mini|Thomas Heilmann (2023) Thomas Heilmann (* 16. Juli 1964 in Dortmund) ist ein deutscher Politiker (CDU) und Unternehmer. Er war von 2017 bis 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 2012 bis 2016 war er Senator für Justiz und Verbraucherschutz des Landes Berlin. Zudem war er von November 2021 bis Anfang 2025 Vorsitzender der Landesgruppe der Berliner CDU-Bundestagsabgeordneten.
Leben Ausbildung und Beruf Heilmann arbeitete während seines von der Studienstiftung des deutschen Volkes geförderten Jurastudiums (1985–1989) in Bonn und während seines juristischen Referendariats in München (1990–1993) als freier Journalist, unter anderem für die FAZ und die Tagesthemen. Praktikumsstationen während der Studienzeit waren die Unternehmensberatung McKinsey in München und die Marketingabteilung der Lufthansa in New York. Nach der Wende (1990) bewarb er sich mit Partnern erfolgreich um eine Radio-Sendelizenz. Daraus entstand Antenne Sachsen. Seine Anteile an dem Sender verkaufte er 1993 und erwarb damit das Startkapital für weitere Gründungen. 1990 gründete er mit Sebastian Turner und Olaf Schumann die Werbeagentur Delta-Design, die 1991 in Scholz & Friends aufging. Er absolvierte einen Studienaufenthalt in Harvard und legte 1993 sein zweites Staatsexamen ab.
Über zehn Jahre lang war er geschäftsführender Gesellschafter der Berliner Niederlassung von Scholz & Friends; von 2001 bis 2008 war er gemeinsam mit dem Chef der Agentur, Sebastian Turner, Vorstandsvorsitzender der gesamten europäischen Agenturgruppe. Von April 2008 bis September 2010 gehörte er dem Aufsichtsrat Commarco, der Holding von Scholz & Friends, an.Heilmann nicht mehr Commarco-Aufsichtsrat. In: meedia.de, 27. September 2010.
Daneben wirkt er in vier weiteren Unternehmensgruppen in den Bereichen Medien, Unternehmensbeteiligungen, Internet und Immobilien als Gesellschafter und Aufsichtsrat. Er hat seit 1991 mehrere Unternehmen in verschiedenen Branchen mitgegründet oder deren Aufbau mitfinanziert. Dazu gehören neben Antenne Sachsen auch XING, MyToys.de, Pixelpark und der Energiebroker Ampere AG. Zudem war er bis Ende 2010 Gesellschafter von Facebook.Zeitung: Facebook-Gesellschafter Heilmann steigt aus. dts Nachrichtenagentur, 3. Januar 2011, abgerufen am 4. Januar 2011. Seine Anteile verkaufte er, nachdem sich der Wert verzehnfacht hatte.
Heilmann saß vor seiner Ernennung zum Justizsenator in verschiedenen Aufsichtsräten, Beiräten und Vorständen, darunter den Berliner Wasserbetrieben, dem Kulturkreis der Deutschen Wirtschaft im BDI, dem sozialen Internetnetzwerk betterplace.org, dem Medienboard Berlin-Brandenburg und des PR-Dienstleisters Cision.
1998 nahm er an der Universität der Künste Berlin einen Lehrauftrag wahr.
1999 gründete Heilmann zusammen mit Bernd Hardes, Dirk Buddensiek und Sebastian Turner die als Incubator gestartete Beteiligungsholding Econa AG.Alles im Kasten. In: manager-magazin, 26. November 1999.
Zwischen 2008 und 2011 war Heilmann maßgeblich an der Entwicklung des Hackeschen Quartiers, eines Viertels um den neu entstandenen Litfaßplatz in der historischen Mitte Berlins, beteiligt.Was das Hackesche Quartier so besonders macht. In: morgenpost.de.
Der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) nannte ihn 2010 „einen der erfolgreichsten Unternehmer und Gründer des Nachwende-Berlins“.VBKI Spiegel, Nr. 220, IV 2010, S. 6.
