mini|Blick über einen Teil der Werkhallen

Die Arnold Jung Lokomotivfabrik war ein Hersteller von Lokomotiven, besonders für Feldbahnen, im Ortsteil Jungenthal von Kirchen (Sieg).

Geschichte mini|links|Die Lokomotive TICINO, hier bei der Museumsbahn Blonay–Chamby, ist die älteste erhaltene Jung-Lokomotive mini|Firmenplakette auf einer Dampflok mini|Fabrikschild der Malletlok 99 5902 der HSB mini|Firmenplakette der Dampflok 964 der Hedschasbahn in Mada'in Salih mini|Firmenplakette der No. 1261 derGRAF SCHWERIN-LÖWITZ mini|Plakette an Lokomotive Nr. 9318 von 1940

Gegründet wurde die Firma als Jung & Staimer OHG am 13. Februar 1885 von Arnold Jung und Christian Staimer. Am 3. September 1885 wurde die erste Lokomotive ausgeliefert. 1913 erfolgte die Umbenennung in Arnold Jung Lokomotivfabrik GmbH, Jungenthal. 1976 wurde die Lokomotivproduktion zugunsten anderer Produkte wie Werkzeugmaschinen, Transportwagen, Panzerplatten, Kräne und Brückenausleger aufgegeben.

Die Produktion wurde am 30. September 1993 eingestellt, das Werk geschlossen. Die Jung-Jungenthal GmbH besteht jedoch weiterhin als „Jungenthal Wehrtechnik GmbH“, diese gehört seit 2007 zum Flensburger Fahrzeugbau.Wir über uns, auf jungenthal-wt.de Auf dem Freigelände neben der Lokfabrik steht heute ein Lebensmitteldiscounter.

Insgesamt wurden mehr als 12.000 Lokomotiven gefertigt – unter anderem 1959 mit der 23 105 die letzte an die DB gelieferte Neubaudampflok – dazu noch Dampfkessel für andere Einsatzzweige wie Straßenwalzen.

Schmalspurige Fahrzeuge Dampflokomotiven mini|Zug des SC mit Mallet-Lokomotive G 2x2/2 Nr. 4 in Saignelégier, um 1940

Die TICINO (Fabriknummer 59) (in Privatbesitz) wurde 1889 gebaut und als Lok 2 vom Consorzio Correzione del Fiume Ticino in Bellinzona erworben. Die zweiachsige Lokomotive hat eine Spurweite von 1000 mm, sie wiegt 6,5 t, ist 4500 mm lang und leistet 50 PS. Bröltalbahn Nr. 6 bis 13, Baujahre 1891/92 SC G 2x2/2, Baujahr 1892, Mallet-Lokomotiven für den Chemin de fer Saignelégier–La Chaux-de-Fonds (SC) Fabriknummern 129 und 130: 1892 an Fa. R. Dolberg in Rostock geliefert, 1913 nach Island als Loks MINØR und PIONÉR Zwischen 1896 und 1950 erhielt die Schmalspur-Werkbahn der Westfalenhütte mindestens zwölf B-gekuppelte Jung-Loks für die Spurweite 800 mm KEJ 1–3, Baujahr 1897, Mallet-Lokomotiven für die dänische Privatbahn Kolding–Egtved Jernbane (KEJ) Ab 1903 lieferte Jung mehrere Hydroleum-Lokomotiven an Arthur Koppel 1904/05 lieferte Jung 15 Loks mit der Achsfolge C1, Spurweite 600 mm, an die Otavi Minen- und Eisenbahn-Gesellschaft in Deutsch-Südwestafrika (heute: Namibia) 1906/1907 erhielt die Hedschasbahn sieben 1’C-Lokomotiven von Jung, später nochmals zwölf Maschinen mit der Achsfolge 1’D Die 1908 für die Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahn (MPSB) gebaute Nr. 5 (Fabriknummer 1261) läuft heute als GRAF SCHWERIN-LÖWITZ bei der 600-mm-Bahn Brecon Mountain Railway in Wales Bei der Dienstbahn der Internationalen Rheinregulierung existiert die Lok WIDNAU (vormals ST. GALLEN, Baujahr 1910, Fabriknummer 1516) mit einer Leistung von 70 PS Meterspurdampfloks der Treuburger Kleinbahnen, Baujahr 1915, Lok 2293, 2358 und 2359 (nach 1945 PKP) PKB Nr. 21 bis 25, Baujahr 1917, Lok 23 beim DEV erhalten BHStB IVa5, Baujahr 1923, bei den Jugoslawischen Staatsbahnen (JDŽ bzw. JŽ) als Baureihe 83 bezeichnet Basalt AG Linz, 8301, Baujahr 1939 (vorhanden im RSE-Museum Asbach) Kerkerbachbahn 16, Baujahr 1942 Rhein-Sieg-Eisenbahn 53, Baujahr 1944 (vorhanden im RSE-Museum Asbach) Klöckner Hütte Nr. 19 bis 21, Baujahr 1956 Dampfloks der Baureihe HF 110 C, wie die ehemalige JLKB-Maschine und später als 99 4653 umgezeichnete Heeresfeldbahnlok (Heeresfeldbahnlokomotive HF 110 C – Wikipedia)

