Die South-Dakota-Klasse war eine Klasse von vier Schlachtschiffen der United States Navy. Sie wurde Ende der 1930er-Jahre aus der North-Carolina-Klasse entwickelt, mit der zusammen sie zu Kriegsbeginn das Rückgrat der US-amerikanischen Schlachtschiffflotte bildete. Die Schiffe, die von 1942 bis 1947 bei der US-Marine in Dienst standen, wurden hauptsächlich auf dem pazifischen Kriegsschauplatz, aber auch zeitweise im Atlantik eingesetzt. Zwei Schiffe der Klasse sind heute als Museumsschiffe erhalten.
Geschichte Planungen Die Planungen für die Nachfolger der North-Carolina-Klasse wurden im März 1937 aufgenommen. Sie sollten die gleiche Kampfkraft wie ihre Vorgänger besitzen, der Schutz der Schiffe sollte aber verstärkt werden, so dass sie auch 406-mm-Granaten widerstehen konnten. Da Schlachtschiffe in ihrer Tonnage noch immer durch den Washingtoner Flottenvertrag begrenzt waren, konnte eine Verstärkung der Zitadelle nur durch deren Verkürzung erreicht werden. Mit der Verkürzung der Zitadelle ging auch eine Verkürzung des gesamten Schiffsrumpfes einher, die nahezu gleich bleibende Breite des Rumpfes verschlechterte daher das Länge/Breite-Verhältnis. Die geforderte Geschwindigkeit von 27,5 Knoten machte es nötig, eine verstärkte Antriebsanlage mit 10 % mehr Leistung als bei den Vorgängern zu verwenden. Bis zum Sommer 1937 wurden verschiedene Studien eingereicht, welche die unterschiedlichsten Anordnungen von Geschützen und Antriebsanlagen vorsahen. Mit der Festlegung auf 406-mm-Geschütze als Primärbewaffnung sowie der geforderten Geschwindigkeit von mindestens 27,5 Knoten wurde der Entwurf ausgearbeitet und am 4. April 1938 dem Kongress zur Genehmigung vorgelegt. Die ursprünglich in der Flottenvorlage vorgesehenen zwei Einheiten zum Ersatz der veralteten Schlachtschiffe Texas und Nevada wurden nach Bedenken der Kongressabgeordneten über die Spannungen in Europa auf vier erhöht. Die Genehmigung der beiden weiteren Einheiten erfolgte trotz der sich abzeichnenden Anhebung der Verdrängungsgrenze auf 45.000 ts für Schlachtschiffe unter der Bedingung, dass die Tonnagegrenze von 35.000 tn.l. nicht überschritten wurde.
mini|links|hochkant|Stapellauf der Alabama am 16. Februar 1942
Bau Die Bauaufträge für die ersten drei Schiffe der Klasse ergingen am 15. Dezember 1938 an New York Shipbuilding, Newport News Shipbuilding und den Fore River Shipyard der Bethlehem Steel Corporation. Der Bauauftrag für das vierte Schiff erging am 1. April 1939 an den marineeigenen Norfolk Navy Yard. Die South Dakota und die Massachusetts wurden im Juli 1939 auf Kiel gelegt, die Indiana folgte am 20. November 1939, die Alabama am 1. Februar 1940. Der Stapellauf der South Dakota fand nach 23 Monaten Bauzeit am 7. Juni 1941 statt, die Massachusetts folgte am 23. September 1941. Die Indiana wurde am 21. November 1941 vom Stapel gelassen, die Alabama am 16. Februar 1942. Die Indienststellung der vier Schiffe erfolgte nach weiteren Ausrüstungsarbeiten zwischen März und August 1942. Die Gesamtbauzeit betrug bei der Indiana 30 Monate, bei den anderen drei Schiffen zwischen 32 und 34 Monaten. Diese kurzen Bauzeiten wurden durch eine enge Kooperation zwischen den Werften erreicht. So übernahmen Newport News die Konstruktionsarbeiten für die Marinewerft in Norfolk, New York Shipbuilding unterstützten Bethlehem Steel bei den Arbeiten. Die Baukosten pro Schiff betrugen etwa 77 Millionen US-Dollar.
