mini|Landestheater und Haus der Musik (2018)

Das Tiroler Landestheater ist ein Mehrspartenhaus in der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck und der größte Theaterbetrieb Westösterreichs. Das große Haus fasst etwa 800 Sitzplätze. Die Kammerspiele als zweite Spielstätte sind im benachbarten Haus der Musik untergebracht. Auf dem Spielplan stehen Schauspiel, Oper, Operette, Musical und Tanztheater; für die Musik ist das Tiroler Symphonieorchester zuständig.

Lage Das Tiroler Landestheater befindet sich in unmittelbarer Nähe der historischen Altstadt, umgeben von Hofburg, Hofkirche, Hofgarten und SOWI-Fakultät der Universität Innsbruck. Direkt daneben steht das Haus der Musik Innsbruck.

Baugeschichte mini|hochkant=0.5|links

Altes Comedihaus, Hof- und Stadttheater mini|Das Hoftheater, aquarellierte Tuschpinselzeichnung von Joseph Leopold Strickner, 1801 Es wurde 1629 vom Architekten Christoph Gumpp den Jüngeren aus einem der Ballspielhäuser am Rennplatz zu einem Comedihaus umfunktioniert – die große Schaubühne des Erzherzogs Leopold. 1654 wurde ein neues von Christoph Gumpp erbautes Haus auf der anderen Seite des Rennwegs eröffnet, exakt dort, wo das heutige Landestheater steht. 1765 wurde das Hoftheater renoviert. Das Innsbrucker Theater hieß zur bayerischen Besatzungszeit 1805 Königlich bayrisches Hof-Nationaltheater. 1844 wurde es wegen Baufälligkeit geschlossen.

Neues Tiroler Landestheater mini|Bozner Tagblatt vom 15. November 1943: Aufführungen des Reichsgautheaters Innsbruck im Stadttheater Meran mini|Neues Innsbrucker Stadttheater, vorne das Casineum (Alte Stadtsäle, zerbombt 1945), Ansicht späteres 19. Jh.Michael Prachensky: auf: prachensky.com und Innsbruck: Stadtsaal (old) auf: andreas-praefcke.de. vergl. commons:Category:Stadtsäle Innsbruck Eine Theatergesellschaft konstituierte sich und brachte für einen Neubau 40.000 Gulden auf. Das neue Haus wurde nach den Entwürfen von Giuseppe Segustini,Giuseppe Segustini einem italienischen Architekten, gebaut. Die geplanten Giebelfiguren und Nischenskulpturen wurden aus Kostengründen nicht umgesetzt. Das neue Haus wurde 1846 eröffnet. Aus dem Innsbrucker Stadttheater wurde von 1938 bis 1945 das Reichsgautheater Innsbruck, nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1945/1946 das Tiroler Landestheater. 1959 wurden die Kammerspiele im Souterrain des Stadtsaalgebäudes eröffnet. Das Tiroler Landestheater (Große Haus) wurde 1961 geschlossen und in den folgenden Jahren umgebaut und wesentlich erweitert. 1967 wurde es wieder eröffnet. 1991/1992 wurden die danebenstehenden Kammerspiele renoviert und zu einem flexiblen Raumtheater umgebaut.

2003 wurde die neue Probebühne, von den Architekten Karl und Probst aus München geplant, als Anbau an das Große Haus fertiggestellt. Das Landestheater entspricht mit seinen drei Spielorten den Anforderungen eines modernen Bühnenbetriebes und stellt sicher, dass in Innsbruck weiterhin anspruchsvoll gestaltetes Theater stattfinden kann. Im Rahmen der Baumaßnahmen von 2003 wurden auch die Fassade des Landestheaters renoviert und der Vorplatz neu gestaltet. Die Stadtsäle mit den Kammerspielen direkt neben dem großen Haus wurden 2015/2016 abgerissen. An gleicher Stelle wurde 2018 das Haus der Musik eröffnet, das unter anderem eine kleine Studiobühne („Black Box“) und die neuen Kammerspiele mit etwa 200 Sitzplätzen sowie einen Probensaal für das Tiroler Symphonieorchester und Räumlichkeiten für das Tiroler Landeskonservatorium enthält. Überdies findet das Institut für Musikwissenschaft der Universität Innsbruck Platz.

