mini| Maly Delschaft (1927) Martha Amalie Delschaft (* 4. Dezember 1898 in HamburgQuelle: Geburtsurkunde Nr. 3408, Standesamt Hamburg 21, Staatsarchiv Hamburg.; † 20. August 1995 in Berlin) war eine deutsche Schauspielerin und seit etwa 1920 in vielen Spielfilmrollen zu sehen.
Leben
mini|„Kreuzzug des Weibes“; mit Conrad Veidt, Harry Liedtke, Werner Krauss u. a.; Filmplakat 1926 von Lipót Sátori im Atelier Georg Pollak
Die Tochter des Stuckateurs Hermann Friedrich Julius Delschaft und seiner Ehefrau Ida Caroline Christiane, geborene Hillermann, spielte auf Vermittlung ihrer Mutter 1907 am Thalia Theater in Hamburg in einer Bühnenadaption von Anna Karenina eine Knabenrolle.
Nach Schauspielunterricht während der Zeit des Ersten Weltkriegs durch Carl Wagner und Franz Kreidemann debütierte sie 1917 am Stadttheater Bremen. Als Luise Miller war sie hier noch im selben Jahr in Kabale und Liebe erstmals Hauptdarstellerin.
Über ein Engagement in Breslau 1919 wechselte sie Anfang der 1920er-Jahre nach Berlin, spielte dort an verschiedenen Theaterbühnen wie dem Berliner Theater und kam zum Film. Ihre erste wichtige Stummfilmrolle erhielt sie 1924 an der Seite von Emil Jannings in Der letzte Mann. Ähnlich bedeutsam für ihren Durchbruch wurde für sie die Produktion Varieté (1925), wo erneut Jannings ihr Partner war.
In der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre avancierte sie zum Stummfilmstar. Sie spielte typische Berliner Mädel, konnte allerdings außer in dem Tendenzfilm um § 218 Kreuzzug des Weibes (1926) keine besondere Aufmerksamkeit mehr hervorrufen. Die ursprünglich für sie vorgesehene Rolle der Lola Lola in Der blaue Engel ging an Marlene Dietrich.
Im Tonfilm wurden dann ihre Rollen immer kleiner, so dass sie sich verstärkt der Theaterarbeit widmete. 1933/34 trat sie am Kabarett der Komiker auf, 1934 bis 1936 an der Komischen Oper, der Volksbühne und am Theater am Nollendorfplatz, danach vor allem am Theater in der Behrenstraße. Während des Krieges war sie 1941 als Hauptdarstellerin in dem Schwank Der rote Unterrock erfolgreich, womit sie auch auf Tournee für die Truppenbetreuung in Frankreich ging.
Nach 1945 wirkte sie in 16 DEFA-Filmen mit. In Familie Benthin (1950) erlebt sie als in Westdeutschland lebende Mutter, dass ihre Familienangehörigen im Osten besser gestellt sind, und in Die Sonnenbrucks ebenso wie in Das Beil von Wandsbek mimte sie eine verbohrte Nationalsozialistin.
mini|Gedenktafel am Haus Kaiserdamm 89, in Berlin-Westend Bis zum Mauerbau 1961 gehörte sie der Ost-Berliner Volksbühne an. Danach erhielt die in West-Berlin lebende Künstlerin kaum noch Auftrittsmöglichkeiten. 1970 wurde ihr für ihr Lebenswerk das Filmband in Gold verliehen. Im Dezember 1998 widmete ihr die Deutsche Kinemathek in Berlin zum 100. Geburtstag im Arsenal-Kino eine Retrospektive. Die Gedenktafel an ihrem langjährigen Wohnsitz wurde 2001 angebracht. Seit 2016 gibt es im Potsdamer Ortsteil Groß Glienicke einen Maly-Delschaft-Weg.
