Der Kreis Iserlohn war ein Kreis in Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Er lag im Nordwesten des Sauerlands und gehörte zum Regierungsbezirk Arnsberg. Der Kreis grenzte im Uhrzeigersinn an den Kreis Unna, den Kreis Soest, den Kreis Arnsberg, den Kreis Altena, den Ennepe-Ruhr-Kreis, die kreisfreie Stadt Hagen und die kreisfreie Stadt Dortmund. Die kreisfreie Stadt Iserlohn (zugleich Kreisstadt) bildete eine Enklave im Kreis (sog. Kragenkreis).
mini|Danzturm in Iserlohn
Geographie Lage Der Kreis Iserlohn lag im Herzen Nordrhein-Westfalens am Mittellauf der Ruhr und Unterlauf der Lenne im Westen und der Hönne im Osten. Der niedrigste Punkt lag bei im Ruhrtal an der Kreisgrenze in Westhofen, der höchste Punkt war der 493,9 m hohe Rüssenberg in Iserlohn-Kesbern.
Geschichte Geschichtliche Entwicklung mini|Viermarkenbaum (Gemarkungspunkt zwischen Hohenlimburg, Letmathe, Ergste und Berchum) Der Kreis Iserlohn wurde 1817 von Preußen im Regierungsbezirk Arnsberg der Provinz Westfalen gegründet. Er ging aus unterschiedlichen historischen Territorien hervor: der Grafschaft Limburg mit Limburg, Elsey, Berchum, Ergste, Letmathe, Oestrich, Hennen und Henkhausen Teilen der Grafschaft Mark mit Iserlohn und dem Amt Hemer dem westlichen Teil des Herzogtums Westfalen mit der Stadt und dem Amt Menden sowie Balve
Der Kreissitz des Kreises war ein Jahr lang auf Schloss Melschede bei Langscheid. Der Schlossherr Friedrich Freiherr von Wrede zu Melschede wurde am 19. Februar 1817 zum ersten Landrat des Kreises gewählt. Nach kurzer Zeit gab er das Amt ab. Sein Nachfolger Peter Eberhard Müllensiefen aus Iserlohn wurde am 13. November 1817 eingeführt. 1818 wechselte der Kreissitz nach Iserlohn.
Das Kreisgebiet umfasste anfangs 603 km². Die Bevölkerung von 15.129 Einwohnern verteilte sich auf 179 Ortschaften. 1819 und 1832 wurden mehrere Gemeinden an den Kreis Arnsberg abgegeben: Echthausen, Voßwinkel, Holzen, Enkhausen und Langscheid an das Amt Hüsten Affeln, Altenaffeln, Asbeck, Blintrop, Balve, Eisborn, Volkringhausen, Beckum, Mellen, Garbeck, Langenholthausen und Küntrop an das Amt Balve sowie Amecke, Allendorf, Stockum, Hagen und Endorf an das Amt Sundern
Der Kreistag hatte 20 Mandate und setzte sich aus vier Ständen zusammen. Der Fürst von Bentheim-Tecklenburg besaß ein Mandat, die Rittergutsbesitzer besaßen elf Mandate und die vier Städte des Kreises sowie die Vertreter der Landgemeinden jeweils vier Mandate. Die Politik orientierte sich damit überverhältnismäßig an den Interessen der Rittergutsbesitzer. Eine Vertretung der Kommunen war nicht möglich, das Prinzip der „Selbstverwaltung der Kreise“ wurde der Bevölkerung nicht deutlich. Die Vormachtstellung der Rittergutsbesitzer wurde erst mit der Novelle der Kreisordnung vom 31. Juli 1886 beseitigt. Dadurch konnte die Idee der Selbstverwaltung verwirklicht werden.
Der Kreis war anfänglich in die fünf Bürgermeistereien Ergste, Hemer, Iserlohn, Limburg und Menden gegliedert. Die Bürgermeistereien Ergste, Hemer, Iserlohn und Limburg waren während der Franzosenzeit im napoleonischen Satellitenstaat Großherzogtum Berg eingerichtet worden. Die Bürgermeisterei Menden ging aus dem Amt Menden des Herzogtums Westfalen hervor.
