mini|ERGO Pro LogoDie Ergo Pro (Eigenschreibweise ERGO Pro) ist eine Vertriebsorganisation der Ergo Beratung- und Vertrieb AG, die wiederum zur Ergo Group AG gehört. Das als Strukturvertrieb (Netzwerk-Marketing) in einem internen Pyramidensystem organisierte Unternehmen wurde 1973 unter dem Namen HMI gegründet und hat seinen Hauptsitz in Nürnberg.Impressum, abgerufen am 12. April 2026.
Die Ergo Beratung- und Vertrieb AG ist bei der Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf gemäß der EU-Versicherungsvermittlerrichtlinie 2002/92/EG als Versicherungsvertreter registriert.
Name und Geschichte mini|Logo der ehemaligen HMI +Organisations- und Vertriebsdirektoren1973–1976: Werner Kunkler1976–1987: Hagen Ulrich Hahn1987–1990: Herbert Rothfußzugleich Vorstandsmitglieder der Hamburg-Mannheimer Versicherungs-AG1990–1994: Hartmut Paul1994–1996: Willi Uszko1997–1998: Dietmar Schott1999–2007: Kai Lange2007–2012: Ludger Griese2012–2016: Rudi Ryckaert2016–: Marc Jacobi Ergo Pro wurde 1973 von der damaligen Hamburg-Mannheimer als HMI-Organisation (HMI) gegründet und vertrieb zunächst ausschließlich fondsgebundene Lebensversicherungen als Kapitalanlage und Steuersparmodell. Erster Direktor der HMI wurde am 22. März 1973 Werner Kunkler. 1984 wird der Agenturvertrieb gegründet, um Neukunden rundum betreuen zu können. Seit dem 1. Juli 2010 steht HMI nur noch als eigenständiges Markenzeichen und Vertriebsorganisation der Ergo-Versicherungsgruppe.
Zum 27. Januar 2012 wurde der Name auf Ergo Pro (offiziell ERGO Pro) geändert.Markenregister ERGO Pro
Vertriebsmodell Die Ergo Pro war bis zum 31. Dezember 2016 in zwei Bereiche aufgeteilt: Strukturvertrieb Agenturvertrieb
Alle Vertriebspartner der Ergo Pro sind ausschließlich selbstständige Handelsvertreter nach HGB. Agenturen der ERGO Pro trugen früher die Marke Hamburg-Mannheimer an ihren Büros, heute tragen sie die Marke ERGO.
Der Ergo Pro-Strukturvertrieb konzentriert sich auf die Gewinnung von Neukunden und Unternehmern. Den Schwerpunkt des Ergo Pro-Agenturvertriebes bildete die Betreuung von Neu- und Bestandskunden.
Der Agenturvertrieb wurde zum 1. Januar 2017 in den Ergo Vertrieb der AO (Ausschließlichkeitsorganisation) integriert.
Strukturvertrieb / Unternehmernetzwerk Die Vermittlungsleistung erbringt der ERGO Pro-Vertriebspartner innerhalb eines sog. Strukturvertriebes, d. h., er wird anteilig an der erwirtschafteten Provision vergütet. Ein ERGO Pro-Einsteiger erhält demnach für seine Vermittlungen etwa ein Viertel der Vermittlungsprovision, welche sich mit Erreichen weiterer Karrierestufen entsprechend erhöht. Den restlichen Anteil der Vergütung verteilt die Organisation an Vertriebspartner oberhalb der Karrierestufe des Vermittlers für Führungsarbeit nach einem genau festgelegten Karriereplan.
Vermittler Rechtsstellung Die Vermittler sind ausschließlich selbständige Einfirmenvertreter ohne Abschlussvollmacht im Sinne des Handelsvertreterrechts ( bis HGB). Die, wie die kaufmännisch korrekte Bezeichnung lautet, Aufforderungen zur Abgabe eines Angebotes (Versicherungsanträge) der potenziellen Kunden werden vom Vermittler der Ergo Pro angeboten. Dieser gibt sie der Ergo weiter, wo in der Regel der Versicherungsschein für den Kunden und damit die Leistungszusage ausgestellt wird.
Demgegenüber warb das Unternehmen früher im Mitarbeiter-Recruting öffentlich mit dem Franchising-Begriff, welcher dem potentiellen Mitarbeiter eine Unabhängigkeit im Kundengeschäft suggerierte, die ein Einfirmenvertreter ohne Abschlussvollmacht nicht vollständig hat.
Dieser Franchisebegriff steht in Fachkreisen für die selbständige Übernahme eines Geschäftskonzeptes zur Handlung im eigenen Namen und auf eigene Rechnung. Die Ergo Pro-Vermittler verpflichten sich jedoch, ausschließlich Produkte der Ergo-Gruppe im Namen des Versicherers zur Vermittlung anzuwerben. Allerdings wird den Vermittlern inzwischen die Möglichkeit gegeben, auch Produkte anderer Versicherungsgesellschaften über eine Kooperationsvereinbarung anzubieten.
Ab Juli 2010 hat Fußballtrainer Jürgen Klopp als Botschafter für die HMI-Organisation geworben und sollte in diesem Zusammenhang auch die Rekrutierung neuer HMI-Vertriebspartner unterstützen. Einige Tage nach Bekanntwerden der Budapester Sex-Party-Affäre wurde dieser Vertrag beendet.
Qualifikation Gemäß der EU-Richtlinie 2002/92/EG über Versicherungsvermittlung und der Beschlussempfehlung zum Bericht des Ausschusses für Wirtschaft und Technologie (9. Ausschuss) zur Neuregelung des Versicherungsvermittlerrechts vom 25. Oktober 2006Bundestagsdrucksache Nr. 16/3162 wurde ab dem 22. Mai 2007 vorgeschrieben, dass Versicherungsvermittler eine geeignete Sachkundeprüfung zum Angebot derartiger Leistungen nachweisen müssen.
Die Ergo Pro stellt Bildungspakete zur qualitativen Ausbildung bereit. Es werden zudem überregionale Ausbildungsblöcke geboten, an denen jeder neue Vermittler teilnehmen kann, um seine Sachkundeprüfung abzulegen. Für diese Grundausbildung hat der neue Mitarbeiter max. 6 Monate Zeit. Sollte nach Ablauf dieser Zeit die Prüfung nicht bestanden sein, wird der Mitarbeitervertrag aufgehoben. Nach der Sachkundeprüfung folgt eine weitere interne und zeitgleich eine externe Ausbildung. Zudem sind Mitarbeiter verpflichtet jeweils in Zeiträumen von 5 Jahren eine bestimmte Anzahl von Weiterbildungsseminaren zur Förderung von Fachwissen, Führungskompetenz und Compliance-Richtlinien zu besuchen.
Auszug aus den Seminarreihen: Verkaufsförderungsseminar Referentenausbildung Rekrutierungsseminar Führungsseminare
Haftung Ein Versicherungsvertreter ist Geschäftsbesorger der Versicherung und steht damit auch haftungs- und vertragsrechtlich auf der Seite der Versicherung. Fehler des Versicherungsagenten werden damit aufgrund der sogenannten Auge-und-Ohr-Doktrin dem Versicherungsunternehmen und nicht dem Vermittler zugerechnet ( BGB), wodurch der Vermittler, anders als ein Makler, auch juristisch keine eigene Berufshaftpflichtversicherung (Vermögensschadenhaftpflichtversicherung) benötigt. Ungeachtet dessen bestehen zivil- und strafrechtliche Haftungsrisiken des Vermittlers für sein Handeln unmittelbar für ihn weiter.Prölss/Martin/Dörner, Versicherungsvertragsgesetz Kommentar, 31. Aufl. 2021, VVG § 60 Rn. 29, 30Prölss/Martin/Dörner, Versicherungsvertragsgesetz Kommentar, 31. Aufl. 2021, GewO § 34d Rn. 75–83
Kritik
Allgemeines Da die Ergo-Pro ein Strukturvertrieb ist, finden hier auch allgemein die Kritikpunkte des Strukturvertriebs Anwendung.
Ergo Pro-Vertriebspartner erwirtschaften – je nach Karrierestufe – zum Teil eine direkte Provision, entsprechend den Abschlusssummen, der von ihm vermittelten Verträge. Mitarbeiter in höheren Vertriebsstufen erhalten anteilige Provisionen der Umsätze untergeordneter Vertriebsstrukturen. Im April 2015 äußerte sich Vertriebswegemanager Andreas Lang zum Thema der realistischen Einkommenschancen im Strukturvertrieb als solchem und bei der Ergo Pro. Demnach sei „im Strukturvertrieb kein schnelles Geld zu verdienen“. Dies deckt sich teilweise nicht mit den Erwartungen, die bei neu geworbenen in der Vergangenheit erweckt wurden. Zudem tritt hinzu, dass die bezahlten Provisionen nicht in Gänze sofort für die Vertreter verfügbar sind. Ein Teil der Provision wird als sog. Stornoreserve zurückbehalten. Sie dient der Absicherung einer möglichen Stornohaftung für den Fall, dass der zunächst abgeschlossene Vertrag vom Versicherungsnehmer storniert wird oder aus anderen Gründen nicht bedient wird. Sollten die durch den Vertreter generierten Verträge ins Storno laufen, muss er seine Provision anteilig oder ganz zurückzahlen. Dementsprechend trägt der Vermittler so das volle Risiko. Die Stornoreserve wird erst nach einer gewissen Zeit ausbezahlt.
