Feldkirch ist mit Einwohnern (Stand ) nach Dornbirn die zweitgrößte Stadt im österreichischen Bundesland Vorarlberg und Sitz der Bezirkshauptmannschaft des gleichnamigen Verwaltungsbezirks. Feldkirch ist die westlichste Gemeinde Österreichs und belegt nach ihrer Einwohnerzahl auf der Liste der Städte Österreichs Platz 13.
Die Stadt ist Sitz zahlreicher Institutionen, weshalb sie auch als „heimliche Landeshauptstadt“ bezeichnet wird. (PDF; 3,1 MB) Dazu zählen unter anderem das Landesgericht Feldkirch mit angeschlossener Justizanstalt, die Wirtschaftskammer Vorarlberg, die Arbeiterkammer Vorarlberg, das größte Landeskrankenhaus Vorarlbergs (Landeskrankenhaus Feldkirch), das Vorarlberger Landeskonservatorium, eine Außenstelle des Bundesfinanzgerichtes und das Landesamt für Vermessung und Geoinformation (LVG).Land Vorarlberg: Landesamt für Vermessung und Geoinformation Seit 1968 ist Feldkirch außerdem Sitz eines Bistums und seit der Gründung des Landeskonservatoriums im Jahr 1977 auch Hochschulstadt.
Geographie mini|Blick von den Hohen Köpfen auf Feldkirch
Die Stadt liegt am Ausgang des Illtals in der Ebene des Alpenrheins und grenzt an die Schweiz sowie an Liechtenstein. Das dortige Dreiländereck ist auch gleichzeitig der westlichste Punkt Österreichs.
Stadtgliederung Seit der Gründung von „Groß-Feldkirch“ im Jahr 1925 besteht die Stadt aus sieben „Fraktionen“; diese bezeichnen einen Ortsteil und nicht einen Zusammenschluss von Abgeordneten. Die Ortsvorsteher der Fraktionen werden von der Stadtvertretung im Einvernehmen mit dem Bürgermeister bestellt. Stand 31. März 2025 kommt in der politischen Realität den Fraktionen und ihren Ortsvorstehern meist nur noch geringe Bedeutung zu.
Altenstadt (3.375.570 m²) 2.772 Haushalte mit 6.247 Einwohnern Gisingen (8.002.650 m²) 4.553 Haushalte mit 10.251 Einwohnern Innenstadt (1.309.629 m²) 1.842 Haushalte mit 3.796 Einwohnern Levis (2.514.153 m²) 1.475 Haushalte mit 3.120 Einwohnern Nofels (10.702.079 m²) 1.948 Haushalte mit 4.576 Einwohnern Tisis (4.397.119 m²) 2.503 Haushalte mit 5.635 Einwohnern Tosters (4.052.933 m²) 2.983 Haushalte mit 6.733 Einwohnern
Nachbargemeinden
Klima
Mit 38,1 °C hält Feldkirch seit dem 11. Juli 1984 den Vorarlberg-Hitzerekord.https://www.zamg.ac.at/cms/de/wetter/wetterwerte-analysen/hitliste
Geschichte mini|Feldkirch um 1650, Kupferstich von Matthäus Merian d. Ä. mini|Marktgasse mit Laubengängen, Feldkirch. mini|Neustadt, Feldkirch
Zur Fritzens-Sanzeno-Kultur siehe Kultplatz im Flur Grütze.
Antike und Mittelalter Einige Kilometer nördlich des heutigen Stadtgebiets (im heutigen Rankweil) befand sich bereits zu spätrömischer Zeit eine Siedlung mit einer ecclesia sancti Petri ad Campos, also einer Kirche St. Peter im Felde. Im 9. Jahrhundert entstand dann eine weitere (Filial-)Kirche im Feld, die St. Petronilla-Kirche (heute Kapelle St. Petronilla und Martin). Der Name Feldkirichun im Rätischen Reichsurbar – einem Besitzverzeichnis von 842 n. Chr. – leitete sich von einer dieser Kirchen im Feld ab und bezeichnete ursprünglich die Siedlung des heutigen Altenstadt. Der Name Feldkirch (Veldkiricha, Veldkirchia u. a. Schreibweisen) wurde dann jedoch für die südlicher, nahe der Ill, neu entstandene und stark wachsende Ansiedlung am Fuße der unter Graf Hugo I. von Montfort erbauten Schattenburg übernommen und das ursprüngliche Feldkirch, obgleich immer noch Dorf, nach und nach Alte Stat, später Altenstadt genannt. So Veldkiricha in einer Urkunde des Klosters St. Gallen aus dem Jahr 909.Georg Keckeis: Topographisch-historische Beschreibung der Ortschaften Rötis und Viktorsberg, neu herausgegeben von der Gemeinde Röthis, 1991, S. 39.
