mini|Panorama von Dravograd. Dravograd () ist eine Kleinstadt und Gemeinde in Slowenien, die zur statistischen Region Koroška zählt. Die Stadt ist der Hauptort und Verwaltungssitz der Gemeinde Dravograd.
Name Unterdrauburg war die letzte flussabwärts gelegene Gemeinde des Herzogtums Kärnten an der Drau an der historischen Landesgrenze zur Untersteiermark. Daher die Namensgebung, im Gegensatz zu Oberdrauburg, dem ersten flussaufwärts gelegenen Ort, an dem die Drau, aus Osttirol kommend, Kärnten erreicht.
Aus dem mittelalterlichen Namen Traberch entstand der slowenische Name Tráberk, der heute noch von der einheimischen Bevölkerung verwendet wird. Ab 1948 wurde der Name Dravograd eingeführt, Grundlage der Namensänderung war ein Gesetz aus dem Jahre 1948, das die Umbenennung aller religiösen und deutschen Bezeichnungen für Orte, Plätze und Straßen vorsah.Spremembe naselij 1948–95 (deutsch: Änderung von Siedlungsnamen 1948–1995). 1996. Database. Ljubljana: Geografski inštitut ZRC SAZU, DZS.
Geographie Lage Dravograd liegt am Zusammenfluss dreier wichtiger slowenischer Flüsse: Die von Süden strömende Mislinja (Missling) mündet in die von Südwesten kommende Meža (Mieß), die wiederum etwa einen Kilometer danach in die Drau (Drava) mündet. Daneben gehören noch die südlichen Ausläufer der Koralpe (Golica), das westliche Ende des Pohorje (Bacherngebirge) und östliche Teile der Karawanken (Karavanke) zur Kommune. Der höchste Berg ist der Koschenak (slowenisch: Košenjak) mit einer Höhe von 1522 m.
Das Gemeindegebiet umfasst Teile von zwei historischen Regionen, und zwar von Koroška (Unterkärnten) und von Spodnja Štajerska (Untersteiermark). Die letztgültige Grenze verlief von Norden einem Höhenrücken der Koralpe zwischen den Dörfern Kozji Vrh (gehörte zu Koroška) und Vrata (zu Spodnja Štajerska) folgend, bis zur Drau. Von dort folgte sie dem Flusslauf nach Westen bis zur Einmündung der Meža und anschließend dem eben genannten Fluss entlang bis zur heutigen Gemeindegrenze. Die nördliche und westliche Hälfte der heutigen Gemeinde inklusive des Hauptortes zählten somit zu Koroška, die südliche und östliche Hälfte zur Spodnja Štajerska.Spezialkarte der Österreichisch-ungarischen Monarchie 1:75.000 – Unterdrauburg 5354. (1913)
Die nächsten größeren Städte sind Slovenj Gradec etwa 10 km südlich, Maribor etwa 47 km östlich und Klagenfurt in Österreich ca. 55 km westlich. Außerdem ist der Ort Sitz der Verwaltungseinheit Dravograd (slow.: Upravna enota Dravograd), die jedoch lediglich Dravograd selbst umfasst.
Wappen und Flagge Das Stadtwappen hat die Form eines Schildes. Über dem grünen Feld am unteren Rand des Schildes befindet sich auf blauem Grund ein weißes Osterlamm mit einer roten Fahne und einem weißen Kreuz. Grundlage für die Gestaltung des Wappens ist das Unterdrauburger Siegel von 1575.
Die Flagge der Gemeinde ist rot mit dem Wappen im unteren Teil. Das Verhältnis von Länge zur Breite der Flagge beträgt 1:2.
Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Das Drautal war, wie Funde in Dravograd belegen, schon in der Steinzeit besiedelt. Auch gab es eine römische Siedlung und Straße am Südufer der Drau, wie Funde am Friedhof in Šentjanž pri Dravogradu bezeugen.http://rkd.situla.org;/ Slowenisches Kulturministerium; Register des unbeweglichen Kulturerbes, Nr. EŠD: 29280
mini|links|Ruine Unterdrauburg von Nord
Mittelalter Unterdrauburg wurde zum ersten Mal 1161 als Traberch (Drauburg) schriftlich erwähnt: In einer Urkunde wird um 1161 von einem Ortolfus senior de Traberch berichtet und von einer Burg, die oberhalb der Drau errichtet wurde. Diese Burg, die widerrechtlich auf dem Grund des Stifts Sankt Paul im Lavanttal von Cholo I. (auch: Kolo I.) von Trixen, einem steirischen Ministerialen, der mit den Spanheimern verwandt war, erbaut wurde, war die Keimzelle der Siedlung Traberch, die gegenüber der Mündung der Mieß in die Drau entstand. Eine Fähre über die Drau sicherte den Handel und die Mauteinkünfte.Pavle Blaznik, Slovenska štajerska in Jugoslovanski del Koroške do leta 1500 (Maribor 1986), S. 167. Die Stadt gehört daher zu den ältesten urkundlich erwähnten Orten des heutigen Slowenien.
