Sarn ist eine Fraktion der Gemeinde Cazis im Kanton Graubünden, Schweiz.
Bis Ende 2009 bildete sie eine eigenständige politische Gemeinde. Auf den 1. Januar 2010 fusionierten die Gemeinden Cazis, Portein, Präz, Sarn und Tartar zur neuen Gemeinde Cazis.
Geographie Das Haufendorf Sarn liegt in der Mitte der Region Heinzenberg und wird im Westen von einer Bergkette zwischen Tguma (2163 m ü. M.) und der Präzer Höhe (2120 m) begrenzt. Zur Gemeinde gehört die grossflächige Alp da Sarn, ein Gebiet mit etlichen Maiensässen. Vom gesamten Gemeindegebiet von 760 ha sind daher 600 ha landwirtschaftlich nutzbar. 115 ha sind von Wald und Gehölz bedeckt. Vom Rest sind 24 ha Siedlungsfläche und 21 ha unproduktive Fläche, meist Gebirge.
Geschichte mini|links|Kuhweide vor dem Dorf Sarn mini|links|Blick auf Sarn mini|280px|Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 2010 In Sarn wurden Münzen aus der Römerzeit gefunden. 1156 wurde der Ort als Sarn erstmals erwähnt. Mitte des 12. Jahrhunderts ist ein Grosshof des Klosters Cazis mit fünf Huben belegt. 1257 besass das Kloster Churwalden Güter in Sarn. Landesherren waren bis 1337 die Vazer, dann die Werdenberger sowie die Rhäzünser, ab 1475 der Churer Bischof. Kirchlich gehörte Sarn zur Grosspfarrei Hochrialt mit der Kirche St. Johann Baptista auf Hohenrätien, nach 1505 zu Portein. Nach der Reformation 1530 bis 1540 bildete es eine Pfarrgemeinschaft mit Tartar und Portein. Die neu erbaute Kirche wird 1686 erstmals erwähnt.
Sarn war bis 1851 Nachbarschaft und Landsgemeindeort der Gerichtsgemeinde Heinzenberg und gehörte bis 2001 zum gleichnamigen Bezirk. 1709 erfolgte der Auskauf der letzten bischöflichen Rechte. Die Fahrstrasse wurde 1893/1894 gebaut. Sarn ist bekannt für eine vorzügliche Viehzucht. Nach 1976 entstand die Ferienhaussiedlung Lescha oberhalb des Dorfs mit zwei Skiliften. 2005 stellte der erste Sektor noch rund 70 Prozent der Arbeitsplätze, zum Teil in Kombination mit Nebenverdienst im Tourismus.
Wappen
Bevölkerung + Bevölkerungsentwicklung Jahr 1850 1900 1950 1980 1990 2000 2005 2009 Einwohner 259 150 168 129 148 159 141 141
Sprachen Ursprünglich sprachen die Bewohner Sutselvisch, eine bündnerromanische Mundart. Bereits im 19. Jahrhundert begann der Sprachwechsel. Dieser erfolgte in der Zwischenkriegszeit. Gaben 1880 noch 62 % und 1910 noch 58 % Romanisch als Muttersprache an, war dieser Wert bis 1941 auf 32 % gesunken. Bis 1980 behauptete sich eine schrumpfende romanische Minderheit. Seither ist das Dorf einsprachig, Deutsch ist die einzige Behördensprache. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zeigt folgende Tabelle:
+ Sprachen in Sarn Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000 Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl AnteilDeutsch 115 89,15 % 144 97,30 % 155 97,48 %Rätoromanisch 11 8,53 % 4 2,70 % 0 0,00 %Italienisch 3 2,33 % 0 0,00 % 3 1,94 %Einwohner 129 100 % 148 100 % 159 100 %
Herkunft und Nationalität Von den Ende 2005 141 Bewohnern sind 138 Schweizer Staatsangehörige.
Sehenswürdigkeiten mini|x230px|Reformierte Kirche
Unter Denkmalschutz steht die reformierte Dorfkirche.
Persönlichkeiten Nina Camenisch (1826–1912), Dichterin
Literatur Die Gemeinden des Kantons Graubünden. Chur/Zürich 2003, ISBN 3-7253-0741-5. Mathias Kundert: Der Sprachwechsel im Domleschg und am Heinzenberg (19./20. Jahrhundert). Kommissionsverlag Desertina, Chur 2007, ISBN 978-3-85637-340-5. Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden III. Die Talschaften Räzünser Boden, Domleschg, Heinzenberg, Oberhalbstein, Ober- und Unterengadin. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 11). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1940. .
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Domleschg Kategorie:Ehemalige politische Gemeinde in der Schweiz Kategorie:Ortsbild von nationaler Bedeutung im Kanton Graubünden Kategorie:Geographie (Cazis) Kategorie:Gemeindeauflösung 2009