Als Idol (japanisch ) wird in Japan eine Personengruppe von Entertainern bezeichnet, die für ihr , ihre Attraktivität und Persönlichkeit in der japanischen Popkultur vermarktet werden. In erster Linie handelt es sich bei Idols um Sängerinnen und Sänger, die zudem in anderen Entertainmentbereichen wie Schauspiel, Tanz und Modeln trainiert werden. Idols werden durch den Verkauf von Merchandising-Artikeln und Agenturen kommerzialisiert, während sie eine parasoziale Beziehung zu ihren als loyal geltenden Fangemeinden aufbauen, diese aufrechterhalten und vertiefen.

Die japanische Idol-Industrie entstand in den 1960er-Jahren und wurde in den 1970er- und 80er-Jahren durch das Fernsehen populär. In den 80er-Jahren, die als goldenes Zeitalter der Branche bezeichnet werden, weckten Idols das kommerzielle Interesse und tauchten vermehrt in Werbeeinspielungen und Fernsehserien auf. Als in den 2000er- und 2010er-Jahren immer mehr Nischen entdeckt wurden, führte dies zu einem signifikanten Wachstum der Industrie, die als „Idolkriegs-Periode“ bezeichnet wurde. Derzeit sind mehr als 10.000 Mädchen in mehr als 3.000 Idol-Gruppen in der Branche aktiv. Die japanische Idol-Industrie wurde als Modell für andere Pop-Idol-Industrien, wie etwa im K-Pop, verwendet – siehe auch Koreanisches Idol.

Innerhalb der japanischen Idol-Industrie entstanden zahlreiche Abstufungen, die Gravure Idols, Junior Idols, Net Idols, Idol-Synchronsprecher oder virtuelle Idols umfassen.

Dieser Artikel befasst sich mit der spezifisch japanischen Form des „Sternchens“, die sich vom im westlichen Kulturkreis verbreiteten Verständnis von Idol im Rahmen der Popkultur durch spezifische Eigenschaften und Zuschreibungen unterscheidet, auch wenn die Entlehnung der Bezeichnung aidoru vom en idol fälschlich eine Identität in der Sache suggeriert.

Eigenschaften Der Begriff Aidoru bezieht sich vorwiegend auf junge Frauen um die Zwanzig, die als kawaii angesehen werden und primär über ihr äußeres Erscheinungsbild und über ihre Publizität in den Massenmedien Ruhm erlangen. Kawaii bedeutet wörtlich übersetzt hübsch oder niedlich, gelegentlich auch mit einer zumeist latent sexuellen Konnotation, die aber über die Eigenschaft des Begehrenswerten selten hinausgeht. Die japanische Shōjo-Kultur verbindet mit dem Begriff kawaii grundsätzliche ästhetische Werte, die das Ideal-Bild der Frau/Tochter/Schwester mit nicht sexueller Konnotation in Richtung nicht-sexueller, idealisierter femininer Schönheit und darin einschließend auch moralischer Werte betonen. Insbesondere das weibliche Aidoru/Idol wird daher als Repräsentant dieses Idealbildes der japanischen Frau und als Sinnbild für die konservativen moralischen Werte der japanischen Kultur verstanden und vermarktet.Colette Balman: Introduction to Japanese horror film. Edinburgh 2008, S. 122.

Davon abweichend werden Idole mit ausdrücklich erotischer Konnotation, insbesondere Erotikmodelle, als Gravure Idol (, gurabia aidoru, von englisch gravure = Tiefdruckverfahren für Fotos) und Pornodarstellerinnen als AV Idol (von Adult Video) bezeichnet. Auch männliche Darsteller wie Masahiro Nakai (auch Nakai-kun) von der Gruppe SMAP werden mitunter als Idole bezeichnet (und definieren sich selbst über ihren Status als Idole), ihre Prominenz gründet jedoch vorwiegend auf ihrer Tätigkeit beispielsweise im Film oder Musikgeschäft und entspricht eher dem im westlichen Kulturkreis verbreiteten Verständnis von Idol oder Star in Bezug auf Schauspieler und Musiker. Anders als die im westlichen Kulturkreis und auch in Japan bekannten und etablierten Stars sind japanische Aidoru/Idol jedoch vorwiegend weiblich und häufig als Sänger und Schauspieler in Kino und Fernsehen (Tarento), aber auch Models (im Falle von Frauen) für Männermagazine wie Freitag und Shūkan Gendai tätig.

Definition Rollen und Ausbildung Idols sind Unterhaltungskünstler, denen ein künstliches Image antrainiert wird um eine möglichst große Fangemeinde als Konsumenten zu gewinnen. Talentagenturen kommerzialisieren ihre Idols, indem diese von den Agenturen in sehr jungen Jahren – meist Teenager oder jünger – rekrutieren. Diese haben meist kaum oder gar keine Erfahrungen in der Unterhaltungsbranche und werden daher als „aufstrebende Stars“ vermarktet. Idols werden auf Basis ihres s, ihrer Attraktivität und ihrer Persönlichkeit vermarktet. Das Hauptziel eines Idols ist es, „Träume zu verkaufen“ und dem Hörer eine Fluchtmöglichkeit vor Alltagsproblemen zu bieten. In erster Linie sind Idols Sänger, werden aber auch in anderen Unterhaltungsbereichen wie dem Schauspiel, Tanz und dem Modeln ausgebildet. Die Art der Rekrutierung und Ausbildung von Idols wurde von Johnny Kitagawa, dem Gründer der Talentagentur Johnny & Associates, geschaffen und findet bis heute Anwendung in der Idol-Industrie, wie etwa bei koreanischen Idols im K-Pop, wobei koreanische Idols ein sehr strenges Training durchlaufen, während von japanischen Idols lediglich erwartet werde, „süß“ und eher Unterhalter anstatt ein Künstler zu sein.

Oft verbringen Idols ihre Zeit isoliert von Familie und Freunden, da sie einen straffen Zeitplan verfolgen. Manche Agenturen halten Aufträge gezielt zurück, um diese kurzfristig an ihre Künstler auszuhändigen. Damit soll verhindert werden, dass ein Idol eine Auszeit nimmt. Andere Agenturen trainieren ihre Künstler nicht rigoros, sondern vermarkten diese als Amateure, die im Laufe ihrer Karriere und der Unterstützung ihrer Fans Erfahrung sammeln. Obwohl sie in unterschiedlichen Entertainmentbereichen trainiert werden, wird von japanischen Idols nicht erwartet ähnliche Ergebnisse zu erreichen wie Personen, die eine professionelle Ausbildung in einem Entertainmentzweig durchlaufen haben. Aufgrund ihres künstlich erzeugtes Image werden Idols oftmals nicht als authentische Künstler betrachtet. Aus diesem Grund lehnen junge Schauspieler und Musiker das Idol-Label ab, da sie als professionell betrachtet werden wollen.

Musik von Idols werden generell dem J-Pop zugeordnet, wobei Talentagenturen diese meist als Idol Pop vermarkten. Viele Idols erreichen Erfolg als Teil einer Idol-Gruppe anstatt als Solokünstler. Innerhalb solcher Gruppen hat erhält jedes Mitglied eine Rolle. So gibt es eine Person, die bei Choreografien als Center fungiert, der auf Konzerten im Mittelpunkt steht und somit den größten Fokus erhält. Ein anderes Beispiel ist die Rolle des Leaders (Anführer), welche oftmals dem ältesten oder dem erfahrensten Mitglied der Gruppe zuteilwird. Der Leader fungiert als Ansprechperson für die anderen Mitglieder und den übrigen Beteiligten.

Öffentliche Wahrnehmung In der Öffentlichkeit werden Idols als Rollenmodell angesehen. Das Privatleben und Ansehen kann von ihren Talentagenturen oft stark kontrolliert werden. Verbote für Idols erstrecken sich vom Tabak- und Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit oder das Führen von romantischen Beziehungen.

Kostüme mini|300px|AKB48 machten stilisierte Schuluniformen als Kostüme populär. Idols bestreiten ihre Auftritte in aufwendig gestalteten Kostümen. Diese werden für jedes Lied in einem Werbezyklus oder Verabschiedungen (siehe Ausstieg) angefertigt. Manche Gruppen haben überdies einen eigenen Kostümdesigner. So wurden für die Idol-Gruppe AKB48 seit 2017 mehr als 1.100 Kostüme angefertigt. Die Kostüme, die von weiblichen Idols getragen werden, werden generell als „süß“ beschrieben, die von männlichen Kollegen hingegen als „cool“.

In vielen Idol-Gruppen wird die Schuluniform als Standardkostüm genutzt. Die Integration der Schulinform in der japanischen Idol-Industrie geht auf die Gruppe Onyanko Club zurück, welche im Jahr 1985 debütierte und „Schule“ als Grundkonzept nutzte. Nach der Trennung der Gruppe im Jahr 1987 begannen andere Gruppen wie CoCo und Ribbon, zwei Gruppen die vom Fernsehsender Fuji TV aufgestellt wurden, Schuluniformen bei ihren Auftritten zu tragen, gefolgt von Seifuku Kōjō Iinkai im Jahr 1992 und Morning Musume Anfang der 2000er. Als die Gruppe AKB48 im Jahr 2006 debütierte, nutzten die Mitglieder individuelle, leicht abgewandelte Kostüme, die auf die Schuluniformen basieren und übertrugen diese auf ihre Schwesterngruppen Sakura Gakuin und Sakurazaka46 mit leichten Änderungen, die zum Image der Gruppen passen.