Der Abt des Stifts Sankt Paul im Lavanttal beschwerte sich am 9. August 1177 bei Papst Alexander III., dass das castrum Trahburck widerrechtlich auf dem Grund des Klosters errichtet wurde. Der Papst beauftragte daraufhin den Salzburger Erzbischof Konrad III. von Wittelsbach und den Bischof von Gurk, Roman von Leibnitz, mit der Zerstörung der Burg. Weil jedoch Papst Alexander III. in Streit mit Kaiser Friedrich Barbarossa lag und der Salzburger Bischofssitz umstritten war, kam es aber nicht zur Abtragung der Burg und Zerstörung der Siedlung.
Da Cholo nicht mehr zu vertreiben war, schloss das Stift St. Paul zwischen 1180 und 1190 einen Vergleich mit Cholo und seinem Bruder Heinrich I. von Trixen: Das Gebiet blieb unter Oberhoheit des Stiftes und die Trixener behielten die Burg Traberch und das umgebende Gebiet als Lehen. Die Burg mit ihrer Siedlung am Fluss wurde immer bedeutender, so dass schon 1185 ein Markt Traberch mit einer Brücke über die Drau und einer Mautstelle erwähnt wird.
mini|links|St. Veit, romanische Pfarrkirche, erbaut zwischen 1167 und 1171.Es bildete sich im Laufe der Jahre die Herrschaft Unterdrauburg aus, die aus dem Gebiet nördlich der Drau um die Burg Unterdrauburg entstand, zu der u. a. die Siedlungen Witsch (slowenisch: Vič), Sankt Sebastian (Sveti Boštjan), Bernik, Klausen, Rovinhof und Mohrenhof gehörten. 1237 war der Ort schon so groß, dass eine eigene Pfarrei, Sankt Veit, eingerichtet wurde.
1261 starb das Geschlecht der Trixener aus (nach anderen Quellen 1278)web.archive.org und Graf Heinrich von Pfannberg erwarb gegen eine Geldzahlung Unterdrauburg als Lehen des Klosters St. Paul. Nach dem Tode Heinrichs 1282 übernahm die Herrschaft sein ältester Sohn Herrmann, der 1286 oder 1287 verstarb. Seine Ehefrau war Elisabeth von Heunburg, die Tochter Ulrich II. von Heunburg, so dass ab 1286/87 Graf Ulrich II. Besitzer von Unterdrauburg war. 1303 heiratete Elisabeth nochmal, und zwar Heinrich von Hohenlohe, und brachte die Herrschaft Unterdrauburg als Mitgift in ihre zweite Ehe ein.
1304 erkannte Herzog Heinrich von Kärnten die alten Lehensrechte des Stifts St. Paul für Burg und Herrschaft an.Urkunde Signatur 104 im Archiv des Stifts St. Paul Sein Nachfolger, der Herzog von Kärnten und der Krain, Otto III. erwarb von Abt Weriand kurz darauf Herrschaft und Burg Unterdrauburg. Damit endete vorläufig die Beziehung des Klosters mit Unterdrauburg.
Otto III. verpfändete nach dem Kauf Unterdrauburg an seinen Ministerialen Konrad III. von Auffenstein. Konrad starb 1368 bei der Schlacht von Bleiburg, als er an einem Aufstand gegen die Habsburger Herzöge Albrecht III. und Leopold III. teilnahm.
So kam die Herrschaft 1368 an die Habsburger, welche Unterdrauburg an die Stubenberger verliehen.
1375 wurde Burg und Herrschaft Unterdrauburg an Johann von Liechtenstein verliehen. Bereits zwölf Jahre später wurde sie 1387 dem Grafen Hermann II. von Cilli als Lehen gegeben.Christian Domenig: Tuon kundt. Die Grafen von Cilli in ihren Urkunden, S. 316; Universität Klagenfurt, Januar 2004. Bei den Grafen von Cilli blieb das Gebiet, bis der letzte Graf von Cilli, Ulrich II., am 9. November 1456 starb. Laut Erbvertrag fielen Burg und Herrschaft an die Habsburger, in deren Besitz sie bis 1613 blieb.
Neuzeit In diesem Jahr erwarb der Fürstbischof von Lavant, Georg III. von Palmburg, Unterdrauburg für sein Bistum. Am 8. Juni 1629 konnte Abt Hieronymus MarchstallerUrkunde Signatur 1375 im Archiv des Stifts St. Paul Burg und Herrschaft Unterdrauburg wieder für das Stift St. Paul für 20.000 Gulden erwerben.Carinthia – Zeitschrift für Vaterlandskunde, Belehrung und Unterhaltung, No. 7 und 8, Beda Schroll: Das Benediktiner-Stift St. Paul, S. 173; Klagenfurt 1876.
