Logo 330px|Lojban-Logo Die Plansprache Lojban [] (Sprachcode nach ISO 639-2: jbo) wurde 1987 von der Logical Language Group entwickelt. Sie basiert auf der ebenfalls künstlichen Sprache Loglan. Bei der Entwicklung wurde besonderer Wert darauf gelegt, eine benutzbare, möglichst umfassende und frei verfügbare Sprache zu schaffen. Der Wortschatz der Grundwörter ist aus Wortstämmen der sechs weltweit meistgesprochenen Sprachen nach einem bestimmten Algorithmus gebildet. Diese Ursprungssprachen sind Arabisch, Chinesisch, Englisch, Hindi, Russisch, Spanisch.

Ein spezifisches Merkmal von Lojban ist, dass die bedeutungstragenden Wörter nicht in Verben, Substantive usw. unterschieden werden. Die Grammatik ist streng nach Gesichtspunkten der Prädikatenlogik aufgebaut. Der Satzbau ist durch viele Strukturwörter flexibel. Im Gegensatz zum Deutschen müssen in Lojban Numerus (Anzahl) und Tempus (Zeit) nicht ausdrücklich angegeben werden, während ein Genus (grammatisches Geschlecht) nicht existiert. Für den Fall, dass der Sprecher Wert auf diese Informationen legt, kann er sie mit Strukturwörtern detailliert äußern.

Entstehung Lojban ist eine Weiterentwicklung der Sprache Loglan, die 1955 von James Cooke Brown entwickelt wurde, um den Einfluss von Sprache auf die Gedanken der Sprecher zu überprüfen. Nach dieser Theorie (Sapir-Whorf-Hypothese) bestimmt eine Sprache, welche Gedanken gedacht und welche nicht gedacht werden können. Loglan sollte es den Sprechern mit einer logischen und flexiblen Grammatik ermöglichen, Gedanken zu fassen, die in natürlichen Sprachen nicht formulierbar sind.

Die LLG (Logical Language Group) (jbo: la lojbangirz) – eine Gruppe aus Washington DC – entschied sich 1987, mit dem „Loglan Institute“ von James Cooke Brown zu brechen und ein separates Projekt zu starten. Diesen Entschluss fassten sie, da Brown sich lange Zeit weigerte, eine vorläufige Version seiner Sprache zu veröffentlichen, wodurch man sie aber auch nicht ausprobieren konnte.

Um rechtliche Schwierigkeiten zu umgehen, konstruierte die LLG das Lojban-Vokabular komplett neu. Trotzdem kam es zum Prozess, bei dem Brown auf sein Urheberrecht pochte, der jedoch zugunsten der LLG ausging. Die Grammatik wurde zu einem großen Teil genau übernommen, aber danach noch stark ausgebaut. Die Gruppe arbeitete mehrere Jahre an der Sprache, bis 1997 die vollständige Grammatik im Buch The Complete Lojban Language von John Cowan veröffentlicht wurde. Heute gibt es laut den Angaben auf lojban.org rund 1500 Interessierte, mehr als 100 Schreiber, die regelmäßig Online-Texte veröffentlichen, ein paar Dutzend, die mehr oder weniger gut sprechen können, und eine Handvoll Menschen, die Lojban wirklich fließend beherrschen.

Schrift und Phonologie Lojban hat eine streng phonologische Schrift. Das bedeutet, dass man jedem Buchstaben genau ein Phonem der Sprache zuordnen kann. Es wurden eigens optimierte weitere Schriftsysteme entwickelt, das Druckschriftsystem zbalermornaLojban-MediaWiki-Seite über zbalermorna und das Schreibschriftsystem srilermornaLojban-MediaWiki-Seite über srilermorna, im Folgenden wird aber nur das Schriftsystem vorgestellt, das ein adaptiertes lateinisches Alphabet mit diesen Buchstaben verwendet:

| a | b | c | d | e | f | g | i | j | k | l | m | n | o | p | r | s | t | u | v | x | y | z | . | ' |

<h>, <q> und <w> werden nicht verwendet, dafür kommen die Buchstaben <.> (Punkt) und <'> (Apostroph) hinzu.

