Der Deutsche Nationalrajon Asowo (, ; deutsch auch Deutscher Nationalrayon Asowo oder Deutscher Nationalkreis Asowo) ist ein Rajon der westsibirischen Oblast Omsk in Russland, der unter anderem von gut 4500 ethnischen Deutschen bewohnt wird.
Geographie Das Verwaltungszentrum des Rajons, Asowo, liegt gut 40 Kilometer südwestlich von Omsk. Die Einwohnerzahl betrug am , davon 61,5 % Russen, 19,8 % Deutsche, 7,9 % Kasachen und 5,1 % Ukrainer. auf der Website von Omskstat, Band 4, Tabelle 4
Der Rajon ist mit 1400 km² etwa so groß wie die Insel Rügen. Die Bevölkerungsdichte beträgt somit etwa 16 Einwohner/km².
Der Rajon umfasst 28 Dörfer (davon eins ohne ständige Einwohner), die zu acht Landgemeinden (selskoje posselenije) zusammengefasst sind. Die größten Orte neben dem Rajonverwaltungszentrum Asowo sind Berjosowka, Zwetnopolje, Sosnowka, Alexandrowka, Swonarew Kut und Gauf.
Geschichte und Gegenwart Ab 1893 gründeten russlanddeutsche Umsiedler aus dem europäischen Teil des Russischen Kaiserreichs in dieser Gegend mehrere Dörfer, in denen die deutsche Sprache und Kultur bis in die 1990er Jahre weitergegeben wurden und dadurch erhalten blieben.
Am 13. Oktober 1991 wurde in den Dörfern, die heute den Nationalrajon bilden, ein Referendum zu dessen Gründung abgehalten (Deutsche stellten in dieser Zeit in 16 der Dörfer die Bevölkerungsmehrheit). Bei einer Beteiligung von 71 % stimmten 82,7 % für die Gründung, die daraufhin am 18. Dezember 1991 vom Rat der Volksdeputierten (entsprechend Parlament) der Oblast Omsk beschlossen wurde. Als eigentliches Gründungsdatum gilt der 17. Februar 1992, als der Vorsitzende des Obersten Sowjets der Russischen Föderation Ruslan Chasbulatow diesen Beschluss ratifizierte. Infolge des Zerfalls der Sowjetunion siedelten zunächst auch Deutschstämmige aus den ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan (Kasachstandeutsche), Kirgisistan (Kirgisistandeutsche) und Tadschikistan (Deutsche in Tadschikistan), aber auch aus anderen Teilen Sibiriens in dieses Gebiet um.
Um den Deutschen in Russland eine Perspektive zu geben, unterstützte die deutsche Bundesregierung den Nationalrajon Asowo auf vielfältige Weise. Lehrer halfen beim Deutschunterricht in den Schulen; Jungjournalisten schrieben für die Rajonzeitung Ihre Zeitung, Straßen wurden asphaltiert, Betriebe gebaut oder modernisiert. Nicht alle Mittel jedoch kamen auch wirklich der einfachen einheimischen Bevölkerung zugute, wie z. B. das neue „Villenviertel“ am Rande von Asowo. Mit der Verschlechterung der wirtschaftlichen Gesamtlage Russlands in den 1990er Jahren wuchs daher die Ausreisebereitschaft der Deutschstämmigen rapide an. Viele der Deutschen haben den Nationalrajon inzwischen in Richtung Deutschland verlassen, so dass sich der Anteil der Deutschen an der Bevölkerung mittlerweile etwa halbiert hat.
Viele der Verbliebenen sprechen kein Deutsch mehr als Hauptsprache; die meisten stammen aus ethnisch gemischten Familien oder leben in solchen Familien. Die Administration des Rajons legt jedoch viel Wert auf die Aufrechterhaltung deutscher Kultur.
Leiter der Rajonverwaltung (vergleichbar mit einem Landrat in Deutschland) ist seit 2021 Dmitrij Diser (er löste damit seinen Vorgänger Wiktor Sabelfeld, der seit 2010 Leiter war, ab). Von der Gründung des Rajons 1992 bis 2010 war es Bruno Reiter, der 1996, 2000 und 2005 wiedergewählt wurde.
Orte im Nationalrajon Asowo Landgemeindenund zugehörige OrteNamen der Landgemeinden (selskoje posselenije; vergleichbar mit (kreisangehörigen) Gemeinden in Deutschland) in fetter Schrift; darunter die jeweils zugehörigen Orte; Hauptort/Verwaltungszentrum jeder Landgemeinde mit *gekennzeichnetKyrillische SchreibweiseDeutsche Namen(inoffiziell/umgangssprachlich)Status(Typ)S – selo, (eher großes) Dorf; D – derewnja, (eher kleines) Dorf; A – AulEinwohner(2010)Lage Alexandrowskoje 2177 Alexandrowka* Koschkel S 1284 Barsukowka D 64 Ruslanowka D 129 Trubezkoje D 700 Asowskoje 8158 Asowo* S 5997 Berdjanka D 259 Jagodnoje D 254 Juschnoje D 247 Pachomowka D 538 Priwalnoje Warenburg S 863 Berjosowskoje 2550 Berjosowka* S 2200 Segisbai A 350 Gaufskoje 1212 Gauf* Hauwakudr D 1212 Prischibskoje 1755 Kuduk-Tschilik D 354 Kutumbet A 23 Prischib* S 729 Serebropolje Silberfeldrussische Bezeichnung ist die wörtliche Übersetzung des deutschen Namens D 649 Sosnowskoje 2859 Mirnaja Dolina D 305 Nowinka D 167 Popowka Jost D 532 Sosnowka* Schilling S 1778 Tulumbai A 77 Swonarewokutskoje 1923 Koschkarjowo Hofental, Hovental, RosaRosa bezieht sich auf den Namen des Kolchos Rosa Luxemburg D 330 Krutsch Krutsch, Krutschkudr D 320 Swonarew Kut* Scharmantai S 1273 Zwetnopolskoje 2291 Bakse A – Rosa-Dolina Rosental, Rosenthal D 415 Zwetnopolje* Blumenfeld S 1876 Anmerkungen
Siehe auch Deutscher Nationalrajon (Region Altai)
Literatur Ann-Christin Doms, Cornelia Riedel: Asowo – Erinnerungen an goldene Zeiten. In: Eurasisches Magazin vom 30. Juni 2007
Weblinks Webseite des Rajons (russisch) Jens-Robert Schulz: Der Deutsche Nationalkreis Asowo In: CAFE DEUTSCH. Landeskunde. Die deutschsprachigen Staaten und Regionen, 2009
Einzelnachweise
Asowo ! Kategorie:Verwaltungseinheitsgründung 1992