Geschichte Auf dem Platz des heutigen Theaters am Rennweg 2 stand ab 1654 ein „Comedihaus“ nach venezianischem Vorbild mit Platz für etwa 1.000 Zuschauer. Dieses Theater war das erste frei stehende Opernhaus im deutschen Sprachraum und darüber hinaus das erste, das zudem fest angestelltes Personal beschäftigte. Die Eröffnung erfolgte 1654 mit Antonio Cestis La Cleopatra, seinem für Innsbruck umgearbeiteten Il Cesare Amante. Die folgende Ära wurde von Prunkopern des Kammerkapellmeisters Cesti beherrscht, so mit Darbietungen zu Ehren Königin Christines von Schweden 1655 (L’Argia) und 1662 (La Magnanimità d’Alessandro).

1692 und 1698 erklang L’Amazone Corsara des Hofkomponisten C. A. Badia. 1709 wurde das Theater anlässlich des Besuches König Friedrichs IV. von Dänemark renoviert. Eine weitere Renovierung des nunmehrigen „k. k. Hoftheaters“ erfolgte 1765 anlässlich der Hochzeitsfeierlichkeiten Erzherzog Leopolds (Leopold II.) mit Maria Luise von Bourbon-Spanien; wiedereröffnet wurde mit J. A. Hasses Romulo ed Ersilia. 1774 bis 1776 war Emanuel Schikaneder als Sänger und Schauspieler zu Gast am Innsbrucker Theater, vermutlich erhielt er hier die Anregung zu seinem Tyroler Wastl; 1769 hatten Michael Haydn und seine Frau Maria Magdalena hier auf der Bühne gestanden. Mozarts Zauberflöte wurde erstmals 1795 gespielt. Nach 1820 weilten mehrmals italienische Operngesellschaften am Innsbrucker Theater, sie brachten u. a. 1822 Tancredi, 1824 Il Turco in Italia, 1826 einen Barbier von Sevilla, vermutlich jeweils in der Vertonung von Rossini. 1823 wurde erstmals Carl Maria von Webers Freischütz inszeniert, 1838 Beethovens Fidelio. 1844 wurde ein Neubau in Angriff genommen.

1846 wurde der Neubau mit Lucrezia Borgia von Donizetti feierlich eröffnet. 1886 übernahm die Stadtgemeinde Innsbruck das nun als Stadttheater bezeichnete Haus in ihr Eigentum. Während des 19. Jahrhunderts erschienen immer wieder Opern führender Komponisten auf dem Spielplan, u. a. Flotows Alessandro Stradella (1847) und Martha (1849), Meyerbeers Hugenotten (1848) und Prophet (1852), Lortzings Wildschütz (1851), Waffenschmied (1861) und Undine (1862), Verdis Ernani (1849), Wagners Tannhäuser (1873), Fliegender Holländer (1880) und Lohengrin (1882, 1885). 1908 gelangte Salome von Richard Strauss zur Erstaufführung in Innsbruck.

Ab Herbst 1919 spielte man erstmals mit einem ständigen Opernensemble. 1939 wurde das Stadttheater dem Gauleiter sowie dem Land Tirol untergeordnet und zum Reichsgautheater Tirol-Vorarlberg zusammengeschlossen; das Orchester stellte schon seit 1928 die Stadt Innsbruck bei. Am 24. November 1940 weilte Richard Strauss zur erneuten Aufführung seiner Salome in Innsbruck, die Hans Georg Ratjen dirigierte, laut Strauss eine „ganz hervorragende und vorbildliche Aufführung“. 1944 wurde noch der Rosenkavalier unter Ratjen zur Aufführung gebracht. Nach Kriegsende nahm das TLT schon am 31. Juni 1945 mit Wiener Blut seinen Spielbetrieb auf, die Zauberflöte und der Troubadour folgten. Das erste Musical wurde 1958 aufgeführt: Cole Porters Kiss me Kate.

Mit der Gründung der Tiroler Landestheater und Orchester GmbH Innsbruck wurde 2005 eine Veranstaltungsholding geschaffen. Bei deren Finanzierung wurde der Aufteilungsschlüssel zwischen Stadt und Land zugunsten der Stadt Innsbruck angepasst (55:45 – dies entspricht einer Entlastung der städtischen Finanzen von mehr als 700.000 Euro jedes Jahr).

Leitung Intendantinnen und Intendanten von bis Name 1938 1939 Robert Hellwig 1939 1945 Max Alexander Pflugmacher 1945 1949 Robert Pleß 1949 Kurt Labatt 1949 1952 Paul Schmid 1952 1967 Karl Goritschan 1967 1992 Helmut WlasakTiroler Landestheater: Geschichte. Abgerufen am 17. Oktober 2017. 1992 1999 Dominique Mentha 1999 2012 Brigitte Fassbaender 2012 2023 Johannes Reitmeier 2023 Irene GirkingerIrene Girkinger neue Landestheater-Chefin Bericht vom 26. November 2021 auf orf.at; abgerufen am 26. November 2021.Quelle:

Chefdirigenten (unvollständig) von bis Name 1945 1971 Siegfried Nessler 1979 1992 Edgar Seipenbusch 1992 1997 Kasper de Roo 1997 2004 Georg Schmöhe 2005 2008 Aleksandar Marković 2012 2015 Alexander Rumpf 2019 2023 Lukas Beikircher 2024 Gerrit PrießnitzQuelle:

Uraufführungen 1895: Franz Kranewitter: Um Haus und Hof 1986: Felix Mitterer: Kein schöner Land 1992: Elfriede Jelinek: Präsident Abendwind 1996: Anton Ruppert: Baumeister Solness 1996: Egon A. Prantl: Terror 1996: Elfriede Jelinek: Gustav Ernst 1996: Thomas Hürlimann, Heinz. D. Heisl: Jubiläum, Jubiläum 1997: Kurt Lanthaler: Heisse Hunde.Hot Dogs 1999: Felix Mitterer: Tödliche Sünden 2002: Eduard Demetz: Häftling von Mab 2003: Matthias Kessler: Menschen Mörder 2003: Jochen Ulrich: Caravaggio (Malerportrait für Tanztheater) 2004: Akos Banlaky, Christof Dienz, Jury Everhartz, Gilbert Handler, Peter Planyavsky, Kurt Schwertsik, Wolfram Wagner: 7 Operellen 2005: René Freund: Schluss mit André 2005: Lode Devos: Dreamboy gesucht 2006: Akos Banlaky: Under Milk Wood 2007: René Clemencic, Johanna Doderer, Jury Everhartz, Ulrich Küchl, Klaus Lang, Hannes Raffaseder, Herwig Reiter: 7 Operellen 2 2010: Stephan Kanyar/Brigitte Fassbaender: Lulu, das Musical 2010: Norbert Zehm: Cadence Macbeth 2012: Stephan Kanyar/Brigitte Fassbaender: Shylock! 2017: Teresa Dopler: Was wir wollen 2018: Bernhard Aichner: Totenfrau (Schauspiel nach dem Thriller von Bernhard Aichner) 2019: Thomas Arzt: Die Österreicherinnen (Kammerspiele, Regie: Felix Hafner) 2020: Petra Maria Kraxner: Alter Ego 2021: Franz Kafka: Die Verwandlung (Schauspiel nach der Erzählung von Franz Kafka) 2021: Daniel Wisser: Königin der Berge 2022: Max Simonischek: Kafka umírá - Kafka stirbt 2022: Otto Grünmandl / Peter Handke: Grufttheater: Weissagung 2022: Gerhild Steinbuch: Gute Geständnisse besserer Menschen 2022: Francesca Sanna: Geh weg, Herr Berg! 2022: Philipp J. Ehmann: Relikte aus der Zukunft 2022: Gondelgeschichten. Dokumentarisches Theaterprojekt vom Institut für Medien, Politik und Theater 2023: Liv Strömquist: Ich fühl's nicht 2023: Bergkristall (Oper von Michael F. P. Huber nach der Erzählung von Adalbert Stifter) 2024: Maria Lazar: Die Hölle auf Erden 2024: Meriel Schindler: Café Schindler

mini|hochkant|Ensemble, Regie und Team von Anna Karenina bei der Nestroy-Verleihung 2015

Auszeichnungen 2015 wurde das Stück Anna Karenina von Armin Petras nach dem Roman von Leo Tolstoi in der Inszenierung von Susanne Schmelcher als Beste Bundesländer-Aufführung beim Nestroy-Theaterpreis ausgezeichnet.Nestroys: Wuttke und Orth sind "Beste Schauspieler". Artikel vom 2. November 2015, abgerufen am 2. November 2015.

In den Jahren seit 2013 wurde das Tiroler Landestheater mehrmals mit dem Österreichischen Musiktheaterpreis ausgezeichnet, u. a. 2020 in der Kategorie Beste Regie für die Oper Liliom (Regie: Intendant Johannes Reitmeier). 2021 wurde das Tiroler Landestheater für The Tempest in der Kategorie Beste Gesamtproduktion Ballet mit dem Österreichischen Musiktheaterpreis ausgezeichnet, sowie in der Kategorie Bester Nachwuchs weiblich für Laura Schneiderhan (in Heute Abend: Lola Blau).

2023 war das Tiroler Landestheater für zwei Nestroy-Theaterpreise nominiert für die Inszenierung von „Schnee Weiß (Die Erfindung der alten Leier)“ von Elfriede Jelinek, und zwar in den Kategorien Beste Bundesländer-Aufführung sowie Bester Nachwuchs für Ausstatterin Julia Neuhold.