Im Jahr 2017 schrieb Nihon Tarento Meikan, dass die stilisierten Schuluniformen dank der Gruppe AKB48 durch ihre einzigartigen Designs große Popularität genießen. Unter männlichen Fans gewann die Schuluniform aus Nostalgiegründen große Beliebtheit, während diese bei Mädchen lediglich aufgrund von Anime erst ab 2010 einen Beliebtheitsanstieg verzeichnete.

Ausstieg Von japanischen Idols wird in der Regel erwartet, dass diese nach dem Ausstieg aus der Idol-Industrie, einen Karriewechsel vollziehen. Weibliche Idols verlassen die Branche durchschnittlich in einem Alter von 25 Jahren, während männliche Kollegen zwischen bis zu ihrem 30. bzw. 45. Lebensjahr in dieser verbleiben. Idols, die eine Gruppe verlassen erhalten oftmals ein Abschiedskonzert, die als Graduation (auf Deutsch etwa Schulabschluss, Japanisch ) bekannt sind.

Der Begriff geht auf die Idol-Gruppe Onyanko Club zurück, dessen jugendlich anmutendes Konzept Ähnlichkeiten mit einem Schulclub aufwies und die letzte Single mit Miharu Nakajima um den Zeitraum des Schulabschlusses veröffentlicht wurde. Auch wurden für den Ausstieg eines Mitglieds die Begriffe Rückzug oder Trennung verwendet. Graduation als Begriff für das Ausscheiden eines Gruppenmitglieds oder die Auflösung der gesamten Gruppe wurde in den 1990er-Jahren während des Revivals von Idol-Gruppen wieder vermehrt verwendet als der Produzent Tsunku, der die Gruppe Morning Musume produziert, den Begriff als Euphemismus für den Ausstieg eines Gruppenmitglieds verwendete. Ein Idol, welches mit einem Konzert aus der Industrie verabschiedet wird, wird von der Gesellschaft als positiv empfunden, während eine Vertragsauflösung oder freiwilliger Rückzug kritisch betrachtet und meist mit einem Skandal in Verbindung gebracht werden.

Geschichte 1960er- bis 1980er-Jahre: Nachkriegszeit und erste Idols mini|200px|Sylvie Vartan (1966) war der ursprüngliche Inbegriff der Bezeichnung Idol, nachdem ihr Auftritt im Film Cherchez l'idole (1964) in Japan positiv wahrgenommen wurde. Die Popularität von Sängerinnen kann bis zu den 1960er-Jahren zurückverfolgt werden. In dieser Zeit erlebte Sayuri Yoshinaga, eigentlich eine Filmschauspielern, auch als Musikerin erste nationale Erfolge. Auch die Takarazuka Revue und Theatershows der Meiji-Periode erfreuten sich großer Beliebtheit. Im Jahr 1962 gründete der US-amerikanisch-japanische Unternehmer Johnny Kitagawa seine Talentagentur Johnny & Associates und stellte mit den Johnny’s seine Gruppe zusammen, die in der Nachbetrachtung als erste Idol-Gruppe Japans bezeichnet wurde. Kitagawa wird außerdem zugeschrieben, der Erfinder des so genannten Idol-Trainee-Systems zu sein, in denen potenzielle Talente bereits in jungen Jahren unter Vertrag genommen und bis zu ihrem offiziellen Debüt in Gesang, Tanz und Schauspiel ausgebildet werden. Dennoch wurde das Konzept eines Idols bis zum November des Jahres 1964 definiert. Erst mit dem Erscheinen des französischen Kinofilms Cherchez l'idole, welcher in Japan unter dem Titel Aidoru o Sagase () in welchem die Schauspielerin Sylvie Vartan mitspielte, wurde eine Definition gefunden. Vartans Lied La plus belle pour aller danser allein in Japan mehr als eine Million Mal verkauft. Sie wurde für ihr jugendliches, süßes Aussehen und musikalisches Talent verehrt, was dazu führte, dass die japanische Unterhaltungsbranche den Begriff Idol Sängerinnen zuschrieben, die eine ähnliche Ästhetik zeigten.