Star Wars: Rogue Squadron (als Windows-Version auch bekannt als Star Wars: Rogue Squadron 3D) ist ein im Star-Wars-Universum angesiedeltes Action- und Shoot-’em-up-Spiel und der erste Teil der Rogue-Squadron-Reihe. Es wurde vom deutschen Entwicklungsstudio Factor 5 entwickelt und von LucasArts Ende des Jahres 1998 für das Betriebssystem Windows und Anfang 1999 für die Heimkonsole Nintendo 64 veröffentlicht.

Die Handlung spielt zwischen den Ereignissen der Star-Wars-Filme Episode IV – Eine neue Hoffnung und Episode V – Das Imperium schlägt zurück und nimmt Anleihen am Geschehen der Comicserie Star Wars: X-Wing Rogue Squadron. Der Spieler schlüpft dabei in die Rolle des Rebellen Luke Skywalker, einem Kommandanten der Renegatenstaffel (engl.: Rogue Squadron), und hat insgesamt sechzehn Missionen verschiedenster taktischer Ausrichtung erfolgreich zu absolvieren.

Die Kritiken zu Star Wars: Rogue Squadron fielen insbesondere wegen der fortschrittlichen technischen Umsetzung im grafischen Bereich, beispielsweise durch neuartige Partikeleffekte, überwiegend positiv aus und gipfelten in verschiedenen Preisnominierungen und der Auszeichnung mit dem Origins Award in der Kategorie Bestes Actionspiel 1998 durch die renommierte Academy of Adventure Gaming Arts and Design.

Das Spiel entwickelte sich rasch zu einem Verkaufsschlager. Bis August 1999 wurden etwa eine Million Exemplare des Spiels abgesetzt. Im Jahr 2001 erschienen mit Star Wars: Rogue Squadron II – Rogue Leader ein direkter Nachfolger für den Nintendo GameCube sowie mit Star Wars: Episode I: Battle for Naboo ein sehr ähnliches Spiel für Windows und Nintendo 64.

Handlung Die Handlung des Spiels ereignet sich während des Galaktischen Bürgerkriegs. Das Galaktische Imperium, eine autokratische Regierung, beherrscht zwar nominell die gesamte Galaxie, doch auf einigen Welten formiert sich Widerstand gegen die Fremdherrschaft. Dieser Widerstand hat sich zur Rebellen-Allianz zusammengeschlossen. Im Fokus des Spiels stehen die Sternjägerpiloten, genauer die Renegatenstaffel, die aus den besten Piloten der Allianz besteht und unter dem Kommando von Luke Skywalker steht.

Das Spiel beinhaltet 16 Missionen, die in vier Kapitel unterteilt sind. Jedes Kapitel wird eingeleitet durch einen Einführungstext, der denen aus den Filmen nachempfunden ist. Weitere Missionsdetails erhält der Spieler durch Einsatzbesprechungen und Zwischensequenzen.

Die Kampagne beginnt mit einem Erkundungsflug auf dem Wüstenplaneten Tatooine, bei dem die Renegatenstaffel überraschenden Kontakt mit imperialen Truppen hat, die den lokalen Raumhafen angreifen. Nach dem Sieg über die Angreifer führt die Staffel zwei Eskortierungs- und Rettungsmissionen durch. Anschließend wird sie nach Corellia geschickt, wo sie Patrouillenflüge durchführen soll, während sich ein Gesandter der Allianz mit einem Überläufer des Imperiums trifft. Das Imperium führt während der Verhandlungen mehrere Angriffe durch, um den Überläufer auszuschalten. Der Renegatenstaffel gelingt es jedoch die Stadt bis zum Ende der Verhandlungen zu verteidigen. Im Anschluss führt sie gemeinsam mit einer Bomberstaffel eine Mission auf dem Planeten Gerrard V durch, wo ein imperialer Gouverneur die Hauptstadt der Welt plündert. Das Ziel der Allianz ist es, die Fähren außer Gefecht zu setzen, die die erbeuteten Stücke transportieren. Bei dem Einsatz gelingt es den Rebellen, die imperiale Pilotin Kasan Moor abzuschießen. Da diese bereits länger mit dem Gedanken spielte, den Rebellen beizutreten, schließt sie sich ihnen im Anschluss an.

Anschließend führen die Rebellen drei Angriffe auf imperiale Stützpunkte in der Galaxis durch. Informationen über diese Stützpunkte haben sie von Kasan Moor. Bei der dritten Angriffsmission, einem Angriff auf eine Abhörstation, gerät ein Teil der Renegatenstaffel in einen Hinterhalt, wird von imperialen Jägern abgeschossen und anschließend gefangen genommen. Die übrigen Piloten der Staffel führen anschließend eine Befreiungsaktion durch, bei der ihre Kameraden sowie weitere Rebellensympathisanten befreit werden können.

Nach dieser Mission richtet die Allianz ihre Aufmerksamkeit auf den imperialen Gouverneur Moff Seerdon, der einen Angriff auf Thyferra plant, eine für die Allianz strategisch bedeutende Welt. Um diesen zu schwächen, operiert die Renegatenstaffel in seinem Zuständigkeitsbereich und richtet dort beträchtlichen Schaden an. Sie geraten jedoch in einen Hinterhalt, der sie Zeit kostet, die der Gouverneur für die Besetzung von Thyferra nutzt. Die Rebellen führen einen schnellen Gegenangriff, bei dem sie die Welt befreien und den imperialen Gouverneur mit seiner Fähre abschießen können.

Nach dem Abschluss dieser Mission endet die reguläre Kampagne von Star Wars: Rogue Squadron. Es beginnt im Anschluss das vierte Kapitel, das mehrere Jahre nach der eigentlichen Handlung des Spiels stattfindet. Dieses Kapitel besteht aus lediglich einer Mission: Der Verteidigung des Planeten Mon Calamari, der vom Imperium angegriffen wird. Der Staffel, die inzwischen der frühere stellvertretende Befehlshaber Wedge Antilles kommandiert, gelingt es, die Angreifer abzuwehren und den Planeten zu sichern.

Spielprinzip Allgemein In Rogue Squadron übernimmt der Spieler die Rolle des Kampfpiloten Luke Skywalker. Als Mitglied der Renegatenstaffel, einer Elitestaffel, steuert er verschiedene aus den Filmen bekannte Sternjäger über die Oberflächen einiger ebenfalls bekannter Planeten. Mit dem Mehrzweckjäger X-Wing, dem Bomber Y-Wing oder dem Luftüberlegenheitsjäger A-Wing kämpft er dabei gegen feindliche Truppen. Die dem Spieler zur Verfügung stehenden Sternjäger unterscheiden sich in Geschwindigkeit, Wendigkeit, Panzerung und Bewaffnung. Das Head-up-Display zeigt eine Radarkarte mit Höhenangabe, einen Schadensmesser für den jeweiligen Sternjäger und den Munitionsvorrat.Rogue Squadron Handbuch

Die Steuerung der Raumschiffe orientiert sich insbesondere in Hinblick auf die technische Umsetzbarkeit für Spielkonsolen stark an der von Arcade-Spielen. Damit ist sie eher action- als realismusorientiert und weniger komplex als diejenige von X-Wing vs. TIE Fighter. Das dabei vermittelte Spielgefühl entspricht in etwa dem der beiden Teile von Star Wars: Rebel Assault und dem der Flugsequenzen aus Schatten des Imperiums.

Die im Spiel gestellten Aufgaben lassen sich in vier Hauptgruppen unterteilen: Rettungs-, Angriffs-, Evakuierungs- und Aufklärungsmissionen. Bei allen Missionen erhält der Spieler im Kampf gegen feindliche Luft- und Bodentruppen Unterstützung durch vom Computer gesteuerte Jagdstaffelmitglieder. Diese Einheiten werden in einigen Missionen zusätzlich um Bodeneinheiten erweitert, die ebenfalls computergesteuert sind. Einige Missionen bieten zudem die Möglichkeit, technische Aufrüstungen für den Sternjäger des Spielers freizuschalten. Dazu gehören beispielsweise verbesserte Waffensysteme, aber auch stärkere Panzerungen und Antriebseinheiten.

Erfüllt der Spieler beim Absolvieren einer Mission bestimmte Kriterien für die Missionszeit, die Zahl der abgeschossenen Gegner, die Zahl der beschützten verbündeten Einheiten, die Schussgenauigkeit und die Anzahl an gesammelten Aufrüstungen, so werden entsprechende Auszeichnungen in Form von Medaillen vergeben, durch deren Sammeln wiederum weitere Bonusinhalte freigeschaltet werden.

Bonusinhalt Rogue Squadron enthält eine Reihe von freischaltbaren Bonus-Objekten. Der Spieler kann drei zusätzliche Level freischalten, Beggar’s Canyon, Todessterngraben und Die Schlacht von Hoth. Diese Level werden zugänglich, wenn der Spieler alle Bronze-, Silber- oder Goldmedaillen erhalten hat. Anders als die Hauptmissionen des Spiels beziehen sich diese Bonus-Missionen auf Ereignisse, die in der Original-Trilogie stattfinden oder erwähnt werden.