Diesellokomotiven V 29: Für die Pfälzischen Lokalbahnstrecken Mundenheim–Meckenheim und Neustadt–Speyer beschaffte die DB 1952 bei Jung drei Loks, die als V 29 geführt wurden. L 10 B: Zweiachsige Lok mit Endführerstand, Blindwelle und Kuppelstangen. Spurweite 750 mm, LüP 6100 mm, Breite 2100 mm. Bei den Farbwerken Hoechst waren mehrere dieser Maschinen im Einsatz. Mit der Betriebsnummer 22-03 befindet sich heute eine der 77,3 kW leistenden Lokomotiven bei der Jagsttalbahn. L 40: Vierachsige Lokomotive mit Mittelführerstand der Achsfolge BB, Spurweite 1000 mm. Die Maschine weist unter jedem Vorbau einen 250 PS leistenden Dieselmotor auf. Gebaut für eine Bahn in Brasilien kam die Lok mit der Fabriknummer 12022, Baujahr 1955, stattdessen als Kalkbahn Lohja 4 zu einer Zementfabrik in Finnland, 1972 dann in die Schweiz zur Luzern-Stans-Engelberg-Bahn (LSE), wo sie die Betriebsnummer Gm 4/4 111 erhielt.Jung Feldbahnlokomotiven bei entlang-der-gleise.de, abgerufen am 21. Juni 2019 bei engelbergbahn.ch, abgerufen am 21. Juni 2019 Eine Schwesterlokomotive des Baujahrs 1966, die ebenfalls zunächst in Finnland lief, ist etwas stärker motorisiert und heute als Gm 4/4 70 bei der Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB) in Betrieb. Sieben Lokomotiven der Class NDM-1 baute Jung 1956 für die indische 610-mm-Bahn Matheran Hill Railway.

Feldbahnlokomotiven mit Verbrennungsmotor mini|Das Steckenpferd von Jung – kleine Feldbahnloks mini|VL 234

Die schmalspurigen, zweiachsigen Maschinen wurden wahlweise mit offenem und geschlossenem Führerstand ausgeliefert. Der Bau derartiger Fahrzeuge endete 1964. MS 130: Spurweiten 500–750 mm, LüP 2860 mm, Achsstand 800 mm, Gewicht 2,8 t, 10/11 PS, Baujahre 1929–31, 90 Exemplare MS 131: Spurweiten 500–900 mm, LüP 2880 mm, Achsstand 800 mm, Gewicht 2,8 t, 10/11 PS, Baujahre 1929–33, ca. 430 Exemplare MSZ 130: Spurweiten 500–750 mm, LüP 3480 mm, Achsstand 900 mm, Gewicht 4,9 t, 20/22 PS, Baujahre 1929–34, ca. 100 Exemplare MSZ 160: Spurweiten 600–1435 mm, Achsstand 1600 mm, Gewicht 10 t, 32/35 PS, Baujahre 1927–35, 7 Exemplare EL 105: Spurweiten 500, 600, 700 und 1000 mm, LüP 2700 mm, Achsstand 780 mm, 4 t, 11/12 PS, Baujahre 1932–62, ca. 1400 Exemplare EL 110: Spurweiten 600–900 mm, LüP 2890 mm, Achsstand 780 mm, 4 t, Einzylinder-Zweitakt-Dieselmotor Typ SE-110, 11/12 PS, Baujahre 1934–63, ca. 900 Exemplare ZL 105: Spurweiten 600 und 750 mm, LüP 3400 mm, Achsstand 915 mm, 5,4 t, 22/24 PS, Baujahre 1933–59, ca. 980 Exemplare ZL 110: Spurweite 600 mm, Baujahr 1939 ZL 114: Spurweiten 600–1000 mm, LüP 3420 mm, Achsstand 890 mm, 5,4 t, 22/24 PS, Baujahre 1935–60, ca. 800 Exemplare ZL 233: Spurweiten 500–1000 mm, LüP 4780 mm, Achsstand 1150 mm, 8 t, 40/44 PS, Baujahre 1938–56, 118 Exemplare DL 233: Spurweiten 600 und 750 mm, LüP 4780 mm, Achsstand 1226 mm, 8/10 t, 52/56 PS, Baujahre 1950–64, 16 Exemplare VL 234: Spurweite 600 mm, 80/88 PS VL 244: Spurweiten 600 und 650 mm, LüP 5020 mm, Achsstand 1300 mm, 12/15 t, 80/88 PS, Baujahr 1956, 5 Exemplare

