Oberbiel [mundartlich: O:wn'bejl ] ist ein Stadtteil der Stadt Solms im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis. Es liegt rechts der Lahn und war Sitz des Rittergeschlechts von Biel.

Geographische Lage mini|Blick auf alten Ortskern und Knottenberg (am Horizont: Schloss Braunfels) Oberbiel liegt am südöstlichen Rand des Westerwalds, im Lahn-Dill-Gebiet in Mittelhessen an der Lahn, kurz nach der Mündung der Dill. Hauptstraße der Ortschaft ist die Wetzlarer Straße, die in Richtung Wetzlar in die Altenberger Straße übergeht. (Die Wetzlarer Straße hieß früher „Weilburger Straße“, was in dieser Konstellation auch geographisch logischer erscheint. Ursache für die Umbenennung war hier, wie auch in anderen Fällen, der Zusammenschluss mit den Nachbargemeinden zur späteren Stadt Solms, wo verschiedene Straßennamen nun mehrfach vorkamen.) Die östliche Hälfte des Ortes wird durch den Knottenberg, einen schmalen, teils bewaldeten Bergrücken geteilt. Im Westen zieht sich seit den 1990er Jahren das neue Wohngebiet "Am Küppel" (im lokalen Dialekt verbreitet auch "Kippel") den Hügel hinauf. Nachbarorte Oberbiels sind Niederbiel (lahnabwärts), die Kreisstadt Wetzlar (lahnaufwärts) sowie Albshausen (in südöstlicher Richtung, am gegenüberliegenden Lahnufer). Die Gemarkung Oberbiel erstreckt sich auf 545 ha, wovon 222 ha bewaldet sind. Durch den Wald und den alten Ortskern im östlichen Teil fließt auf einer gut 6 km langen Strecke der Oberbieler Grundbach, der unmittelbar südlich der Ortschaft in die Lahn mündet. Wirtschaftliche Nutzung erfuhr der Bach bis Ende des 19. Jahrhunderts durch den Betrieb zweier Mühlen, der Oberen und der Unteren Grundmühle in der heutigen Grundstraße. An seinem Oberlauf, an der Grenze zur Gemarkung Berghausen und unweit des Besucherbergwerks Grube Fortuna liegt das reizvolle Dernbachtal. (Der Name geht zurück auf einen Hof Dernbach, der sich dort, wohl zusammen mit einer kleinen Siedlung, in der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg befand, hat also nichts mit dem durchfließenden Gewässer zu tun.) Ein weiterer Bach, der ebenfalls unmittelbar in die Lahn mündet, fließt im westlichen Teil des Ortes und markierte dort vor der Erschließung der neuen Wohn- und Gewerbeflächen lange die Grenze der Bebauung. Der Gaisbach ("Gänsebach"), wie er vom Volksmund aufgrund der früher dort weidenden Tiere getauft wurde, ist kaum 1.000 Meter lang und führte in jüngster Zeit nur unregelmäßig Wasser. Bis in die 1980er Jahre dagegen war an ihm ein Feuerlöschteich angestaut.

Das östlich von Oberbiel über der Lahn gelegene ehemalige Kloster Altenberg stellt eine eigene Gemarkung mit 561 ha dar, wovon 389 ha bewaldet sind. Wichtigstes Fließgewässer der Gemarkung ist neben der Lahn der etwa 2,5 km lange Bornkister Seifen (oder schlicht „Altenberger Bach“), der noch heute zwei Fischteiche unterhalb der Klosteranlage speist und auch zur aktiven Zeit des Klosters für die Fischzucht genutzt wurde. Seine Mündung in die Lahn befindet sich ca. 2 km flussaufwärts von der des Oberbieler Grundbachs.

Zusammen bilden die Gemarkungen Oberbiel und Altenberg mit 11,06 km² den flächenmäßig größten Stadtteil der Stadt Solms.

Geschichte mini|Evangelische Kirche

Die sogenannte Bieler Mark („Biela Marca“), auf deren Gebiet die Solmser Stadtteile Oberbiel und Niederbiel liegen, wurde zum ersten Mal 802 in einem Besitzregister und im Lorscher Codex erwähnt.