Technik Rumpf und Aufbauten Die Schiffe der South-Dakota-Klasse waren als Glattdecker konzipiert. Die Schiffe hatten eine Gesamtlänge von 207,30 Meter. Die Konstruktionswasserlinie lag bei 202,98 Meter. Die maximale Breite betrug 32,94 Meter, das Länge-Breite-Verhältnis lag bei 6,16:1. Der Tiefgang lag zwischen 8,46 Meter bei 34.563 tn.l. und 11,201 Meter bei 47.006 tn.l. Die Verdrängung lag zwischen 34.044 tn.l. und maximal: 46.310 tn.l. inklusive Treibstoff, Munition und Wasservorräten. Die Schiffe hatten einen Freibord von 8,71 Meter am Bug und 6,27 Meter achtern. Die metazentrische Höhe lag bei 2,18 Metern und der taktische Durchmesser mit 26,5 Knoten (49 km/h) bei 670 Metern.Friedman: US Battleships. United States Naval Institute, Annapolis 1985, S. 448. Der zu etwa 30 % elektrisch geschweißte Rumpf war in 22 wasserdichte Abteilungen unterteilt. Der vom Kiel bis zum Hauptdeck 15,85 Meter hohe Rumpf war in sechs Decks unterteilt und besaß einen Wulstbug. Wie schon bei der North-Carolina-Klasse befanden sich im Rumpf keine Bullaugen, was die Sicherheit erhöhte, aber unter Deck eine Zwangsbelüftung erforderlich machte. Die sechs Decks hohen Aufbauten waren sehr kompakt und als Einheit gehalten, die Schiffe verfügten im Gegensatz zu ihren Vorgängern nur über einen einzelnen Schornstein. Der gepanzerte Kommandoturm wurde in die Brückenaufbauten integriert. Den Abschluss der Aufbauten bildete der 17 Meter hohe Turmmast, der in etwa 38 Metern Höhe über der Wasserlinie den Hauptentfernungsmesser sowie einen Teil der Radaranlagen trug. Die Aufbauten waren mit 55 Metern Länge 15 Meter kürzer als bei den Vorgängern.
Antriebsanlage mini|links|Kesselraum der South Dakota Die ursprünglichen Pläne, mit den Schiffen eine Höchstgeschwindigkeit von über 30 Knoten zu erreichen, wurden aufgrund der dafür benötigten Antriebsanlage, die eine Leistung von über 200.000 WPS liefern musste, und der damit verbundenen Gewichts- und Platzprobleme, aufgegeben.Breyer: S. 271. Die Schiffe waren mit vier General-Electric- bzw. Westinghouse-Dampfturbinensetzen ausgestattet, die jeweils eine Welle antrieben und insgesamt 130.000 Shp (95.615 kW) entwickelten, mit der sie eine Höchstgeschwindigkeit von 27,8 Knoten (51,4 km/h) erreichten. Die zwei äußeren Wellen waren dabei leicht aus der Schiffsachse nach außen geneigt, die beiden inneren Wellen leicht nach innen. Die vierflügeligen Festpropeller der Innenwellen hatten einen Durchmesser von 5,334 Metern, die fünfflügeligen Propeller der Außenwellen maßen 5,398 Meter. Die beiden äußeren Wellen liefen in Kielhacken, die den Strömungswiderstand um 5 % verringerten und die Wellen zugleich vor Beschädigungen schützten. Zwei 25,4 Quadratmeter große Halbschweberuder übernahmen die Steuerung der Schiffe. Die Turbinen bestanden jeweils aus einer zwölfstufigen Hochdruckturbine, einer sechsstufigen Niederdruckturbine, beide für die Vorwärtsfahrt und einer dreistufigen Turbine für Rückwärtsfahrt. Der Dampf wurde von acht ölbefeuerten Wasserrohrkesseln von Babcock & Wilcox (South Dakota, Massachusetts) beziehungsweise Foster Wheeler (Indiana, Alabama) mit einer Temperatur von 454,4 °C und einem Arbeitsdruck von 40,64 bar geliefert. Die Schiffe konnten maximal 7340 tn.l. Heizöl mitführen, was ihnen bei 15 Knoten (27,7 km/h) eine Reichweite von 17.000 Seemeilen (31.484 km) oder 6.400 Seemeilen (11.852 km) bei 25 Knoten (46 km/h) ermöglichte. Sieben Turbogeneratoren mit je 1.000 kW Leistung erzeugten den elektrischen Strom (450 V) für die Bordsysteme. Sie wurden von zwei Hilfs-Dieselgeneratoren mit je 200 kW unterstützt. Die gesamte elektrische Leistung betrug 7.400 kW.Garzke, Dulin: S. 101.