Auch dreiachsige Feldbahnlokomotiven wurden bei Jung gebaut: VL 134 SL 134 M: Spurweite 915 mm, 14,8 t, 120 PS, Baujahre 1938/39, 4 Exemplare

Druckluftlokomotiven mini|Druckluftlok Pz 20 im Feldbahn-Museum 500

Jung baute für Bergwerke auch Triebfahrzeuge mit Pressluftantrieb. Das Nürnberger Feldbahn-Museum 500 beherbergt eine Lok des Typs Pz 20 (zwei Achsen, Spurweite 500 mm), die 1955 entstand und in jenem Jahr als Lok 11 an die Zeche Pluto der Ruhrkohle AG in Wanne-Eickel ausgeliefert wurde.

Regelspurige Fahrzeuge Dampflokomotiven SNB 1–4, 1897/98 für die dänische Privatbahn A/S Svendborg–Nyborg Jernbaneselskab (SNB) gebaut, Schlepptender-Lokomotiven mit der Achsfolge 1B WALDBRÖL, 1914 für die Kleinbahn Bielstein–Waldbröl, T3-ähnlich Typ „Pudel“: Cn2t (dreiachsige Nassdampf-Zweizylinder-Tenderlokomotive) mit 400 PS, Länge über Puffer 8590 mm, Achsfolge C, Dienstmasse 46 t. Die Loks mit den Fabriknummern 2881–83 wurden 1919 gebaut; die 2881 kam über die Industriebahn Neukölln (wo auch die 1953 verschrottete 2883 lief) 1958 zum Gaswerk Mariendorf, wurde 1966 ausgemustert und 1968 verschrottet. CNTL 560 PS, Achsfolge C, Baujahre 1950–1954 TCDD 57 01–04: zwei von vier Maschinen für die Türkische Staatsbahn TCDD, 1951/52

Neben eigenen Entwicklungen war Jung auch am Bau von Einheitslokomotiven beteiligt.

Dampfspeicherlokomotiven mini|Jung-Dampfspeicherlokomotive

Für den Werksverkehr baute Jung feuerlose Dampfspeicherlokomotiven. 1921 entstand die 1922 an die Bremer Woll-Kämmerei ausgelieferte Lok 2 (Fabriknummer 3239). Die B-gekuppelte 150 PS leistende Maschine war dort mindestens bis 1970 in Betrieb. 1925 ging die Lok mit der Fabriknummer 3438 an die Monopolverwaltung für Branntwein in Berlin-Reinickendorf.Bodo Schulz/Michael Krolop: Die Privat- und Werkbahnen in Berlin (West), S. 163.