1803 wurde das Kloster Altenberg einer Säkularisation unterzogen und den Fürsten zu Solms-Braunfels als Entschädigung für verlorene Besitztümer in Elsaß-Lothringen gegeben. Die Klosterkirche wurde von nun an unter fürstlichem Patronat von der evangelischen Kirchengemeinde Oberbiel genutzt.

Rittergeschlecht Biel Im heutigen Burgweg befand sich früher die Bieler Burg, der Stammsitz des Rittergeschlechts von Biel, das über die Ortschaften Ober-, Mittel- und Niederbiel herrschte, ehe die Erbin des letzten Ritters im 13. Jahrhundert in das Kloster Altenberg eintrat und das Rittergeschlecht somit ausstarb. Die Ortschaft Mittelbiel ging im Mittelalter an der Pest zu Grunde. Da die Einwohner von Niederbiel die letzten Bewohner von Mittelbiel aufnahmen, wurde das Land um Mittelbiel der Ortschaft Niederbiel zugesprochen. Mittelbiel dürfte zwischen dem Oberbieler Neubaugebiet Am Küppel und der heutigen Ortschaft Niederbiel gelegen haben.

Hessische Gebietsreform Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten die bis dahin eigenständigen Gemeinden Albshausen und Oberbiel freiwillig zur neuen Gemeinde Bielhausen. Am 1. Januar 1977 folgte kraft Landesgesetz der Zusammenschluss mit Niederbiel und Solms zur neuen Großgemeinde Solms, die am 11. April 1978 die Stadtrechte erhielt. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Oberbiel angehört(e):

vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Solms-Braunfels, Anteil der Grafschaft Solms, Amt Leun ab 1806: Herzogtum Nassau, Amt Braunfels1815: Abtrennung der Justiz (standesherrliches Justizamt Braunfels). ab 1816: Königreich Preußen, Provinz Großherzogtum Niederrhein, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Braunfels ab 1822: Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar1849: Endgültige Trennung zwischen Justiz (Kreisgericht Wetzlar) und Verwaltung. ab 1866: Norddeutscher Bund, Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Kreis Wetzlar ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Wetzlar. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Solms ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Solms

mini|Im Dernbachtal

Einwohnerentwicklung

Historische Religionszugehörigkeit  Quelle: Historisches Ortslexikon • 1934: 460 evangelische, 14 katholische Einwohner • 1961: 1735 evangelische (= 78,54 %), 429 katholische (= 19,42 %) Einwohner

Kultur und Sehenswürdigkeiten Vereine Der Verein mit den meisten Mitgliedern im Ort ist die Sportgemeinschaft SG 08 Oberbiel. Darüber hinaus gibt es einen Männergesangverein von 1875 (heute mit Gemischtem Chor), einen Schützenverein von 1883, den Verein Kloster Altenberg e. V., die Burschenschaft „Germania“ e. V. und zahlreiche gemeinnützige Vereine. Im Jahr 2016 erfolgte die Gründung des Heimat- und Kulturvereins Biela Marca e. V.

Ortschronik Eine umfangreiche, 216 Seiten umfassende Darstellung seiner Geschichte verdankt Oberbiel dem aus dem Ort stammenden Heimatforscher Friedrich Wieber. Der pensionierte Schulrektor veröffentlichte seine Heimatschrift, in die er neben historischer Forschung auch zahlreiche Aspekte aus eigenem Erleben mit einfließen lassen konnte, anlässlich der Einweihung des bis heute genutzten Schul- und Turnhallenkomplexes am 17. August 1957 (Siehe weiter unten unter „Literatur“). mini|Ortsansicht 1950er Jahre

Sammlung historischer Fotografien Auf Initiative der Jahrgangsvereinigung 1938 Oberbiel entstand zwischen 2007 und 2010 unter Federführung von Dr. Hans Rink ein Bildband mit dem Titel Das alte Oberbiel – Erinnerungen in Bildern. Das Projekt wurde von zahlreichen Einwohnerinnen und Einwohnern unterstützt und bietet auf rund 380 Seiten eine umfangreiche, für Oberbiel einmalige Sammlung historischer Fotografien nebst Erläuterungen und Hintergrundinformationen. Als Beispiel siehe nebenstehende Ansicht der Ortsmitte aus den 1950er Jahren mit dem damals noch existierenden alten Friedhof rund um die Kirche, dem später abgerissenen Backhaus (im Bild nur das Dachgeschoss) sowie im Vordergrund links dem Schulhaus von 1852, das zum Zeitpunkt der Aufnahme wohl noch für den Unterricht genutzt wurde (Zu den Schulgebäuden siehe den folgenden Abschnitt).