Die Buchstaben werden allesamt als Minuskeln geschrieben. Majuskeln kommen nur als Indikator für eine von der Norm abweichende Betonung eines Wortes vor. Normalerweise werden die Wörter auf der vorletzten Silbe betont, dies kann aber zum Beispiel bei Eigennamen unerwünscht sein. So schreibt man die Stadt „Paris“ auf Lojban „paRIS“, da ansonsten die Betonung auf das „pa“ fiele.The Logical Language Group Online Dictionary Query

Die Vokale <a> <e> <i> <o> <u> können lang/kurz bzw. gespannt/ungespannt ausgesprochen werden, ohne dass sich die Bedeutung ändert. Die Konsonanten <b> <d> <f> <g> <k> <l> <m> <n> <p> <r> <t> können alle wie die häufigste Realisierung im Deutschen ausgesprochen werden. Das <c> wird wie (Schule), <j> wie (Journal), <v> wie (Welt), <x> wie (Dach), <y> als (e-Schwa wie in „hatte“), <z> wie (sägen), <s> wie (Eis), <'> wird als (Hund) ausgesprochen, und <.> entspricht einer Pause, beziehungsweise dem Knacklaut (kann verstanden werden als der Unterschied zwischen „verreisen“ /fɛʀɑɪzən/ und „vereisen“ /fɛʀʔɑɪzən/).

Die Buchstaben <y> <.> <'> werden speziell verwendet und zählen für die morphologischen Regeln weder als Konsonanten noch als Vokale. Zudem steht <'> niemals am Wortanfang oder -ende.

Neben diesen Buchstaben findet bei Fremdwörtern und Eigennamenwörtern noch <,> (Komma) Verwendung, um Silben entgegen den Standardregeln voneinander abzutrennen. Sonst enthält das Lojban-Alphabet keine Satz- oder Sonderzeichen. Es ist allerdings erlaubt, derartige Symbole zusätzlich zur Verdeutlichung in den Text einzufügen.

Morphologie Lojban enthält sehr strenge morphologische Regeln, um zu gewährleisten, dass sich jedes Wort allein durch seine Struktur in eine von drei Gruppen einordnen lässt. Die LLG legt großen Wert darauf, dass die Wortarten stets mit ihren Namen in Lojban benannt werden, damit sie terminologisch verwendet werden können und keine Missverständnisse entstehen. Trotzdem wird in diesem Artikel absichtlich eine deutsche Umschreibung für die Lojban-Wörter verwendet, um das Verständnis zu erleichtern. Für genauere Angaben, insbesondere wenn man mit anderen über die Sprache diskutiert, sollten immer die Original-Bezeichnungen der LLG verwendet werden.

Satzwörter Satzwörter (jbo: brivla) umfassen alle Bedeutung tragenden Wörter. Sie enden immer auf einen Vokal und müssen eine Konsonantenhäufung innerhalb der ersten fünf Buchstaben enthalten. Satzwörter lassen sich weiter in drei Gruppen einteilen: Grundwörter (jbo: gismu) sind die wichtigsten Satzwörter. Sie bilden den Grundwortschatz. Man erkennt die Grundwörter an den beiden Formen CVCCV oder CCVCV (C = Konsonant, V = Vokal – die Buchstaben <y> <.> <'> kommen darin nicht vor). Es existieren rund 1600 Grundwörter, die allesamt eine klar definierte Umgebung haben. Näheres dazu im Abschnitt „Syntax“. Aus den Grundwörtern werden auch andere Wortarten wie Komposita oder Strukturwörter gebildet. Komposita (jbo: lujvo) werden aus zwei oder mehreren umgeformten Grundwörtern zusammengesetzt. Fremdwörter (jbo: fu'ivla) sind aus anderen Sprachen direkt übernommene Wörter, die an die Lojban-Phonologie angepasst werden.

Beispiele: gismu, lujvo und cmavo sind Grundwörter fu'ivla ist ein Kompositum spageti ist ein Fremdwort

Strukturwörter Strukturwörter (jbo: cmavo) erfüllen bestimmte syntaktische Aufgaben, die nicht von den Satzwörtern übernommen werden (vgl. Funktionswörter). Lojban enthält im Vergleich zu Deutsch sehr viele solche Wörter, da Lojban zum einen ohne Flexion auskommt und zum anderen auch Wörter für Funktionen existieren, die im Deutschen durch eine Veränderung der Stimmlage oder geschrieben durch Satzzeichen ausgedrückt werden. Zudem werden mehr Wörter benötigt, um die Syntax eindeutig zu machen. Strukturwörter haben in der aktuellen Version immer eine der Formen: | .V | .VV | .V'V | CV | CVV | CV'V |

Eigennamenwörter Eigennamenwörter (jbo: cmevla) enden immer auf einen Konsonanten, und alle Wörter, die auf einen Konsonanten enden, sind Eigennamen. Wenn Wörter aus anderen Sprachen als Eigennamenwörter ins Lojban übernommen werden sollen, wird normalerweise versucht, die Aussprache und nicht die Schreibung zu imitieren. Gegebenenfalls muss ein Konsonant (traditionellerweise, aber nicht zwingend, ein <s>) am Wortende hinzugefügt werden.

Beispiele: Stefan → ctefan. Anna → .anas.