Bewaffnung Hauptbewaffnung mini|Die vorderen Geschütztürme der South Dakota während des Atlantikeinsatzes 1943 Die Hauptbewaffnung bestand aus neun 406-mm-(16-Zoll)-Kanonen in drei Drillingsgeschütztürmen mit einem Drehgewicht von 1.403 bis 1.437 tn.l. Die Türme befanden sich vor und hinter den Aufbauten mit den Bezeichnungen I und III von vorn nach achtern. Die 18,7 Meter langen Geschütze hatten einen Seitenrichtbereich von 300 Grad. Die Kanonen selbst wogen 85 tn.l. und hatten bei einer maximalen Elevation von 45° und einer Mündungsgeschwindigkeit von 701 m/s eine Reichweite von 33.741 m. Sie verschossen 862 bis 1.225 kg schwere Granaten mit einer Kadenz von etwa zwei Schuss pro Minute. Die seitliche Ausrichtung erfolgte durch einen 223 kW starken Elektromotor mit einer Geschwindigkeit von 4° pro Sekunde. Die Erhöhung und Absenkung der Rohre erfolgte ebenfalls elektrisch mit einem 45-kW-Motor mit einer Geschwindigkeit von 12° pro Sekunde.Campbell: Naval Weapons of World War Two. Naval Institute Press, Annapolis 1985, S. 117.
Sekundärbewaffnung mini|Die 5-Zoll-Zwillingstürme an der Steuerbordseite der Massachusetts Die Mittelartillerie der Schlachtschiffe bestand aus 16 beziehungsweise zwanzig 127-mm-Geschützen, (5 Zoll) in acht beziehungsweise zehn Mk-32-Zwillinglaffeten mit einem Gewicht von 75 tn.l. Jeweils fünf bzw. vier Geschütztürme befanden sich mittschiffs an back- und steuerbord der Aufbauten. Weil die niedrige Anordnung auf dem Hauptdeck bei der North-Carolina-Klasse sich als teilweise anfällig gegen Wassereinbrüche erwiesen hatte, wurden die Geschütztürme ein Deck höher aufgestellt. Die wechselnde Anordnung blieb erhalten. Die Geschütze wurden von Elektromotoren über ein hydraulisches Getriebe angesteuert. Die seitliche Ausrichtung erfolgte durch einen 29-kW-Motor mit einer Drehgeschwindigkeit von 25° pro Sekunde. Die Erhöhung erfolgte durch einen 5,6-kW- oder 7,4-kW-Motor. Die Erhöhungsgeschwindigkeit lag bei 15° pro Sekunde. Der Ansetzer wurde ebenfalls elektrisch mit einem 3,7-kW- oder 5,2-kW-Motor betrieben. Die 1,7 tn.l. schweren und 4.826 mm langen Kanonen hatten einen Seitenrichtbereich von 160°. Bei einer Elevation von 45° und einer Mündungsgeschwindigkeit von 792 m/s hatten die Geschütze eine Reichweite von 16.640 Metern.Campbell: S. 139.
Flugabwehr mini|40-mm- und 20-mm-Geschütze sowie Feuerleitanlage an Bord der South Dakota
Die Flugabwehr bestand aus sechzehn bis vierundzwanzig 40-mm-Kanonen in acht bzw. zwölf Vierlingslafetten.Die ursprünglich vorgesehene Flugabwehr bestand aus achtundzwanzig 28-mm-L/75-Mk-1-Geschützen. Die maximale Reichweite betrug bei 40° 53’ und einer Mündungsgeschwindigkeit von 792 m/s 6.770 Meter. Die Vierfachlafette war um 360° drehbar und um bis zu 110° nach oben sowie 15° nach unten schwenkbar. Die Geschütze hatten mit einer Mündungsgeschwindigkeit von 881 Metern pro Sekunde und einer Elevation von 90° eine Gipfelhöhe von 6.797 und bei 45° eine maximale Reichweite von 10.180 Metern. Die Kadenz betrug etwa 120 Schuss pro Minute. Ergänzt wurden diese durch sechzehn bis siebenundsiebizg 20-mm-Oerlikon-Maschinenkanonen in Einzel- und Doppellafetten. Die Kanonen hatten eine Kadenz von 250 und 320 Schuss pro Minute, die Reichweite lag bei 4.389 Metern. Die Gipfelhöhe betrug knapp 3.000 m.
Panzerung mini|hochkant|Blick auf die Quer- und Längsschotte der USS South Dakota während des Baus, April 1940