Bauwerke Kulturdenkmäler

mini|Alte Schule (erbaut 1901) – Früherer Zustand mini|Ehemalige Schule (erbaut 1852) Die Alte Schule Oberbiels besteht aus zwei Gebäuden in der Wetzlarer Straße: Dem 1852 erbauten Schulhaus (Hausnummer 24) und dem jüngeren, 1901 entstandenen Bau (Hausnummer 40), für den sich aufgrund seiner exponierten Lage, des größeren Schulgeländes sowie der oberhalb vorbeiführenden Schulgartenstraße die Bezeichnung „Alte Schule“ durchgesetzt hat. Folgerichtig trägt auch die in unmittelbarer Nähe gelegene Bushaltestelle diesen Namen. Das ältere Gebäude, in der Liste der Kulturdenkmäler in Solms als „Ehemalige Schule“ bezeichnet, bleibt vielen dagegen als Ärztehaus („Dokternhaus“) in Erinnerung, da es später über Jahrzehnte sowohl eine Arzt- als auch eine Zahnarztpraxis beherbergte. Die schulische Nutzung beider Häuser hatte mit Fertigstellung der heutigen Schule im Jahr 1957 ihr Ende gefunden. Mittlerweile befinden sie sich in Privatbesitz.

Kloster Altenberg mini|Kloster Altenberg Etwas abseits gelegen, etwa auf halbem Weg nach Wetzlar, befindet sich das ehemalige Prämonstratenserinnen-Kloster Altenberg, heute Sitz des Königsberger Mutterhauses der Barmherzigkeit, Eigentum der Grafen von Oppersdorff-Solms-Braunfels und Aufführungsort von Konzerten.

Grube Fortuna Seit 1987 ist das 1983 stillgelegte Eisenerzbergwerk Grube Fortuna für Besucher geöffnet. Dem Besucherbergwerk im Waldgebiet, nördlich von Oberbiel, ist das Feld- und Grubenbahnmuseum Fortuna (FGF) angeschlossen. Dort befindet sich auch eine Gaststätte.

Schlagkatz Das ehemalige Tagebaugelände liegt an der Gemarkungsgrenze Oberbiel/Altenberg. Ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde hier Brauneisenstein abgebaut. Der Grubenbetrieb endete 1921. In den 1960er Jahren begann man das brachliegende Gelände zu begrünen, es folgte die Umwandlung in ein Naherholungsgebiet. Um 1980 wurde auf dem im geschützten Kessel entstandenen Grillplatz eine Blockhütte für Veranstaltungen errichtet. An den bewaldeten Hängen ringsum erinnern verschiedene Felsformationen an die einstige bergbauliche Nutzung.

Steinerne Bank Die aus Basaltblöcken errichtete Raststelle befindet sich auf einer Hügelkuppe in der nordwestlichen Waldflur Zipfel/Zipfen („Zeppe“) und markiert einen der höchsten Punkte der Gemarkung Oberbiel (319 m ü. NHN; im Vgl. Ortsmitte/Ehemalige Schule: 149 m ü. NHN). Das kleine Areal („Steinkreis“, max. 7 × 4 m) diente möglicherweise ursprünglich als Jagdposten und präsentiert sich heute als abgeschiedenes Wanderziel. Die genaue Entstehungszeit ist nicht belegt, aber bereits in Friedrich Wiebers Heimatschrift von 1957 heißt es dazu: Auf der steinernen Bank im „Zipfel“ magst du darüber nachdenken, warum hier wirklich ein Zipfel entstehen konnte zwischen den Gemarkungen Leun, Ehringshausen […] und Altenberg, also auch eine „Dreiländerecke“ in deiner Heimat […].

Kulinarisches Eine Oberbieler Spezialität, die es so oder so ähnlich freilich auch andernorts gegeben haben mag, ist der "Buhneweck", ein Brötchen bestrichen mit Leberwurst und garniert mit gekochten grünen Bohnen – eine Kreation, entstanden in einem durch die kleinbäuerliche Selbstversorgung mit Hausschlachtungen und Gemüseanbau geprägten Umfeld.

Persönlichkeiten