Im Rahmen der Einführung der Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westfalen wurden die Bürgermeistereien 1843 und 1844 in Ämter überführt, wobei die Städte Iserlohn und Menden amtsfrei blieben. Der Kreis umfasste seit dieser Zeit zunächst vier Ämter und insgesamt 30 Gemeinden: Verwaltungsgliederung seit 1844 Amt Gemeinden Ergste Berchum, Ergste und Hennen Hemer Becke, Brockhausen, Deilinghofen, Evingsen, Frönsberg, Ihmert, Calle, Kesbern, Landhausen, Lössel, Niederhemer, Oberhemer, Sundwig und Westig Limburg Elsey, Letmathe, Limburg und Oestrich Menden Böingsen, Halingen, Holzen, Oesbern, Schwitten, Sümmern und Wimbernamtsfrei Iserlohn und Menden mini|hochkant=1.5|Kreis Iserlohn (farbig) bis 31. Dezember 1974 – Grenzen ab 1. Januar 1975 Der Name von Limburg wurde 1879 in Hohenlimburg geändert und 1902 wurde Elsey in die Stadt Hohenlimburg eingemeindet, die gleichzeitig amtsfrei wurde. Letmathe und Oestrich, die beiden verbleibenden Gemeinden des Amtes Limburg, bildeten nun das Amt Letmathe-Oestrich. Die Stadt Iserlohn wurde 1907 kreisfrei, blieb jedoch Kreissitz. Der Kreis Iserlohn hieß seitdem Landkreis Iserlohn. Niederhemer und Oberhemer wurden 1910 zur Gemeinde Hemer zusammengeschlossen.
1922 bildete Letmathe ein eigenes Amt und Oestrich bildete mit dem aus dem Amt Hemer herausgelösten Gemeinde Lössel das neue Amt Oestrich. 1929 traten die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen aus dem aufgelösten Landkreis Hörde zum Landkreis Iserlohn, außerdem wurden Brockhausen nach Deilinghofen, Calle nach Iserlohn sowie Landhausen, Sundwig und Westig nach Hemer eingemeindet. Das Amt Letmathe wurde 1934 aufgehoben. 1936 erhielten Hemer und Letmathe das Stadtrecht, wobei Hemer nun ebenfalls amtsfreie Stadt wurde. Im selben Jahr wurde Böingsen in Lendringsen umbenannt.
1956 wurde das Amt Oestrich aufgelöst und zum größten Teil der Stadt Letmathe zugeschlagen. Der restliche Teil des Amtes, darunter Iserlohner Heide, Gerlingsen, Hombruch und Nußberg, ging an die Stadt Iserlohn. 1969 wurde Berchum nach Hohenlimburg eingemeindet. Gleichzeitig wurden Evingsen nach Altena im Kreis Lüdenscheid sowie Wimbern nach Wickede (Ruhr) im Kreis Soest eingemeindet.
Am 1. Oktober 1969 wurde aus dem Landkreis der Kreis Iserlohn.Bekanntmachung der Neufassung der Kreisordnung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 11. August 1969 im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Jahrgang 1969, Nr. 2021, S. 670 ff.
