mini|Walter Schliephacke (Selbstporträt) Walter Schliephacke (* 12. Oktober 1877 in Ilsenburg; † 24. Oktober 1955 in Volkmarsen) war ein deutscher Maler der Spätromantik. Er beherrschte die Landschafts-, Porträt- und Genremalerei sowie das Stillleben gleichermaßen.

Leben Herkunft und Jugend mini|Stillleben mit Weintrauben Walter Schliephacke wurde am 12. Oktober 1877 in Ilsenburg am Harz als drittes von sechs Kindern geboren. Die Eltern waren der kunstliebende Hütteningenieur Heinrich Schliephacke und die aus einer Orgelbauerfamilie stammende Ehefrau Natalie, geborene Voigt.

Von Ilsenburg zog die Familie nach Bad Harzburg, später dann nach Hannover. Hier besuchte Walter Schliephacke das humanistische Gymnasium, verließ es aber mit sechzehn Jahren, um auch gegen den Willen seines Vaters die Kunstgewerbeschule zu besuchen. Der Vater wollte eigentlich, dass Walter Schliephacke „etwas Ordentliches“ erlernen sollte, denn er hielt die Malerei für brotlose Kunst.

Ausbildung In Hannover studierte Walter Schliephacke zunächst Bildhauerei und wendete sich danach der Malschule von Jordan und später der von Hermann Knottnerus-Meyer zu. In dieser Zeit begegnete er dem Heidedichter Hermann Löns; diese Begegnung spiegelte sich in einigen seiner späteren Heidebilder wider.

Weiteres Schaffen Mit 26 Jahren ging Walter Schliephacke nach München zum Studium an die Akademie, zog sich aber bald in die Ruhe und Abgeschiedenheit von Schleißheim zurück. Dann ging er nach München zurück, um an der Akademie bei Ludwig von Herterich Malstudien zu betreiben.

Auf der Suche nach einem geeigneten Wohnsitz entdeckte der Künstler für sich die nordhessische Stadt Kassel. Hier fand er die Landschaft, die seinen suchenden Sinnen entsprach. Die Galerie hier mit ihren Rembrandt-Bildern diente ihm als Vorbild. Er ließ sich 1907 in Kassel nieder und gründete eine Familie. Mit seiner Frau Amanda, geborene Schelm, hatte er drei Töchter: Trudchen, Gretchen und Lottchen, wie er sie liebevoll nannte. Er schuf zahlreichen Porträts von seinen Töchtern. Er hinterließ 1910 Wandmalereien im Erholungsheim für Eisenbahnbeamte in Bad Karlshafen.

Im Ersten Weltkrieg kam er an die Westfront. Zunächst fand sich hier auch noch Zeit für kleinere Arbeiten wie Zeichnungen, Pastelle und Linolschnitte. Nach dem Krieg musste Walter Schliephacke wieder ganz von vorn beginnen, da die Not überall gegenwärtig war.

Unbeirrt von verschiedenen Kunstströmungen nahm er die alte Entwicklungslinie wieder auf. Im Jahre 1926 heiratete der inzwischen verwitwete Walter Schliephacke eine seiner Schülerinnen, Bertha Nitzsche. Sie war ihm eine gute Kritikerin.

Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Malergruppe 1923.

Von 1923 bis 1934 wohnte die Familie in der Schönen Aussicht 3 im Seitenflügel des Bellevue-Schlößchens, bis der Maler sich im Jahre 1934 ein Haus mit großem Atelier in Kassel-Wolfsanger bauen konnte. Von hier aus besuchte er die ganze nordhessische Region und immer wieder zog es ihn in die Rhön.

In den dreißiger Jahren leitete Walter Schliephacke eine Malschule in Landau/Waldeck. Auch aus dieser Periode seines Schaffens sind zahlreiche Bilder erhalten. Daneben reiste er mit dem damaligen Landeskonservator Friedrich Bleibaum in viele Orte des nordhessischen Raumes und gestaltete dort Kirchen und zahlreiche öffentliche Gebäude mit Wandschmuck aus. Wo sich Fresken fanden, holte Walter Schliephacke wieder unter alten Deckschichten hervor, konservierte und restaurierte sie. Wollte man etwas Neues auf freien Wandflächen, so machte er Vorschläge, Entwürfe und dann die entsprechenden Wandmalereien. Ehrfurcht vor dem Wort Gottes ließ ihn stets gewünschte Bibelsprüche besonders vollendet gestalten. Immer wieder, wenn er selbst ein Werk von sich für reif hielt, übergab er es den Staatlichen Kunstsammlungen in Kassel.

mini|Flucht in Landschaft mit zwei Burgen Der Tod der jüngsten Tochter und das erlittene Leid kann als das immer wiederkehrende Motiv der Flucht in seinen Landschaftskompositionen zu verstehen sein: Der Mensch als immer gehetztes, verfolgtes und gepeinigtes Wesen. Niemals malte Walter Schliephacke eine Landschaft einfach nur ab, stets verarbeitete er sie zuerst vor seinem inneren Auge, um sie dann zu einem eigenständigen Werk zu komponieren. Immer sind Menschen handelnde Wesen oder betrachtende Zuschauer in ihnen. Ein Porträt bildet nicht nur ab, es zeigt das Wesen des Dargestellten, nicht nur den äußeren Schein.

Im Zweiten Weltkrieg wurde sein mit Kunstschätzen, wertvollen Stilmöbeln, Bronzeplastiken und seiner Skizzenmappe sowie zirka 80 Gemälden gefülltes Haus Ende Oktober 1943 ein Raub der Flammen. Er selbst und seine Familie kam mit wenig mehr als dem blanken Leben davon. Freunde und Förderer seiner Kunst halfen ihm mit einer kleinen Jagdhütte in Vaake an der Weser und dem Notwendigsten, damit Walter Schliephacke sein Werk fortsetzen konnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Schliephacke weiter als Kirchenmaler arbeiten. 1947 zog er mit seiner Frau Bertha nach Volkmarsen. Sie bezogen das von seiner Frau ererbte Haus in der Kasseler Straße 7. Notdürftig richtete der Künstler sich hier ein Atelier ein.

Obwohl Walter Schliephacke 70 Jahre alt war und kaum noch scharf sehen konnte, gestaltete er weiterhin Kirchenräume und ähnliches. Zu seinem 75. Geburtstag gratulierte ihm der damalige Bundespräsident Theodor Heuss persönlich. Ein Entwurf für die farbliche Neugestaltung der evangelischen Kirche in Volkmarsen ist verschollen.

Am 24. Oktober 1955 verstarb Walter Schliephacke in Volkmarsen und wurde hier auf dem evangelischen Friedhof zur Ruhe getragen. Sein lebenslanger Freund, Bildhauer Konrad Geldmacher aus Berlin, legte ihm sein Bundesverdienstkreuz mit ins Grab. Nach Ansicht von Konrad Geldmacher habe der Freund Schliephacke diese Ehrung eher verdient als er selbst.

Ausstellungen 1922 -Casseler Kunstausstellung 1938 – Kasseler Kunstverein 1944 – Kasseler Kunstverein im Ballhaus Kassel 1950 – Kasseler Kunstverein im Ottoneum zusammen mit H. Pforr 1956 – Gedächtnisausstellung im Kasseler Kunstverein 1964 – „Berliner Miniaturen“ im Kreisheimatmuseum in Bünde/Westfalen 1991 – Kirchengemeinde Volkmarsen 2007 – Erinnerungsausstellung geplant im Stadtmuseum Hofgeismar

Werkverzeichnis Bei aller Sorgfalt der Recherche kann doch leider kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden.