mini|Michel Bouquet (2010) Michel Bouquet (* 6. November 1925 in Paris; † 13. April 2022 ebenda) war ein französischer Schauspieler.
Leben und Karriere Als Jugendlicher begann Bouquet eine Bäckerlehre und war zu Beginn des Zweiten Weltkriegs bei einer Bank angestellt. 1942 nahm er Schauspielkurse bei Maurice Escande am Pariser Conservatoire national supérieur d’art dramatique und debütierte wenig später am Theater an der Seite von Gérard Philipe in dem Stück Caligula von Albert Camus. Insbesondere in Stücken von Jean Anouilh gewann er an Profil. mini|hochkant|Bouquet (1943)
Sein Filmdebüt gab Bouquet im Jahr 1946, doch wurde er erst in späteren Jahren durch Regisseure der Nouvelle Vague – François Truffaut und Claude Chabrol – berühmt. Bekannt wurde er vor allem mit seiner Darstellung biederer Charaktere aus dem französischen Bürgertum in Filmen von Chabrol, oft an der Seite von Stéphane Audran wie in Vor Einbruch der Nacht, Die untreue Frau, Der Riß und Hühnchen in Essig. Truffaut besetzte ihn wiederum als eines der Opfer der rachsüchtigen Witwe (Jeanne Moreau) in Die Braut trug schwarz (1968) und als von Jean-Paul Belmondo ermordeten Privatdetektiv in Das Geheimnis der falschen Braut (1969).
Weitere bedeutende Rollen hatte er in der für das Fernsehen produzierten Simenon-Verfilmung Zwischen Tod und Leben (1977, nach dem Roman Die Glocken von Bicêtre), in der er einen Mann darstellt, der nach einem Schlaganfall von Claude Jade ins Leben zurückgeholt wird, und in Endstation Schafott als Kommissar, der hartnäckig die Rehabilitierung eines Strafentlassenen (Alain Delon) hintertreibt. Zu seinen weiteren Arbeiten zählt Die Legion der Verdammten (1982), Robert Hosseins Verfilmung von Victor Hugos Die Elenden, in der er als Inspektor Javert Lino Ventura verfolgt. Auch im neuen Jahrtausend übernahm Bouquet große Rollen, so 2012 die Titelrolle in der Filmbiografie Renoir. Zuletzt war er in dem Filmdrama Villa Caprice (2020) auf der Kinoleinwand zu sehen. Bouquets Schaffen für Film und Fernsehen umfasst mehr als 110 Produktionen.
Neben seiner Filmarbeit war Bouquet auch auf der Theaterbühne präsent, so im Théâtre National Populaire von Jean Vilar und beim ersten Festival d’Avignon sowie in Inszenierungen unter anderem von Jean Anouilh, Claude Régy, Jean-Louis Barrault und Michel Fau.
Bouquet wird als einer der bedeutendsten Charakterdarsteller Frankreichs betrachtet. In den Jahren 2002 und 2006 wurde er zweimal mit dem Kinopreis César ausgezeichnet, 1998 und 2005 zweimal mit dem Theaterpreis Molière. Im Jahr 2014 erhielt er einen Ehren-Molière für sein Lebenswerk.
Bouquet war zweimal verheiratet: ab 1954 mit der Schauspielerin Ariane Borg, die er 1945 kennengelernt hatte, und ab 1970 mit der Schauspielerin Juliette Carré. Bouquet starb am 13. April 2022 im Alter von 96 Jahren. Ein nationales Gedenken zu seinen Ehren, dem auch der französische Staatspräsident Emmanuel Macron beiwohnte, fand am 27. April im Pariser Invalidendom statt.Mort de Michel Bouquet: un hommage national aura lieu le 27 avril aux Invalides. francetvinfo.fr, 14. April 2022.
Arbeitsweise Michel Bouquet galt als überzeugender Darsteller biederer, berechnender und gefühlskalter Ehe- und Geschäftsmänner der französischen Kleinstadt-Bourgeoisie. Die Schauspielerin Claude Jade, seine Partnerin in Zwischen Tod und Leben, beschreibt Bouquet, der darin eine seiner schwierigsten Rollen spielte, in ihrem Buch Baisers envolés als freundlichen Perfektionisten:
Filmografie (Auswahl)
Auszeichnungen und Ehrungen (Auswahl) 1970: Nominierung für den National Society of Film Critics Award in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Die untreue Frau 1983: Ritter der Ehrenlegion 1991: Europäischer Filmpreis in der Kategorie Bester Darsteller für Toto der Held 1991: Joseph-Plateau-Preis in der Kategorie Bester Darsteller für Toto der Held 1992: Nominierung für den David di Donatello in der Kategorie Bester ausländischer Darsteller für Toto der Held 1996: Offizier der Ehrenlegion 1998: Molière in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Les Côtelettes 2002: César in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Vater töten! 2002: Prix Lumière in der Kategorie Bester Darsteller für Vater töten! 2005: Molière in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Le Roi se meurt 2006: César in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Letzte Tage im Elysée (als François Mitterrand) 2006: Nominierung für den Globe de Cristal in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Letzte Tage im Elysée 2007: Kommandeur der Ehrenlegion 2013: Großoffizier der Ehrenlegion 2014: Nominierung für den César in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Renoir 2014: Nominierung für den Prix Lumière in der Kategorie Bester Darsteller für Renoir 2014: Ehren-Molière für das Lebenswerk 2018: Großkreuz der Ehrenlegion Ritter des Ordre national du Mérite Kommandeur des Ordre des Arts et des Lettres
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:César-Preisträger Kategorie:Molièrepreisträger Kategorie:Träger des Europäischen Filmpreises Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Großkreuz) Kategorie:Träger des Ordre des Arts et des Lettres (Komtur) Kategorie:Träger des französischen Nationalverdienstordens (Ritter) Kategorie:Darstellender Künstler (Paris) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1925 Kategorie:Gestorben 2022 Kategorie:Mann