Kreisgliederung vor der Auflösung Der Kreis Iserlohn bestand zuletzt aus 6 Städten und 4 Ämtern mit 20 Gemeinden. Zum 31. Dezember 1972 verteilte sich das Kreisgebiet mit einer Größe von 338,63 km² auf die einzelnen Gemeinden mit insgesamt 207.158 Einwohnern wie folgt:
Gemeinde Amtszugehörigkeit Fläche in km² Einwohnerzahl 1972 Einwohnerzahl 2002 Stadt / Kreis ab 1975 Menden 1, 2 keine 19,10 30.391 60.088 Menden (Sauerland) – Märkischer Kreis Letmathe 1 keine 35,41 27.195 27.683 Iserlohn – Märkischer Kreis Hohenlimburg 1, 3 keine 18,37 26.423 27.423 Kreisfreie Stadt Hagen Schwerte 1 keine 10,91 24.288 52.816 Schwerte – Kreis Unna Hemer 1, 2 keine 27,00 24.790 37.346 Hemer – Märkischer Kreis Berchum 3 Amt Ergste 6,42 1.638 5.132 Kreisfreie Stadt Hagen Ergste 2 Amt Ergste 19,00 4.854 7.533 Schwerte – Kreis Unna Hennen Amt Ergste 32,80 7.141 9.801 Iserlohn – Märkischer Kreis Becke Amt Hemer 5,52 1.387 Hemer – Märkischer Kreis Deilinghofen Amt Hemer 18,84 4.578 Hemer – Märkischer Kreis Frönsberg Amt Hemer 6,04 699 Hemer – Märkischer Kreis Ihmert Amt Hemer 11,53 4.055 Hemer – Märkischer Kreis Kesbern Amt Hemer 13,24 478 495 Iserlohn – Märkischer Kreis Bösperde Amt Menden 6,19 3.283 3.066 Menden (Sauerland) – Märkischer Kreis Halingen Amt Menden 11,02 1.541 1.961 Menden (Sauerland) – Märkischer Kreis Lendringsen Amt Menden 19,54 14.320 14.273 Menden (Sauerland) – Märkischer Kreis Oesbern Amt Menden 10,84 822 605 Menden (Sauerland) – Märkischer Kreis Schwitten Amt Menden 11,61 2.215 2.468 Menden (Sauerland) – Märkischer Kreis Sümmern Amt Menden 15,18 3.631 7.070 + 257 Iserlohn und Menden (Sauerland) – Märkischer Kreis Garenfeld Amt Westhofen 4,98 1.124 Kreisfreie Stadt Hagen Geisecke Amt Westhofen 4,19 1.212 2.738 Schwerte – Kreis Unna Holzen Amt Westhofen 7,52 7.852 4.947 + 6.870 (DO) Schwerte – Kreis Unna und Dortmund Lichtendorf Amt Westhofen 4,88 2.975 395 + 2.647 (DO) Schwerte – Kreis Unna und Dortmund Villigst Amt Westhofen 6,95 2.970 3.587 Schwerte – Kreis Unna Wandhofen Amt Westhofen 3,15 1.402 2.330 Schwerte – Kreis Unna Westhofen 1, 2 Amt Westhofen 8,41 5.894 6.047 Schwerte – Kreis Unna 1 Städte 2 Amtssitze 3 Berchum gehörte seit 1969 zur Stadt Hohenlimburg, hier noch die Zahlen nach alter Gebietseinteilung kursive Einwohnerzahl: bezogen auf heutiges Stadtgebiet
Die kreisfreie Stadt Iserlohn hatte am 1. März 1973 eine Fläche von 30,81 km² und 57.145 Einwohner. (im heutigen Stadtgebiet lebten 2008: 95.598 Einwohner).
Auflösung des Kreises Der Kreis Iserlohn wurde am 1. Januar 1975 aufgelöst, der größte Teil des Kreisgebietes wurde mit dem ehemaligen Kreis Lüdenscheid und der kreisfreien Stadt Iserlohn sowie mit dem Gebiet der heutigen Stadt Balve aus dem ehemaligen Kreis Arnsberg zum neu gebildeten Märkischen Kreis vereinigt. Das Gebiet der heutigen Stadt Schwerte ging an den Kreis Unna, die bis dahin selbstständige Stadt Hohenlimburg wurde zu einem Stadtteil der kreisfreien Stadt Hagen. Sämtliche Ämter wurden aufgelöst. Iserlohn wurde zwar durch Eingemeindungen, insbesondere von Letmathe, die größte Stadt des neuen Kreises, verlor den Kreissitz aber an Lüdenscheid.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1819 24.336 1832 27.131 1871 53.350 1880 61.000 1890 70.002 1900 85.506 1910 71.921 1925 81.974 1939 118.710 1950 157.908 1960 181.200 1970 200.300 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1973 211.100 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1975
Politik Ergebnisse der Kreistagswahlen ab 1946 In der Liste werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens zwei Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, Düsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene.
