Eintracht Frankfurt (früher und umgangssprachlich z. T. immer noch in Gebrauch: Frankfurter Sportgemeinde Eintracht, kurz SGE) ist ein 1899 gegründeter, eingetragener Sportverein aus Frankfurt am Main.
Mit ihrer Fußballabteilung war die Eintracht 1963 Gründungsmitglied der Bundesliga. Sie gilt als einer der großen Traditionsvereine im deutschen Fußball und belegt nach bisher 57 Spielzeiten in der Bundesliga Platz 7 der Ewigen Tabelle. Zwischen 1996 und 2012 spielte sie bei vier Abstiegen und vier Aufstiegen insgesamt sechs Saisons in der 2. Bundesliga. Zu den größten Erfolgen des Vereins gehören die Deutsche Meisterschaft 1959, fünf DFB-Pokalsiege (1974, 1975, 1981, 1988 und 2018) sowie der Gewinn des UEFA-Pokals 1980 und der UEFA Europa League 2022. Zudem erreichte die Eintracht als erster deutscher Verein das Finale des Europapokals der Landesmeister 1960.
Der Verein unterhält 20 Abteilungen für verschiedene Sportarten. Die Vereinsfarben sind Rot, Schwarz und Weiß, das Vereinswappen ist der Frankfurter Adler, die Spielkleidung ist traditionell schwarz-rot oder schwarz-weiß. Die Fußballprofis tragen ihre Heimspiele im Deutsche Bank Park (ursprünglich Waldstadion, zeitweilig Commerzbank-Arena) im Stadtteil Sachsenhausen aus. In der Nähe des Stadions liegt auch der 2021 eröffnete Club-Neubau, das so genannte ProfiCamp, in dem die Büros der Mitarbeiter der Profi-AG sowie moderne Infrastruktureinrichtungen für die Profis erstmals gemeinsam untergebracht sind. Die erste Mannschaft trainierte früher am Riederwald, heute auf einem Außenfeld vor dem Stadion. Der Verein selbst unterhält seine Geschäftsstelle am 1952 eingeweihten Sportplatz am Riederwald im Frankfurter Stadtteil Seckbach.
Eintracht Frankfurt hat 160.000 Mitglieder (Stand: 1. Juli 2026). Der Verein ist damit der siebtgrößte Sportverein in Deutschland und belegt weltweit Rang 12. Eintracht Frankfurt war 2024 mit mehr als 15.000 aktiven Sportlern in über 50 Sportarten der größte Mehrspartensportverein mit einer professionellen Fußballmannschaft weltweit.
Vereinsstruktur Der Eintracht Frankfurt e. V. besteht aus folgenden Abteilungen:
Der Verein Eintracht Frankfurt ist in Bezug auf Fußball nur noch Träger der Jugend- und Amateurmannschaften. Die Fußballprofis der Männer sowie der Frauen unterstehen der Eintracht Frankfurt Fußball Aktiengesellschaft, einem Tochterunternehmen des Vereins.
Verein mini|Ehemalige Geschäftsstelle des Vereins (nicht der ersten Fußballmannschaft) auf dem Riederwaldgelände in Frankfurt-Seckbach
Das oberste Gremium des Vereins ist das Präsidium. Ihm gehören der Präsident Mathias Beck (Vertretung des Vereins nach innen und außen, strategische Planung und Liegenschaften / Immobilienentwicklung) sowie fünf für bestimmte Bereiche zuständige Vizepräsidenten an: (Moritz Theimann: Geschäftsführung, Kommunikation, Mitgliederwesen, IT und Personal, Dominik Berker: Finanzen und Schatzmeister, Dieter Burkert: Betreuung der sporttreibenden Abteilungen, Benjamin von Loefen: Stärkung des Ehrenamts, Ausbau der Sportstätten-Infrastruktur und Bindeglied in fanpolitischen Themen, Stefan Minden: Rechtliches sowie Fan- und Förderabteilung).
Weitere Führungsgremien sind der Verwaltungsrat, der Wahlausschuss und der Ehrenrat. In einem weiteren Gremium, dem Beirat, sind die Leiter aller Abteilungen vertreten.
Aktiengesellschaft Die gewinnorientiert arbeitende Profifußball-Aktiengesellschaft wurde am 1. Juli 2000 gegründet. Anteilseigner der AG sind mit 67,89 % der eingetragene Verein, mit 16,81 % die Freunde des Adlers GmbH (Philip Holzer und Stephen Orenstein), mit 7,3 % die Freunde der Eintracht Frankfurt AG (Bankhaus Metzler, DZ Bank, Landesbank Hessen-Thüringen und BHF-Bank), mit 5 % die Herzschlag Eintracht GmbH und mit 3 % die Wolfgang Steubing AG.
Die Fußball-AG wird von einem vierköpfigen Vorstand geführt, dem Axel Hellmann (als deren Sprecher und für Marketing, Kommunikation, Merchandising und Fanbetreuung), Julien Zamberk (Finanzen, Personal und IT), Markus Krösche (Sport) und Philipp Reschke (Spieltagsorganisation, Fanbetreuung, Sicherheit, Merchandising, Zuschauerservice, Recht und Personal) angehören.
Den Vorstand überwacht ein neunköpfiger Aufsichtsrat, dem Vertreter des Eigentümers (des Vereins), der Stadt und des Landes Hessen angehören und dessen Vorsitzender Mathias Beck ist.
Für die sportlichen Belange der Herren-Bundesligamannschaft ist die Sportliche Leitung verantwortlich. Ihr gehören unter dem Sportvorstand Krösche und dem Sportdirektor Timmo Hardung u. a. der Cheftrainer an. Der Leiter der Lizenzspielerabteilung ist Christoph Preuß.
Der Fußball AG sind auch die zum 1. Juli 2020 nach Fusion mit dem 1. FFC Frankfurt jetzt für Eintracht Frankfurt startenden 1. und 2. Frauenfußball-Mannschaften zugeordnet, die in der Frauen-Bundesliga bzw. der 2. Frauen-Bundesliga spielen. Die Sportliche Leitung des Frauenfußballs bilden die Direktorin Katharina Kiel, Sportdirektorin Babett Peter und Cheftrainer Niko Arnautis.
Seit Juli 2023 ist auch das Nachwuchsleistungszentrum der AG zugeordnet. Seit 1. Juli 2020 betreibt und vermarktet Eintracht Frankfurt das Stadion, den Deutsche Bank Park. Hierzu wurde als Tochtergesellschaft der AG die Eintracht Frankfurt Stadion GmbH gegründet. Die Stadion GmbH hält seit März 2022 genau 62,5 Prozent der Geschäftsanteile an der Betriebs- und Eigentümergesellschaft des Maxwork-Sportpark in Dreieich, wo die zweite Mannschaft spielt.Ahorn Camp Sportpark. Betreibergesellschaft sportpark-dreieich.eintracht.de, abgerufen am 8. August 2023.
Geschichte 1899–1920: Die Vorgängervereine Am 8. März 1899 wurde der Frankfurter Fußball-Club Victoria von 1899, eine frühe Abspaltung des ältesten Frankfurter Fußballclubs Germania 1894, als Vorgänger der heutigen Frankfurter Eintracht gegründet. Wahrscheinlich noch im gleichen Jahr entstand auch ein zweiter Stammverein der Eintracht, der Frankfurter Fußball-Club Kickers von 1899. Letzterer stellte einige Jahre später auch den ersten Frankfurter Nationalspieler: Im ersten Länderspiel einer deutschen Fußballnationalmannschaft, einem Freundschaftsspiel gegen die Schweiz 1908, erzielte der Kickers-Spieler Fritz Becker zwei Tore und trug damit zum Endstand von 3:5 bei. Ebenfalls 1908 schloss sich der 1. Frankfurter Hockeyclub den Kickers an.
Am 13. Mai 1911 fusionierten die beiden Kontrahenten Victoria und Kickers zum „Frankfurter Fußballverein (Kickers-Victoria) von 1899“, kurz Frankfurter FV. Der FFV sicherte sich in seiner ersten Saison auf Anhieb die Nordkreis-Meisterschaft. Damit stand 1912 zum ersten Mal ein Frankfurter Verein in der Endrunde um die süddeutsche Meisterschaft, wo der FFV allerdings chancenlos war. Im Sommer 1912 wurde das neue Vereinsgelände an der Roseggerstraße bezogen und am 8. September mit einem Spiel gegen Quick Den Haag eingeweiht. Sportlich konnte die Nordkreismeisterschaft auch in den darauf folgenden Spielzeiten wiederholt werden und in den sich anschließenden süddeutschen Endrunden schnitt der FFV 1913 und 1914 deutlich besser ab und wurde jeweils süddeutscher Vizemeister.
In dieser Zeit zählte der Frankfurter FV bereits über 800 Mitglieder und stellte zwölf Fußballmannschaften, als weitere Sportarten wurden Hockey, Cricket und Fechten sowie verschiedene Leichtathletik-Disziplinen ausgeübt. Die Mitgliederschaft des FFV, der nicht wie die anderen großen Frankfurter Vereine in einem einzelnen Stadtteil verwurzelt war, stammte vor allem aus dem gehobenen Bürgertum, was sich auch in der Pflege von Prestigesportarten wie Hockey und Cricket äußerte.