1937 erhielt die Margarine-Union in Hamburg eine ungewöhnliche Dampfspeicherlok mit vorn liegenden Zylindern und Abdampfführung durch einen Schornstein, die aufgearbeitet wurde und museal erhalten ist.Jung Lokomotiven bei entlang-der-gleise.de, abgerufen am 20. Juni 2019

Diesellokomotiven mini|R 8 B als D 8 bei der Brohltalbahn mini|R 30 C im Eisenbahnmuseum Losheim, ehemals Nr. 51 der Merzig-Büschfelder Eisenbahn mini|R 40 C Nr. 5073 der BVG (vorn) im Bahnhof Berlin-Zehlendorf, 1993 mini|R 42 C der Bundeswehr mini|Lok 5 des Typs R 60 D im Bahnhof Spandau der OHE, 1986 mini|211 345 – eine bei Jung gebaute Lok der DB-Baureihe V 100

Zwischen 1938 und 1943 war Jung am Bau der Wehrmachtslokomotiven WR 200 B 14 (spätere V 20 der DB) und WR 360 C 14 (spätere V 36) beteiligt. Ein erhaltenes Exemplar einer bei Jung gebauten WR 200 B 14 ist die V 20 020 der Arbeitsgemeinschaft Historische Eisenbahn in Segeste.

Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte Jung, sich in Anlehnung an die WR 360 C 14 mit den Typen R 361 C und R 362 C ein neues Standbein im Diesellokomotivbau zu schaffen. Von diesen regelspurigen Loks (ERR-Baureihe 4211) konnten jedoch nur insgesamt 42 Maschinen an die Ägyptischen Staatsbahnen verkauft werden. Nennenswerte Erfolge erzielte Jung erst mit den neuen Industrietypen RK 20 B und R 40 C. DN 233: Hierbei handelt es sich um eine zweiachsige Diesellokomotive für den Rangierbetrieb. Die ersten drei Maschinen entstanden 1939 und 1943, weitere sechs folgten zwischen 1950 und 1961.DN 233 bei rangierdiesel.de, abgerufen am 20. Juni 2019 VN 234: Zweiachsige Rangierlok, 9 Exemplare, Bauzeit 1939 bis 1958.VN 234 bei rangierdiesel.de, abgerufen am 20. Juni 2019 ZN 233: Zweiachsige Rangierlok, 15 Exemplare, Bauzeit 1939 bis 1958.ZN 233 bei rangierdiesel.de, abgerufen am 20. Juni 2019 RK 8 B: Zweiachsige Lok der Achsfolge B, Länge über Puffer (LüP) 5770 mm, Dienstmasse 15 t, Leistung 58 kW. Die Maschine mit der Fabriknummer 14128 wurde 1972 als Lok 1 an die Portlandzementfabrik in Bonn-Oberkassel ausgeliefert. Seit 2005 läuft die Lok als D 8 bei der Brohltalbahn.Lok „1“ der Bonner Portland Zementfabrik in HV SWB aktuell 2/2016, S. 6 ff. RK 12 B: Achsfolge B, 6880 mm lang, Dienstmasse 24 t, Leistung 88 kW. Die Maschine mit der Fabriknummer 12749 wurde 1957 an die Monopolverwaltung für Branntwein in Berlin-Reinickendorf geliefert. RK 15 B: Der zweiachsige B-Kuppler ist über Puffer 6450 mm lang, er hat eine Dienstmasse von 24 t und leistet 110 kW. 1960 erhielt die West-Berliner Bewag für ihr Kraftwerk Oberhavel ein Exemplar (Fabriknr. 13284, Betriebsnr. 2).Bodo Schulz/Michael Krolop: Die Privat- und Werkbahnen in Berlin (West), S. 158. RK 20 B: B-gekuppelte Diesellokomotive mit endständigem Führerstand, 1952 wurde eine solche Maschine als Nr. 5 von der Gelsenberg-Benzin AG in Gelsenkirchen-Horst erworben. Die Osthavelländische Eisenbahn (OHE) in Berlin-Spandau hatte mit der DL 2 ebenfalls eine RK 20 B in ihrem Bestand,Bodo Schulz/Michael Krolop: Die Privat- und Werkbahnen in Berlin (West), S. 157. eine weitere (Betriebsnummer 3) ging 1953 an die Industriebahn Neukölln. RC 24 B: Die Loks 5 bis 7 des Berliner Gaswerks Mariendorf waren B-gekoppelte Maschinen dieses Typs. Sie wurden 1966 und 1968 gebaut, waren über Puffer 6840 mm lang, hatten eine Dienstmasse von 30 t und leisteten 184 kW. R 30 B