1715 raffte die Pest einen Großteil der Bewohner hin. Am 10. April 1787 wurde unter Kaiser Joseph II. das Kloster St. Paul im Rahmen der Josephinischen Kirchenreform aufgelöst und samt seinen Besitzungen verkauft.Mlinarič, Jože: Kartuziji Žiče in Jurklošter (Kartause Zice (Seitzdorf) und Jurkloster (Gairach)); Založba Obzorja Maribor. str. 456; 1991. COBISS 29339137, ISBN 86-377-0587-1. Graf Alois von Kuenburg kaufte die Burg und die Herrschaft Unterdrauburg wurde habsburger Kronbesitz.
1782 war Unterdrauburg Marktgemeinde mit Sitz eines Landgerichts und hatte 1972 Einwohner.Quelle: Historisches Ortslexikon der österreichischen Akademie. Statistische Dokumentation zur Bevölkerungs- und Siedlungsgeschichte, Kärnten S. 14; Wien 2016. 1826 wurde die Herrschaft Unterdrauburg aus Kärnten gelöst und dem neu geschaffenen Königreich Illyrien zugeschlagen. 1849 kam das Gebiet wieder zu Kärnten und wurde der Bezirkshauptmannschaft Wolfsberg zugeordnet.
Durch die Kriegswirren bedingt sankt die Einwohnerzahl 1826 auf 388.Das Königreich Illyrien nach seiner neuesten Einteilung; Klagenfurt 1826, S. 53. Trotz einer Cholera-Epidemie 1832/33 stieg die Einwohnerzahl 1843 auf 2175 und 1857 auf 2477.Quelle: Historisches Ortslexikon der österreichischen Akademie. Statistische Dokumentation zur Bevölkerungs- und Siedlungsgeschichte, Kärnten S. 14; Wien 2016.
Am 1. Juni 1863 wurde die Drautalbahn von Klagenfurt nach Marburg eröffnet und Unterdrauburg wurde an das österreichische Eisenbahnnetz angeschlossen. Eine weitere Strecken, die Lavanttalbahn, führte von Unterdrauburg Richtung Wien.
Im Jahr 1880 hatte der Markt Unterdrauburg 711 Einwohner. Davon waren 503 (70 %) deutsch- und 192 slowenischsprachig (27 %).K.K. Statistische Central-Commission, Special-Orts-Repertorien der im Oesterreichischen Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder. Band V Kärnten (Wien 1883) S. 92. Zu dieser Zeit war der Ort in Kärnten eine deutsche Sprachinsel in einem hauptsächlich slowenisch besiedelten Gebiet, aber über die Steiermark direkt mit dem geschlossenen deutschen Sprachraum verbunden: über die Gemeinden Eibiswald und Hohenmauthen (heute Muta).
20. und 21. Jahrhundert
Am Ende des Ersten Weltkrieges kam es im Rahmen des Kärntner Abwehrkampfes ab dem 18. November 1918 zu Kämpfen zwischen der slowenischen Freiwilligen Armee unter Rudolf Maister, den „Maistrovi borci“, und Soldaten der Freiwilligen-Armee des Landes Kärnten. Unter Franjo Malgaj wurde Unterdrauburg am 3. Dezember 1918 von Slowenen besetzt und die Kärntner Kräfte bis ins Lavanttal zurückgedrängt. Ein Kärntner Rückeroberungsversuch scheiterte und am 14. Jänner 1919 wurde ein Waffenstillstand beschlossen.
Am 29. April 1919 brach Jugoslawien den Waffenstillstand mit einem Großangriff, um Klagenfurt und Villach zu erobern. Die Kärntner Truppen konnten den Angriff zurückschlagen und zum Gegenangriff übergehen. Am 7. Mai 1919 wurde Unterdrauburg durch Kärntner Truppen befreit. Bei diesen Kämpfen fand Franjo Malgaj, der in Slowenien als Volksheld verehrt wird, in Fettengupf bei Unterdrauburg (slowenisch: Tolsti Vrh pri Ravnah na Koroškem) den Tod. Schon 28. Mai 1919 begann ein erneuter jugoslawischer Großangriff, bei dem Unterdrauburg mit Artillerie beschossen und kurze Zeit später erneut von Jugoslawien besetzt wurde.
Von der Kärntner Volksabstimmung 1920 waren Unterdrauburg und das Mießtal durch die Bestimmungen des Vertrags von Saint Germain vom 10. September 1919 ausgenommen. Der damalige Verkehrsknotenpunkt (der Bahnhof befand sich am rechten Drauufer und somit im Herzogtum Steiermark) blieb damit, wie die Untersteiermark, definitiv beim SHS-Staat. Der Ort erhielt jetzt den offiziellen Namen Tráberk.
Im Zweiten Weltkrieg wurde während des Balkanfeldzugs Unterdrauburg in der Nacht vom 8. auf 9. April 1941 von der 2. Armee unter Generaloberst von Weichs besetzt, und zwar vom 49. Gebirgs-Korps unter General Ludwig Kübler.