mini|Eine Achumawi um 1920

Die Achumawi oder Achomawi (auch: Ajumawi, Ahjumawi – „Fluss-Volk, d. h. Pit River-Volk“), ein Indianer-Volk im Nordosten Kaliforniens in den Vereinigten Staaten von Amerika, und die sprachlich-kulturell eng verwandten Atsugewi („Volk, das im Kiefernwald lebt“) im Süden zählen zum nordamerikanischen Kulturareal von Kalifornien.

Die Achumawi (neun autonomen Bands, sog. „tribelets“) entlang des Fall River, beiderseits des Pit River bis hin zum Goose Lake an der Grenze zu Oregon und die Atsugewi (Atsugé) (evtl. drei Bands, sog. „tribelets“) am Südufer des Pit Rivers entlang des Hat Creek, Horse Creek und Burney Creeks werden bis heute kollektiv auf Grund ihres Stammesgebiete entlang des gleichnamigen Flusses einfach als Pit River Indians oder Pit River Tribe bezeichnet. Sollten nur die Atsugewi (Atsugé) bezeichnet werden, wurde zumeist der Begriff Hat Creek Indians verwendet.

Kulturell wurden die Achumawi stärker von den nördlich lebenden Stämmen des Columbia Plateau beeinflusst als die Atsugewi (Atsugé), die ihrerseits mehrere Kulturtechniken der Stämme des Great Basin übernommen hatten.

Die Achumawi zählten in den frühen 1800er Jahren ca. 3.000 Stammesangehörige.

Namensherkunft Der Flussname sowie der heute allgemein gebräuchliche Stammesname als “Pit River” wird gemeinhin von der Jagdtechnik der indigenen Bands beiderseits des Flusses abgeleitet. Die Europäer beobachteten, dass die Achumawi und Atsugewi auf Wildwechseln entlang des Flussufers Fallgruben oder trapping pits anlegten, um Rehe und andere Wildtiere zu fangen, die dort zum Trinken kamen. Diese Pits waren so zahlreich, dass daher der Fluss und die in seinem Einzugsgebiet lebenden Bands einfach als Pit River bezeichnet wurden.

Anthropologen und Linguisten benutz(t)en fälschlicherweise kollektiv den Sammelbegriff “Achumawi / Achomawi”, dieser Begriff leitet sich von acúmmáááwi / ‘àdzùmà·wi’ (Name einer einzigen Band entlang des Fall Rivers und des Mittellaufs des Pit Rivers) her; in ihrer Sprache bedeutet acúmmá / ‘àdzùmà / achoma / aj'umma' “Fluss” (im Allgemeinen gleichgesetzt mit dem Pit River) bzw. wàdzùm-à “fließendes Gewässer” und das Suffix wi bezeichnet „Leute / Bewohner“ oder „Leute / Bewohner von …“. So wird acúmmáááwi / ‘àdzùmà·wi’ bzw. Achomawi mit „Fluss-Volk, d. h. Pit River-Volk“ übersetzt.

In ihrer Kultur/Sprache gab es kein kollektives Wort für alle neun Achumawi-Bands oder eine politisch-militärische Idee einer gemeinsamen Nation (Identität), sie sprachen von sich selbst einfach als is („Mann, Person; Leute“) oder íssíícann (“Volk”) und identifizierten sich als Gruppe anhand ihrer gemeinsamen Sprache – und schlossen hierbei die Atsugewi aus (diese wurden als verwandte, jedoch separate Ethnie betrachtet, da beide Sprachen gegenseitig nicht verständlich waren), manchmal bekämpften sich die einzelnen Bands gegenseitig.

Heute bezeichnen die “Achumawi/Achomawi” und Atsugewi in ihrem eigenen aktuellen Sprachgebrauch den Fluss, ihre beiden Sprachen sowie sich selbst daher als Pit River, Pit River language und Pit River Tribe/Indians.

Die feindlichen Klamath (ál ámmín) und Modoc (lutw̓áámíʼ) im Norden nannten die „Pit River Indians“ P'laikni bzw. P'laitankni (“Hochland/Bergbewohner”) oder später ebenfalls nach dem Pit River (Klamath-Modoc-Name: Moatuashamkshini/Móatni Kóke – “Südlicher Fluss”) Móatuash maklaks („Südliches Volk“).

Palaihnihan-Sprachen Beide Stammesgruppen (Achomawi und Atsugewi) sprachen zwei verwandte, jedoch gegenseitig nicht verständliche Sprachen, die sich nochmals in mehrere Dialekte unterteilten und lt. Powell als Palaihnihan-Sprachen (auch: Palaihnih oder Laikni)"Palaihnihan", "Palaihnih" oder "Laikni" sind Entlehnungen aus der Sprache der feindlichen Klamath und Modoc eine eigene Untergruppe der Hoka-Sprachen bilden; zur Kommunikation waren die Atsugewi gezwungen, Achumawi zu erlernen, und waren daher meist zweisprachig.

Später wies Roland Burrage Dixon nach, dass beide der Familie der Shasta-Sprachen zuzuordnen sind und die Unterfamilie “Shasta-Achomawi” bzw. “Shasta–Palaihnihan” bilden. Abgerufen am 22. Februar 2009Jamie de Angulo, L.S. Freeland: The Achomawi Language., Seite 78. In: "International Journal of American Linguistics VI.2", 1930, Seiten 77–120 Manchmal wird auch eine sog. “Kahi”-Unterfamilie vorgeschlagen (auch als “Nördliches Hokan” oder “Karok-Shasta-Sprache” bezeichnet) bestehend aus: “Shasta–Palaihnihan” (Shasta, Achumawi, Atsugewi), Chimariko und Karuk.

Die Achumawi bezeichneten ihre Sprache als ís si-wa wáó dis-i / ís siwa wó disi („auf unsere Art reden“) oder kurz wáó dis-i (abgeleitet von is – “Volk” und sééwan – “Sprache”).Omniglot – Achumawi (ís siwa wó disi)

Interne Klassifikation Shasta–Palaihnihan Shasta-Sprachen Achumawi oder ís si-wa wáó dis-i (auch: ís siwa wó disi, wáó dis-i, Achomawi, Pit River Indian language) (ein Dialektkontinuum aus neun Dialekten und unterteilt durch die Big Valley Mountains östlich des Fall River Valleys in zwei geographische Dialektgruppen; seit 2013 †) Upriver Achumawi (Östliches Achumawi) Atwamwi Astariwawi Kosalektawi Hammawi Hewisedawi Downriver Achumawi (Westliches Achumawi) Madesiwi Itsatawi Ilmawi Achumawi Atsugewi (seit 1988 †) Atsugé – meist jedoch: Atsugewi (auch: Hat Creek-Dialekt) Wamari'i (auch: Wamari'l, Burney Creek-Dialekt) Aporige – meist jedoch: Apwarugewi (auch: Apwaruge, Dixie Valley-Dialekt)

Verbreitungsgebiet Das ursprüngliche Siedlungsgebiet der Achumawi liegt im Nordosten Kaliforniens in den heutigen Countys Shasta, Siskiyou, Modoc und Lassen und erstreckte sich von Mount Shasta im Nordwesten bis Mount Lassen im Südwesten, die Gipfel des Warner-Gebirgszuges markierten die östliche Grenze. Den Abschluss nach Westen und Nordwesten hin bildete das Territorium der Okwanuchu (yeeti) sowie der Shasta (sástayci / sastííci). Die Modoc (lútw̓áámi / lutw̓áámíʼ) und Klamath (ál ámmí) lebten im Norden, die Yana (tʰísayci) sowie die Maidu (pahhámáálu) im Süden, die Wintun (iqpiimí) im Westen und die Paiute im Osten des Stammesgebiets der Achumawi. Mit all diesen Stämmen führten die Achumawi immer wieder Kriege und kleinere Auseinandersetzungen, nur mit den eigentlich stets friedlich gesinnten Wintun und Maidu gab es kaum Spannungen. Zu den ihnen ebenfalls benachbarten und sprachverwandten Atsugewi (beide Stämme verständigten sich, da die Sprachen untereinander nicht verständlich waren, mit Achumawi) hatten sie ebenfalls meist friedliche Beziehungen, die auf Handel basierten.

Lebensweise Die Achumawi siedelten in der Regel in der Nähe von Gewässern, die Dörfer wurden nur in den Wintermonaten bewohnt, während sie in den Sommermonaten durch ihre angestammten Territorien wanderten. Sie lebten in Hütten, die aus Rinde, Erdgras und Gestrüpp gefertigt wurden. Nahrung beschafften sich die Achumawi überwiegend durch den Fischfang mit Fallen und die Jagd. Dabei unterschied sich die Jagdtechnik von der anderer kalifornischer Stämme. Die Achumawi gruben Löcher auf Wildwechseln. Diese Pits waren in der Nähe der Flüsse besonders zahlreich, weil die Tiere dort zur Tränke kamen und gaben dem Pit River seinen Namen.Stephen Powers: Tribes of California, University of California, 1976, S. 269. Fisch und Fleisch wurde zerlegt und entweder geräuchert oder in der Sonne getrocknet, um dieses später verzehren oder als Tauschware verwenden zu können.John W. Foster, Senior State Archaeologist: Native Fish Traps Along the Shore of Ahjumawi Lava Springs State Park (PDF; 111 kB), abgerufen am 22. Februar 2009. Darüber hinaus sammelten die Achumawi Bucheckern, Pinienzapfen, Wildkräuter, Beeren und insbesondere die Essbare Prärielilie,United States Department of Agriculture, Natural Resources Conservation Service – Plant Guide: Common Camas (PDF), abgerufen am 22. Februar 2009. (Nicht erreichbar am 11. Januar 2021.) die sowohl für den eigenen Verzehr benötigt wurden, aber auch für den Handel mit anderen Stämmen verwendet wurden.