Politische Laufbahn mini|Thomas Heilmann (2020)
In die CDU trat er mit 16 ein. In den 1980er Jahren war er Mitglied des Bonner Friedensforums. Ab Juni 2000 war er Internetbeauftragter der CDU Deutschlands.CDU-Bundesvorstand setzt Internetbeauftragten ein. In: spiegel.de. Im März 2009 wurde Thomas Heilmann zum stellvertretenden Vorsitzenden des Berliner Landesverbandes gewählt und gestaltete das Wahlprogramm mit.Landesvorstand der CDU Berlin„BerlinVision21“: CDU will an den Bürger ran. In: Berliner Zeitung. Im Mai 2013 wurde er Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Steglitz-Zehlendorf. Er gewann als Außenseiter gegen Karl-Georg Wellmann mit 85 % der Stimmen.Heilmann führt CDU-Kreisverband Steglitz-Zehlendorf. In: Berliner Zeitung, 13. Mai 2013.Sabine Rennefanz: CDU Steglitz-Zehlendorf: Fremde Schlangen. In: Berliner Zeitung, 24. Januar 2013.
Am 12. Januar 2012 wurde Heilmann zum Nachfolger des 2011 nach elf Tagen zurückgetretenen Berliner Senators für Justiz und Verbraucherschutz, Michael Braun, gewählt.Braun-Nachfolger: Überraschendes Comeback. In: Berliner Zeitung, 3. Januar 2012. Heilmanns Amtsführung wurde von der Opposition und von Medien positiv beurteilt.Justiz kann auch ganz nett sein. In: tagesspiegel.de; siehe auch: berliner-kurier.de (Bestnote 1 für Heilmann), bz-berlin.de
Nachdem er von 2012 bis 2016 Senator für Justiz gewesen war, verpasste er bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 2016 den Einzug ins Parlament. Einerseits unterlag er im Wahlkreis Steglitz-Zehlendorf 2 bei der Wahl um das Direktmandat, andererseits verpasste er aufgrund des im Vergleich zu 2011 um 10,6 gesunkenen Zweitstimmenanteils der von ihm geführten CDU den Einzug über die Bezirksliste. Durch die neue Koalition ohne CDU schied er als Senator aus.
Für die Bundestagswahl 2017 kandidierte Heilmann bei den parteiinternen Abstimmungen um die CDU-Kandidaten im Bundestagswahlkreis Berlin-Steglitz-Zehlendorf gegen Karl-Georg Wellmann. Nachdem durch den Tagesspiegel Vorwürfe wegen Fälschung von Wahlscheinen gegen Wellmann bekannt geworden war, setzte Thomas Heilmann sich gegen ihn durch. Bei der Bundestagswahl am 24. September 2017 wurde er mit 35,4 % der Erststimmen in den 19. Deutschen Bundestag gewählt.Bundestagswahl 2017. Wahlkreis 079: Berlin-Steglitz-Zehlendorf. Endgültiges Ergebnis. Der Bundeswahlleiter; abgerufen am 25. März 2018.
Im 19. Deutschen Bundestag war Heilmann ordentliches Mitglied im Ausschuss Digitale Agenda sowie im Ausschuss für Arbeit und Soziales. Zudem gehörte er als stellvertretendes Mitglied dem Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, dem Wahlausschuss und der Enquete-Kommission „Berufliche Bildung“ an. Im Laufe der Legislatur wurde er Mitglied einer Projektgruppe „Zukunft und Innovation“ seiner Fraktion, in der er zusammen mit der Abgeordneten Nadine Schön das Projekt NEUSTAAT initiierte und im gleichnamigen Buch eine Reihe an Vorschlägen für die Modernisierung des Staates machte. Das Buch erreichte Platz 23 der Spiegel-Bestseller-Liste und erhielt mehrere positive Rezensionen. Teile seiner Ideen wurden in das Wahlprogramm der CDU übernommen.
Im Dezember 2017 schied er aus dem Landesvorstand der Berliner CDU aus.
In der COVID-19-Pandemie meldete er einen Wahlkampfbus als Testzentrum an. Die Senatsverwaltung entzog ihm die Lizenz mit der Begründung, dass öffentlich finanzierte Testungen in einem für Wahlkampfzwecke eingesetzten Bus rechtswidrig seien. Die Gesundheitssenatorin Kalayci nannte es einen skandalösen Missbrauch.
Bei der Bundestagswahl 2021 trat er erneut im Wahlkreis Berlin-Steglitz-Zehlendorf an und gewann mit 28,0 % der Erststimmen erneut das Direktmandat für den 20. Deutschen Bundestag.
Am 10. November 2021 wurde er als Nachfolger von Jan-Marco Luczak zum Vorsitzenden der Landesgruppe der Berliner CDU-Bundestagsabgeordneten gewählt.
Im Februar 2022 wurde er als Nachfolger von Heinrich Strößenreuther zum Vorsitzenden der CDU-nahen KlimaUnion gewählt.