1920–1933: Die Eintracht auf dem Weg zur Spitzenmannschaft
Spielklasse Saison Platz Tore Punkte Kreisliga Nordmain 1920/21 1. 31:18 29:11 Kreisliga Nordmain, Abt. I 1921/22 1. 43:12 26:2 Kreisliga Nordmain 1922/23 3. 29:23 17:11 Bezirksliga Main 1923/24 2. 27:21 16:12 Bezirksliga Main 1924/25 5. 15:21 12:16 Bezirksliga Main 1925/26 4. 40:28 16:12 Bezirksliga Main 1926/27 2. 41:19 28:8 Bezirksliga Main-Hessen, Gr. Main 1927/28 1. 94:13 41:3 Bezirksliga Main-Hessen, Gr. Main 1928/29 1. 56:29 27:9 Bezirksliga Main-Hessen, Gr. Main 1929/30 1. 33:12 23:5 Bezirksliga Main-Hessen, Gr. Main 1930/31 1. 51:13 23:5 Bezirksliga Main-Hessen, Gr. Main 1931/32 1. 81:18 35:5 Bezirksliga Main-Hessen, Gr. Main 1932/33 2. 45:16 29:7
Im April 1920, fast neun Jahre nach dem ersten Zusammenschluss zum FFV Kickers-Victoria, fusionierte der Verein erneut, diesmal mit der 1861 gegründeten Frankfurter Turngemeinde zur „Turn- und Sportgemeinde Eintracht Frankfurt von 1861“. Mit diesem Zusammenschluss trat zum ersten Mal die prägende Bezeichnung „Eintracht“ mit den Frankfurtern in Verbindung. 1927 kam es auf Druck der Deutschen Turnerschaft im Rahmen der reinlichen Scheidung jedoch wieder zur Trennung: Die „Turngemeinde Eintracht Frankfurt von 1861“ und die „Sportgemeinde Eintracht Frankfurt (F.F.V) von 1899“ entstanden neu.
Nach der erzwungenen Spaltung des Jahres 1927 kam es 1969 zur erneuten Vereinigung der Teilvereine „Frankfurter Sportgemeinde Eintracht ( F.F.V.) von 1899 e. V.“ und „Turn- und Fechtgemeinde Eintracht Frankfurt von 1861 e. V.“. Der eingetragene Verein heißt seitdem „Eintracht Frankfurt e. V.“.Vereinssatzung; Stand: 26. September 2022, S. 4.
Ab der Saison 1920/21 trug die Eintracht ihre Heimspiele im Riederwaldstadion im Stadtteil Seckbach aus. Das neu erbaute Stadion bot 30.000 Zuschauern Platz und war damit eines der größten Stadien Deutschlands. 1921 qualifizierte sich die Eintracht als Meister der Kreisliga Nordmain für die süddeutsche Meisterschaft, ein Einzug in das Finale gelang ihr jedoch nicht. In den folgenden Jahren belegte die Eintracht in der Kreisliga Nordmain meistens einen der vorderen Plätze, man konnte sich jedoch erst wieder 1928 für die süddeutsche Meisterschaft qualifizieren.
Die Eintracht erhielt in dieser Zeit Unterstützung durch die jüdischen Inhaber der Frankfurter Schuhfabrik J. & C.A. Schneider. Die von den Brüdern Fritz und Lothar Adler sowie ihrem Cousin Walter Neumann geleitete Schuhfabrik stellte insbesondere Hausschuhe her, in Frankfurter Mundart sind das Schlappe. Die Eintracht-Fußballer trugen zu dieser Zeit die Bezeichnung Schlappekicker davon. 1928 gelang der bis dahin größte Erfolg der Vereinsgeschichte, indem man sich als süddeutscher Vizemeister für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft qualifizierte. Die Eintracht schied schon im Achtelfinale gegen die SpVgg Sülz aus. Bis 1933 gelang der Eintracht jedes Jahr die Qualifikation für die süddeutsche Meisterschaft; 1932 wurde Eintracht Frankfurt sogar süddeutscher Meister und nach einer 0:2-Niederlage gegen den FC Bayern deutscher Vizemeister.
1933–1945: Mäßiger Erfolg in der Gauliga und Kriegszeit Während die Eintracht vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten als liberaler und weltoffener Verein galt, auch weil jüdische Funktionäre, Sportler und Sponsoren zu seinen Erfolgen beitrugen, kooperierte er 1933 widerstandslos mit dem neuen Regime und unterstützten deren Rassenpolitik mit der Unterzeichnung der Stuttgarter Erklärung. Zu den fünf Funktionären, die am NS-Herrschaftssystem partizipierten, gehörten auch der Fußballstar und spätere Ehrenpräsident Rudolf Gramlich und der bekannte Leichtathlet Adolf Metzner.Maximilian Aigner: Vereinsführer – Biographische Notizen über Funktionäre von Eintracht Frankfurt im Nationalsozialismus, Göttingen:Wallstein, 2020.