Bands der Pit River-Stämme (Achumawi und Atsugewi) Zu der allgemein als Pit River-Stämme bezeichneten Stammesgruppe zählen insgesamt 11 (manchmal 12) autonome Bands (“tribelets”), die jedoch zwei Völkern angehörten:

Achumawi Bands Die Achumawi lebten beiderseits des Pit Rivers und dessen nördlichen Nebenflüssen und umfassten neun Bands (tribelets), die meist aus mehreren kleineren Dörfern und Camps bestanden, die sich wiederum um eine Hauptsiedlung konzentrierten; die Bands wurden meist nach der Hauptsiedlung oder des Flussgebiets benannt (Anzahl der Siedlungen lt. Kniffen).Achumawi Dictionary (Quelle für indigene Gruppenbezeichnungen)

Upriver Achumawi (Östliche Achumawi) h̓ééwíssátééwiname („Hochland-Volk“), h̓ééwíssáy̓tuwí, meist: Hewisedawi / Ihewisedawi („Volk von der Anhöhe“, „Volk, das hoch oben [in den Bergen] lebt“ bzw. „Goose Lake-Volk“) oder verkürzt Hewise: lebten in mehreren (mindestens fünf) Siedlungen am Westufer des Goose Lake im Norden, im Süden vom Fandango Pass (auch: „Lassen Pass“) durch die Warner Mountains bis zum Cedar Pass; im Westen über den Pit River und hinauf auf die Devil's Garden-Hochebene; im Englischen meist als „Goose Lake Achomawi“ oder „Goose Lake People“ bezeichnet astaaqííw̓awíname, astaaqííw̓awí, astaaqííw̓ayci, meist: Astarawi / Astariwawi oder Astakwaini owte (in Atsugewi) (beides: „Volk von/vom astaaqí/astaaqííw̓a, d. h. der heißen Quellen/des heißen Ortes“) oder Matsiamne („Fischessendes Volk“): ihre vier Siedlungen lagen entlang des Pit Rivers im Gebiet des heutigen CPD Canby und der dortigen heißen Quellen; im Englischen meist als „Hot Springs Achomawi“ oder „Canby People“ bezeichnet q̓úsyálléq̓tawiname, q̓ússialéq̓taw̓i, q̓úsyálléq̓tawi, q̓óssi álláq̓tawí, meist: Kosealekte / Kosalektawi / Qosalektawi („Volk des Wacholderhains“) oder Astakwaini owte (in Atsugewi) („Volk von/vom den heißen Quellen/des heißen Ortes“): ihre drei Siedlungen befanden sich im Quellgebiet des Pit Rivers südwärts bis zur Gegend des heutigen Alturas (althúúlas); im Englischen meist als „Alturas Achomawi“ bezeichnet h̓ámmááw̓i („Flussaufwärts lebendes Volk“, „Hochland-Volk“), meist: Hammawi / Hamawe („Volk entlang des South Fork Pit Rivers“) oder Apishi (in Atsugewi) („Volk vom Ort am Oberlauf des Pit Rivers“): ihre Hauptsiedlung Hamawe / Hammawi lag in der Nähe der heutigen Ortschaft Likely im Modoc County, das einst auf Grund seiner Lage als “South Fork” bezeichnet wurde, weitere acht Siedlungen befanden sich meist entlang des South Fork; im Englischen meist als „Likely Achomawi“ bezeichnet atw̓ámsini, atw̓áámi, meist: Atwamsini („Volk vom atw̓am (Tal), d. h. Big Valley“) oder Atuami / Atwamwi oder Akui owte (in Atsugewi) („Tal-Volk, d. h. Big Valley Volk“): ihre 27 Siedlungen befanden sich im Hochtal des Big Valleys entlang des Ash Creeks und Pit Rivers; im Englischen meist als „Big Valley Achomawi“ oder „Big Valley People“ bezeichnet. Downriver Achumawi (Westliche Achumawi) acúmmáááwi („Fluss-Volk, d. h. Pit River-Volk“), wannúkyumiʔ („Fall River Volk“), meist: Ajumawi / Achumawi / Achomawi oder Dicowi owte (in Atsugewi) („Volk im Tal des Fall Rivers“): ihre 17 Siedlungen befanden sich entlang des Pit Rivers sowie Fall Rivers bis zu dessen Mündung bei der heutigen Stadt Fall River Mills; im Englischen meist als „Fall River Achomawi“ bzw. „Fall River Mills People“ bezeichnet ílmááwi („Canyon Volk“), meist: Ilmawi / Ilmewi / Ilmiwi („Volk von [der Siedlung] Ilma“ in der Region um die Mündung des Hat Creek) oder Apahezarini (in Atsugewi): ihre 13 Siedlungen lagen von der Einmündung des Burney Creeks in den Pit River, diesen flussaufwärts bis einige Meilen unterhalb von Fall River Mills; im Englischen meist als „Cayton Valley Achomawi“ bezeichnet