Filmografie (Auswahl) 1921: Die Berliner Range, 6. Streich: Ihr bester Freund 1921: Der Liebling der Frauen 1921: Danton 1923: Dämon Zirkus 1923: Dudu, ein Menschenschicksal 1924: Der letzte Mann 1924: Lumpen und Seide 1925: Sündenbabel 1925: Der Mann auf dem Kometen 1925: Die drei Portiermädel 1925: Die unberührte Frau 1925: Die Anne-Liese von Dessau 1925: Varieté 1925: Die eiserne Braut 1925: Wenn du eine Tante hast 1925: Der Hahn im Korb 1925: Die da unten 1926: Der Mann ohne Schlaf 1926: Die letzte Droschke von Berlin 1926: Die Wiskottens 1926: Die Liebesbriefe des schönen Franz 1926: Die Fahrt ins Glück 1926: Die Kleine und ihr Kavalier 1926: Jagd auf Menschen 1926: Im weißen Rößl 1926: Kreuzzug des Weibes 1926: Die Abenteuer eines Zehnmarkscheines 1926: Als ich wiederkam 1926: Mitgiftjäger 1927: Unter Ausschluß der Öffentlichkeit 1927: Liebe geht seltsame Wege 1927: Das Recht zu leben 1927: Die Lindenwirtin am Rhein 1927: Der Fluch der Vererbung 1927: Die große und die kleine Welt (Die Strecke) 1927: Die Ausgestoßenen 1927: Petronella 1928: Casanovas Erbe 1928: Herr Meister und Frau Meisterin 1928: Das Lied, das meine Mutter sang 1928: Das Schicksal derer von Habsburg 1928: Sechzehn Töchter und kein Papa 1929: Das Recht der Ungeborenen 1929: Die keusche Kokotte 1929: Eros in Ketten 1929: Andreas Hofer 1929: Unschuld (Die kleine Veronika) 1930: Die Sünde der Lissy Kraft 1930: Verklungene Träume 1931: Dienst ist Dienst 1931: Meine Frau, die Hochstaplerin 1931: Keine Feier ohne Meyer 1931: Strohwitwer 1933: K 1 greift ein 1933: Heimat am Rhein 1934: Wilhelm Tell 1934: Nur nicht weich werden, Susanne! 1935: Liselotte von der Pfalz 1938/47: Altes Herz geht auf die Reise 1939: Paradies der Junggesellen 1940: Angelika 1940: Hochzeitsnacht 1942: Mit den Augen einer Frau 1943: Die große Nummer 1943: Die goldene Spinne 1944: Am Vorabend 1948: Affaire Blum 1948: Schuld allein ist der Wein 1950: Der Kahn der fröhlichen Leute 1950: Familie Benthin 1950: Die Jungen von Kranichsee 1951: Die Sonnenbrucks 1951: Das Beil von Wandsbek 1952: Frauenschicksale 1953: Anna Susanna 1954: Leuchtfeuer 1955: Ich war ein häßliches Mädchen 1955: Vor Gott und den Menschen 1955: Star mit fremden Federn 1955: Alibi 1956: Thomas Müntzer – Ein Film deutscher Geschichte 1955: Das verbotene Paradies 1957: Witwer mit fünf Töchtern 1957: Die Schönste 1958: Das verbotene Paradies 1958: Emilia Galotti 1958: Nur eine Frau 1958: Meine Frau macht Musik 1958: Worüber man nicht spricht 1958: Das gab’s nur einmal (als sie selbst) 1958: Der Mann im Strom 1958: Der Czardas-König 1959: Ja, so ein Mädchen mit 16 1960: Kein Ärger mit Cleopatra 1960: Ich schwöre und gelobe 1961: Zwei unter Millionen
Theater 1954: Leo Tolstoi: Anna Karenina (Fürstin Mjachkaja) – Regie: Werner Stewe (Volksbühne Berlin) 1958: Pavel Kohout: So eine Liebe – Regie: Otto Tausig (Volksbühne Berlin) 1960: Ludwig Thoma: Moral – Regie: Ernst Kahler (Volksbühne Berlin) 1961: Robert Adolf Stemmle/Erich Engel: Affäre Blum (Anna) – Regie: Hagen Mueller-Stahl (Volksbühne Berlin)
Auszeichnungen 1970: Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film
Literatur Wolfgang Mielke: Maly Delschaft – Schauspielerin. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 33, 2000. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 2: C – F. John Paddy Carstairs – Peter Fitz. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 342 f.
Einzelnachweise
Weblinks
Maly Delschaft bei CineGraph
Maly Delschaft Bild und Biografie bei defa-sternstunden.de
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