In einem Gutachten für den Finanzausschuss des Deutschen Bundestages stellte Hans-Peter Schwintowski von der Humboldt-Universität Berlin im Bezug auf die Ergo Pro in Frage, ob das Geschäftsmodell des Strukturvertriebes „per se“ mit den Interessen der Kunden vereinbar sei. Hier seien Maßnahmen der BaFin zu prüfen.
Qualität von Ausbildung und Beratung Da die Vermittler der Ergo Pro meist als Quereinsteiger keine gelernten Versicherungskaufleute sind, und Deutschland als einziges Land der EU die Vermittlung von Versicherungen bis 2007 ohne jeden Qualifikationsnachweis gestattete, wurden in den über 30 Jahren bis zum Inkrafttreten der aktuellen Versicherungsvermittlerverordnung Ergo Pro-intern entsprechend auch keine solchen Nachweise von Ergo Pro-Vermittlern verlangt. Erst nach längerer Mitarbeit wurde ein entsprechender Abschluss als Versicherungsfachmann BWV/IHK intern angeboten. Kritisiert wird indes, dass die Ausbildung der Ergo-Pro-Vermittler mangelhaft sei und diese vorrangig auf die Verkaufsschulung ausgerichtet ist. So würde eher guter Verkauf als gute Beratung vermittelt werden. Hier knüpft auch ein moralischer Kritikpunkt an: Kritisiert wird, dass durch das System vor allem enge Freunde oder Familienmitglieder als Kunden oder neue Vertriebspartner angeworben werden. Hier wird kritisiert, dass abgesehen von der Vermischung von privatem und geschäftlichem auch eine bereit existierende persönliche Bindung zwischen Verkäufer und Käufer genutzt werden könnte, um etwaige Mängel in der Beratung auszugleichen.
Aus einer Reportage des NDR-Magazins Panorama ging hervor, dass neue Vermittler teilweise dazu angehalten werden, ihre Telefon-Kontaktliste „abzutelefonieren“, um neue Vertriebspartner oder Kunden zu gewinnen. Abgesehen von der datenschutzrechtlichen Problematik könnte dies auch als illegales Cold Calling angesehen werden.
Im September 2025 kritisierte eine ARD-Reportage ebenfalls die angewandten Vertriebspraktiken der ERGO Pro und enthüllte dabei problematische Rekrutierungs- und Arbeitsweisen des Finanzvertriebes, der stark auf Multi-Level-Marketing basiere. Im Fokus stehen dabei unter anderem hohe Umsatzziele durch Teamaufbau, fehlende fachliche Qualifikationen der Mitarbeiter und ein hoher Druck, Versicherungen im privaten Umfeld zu verkaufen.
Sex-Party-Affären Im Mai 2011 wurde bekannt, dass die HMI-Organisation, wie die Ergo Pro früher hieß, 2007 die 100 besten Vertriebsmitarbeiter sowie hohe Manager des Unternehmens als Incentive zu einer Sex-Party nach Budapest eingeladen hatte. Die Versicherung engagierte sowohl Hostessen als auch Prostituierte und kennzeichnete die Frauen mit unterschiedlichen Armbändchen. Als erstes berichtete das Handelsblatt darüber. Die Meldung stieß in der Öffentlichkeit auf große Beachtung, vor allem aufgrund des unglücklichen zeitlichen Zusammenhangs mit einer 2010 angelaufenen großen Werbekampagne. Ergo gab an, man habe den Teilnehmern mitgeteilt, sie müssten wie bei jeder Incentive-Reise einen geldwerten Vorteil in ihren Steuererklärungen angeben.In dem Spiegel-Artikel heißt es „die Teilnehmer versteuerten exakt 3046 Euro als geldwerten Vorteil“ – ob das wirklich alle taten, ist nicht belegt.
Wegen des Skandals ließ Jürgen Klopp, der Trainer von Borussia Dortmund, seinen Werbepartner-Vertrag mit der Hamburg-Mannheimer ruhen. Er hatte Motivationsvorträge für die HMI gehalten.
Ergo gab bekannt, Kosten der Sex-Party in Höhe von 83.000 Euro seien steuerlich als Betriebsausgaben (sie vermindern Gewinn und Steuerlast) geltend gemacht worden. Es sei laut Unterlagen eine scheinbar normale Veranstaltung gewesen, die Kosten dementsprechend als Betriebsausgaben abgesetzt worden. Insgesamt hatte die Sex-Party über 333.000 Euro gekostet, die einschließlich der darin enthaltenen 40.000–50.000 Euro für Zuhälter und Prostituierte von Ergo als Betriebsabgaben abgesetzt worden waren.Fachbericht der Konzernrevision zur Prüfung HMI-Wettbewerbsreise Budapest 2007, S. 26, 28 und 37