1218 ist das neue Feldkirch erstmals urkundlich als Stadt genannt. Der letzte Graf der Feldkircher Linie der Montforter, Rudolf V. († 1390), war zunächst viele Jahre Domherr und Dompropst in Chur und erst nach einer späten, kinderlosen Ehe zur Regierung berufen. Er veräußerte 1375 Stadt und Herrschaft Feldkirch an Herzog Leopold III. von Habsburg, dessen Vögte 1379 schließlich in Feldkirch einzogen.
Im Zusammenhang mit dem Verkauf verstanden es die Feldkircher Bürger, Freiheitsrechte zu erstreiten, die im großen Freiheitsbrief von 1376 ihren Ausdruck fanden und die sie wirtschaftlich zu nutzen wussten. Diese starke Position der Feldkircher Bürger wurde durch die militärisch zentrale Lage ermöglicht. Feldkirch lag und liegt am Schnittpunkt von zwei wichtigen Verkehrsverbindungen – dem Rheintal und der vom Arlberg herab nach Westen in die Schweiz führenden Straße – unmittelbar am Austritt der Ill in die Rheinebene. Der Schriftsteller J. C. Heer verglich die Stadt Feldkirch mit einem „von der Natur selber geschaffenen, wohlangelegten militärischen Fuchsbau, der in früheren Jahrhunderten den Schlüssel für Krieg und Frieden gegen den Arlberg gebildet habe“.Jakob Christoph Heer: Vorarlberg und Liechtenstein, Land und Leute, Feldkirch 1906, S. 83.Erwin Fitz: Ein historisch bedeutsames Ereignis nahe der Feldkircher Hütte: die Doppelschlacht bei Frastanz am 20. April 1499, in Anton Schäfer (Hrsg.): Chronik der Feldkircher Hütte, Dornbirn 2022, Edition Europa Verlag, ISBN 978-3-901924-30-9, S. 162.
Der Handel mit Italien und dem Heiligen Römischen Reich gedieh und brachte der Stadt Wohlstand. Die Handwerker erreichten eine solche Bedeutung, dass sie 1405 einen Aufstand gegen die Patrizier wagen konnten. Der Reichtum der Stadt war eine wichtige Voraussetzung für ihre kulturelle Entwicklung. Man hatte genug Geld zur Gründung einer Lateinschule, die sich 1399 zum ersten Mal nachweisen lässt.
Die Habsburger verwalteten in der Folge ihre im heutigen Vorarlberg gelegenen Herrschaftsgebiete abwechselnd von Tirol und Vorderösterreich (Freiburg im Breisgau) aus. Im späten Mittelalter, in der Zeit der Appenzellerkriege (1405–1429) zwischen der mit Habsburg verbündeten Fürstabtei St. Gallen und den dieser untergebenen Appenzellern, begann die in der Neuzeit abgeschlossene Herausbildung der staatlichen Territorien. Signifikant dafür sind unterschiedliche Bündnisse der Städte und der Stände der Herrschaft Feldkirch mit den Hofleuten zu Altstätten, Berneck und Marbach, mit der Stadt St. Gallen sowie mit den Landleuten am Eschnerberg. 1405 erfolgte durch die Aufnahme der Stadt Feldkirch die eigentliche Gründung des nach eidgenössischem Vorbild organisierten Bundes ob dem See, des wichtigsten Bündnisses dieser Zeit in dieser Region. Der Bund dehnte sich durch den Beitritt von Bludenz, Rankweil, Sax, Gaster, Toggenburg und anderen rasch aus. Gewagte militärische Unternehmungen und Erhebungen gegen die Herrschaft der Habsburger (Tirol, Allgäu, Thurgau) waren kurzfristig erfolgreich und führten zur Zerstörung zahlreicher Adelsburgen. Am 13. Jänner 1408 unterlag der Bund jedoch bei Bregenz dem habsburgischen Ritterheer.Heinz Starchl:
Neuzeit Im Zweiten Koalitionskrieg fand bei Feldkirch 1799 eine Schlacht statt. 1649 begründete der Jesuitenorden in Feldkirch ein Kolleg, aus dem sich von 1856 an das vom Kaiserhaus protegierte Elitegymnasium Stella Matutina entwickelte, das – mit Unterbrechungen – bis 1979 bestand und durch das Feldkirch internationale religiöse, wissenschaftliche und pädagogische Ausstrahlung gewann.
mini|Großbrand des fünfstöckigen Fabrikgebäudes der Getzner, Mutter & Cie. in Feldkirch (1902) mini|Wasserstandsmarke für das Hochwasser von Juni 1910 in der Marktgasse
Der Engländer Peter Kennedy und der Schweizer Hans Caspar Escher errichteten 1827 in der Feldkircher Au eine Spinnerei, welche ein Jahr später alle anderen Konkurrenzbetriebe im Land übertreffen sollte. Die Anlage am heutigen Leonhardsplatz markierte einen Meilenstein der regionalen Industrialisierung. Später übernahm das Unternehmen Getzner, Mutter & Cie. diesen Betrieb, ehe 1902 ein Brand in diesem fünfstöckigen Fabrikgebäude das Ende der Fabrik besiegelte.
