Repressive Toleranz ist der Titel eines Essays des deutschen Soziologen und Philosophen Herbert Marcuse. Diese Abhandlung ist Teil der 1965 erschienenen Kritik der reinen Toleranz.

Inhalt

In diesem Essay zur repressiven Toleranz,Herbert Marcuse: Repressive Toleranz, Essay, 1965. den Studenten der Brandeis University zugeeignet, formuliert Marcuse Gedanken, die großen Einfluss auf die Studentenbewegung in den USA und in Europa hatten. Darin bezeichnet er seine Idee der Toleranz als parteiliches Ziel, als subversiven, befreienden Begriff und ebensolche Praxis. Praktisch fordert er Intoleranz gegenüber Bewegungen von der politischen Rechten und Duldung von Bewegungen von der politischen Linken. Er legitimiert dieses Programm mit seinem Konstrukt: Das Telos der Toleranz sei Wahrheit. Die Umsetzung der zu Beginn der Neuzeit entwickelten Idee der unparteiischen Toleranz schütze dagegen die bereits etablierte Maschinerie der Diskriminierung.

Gegenwärtig gebe es keine Macht, Autorität oder Regierung, die seine Vorstellungen einer befreienden Toleranz umsetze. Im Gegenteil stärke die seinerzeit noch praktizierte Art von Toleranz beispielsweise die Macht der zerstörerischen Gewalt im Vietnamkrieg.

Marcuse formuliert dagegen eine utopische Gesellschaftsvorstellung, in der das Individuum frei in Harmonie mit anderen lebt und öffentliche und private Wohlfahrt für alle gewährleistet ist. Es gelte eine Gesellschaft herbeizuführen, worin der Mensch nicht durch Institutionen versklavt sei. Die gegenwärtig herrschende Toleranz, auch in demokratischen Staaten, akzeptiere eine aggressive Politik, Aufrüstung, Chauvinismus und Diskriminierung aus rassischen und religiösen Gründen.

Nach Marcuse existiere eine objektive Wahrheit, die durch die Diskussion des Volkes in Gestalt von Individuen und Mitgliedern politischer und anderer Organisationen die Politik einer zukünftigen demokratischen Gesellschaft bestimmen solle. Seine antidemokratische Idee bedeute eine Abkehr von rückschrittlichen Bewegungen.

Beispielsweise griff der Sozialistische Deutsche Studentenbund Marcuses Gedanken auf und begründete damit sein Streben nach einer besseren neuen Gesellschaftsordnung.

Ausgaben Repressive Tolerance. In: Robert Paul Wolff, Barrington Moore und Herbert Marcuse: Critique of Pure Tolerance. Beacon Press, Boston 1965. dt. Ausgabe: Repressive Toleranz. In: Kritik der reinen Toleranz. Übersetzt von Alfred Schmidt. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1966.

Literatur Andreas Fisahn: Repressive Toleranz und der „Pluralismus“ der Oligarchien. In: PROKLA. zeitschrift für kritische sozialwissenschaft 38 (2008), H. 3 (152), S. 355–377 (frei zugängliche PDF). Beth le Roux: "Repressive Tolerance in a Political Context: Academic Freedom in Apartheid South Africa", History of Education Quarterly, Volume 58, Issue 3, August 2018, S. 461–466.

Einzelnachweise

Kategorie:Antifaschismus Kategorie:Philosophisches Werk Kategorie:Soziologische Publikation Kategorie:Neomarxistische Literatur