Stimmenanteile der Parteien in Prozent
Jahr SPD CDU FDP DZP BHE KPD 1946 41,1 40,5 2,7 9,7 6,0 1948 41,3 34,0 4,3 13,8 5,9 1952 37,7 28,7 13,5 10,9 4,1 3,6 1956 43,5 33,3 10,8 8,2 3,8 1961 42,0 44,1 11,5 1964 46,5 43,7 8,2 1969 47,6 46,3 4,7
Landräte 1817: Friedrich von Wrede 1817–1835: Peter Eberhard Müllensiefen 1836–1862: Ludwig Schütte 1862–1876: August Overweg 1877–1887: Maximilian Löbbecke 1887–1919: Ullrich Nauck 1919–1932: August Loos 1932–1935: Hans Storck 1935–1939: Karl von Rumohr (NSDAP) 1939–1945: Erich Ebel (NSDAP) 1945: Richard Klewer 1945–1946: Werner Jacobi (SPD) 1946–1948: Paul Grote (CDU) 1948–1952: Martin Volmert (Zentrum) 1952–1954: Josef Vieler (CDU) 1954–1956: Stephan Mias (FDP) 1956–1961: Hugo Höppe (SPD) 1961–1969: Fritz Willmes (CDU) 1969–1974: Willy Haarmann (CDU)
Oberkreisdirektoren 1946–1963: Friedrich Lücking (SPD) 1963–1974: Jürgen Albath (CDU)
Wappen
Kreispartnerschaften Wrexham County Borough, Nordwales (seit 1970)
Verkehr Nachfolgend dargestellt sind die Bundesfernstraßen und Eisenbahnlinien zum Stand 31. Dezember 1974.
Bundesfernstraßen A 1 (Hansalinie) Köln–Schwerte–Hamburg–Lübeck A 45 (Sauerlandlinie) Dortmund–Ergste–Gießen A 46 Hagen–Hohenlimburg–Iserlohn-West B 7 Düsseldorf–Hohenlimburg–Iserlohn–Hemer–Menden–Kassel B 63 Wimbern–Werl–Hamm B 233 Iserlohn–Hennen–Unna–Werne B 236 Olfen–Schwerte–Ergste–Letmathe–Winterberg–Wetter (Hess.) B 515 Balve–Lendringsen–Menden–Bösperde–Halingen–Langschede
Eisenbahnlinien mini|Der stillgelegte Bahnhof Iserlohn Ost im Jahr 2005 Hagen–Schwerte–Hamm (Westf.) (Bahnstrecke Hagen–Hamm) Hagen–Schwerte–Arnsberg–Warburg (Westf.) (Obere Ruhrtalbahn) Iserlohn–Schwerte–Dortmund (Ardey-Bahn) Letmathe–Iserlohn–Iserlohn Ost–Hemer–Menden–Fröndenberg (Bahnstrecke Letmathe–Fröndenberg) Hagen–Hohenlimburg–Letmathe–Altena (Westf.)–Finnentrop–Altenhundem–Hüttental-Weidenau–Siegen (Ruhr-Sieg-Strecke) Unna–Fröndenberg–Menden–Neuenrade (Hönnetalbahn)
Bildung, Kultur und Sehenswürdigkeiten Überörtliche Bildungseinrichtungen Fachhochschule Südwestfalen, Hauptsitz Iserlohn (bis 31. Dezember 2001: Märkische Fachhochschule) Theodor-Reuter-Berufskolleg Iserlohn
Theater Parktheater Iserlohn
Museen mini|Haus Letmathe in Iserlohn Stadtmuseum Iserlohn „Haus der Heimat“, Iserlohn Varnhagensche Bibliothek, Iserlohn Historische Fabrikenanlage Maste-Barendorf, Iserlohn (Nadelmuseum, Gelbguss, Künstlerwerkstätten)