Als finnische Mythologie werden die frühen Glaubensvorstellungen der Finnen zusammengefasst. Es handelt sich um einen schwer abgrenzbaren Teilbereich der Mythologie der finno-ugrischen Völker. Verbindend sind Grundelemente der Kosmogonie, der Glaube an die Macht von Zauberern und Schamanismus. Das finnische Nationalepos ist die Kalevala.

Erstmals erwähnte Bischof Mikael Agricola in seiner Einleitung zur finnischen Übersetzung des neuen Testaments 1551 die finnische Mythologie. Er beschrieb mehrere Götter und Geister. Finnische Mythen wurden von Elias Lönnrot in der Kalevala zusammengefasst und trugen zum finnischen Nationalbewusstsein bei.

Entstehung und Aufbau der Welt 320px|mini|Aufbau der Welt A HimmelskuppelnB PolarsternC SäuleD Kinahmi, der StrudelE Pohjola, das Nordland F bewohnbare WeltG Lintukoto am Ende der WeltH Tuonela, das Totenreich, wahrscheinlich kopfüber

Die finnische Mythologie besagt, dass die Welt aus den sieben Eiern eines Entenvogels entstanden ist, die auf dem Knie der Göttin der Lüfte, Ilmatar, abgelegt wurden, dann heruntergefallen sind und im Urmeer zerbrachen. Die Eierschalen bildeten die Himmelskuppeln und das Land, das Eigelb die Sonne und den Sonnengott Päivätär, das silberne Eiweiß den Mond und den Mondgott Kuu. Aus weiteren kleinen Eierschalenstücken bildeten sich die Sterne.

Der Himmel stützt sich auf eine Säule, die auf dem Nordpol steht. Die Bewegung der Sterne wurde damit erklärt, dass sich am Nordpol ein riesiger Strudel, Kinahmi genannt, befindet, der die Säule und das darauf befestigte Himmelszelt dreht. Durch diesen Strudel sollen auch die Seelen der Menschen in das Totenreich Tuonela gelangen.

Die flache Erde ruht in der Mitte des Urozeans. Am Ende der Welt sollte Lintukoto sein, die Heimat der Vögel, eine warme Region, in die sich die Vögel im Winter zurückziehen. Die Milchstraße wurde Linnunrata (deutsch: „Der Weg der Vögel“) genannt, da man glaubte, dass die Vögel auf dieser nach Lintukoto und wieder zurück gelangten.

Vögel haben auch ansonsten eine große Bedeutung in der finnischen Mythologie. So bringen sie dem Menschen bei seiner Geburt seine Seele und bringen sie beim Tod wieder weg. Um seine Seele im Schlaf zu schützen, musste man eine hölzerne Vogelfigur in seiner Nähe haben. Dieser Seelenvogel, Sielulintu genannt, verhindert, dass die Seele in den Träumen verloren geht.

Helden, Götter und Geister Ägräs: Schutzgott der Pflanzen und Gott des Weins Ahti (auch Ahto): Gott des Meeres und des Fischens Ajatar (auch Ajattara oder Aijo): böser Waldgeist Akka: Mutter Natur, Frau von Ukko Antero Vipunen: verstorbener Riese Heikki Luunta; Schneegeist Hiisi: Dämon Ilmarinen: einer der wichtigsten Helden des Kalevala-Epos, zauberkräftiger Schmied, Erschaffer des Sampo Ilmatar (auch Luonnotar): Göttin der Lüfte, Erschafferin der Welt und Mutter von Väinämöinen Jumala: Gott des Himmels, Jumala wurde später der Gott der Christen genannt Kalevan poika: riesiger Held, der ganze Wälder fällen kann Kalma: Göttin des Todes und der Verwesung Kave: ehemaliger Gott des Himmels, später der Gott des Mondzyklus, Vater von Väinämöinen Kullervo: tragischer Charakter der Kalevala Kuu: Der Gott des MondesKUU auf godchecker.com Lemminkäinen (auch Kaukomieli): einer der wichtigsten Helden des Kalevala-Epos, leichtsinnig, abenteuerlustig Lempo: böser Geist Louhi (auch Loviatar): Königin von Pohjola Maahiset, kleine Geister unter der Erde, leben in einer verkehrten Welt, tauschen Kinder gegen Wechselbälge aus und bringen Krankheiten Menninkäinen: Gnom bzw. Goblin Mielikki: Göttin des Waldes und der Jagd, Frau von Tapio Näkki: furchtsamer Geist in Pfützen und Brunnen Nyyrikki: Gott der Jagd, Sohn von Tapio Otso: Geist des Bärens Päivätär: Göttin der Sonne und des Sommers Peikko: Troll Pelto-Pekka: Gott des Bieres und der Trunkenheit Pekko (auch Pellon-Pekko): Gott des Feldes und der Früchte Piru: Dämon Rahko: Gott der Zeit Sampsa (auch Pellervo): Gott der Ernte Surma: Monster, das die Grenzen von Tuonela bewacht Tapio: Gott des Waldes Tellervo: Göttin und Helferin von Tapio und Mielikki Tonttu: Schutzgeist, Wichtelmann (Kotitunttu – Schutzgeist des Hauses, Pihatonttu – Schutzgeist des Gartens, Saunatonttu – Schutzgeist der Sauna u. a.) Tuonetar: Göttin der Unterwelt Tuonela Turisas: Gott des Krieges. Tuulikki: Göttin des Waldes, Tochter von Tapio und Mielikki Ukko: Hochgott, Gott des Himmels und des Donners Väinämöinen: weiser Held und magischer Musiker Vellamo: Göttin des Meeres und des Sturmes, Frau von Ahti Vedenemo: Göttin des Wassers

Literatur Uno Holmberg-Harva: The mythology of all races. Band 4: Finno-Ugric, Siberian. Marshall Jones, 1927. Lauri Honko: Finnische Mythologie. In: Hans Wilhelm Haussig (Hrsg.): Götter und Mythen im Alten Europa (= Wörterbuch der Mythologie. Abteilung 1: Die alten Kulturvölker. Band 2). Klett-Cotta, Stuttgart 1973, ISBN 3-12-909820-8. Juha Pentikäinen: Kalevala mythology. Indiana University Press, 1999, ISBN 0-253-21352-5. Leea Virtanen, Thomas Andrew DuBois: Finnish folklore. Finnish Literature Society, 2000, ISBN 951-717-938-3.

Weblinks Datenbank finnischer Götter (englisch) The Information Center for the Kalevala and Karelian Culture: JUMINKEKO, Kuhmo – Finnland (englisch)

Einzelnachweise