20. und 21. Jahrhundert Ein durch die Kombination von starken Regenfällen und Schneeschmelze bewirktes, schweres Hochwasser verwüstete im Juni 1910 große Teile Feldkirchs. Der Abfluss der Wassermassen war überdies durch die Engstelle in der Kapfschlucht westlich der Altstadt behindert, was die Ill aufstaute und die Überflutungshöhe steigerte. Infolgedessen erfolgten 1914/15 umfangreiche Arbeiten, bei denen 12.700 m³ Gestein aus der Schlucht herausgesprengt und abtransportiert wurden, zur Vergrößerung des Abflussquerschnitts.https://www.feldkirch.at/fileadmin/user_upload/document/Stadtarchiv/2019_3-September_Aufweitung_der_Kapfschlucht_1914.pdf
1925 vergrößerte sich das Stadtgebiet erheblich durch die Eingemeindung von Levis, Altenstadt, Gisingen, Nofels, Tosters und Tisis.
Am 1. Oktober 1943 war Feldkirch Ziel eines alliierten Luftangriffes.Bombenabwürfe in Feldkirch am 1. Oktober 1943: Wie Marilena Tumler mit Jugendlichen Geschichte lebendig macht (30. September 2025) Ein Bomberverband der USAAF, der ein Messerschmitt-Werk bei Augsburg angreifen sollte, jedoch auf Grund von schlechtem Wetter sein Ziel nicht gefunden hatte, nutzte stattdessen Feldkirch als Ersatzziel. Getroffen wurde unter anderem ein Lazarett im Stadtteil Tisis, wobei über 100 Todesopfer zu beklagen waren.Luftangriff auf Feldkirch am 1. Oktober 1943, Webseite regiowiki.at, abgerufen am 27. November 2014. Abgesehen vom Einmarsch der französischen Truppen zu Kriegsende war der Bombenangriff auf Feldkirch die einzige größere Kampfhandlung während des Zweiten Weltkriegs im Raum Vorarlberg.
Am 8. Mai 1992 ereignete sich ein für Vorarlberger Verhältnisse heftiges Erdbeben der Magnitude 4,3 und einer EMS von 6 bis 7, das Gebäudeschäden hinterließ.
Das Alpenhochwasser 2005 brachte das Bett der Ill, als das Wasser bis fast an die Unterkante der wichtigen Montfortbrücke reichte, an die Grenze seiner Durchlassfähigkeit. Bis zu 689 m³ Illwasser wälzten sich an der Pegelstation Gisingen pro Sekunde durch das Stadtgebiet. Da 2/3 der Innenstadt bei einem HQ 100 (entspricht einem Abfluss von 820 m³/s am Pegel Gisingen) bis zu drei Meter hoch unter Wasser stehen würden, wird die Kapfschlucht in der Erwartung von durch die Klimaerwärmung bedingten, noch größeren Abflussspitzen in den Jahren 2023 bis 2025 auf 190 m Länge von 20 m auf 28 m Breite nach Norden aufgeweitet. Hierzu werden weitere 15.000 m³ Fels aus der Schlucht herausgesprengt und aufwendige Verlegungen von Straßen und Wegen, die bisher durch die Schlucht führten, vorgenommen. Obwohl der Wasserspiegel an der Montfortbrücke durch diese Flussbettverbreiterung bei einem HQ 100 um 1,20 m absinken würde, wird diese seit 2025 durch einen Neubau mit größerer Durchlaßfähigkeit ersetzt.
Die Kolpingfamilie Feldkirch mit dem Kolpinghaus am Jahnplatz ist der älteste noch bestehende Arbeiterverein Vorarlbergs.
Bevölkerungsentwicklung mini|hochkant=1|Einwohnerentwicklung der Stadtteile Feldkirchs (Stand 31. Dezember 2003)
Die Einwohnerzahl nimmt in den letzten Jahrzehnten stark zu, da sowohl Geburtenbilanz als auch Wanderungsbilanz positiv sind. So wanderten in den zehn Jahren von 2001 bis 2011 um 1.009 Personen mehr zu als weg.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Feldkirch besitzt seit 1993 ein Stadtbussystem mit neun Linien, welche in allen Stadtteilen und in Frastanz (Ortsteil Fellengatter) verkehren. Betreiber ist der Stadtbus Feldkirch. An Wochenenden und vor Feiertagen verbindet das YOYO die Teile Feldkirchs sowie Rankweil, Sulz, Röthis, Weiler, Klaus, Zwischenwasser, Übersaxen, Göfis und Frastanz bis drei Uhr früh. Zudem verkehren (Stand: März 2023) die Linien , , , , , und des Landbus Oberes Rheintal, die Linie des Landbus Walgau sowie die Linien , , und des Verkehrsbetriebes LIECHTENSTEINmobil in Feldkirch.