Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD war im September 1941 überwiegend mit der Partisanenbekämpfung im Raum Wizebsk beschäftigt gewesen, als ab dem 8. Oktober 1941 mit der „Liquidierung der im Getto [sic] befindlichen Juden“ von Wizebsk begonnen wurde. Nach den Ereignismeldungen (EM) 90 vom 21. September 1941, EM 92 vom 23. September 1941, EM 124 vom 25. Oktober 1941 und EM 148 vom 19. Dezember 1941 wurden „insgesamt 4090 Juden beiderlei Geschlechts erschossen“. Am 21. Oktober 1941 verlegte das EK 9 seinen Standort nach Wjasma und blieb dort bis Mitte Dezember 1941. Ende Februar 1942 übergab Schäfer die Führung des EK 9 an SS-Obersturmbannführer Wilhelm Wiebens.

Vertretungsweise war er vom 20. Dezember 1941 bis Anfang Februar 1942 Inspekteur der Sicherheitspolizei und des SD (IdS) in München.Joachim Lilla: Schaefer, Theodor, in: ders.: Staatsminister, leitende Verwaltungsbeamte und (NS-)Funktionsträger in Bayern 1918 bis 1945 Schäfer wurde durch das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) im März 1942 zum Leiter der Stapoleitstelle München ernanntAndreas Heusler: „ und bekleidete diese Funktion bis 1945. Während dieser Zeit war er zeitweise Vorgesetzter von Kriminalsekretär Robert Mohr, der im Februar 1943 Sophie Scholl in der Münchener Gestapozentrale vernahm. Schäfer war in den Tagen vom 18. bis zum 20. Februar 1943 sowohl in die Vernehmung von Sophie Scholl als auch in die ihres Bruders Hans Scholl indirekt involviert. Anfang September 1942 wurde er zum SS-Obersturmbannführer befördert. Zudem war er Kriminal- und Oberregierungsrat.Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 524.

Nach dem Krieg Nach Kriegsende lebte Oswald Schäfer in Limburg an der Lahn und Hamburg, wo er als kaufmännischer Angestellter tätig war. Gegen ihn sowie Richard Lebküchner, den ehemaligen Leiter des Referats II E (Allgemeiner Arbeitseinsatz) der Stapoleitstelle München, wurde in den 1950er Jahren ein Ermittlungs- und Strafrechtsverfahren wegen Beihilfe zum Totschlag vor dem Landgericht München I eingeleitet. Verfahrensgegenstand war ein Antrag an das RSHA, mindestens 20 von der Gestapo München wegen verschiedener Straftaten festgenommener Ostarbeiter „sonderzubehandeln“ sowie die Veranlassung der Exekution nach der Entscheidung des RSHA und die Misshandlung von mindestens 60 bis 70 Ostarbeitern durch die Anordnung der „Kurzbehandlung“, wobei Prügelstrafen bis zu 75 Stockhieben verhängt wurden. Beiden Angeklagten konnten die Vorwürfe jedoch nicht mit ausreichender Sicherheit nachgewiesen werden, so dass es zum Freispruch kam.Andreas Eichmüller: Keine Generalamnestie: Die Strafverfolgung von NS-Verbrechen in der frühen Bundesrepublik. In: Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte (= Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte. Band 93). De Gruyter, 2012, ISBN 978-3486704129, S. 17–23. () Der Revisionsantrag der Staatsanwaltschaft wurde vom Bundesgerichtshof zurückgewiesen. Im Entnazifizierungsverfahren wurde Schäfer als „Hauptschuldiger“ eingestuft. Der ehemalige Münchner Gestapo-Personalchef Werner Best, der als Jurist ohne Anwaltszulassung in der Kanzlei von Ernst Achenbach arbeitete, vermittelte Schäfer eine Anstellung als Manager.

Oswald Schäfer starb am 9. April 1991 in Hamburg.

Die Schwester des Verstorbenen, Lisette Schäfer, wurde am 8. August 2001 im Genueser Stadtteil Sanremo erdrosselt aufgefunden.Corriere della Sera 17. August 2001, S. 14 Polizeiliche Ermittlungen förderten beträchtliche Werte in Bargeld, Schmuck und Immobilien sowie Dutzende von Offshore-Konten zu Tage. Einige Bankkonten fanden sich in Italien, die meisten im französischen Menton. Der stellvertretende Staatsanwalt Franc Pescetto schätzte, dass der Wert des Vermögens mit Sicherheit eine Milliarde italienische Lira überstieg.

Literatur Marcel Mettig: Der Münchner Gestapochef Oswald Schäfer in Marita Krauss: Rechte Karrieren in München. Von der Weimarer Zeit bis in die Nachkriegsjahre. Volk Verlag München, 2010, ISBN 978-3-937200-53-8. LG München I, 30. September 1954. In: Justiz und NS-Verbrechen. Sammlung deutscher Strafurteile wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen 1945–1966, Bd. XII, bearbeitet von Adelheid L Rüter-Ehlermann, H. H. Fuchs und C. F. Rüter. Amsterdam : University Press, 1974, Nr. 404, S. 603–633.

Laura Eckl: "Der Nero von München wurde freigesprochen." Öffentliche Reaktionen auf den Prozess gegen die ehemaligen Münchner Gestapoleiter Oswald Schäfer und Richard Lebküchner 1950. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, Bd. 84 (2021), Heft 1, S. 239–275.

Weblinks Joachim Lilla: Schaefer, Theodor, in: ders.: Staatsminister, leitende Verwaltungsbeamte und (NS-)Funktionsträger in Bayern 1918 bis 1945, URL: <http://verwaltungshandbuch.bayerische-landesbibliothek-online.de/schaefer-theodor>

Einzelnachweise

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