Außerdem gibt es mehrere Bonus-Fahrzeuge. Unter anderem befindet sich ein Millennium Falcon, ein stark modifizierter Frachter, und ein TIE-Abfangjäger, ein weiterer Luftüberlegenheitsjäger, von Anfang an im Hangar des Spielers, diese können allerdings nicht ausgewählt werden. Die Fahrzeuge und zusätzlichen Levels werden durch das Erreichen aller Medaillen einer Kategorie freigeschaltet. Mit allen Bronze-Medaillen wird der Millennium Falcon freigeschaltet, mit allen Silber-Medaillen der TIE-Jäger und mit dem Erringen aller Gold-Medaillen wird es möglich einen Schneegleiter in allen Levels zu steuern. Die zusätzlichen Sternjäger werden für alle Level freigeschaltet, außer für diejenigen, in denen das Schleppkabel des Schneegleiters für das Bestehen der Mission notwendig ist.

Weitere Fahrzeuge sind nur auf Bonus-Ebenen verfügbar. In der Mission Beggar’s Canyon steuert man mit dem T-16 Skyhopper ein kaum bewaffnetes Aufklärungsflugzeug. Durch die Eingabe eines Cheat-Codes wird mit dem AT-ST ein Bodenfahrzeug freigeschaltet, den man in einem kleinen Areal testen kann. Ein weiteres Bonus-Fahrzeug ist ein Modell eines 1969 Buick Electra 225. Es basiert auf dem Fahrzeug des Sounddesigners des Spiels, Rudolph Stember. Es kann ebenfalls nur durch Cheat-Codes freigeschaltet werden, allerdings nur in der Nintendo-Version, da der entsprechende Code in der Windows-Version nicht funktioniert. Allerdings wurden von Fans Modifikationen der Spieldateien veröffentlicht, die diesen Fehler beheben.

Entwicklungsgeschichte Nach dem Erfolg des Spiels Schatten des Imperiums aus dem Jahr 1996 plante LucasArts einen Nachfolger. Zu der Zeit entwickelte das deutsche Entwicklerstudio Factor 5 eine Spiel-Engine zur Erstellung großer Geländekarten. LucasArts hatte bereits mit diesem Unternehmen erfolgreich zusammengearbeitet und beschloss, die neue Engine für ihr Spiel zu verwenden. Der Fokus des Spiels sollte auf dem Raumkampf liegen. Diese Richtung wurde gewählt in Anlehnung an ein Level aus Schatten des Imperiums, in dem der Spieler einen Luftgleiter während der Schlacht von Hoth fliegt. Rogue-Squadron- und Factor-5-Produktionsleiter Brett Tosti sagte:

Factor 5 stellte zunächst ein Konzept auf, in dem Spieler Missionen spielen sollten, die an die Lieblings-Action-Sequenzen der Star-Wars-Fans aus den originalen Filmen angelehnt waren. Dieser Vorschlag wurde jedoch abgelehnt. Lucasfilm wollte nicht, dass Videospiele direkt an die Filme angelehnt waren. Die Entwickler orientierten sich anschließend an den Handlungen der Comicserie Star Wars: X-Wing Rogue Squadron und entwarfen eine neue Handlung, die die bekannten Charaktere beinhalten sollte.

mini|165x165px|Das Expansion Pak des N64

Im Mai 1998 gab es auf der US-amerikanischen Spielemesse E3 eine erste Präsentation des Spiels. Zu diesem Zeitpunkt bestand es lediglich aus einem kleinen Level, in dem mehrere TIE-Jäger um einen unbewegten imperialen Läufer (All Terrain Armored Transport, kurz AT-AT) flogen. Der Spieler selbst steuerte einen Raumjäger und konnte die anderen Jäger angreifen. In das Spiel war noch keine KI implementiert, die Jäger flogen auf vorgegebenen Pfaden. Diese Präsentation wurde von den Entwicklern als Technik-Vorführung gesehen, die zeigen sollte, dass sie gute Höhenfelder erzeugen konnten. Das Publikum war von der Präsentation sehr angetan.

mini|259x259px|Chris Hülsbeck komponierte die Spielmusik.

Factor 5 plante für die Nintendo-64-Version auf ein Erweiterungsmodul zurückzugreifen, welches ermöglichte das Spiel in einer höheren Auflösung von 640 × 480 Pixeln anstatt lediglich mit 320 × 240 Pixeln darzustellen. Nintendo war zunächst zögerlich, da dieses nur für Hardware-Peripherie gedacht war. Doch nachdem Iguana Entertainment das Modul für das Spiel Turok 2: Seeds of Evil verwendete und das Ergebnis sichtlich besser war, erhielt auch Factor 5 die Erlaubnis. Mittels speziellem Code, der die Hardware-Limitationen der Nintendo 64 ausreizte, erzielte die Konsolenfassung eine für damalige Verhältnisse fortschrittliche Darstellungsqualität der Spielumgebungen. Diese Technik wurde auch im späteren Nintendo-64-Titel Battle of Naboo verwendet.