Bei der Bundestagswahl 2025 trat Heilmann nicht erneut an. Nach dem Rücktritt der Berliner Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson im April 2026 galt er kurzzeitig als Favorit für die Nachfolge.
Ehrenamtliches Engagement 2009 wurde Heilmann in den Vorstand von Save the Children Deutschland berufen und 2010 zum Vorsitzenden gewählt. Seit 2016 gehört er als erster Deutscher Non-Executive Director dem Weltvorstand von Save the Children International an.
Familie Heilmann wuchs in Dortmund auf und absolvierte sein Abitur am dortigen Stadtgymnasium. Sein Vater war der Philosophieprofessor Wolfgang Heilmann, seine Mutter Hausfrau. Er ist das fünfte von sechs Kindern.
Er lebt mit seiner Lebensgefährtin in Berlin-Dahlem. Gemeinsam hat das Paar vier Söhne.
Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht Am 5. Juli 2023 beschloss das Bundesverfassungsgericht, einem Eilantrag von Heilmann gegen die Gestaltung des Gesetzgebungsverfahrens zur Änderung des Gebäudeenergiegesetzes (sogenanntes Heizungsgesetz) stattzugeben und dem Bundestag aufzugeben, die zweite und dritte Lesung nicht innerhalb der laufenden Sitzungswoche durchzuführen.BVerfG, Beschluss vom 5. Juli 2023 – 2 BvE 4/23 – dejure.org. In Die Spitzen der Koalitionsfraktionen teilten mit, es werde keine Sondersitzung in der Sommerpause geben und die Verabschiedung des Gesetzes werde auf Anfang September verschoben. In der endgültigen Entscheidung wurde der Antrag im Organklageverfahren im Juli 2026 als unzulässig verworfen, weil Hellmann nicht ausreichend dargelegt habe, in seinen Rechten verletzt worden zu sein.BVerfG, Urteil vom 23. Juli 2026 – 2 BvE 4/23 –, bundesverfassungsgericht.de.
Politische Positionen Cannabiskonsum mini|Rede bei der Kundgebung Fridays for Israel, FU Berlin (2023) Im Jahr 2012 forcierte Heilmann zusammen mit CDU-Senatskollegen Mario Czaja (Gesundheit) und Frank Henkel (Inneres) eine Initiative, in Berlin den straffreien Eigenbedarf von Cannabis von 15 auf 6 Gramm zu senken.Gras-Breitseite gegen Kiffer. In: taz, 22. Mai 2012; abgerufen am 4. Juni 2012.
Heilmann befürwortete 2021 eine begrenzte Legalisierung von Cannabis. Er sagte, die damalige Situation (Konsum für Erwachsene erlaubt, der Verkauf aber illegal) entfalte „keine ausreichende Wirkung“; sie sei „unglaubwürdig und zu Recht angegriffen“. Heilmann plädiert für eine günstige Abgabe von kleinen Mengen in Apotheken bei strengen Warnhinweisen auf der Packung. Dafür allerdings sollte sich vorher international abgestimmt werden.
Klimapolitik Heilmann und andere Abgeordnete formulierten vor der Bundestagswahl 2021 unter der Überschrift Grüne Null Ansätze, wie eine Politik zur Erreichung von Klimaneutralität aussehen kann. Sie forderten einen höheren CO2-Preis, die Vervielfachung von erneuerbaren Energien in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren für Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien wie Photovoltaik- und Windkraftanlagen sowie die drastische Reduzierung von Bürokratie.
Beschneidungsdebatte
Heilmann war 2012 Justizsenator in Berlin im Senat Wowereit IV.Fatina Keilani: Beschneidung: Heilmann und der Berliner Weg. In: tagesspiegel.de, 5. September 2012. Nachdem das Landgericht Köln im Juni religiös motivierte Beschneidungen für rechtswidrig erklärt hatte, forderte Heilmann Anfang September 2012 eine bundesgesetzliche Regelung.Beschneidung bleibt in Berlin straffrei. In: tagesspiegel.de, 5. September 2012.
Digitalisierung Im Ausschuss für Digitales des Bundestages kümmert Heilmann sich um Themen wie die Digitalisierung der Verwaltung, die Förderung von technischen Standards in der Verwaltung und der Wirtschaft, die Stärkung von Datensouveränität und die verstärkte Nutzung von öffentlichen Daten. Er ist gegen Datensparsamkeit auf staatlicher Seite gegenüber der Bevölkerung, für Videoüberwachung und für die Vorratsdatenspeicherung.
Bekämpfung organisierter Kriminalität