Grundlegende Syntax Lojban beruht auf der Prädikatenlogik. Dies bedeutet unter anderem, dass jeder Satz in Lojban eine klare logische Aussage ermöglichen muss. Das kann jedoch nur gelingen, wenn die Syntax von vornherein eindeutig ist, also die Funktion jedes Morphems eindeutig bestimmt werden kann. Es ist in Lojban natürlich trotzdem möglich, Unsinn zu reden oder sich unklar oder missverständlich auszudrücken, selbst wenn der Text grammatisch korrekt ist, denn die viel zitierte „Unmissverständlichkeit“ Lojbans funktioniert nicht auf semantischer und schon gar nicht auf pragmatischer Ebene.

Lojban bedient sich dazu einiger Mittel, die im Vergleich zu natürlichen Sprachen ungewöhnlich sind. Jedes der etwa 1600 Grundwörter hat eine klar vordefinierte Relation zu den Wörtern, die es umgeben. Diese ist nach einem möglichst naheliegenden semantischen Konzept konstruiert, sodass in den meisten Fällen auf näher bestimmende Präpositionen, Affixe, Flexionen, oder andere morphologische Elemente verzichtet werden kann. Das heißt, jedes Grundwort kann als „Verb“ (jbo: selbri) verwendet werden, um einen Prädikatsatz (jbo: bridi) zu bilden. Im Sinne einer logischen Sprache werden – statt „Subjekten“ und „Objekten“ – Argumente (jbo: sumti) an einer bis fünf Stellen eingesetzt.

Beispiel

Das Grundwort klama (de: gehen, kommen, sich fortbewegen) bedingt eine fünfstellige Relation. Die fünf möglichen Argumente (im Allgemeinen durch die Zeichen x1 bis x5 ausgedrückt) haben folgende Bedeutung: x1 = sich bewegendes Objekt x2 = Zielort x3 = Ausgangsort x4 = Ort, an dem die Bewegung vorbeigeht x5 = Transportmittel

In dem Satz:

(1) mi klama la paRIS. la xamburk. la keln. lo karce

bestimmt klama also, dass:

mi (Pronomen (Pro-sumti) „Ich“) das Objekt ist, das sich bewegt, la paRIS („Paris“) der Zielort (die Großschreibung in der letzten Silbe ist aus Gründen der Betonung), la xamburk („Hamburg“) der Ausgangsort der Reise ist, la keln („Köln“) ein Ort ist, über den gereist wird und lo karce („per Auto“) das Transportmittel ist, das dafür verwendet wird.

Auf Deutsch müsste der Satz dementsprechend so übersetzt werden:

Ich fahre nach Paris von Hamburg aus über Köln mit dem Auto.

Die Strukturwörter la und lo sind sogenannte „Deskriptoren“, die die darauffolgenden Wörter näher kennzeichnen. la steht vor Eigennamen. lo zeigt an, dass der Sprecher über ein oder mehrere tatsächliche Autos redet. (Lojban unterscheidet nicht zwischen Singular und Plural.) le dagegen bezeichnet gewisse Dinge oder insbesondere ein gewisses Ding, das der Sprecher als Auto bezeichnet, das aber nicht unbedingt auch eines ist.

Weitere Beispiele

(2) la .alis. viska la bob. [Eigenname:] Alice sehen [Eigenname:] Bob Alice sieht Bob.

Das Grundwort viska bedingt eine dreistellige Relation, bei der das x1 angibt, wer etwas sieht, und das x2, was gesehen wird. Die dritte Stelle (unter welchen Umständen etwas gesehen wird) wird ausgelassen, da es in diesem Fall keine Rolle spielt.

dunda (= „geben“) ist – wie auch im Deutschen – dreistellig.

(3) mi dunda ti la bob. [Pronomen:ich] geben [Pronomen:das-hier] [Eigenname:] Bob Ich gebe das hier (an) Bob.

Die Satzstellung ist insofern frei, als das Verb beliebig weit nach hinten geschoben werden darf, ohne die Bedeutung zu verändern. (Das Verb darf nicht ohne weitere Veränderungen an den Satzanfang gesetzt werden. Vgl. Beispiel (7)).

(4) la .alis. la bob. viska [Eigenname:] Alice [Eigenname:] Bob sehen Alice sieht Bob.

patfu (Vater sein) ist 2-stellig, wobei das x1 angibt, wer Vater ist, und x2, um wessen Vater es sich handelt. In Lojban werden also auch alle Konstruktionen, die im Deutschen mit dem Kopulaverb „sein“ gebildet werden, mit einem einfachen Satzwort dargestellt.

(5) mi do patfu ich du Vater-sein Ich bin dein Vater.

(6) ta xamgu das-dort gut-sein Das ist gut (für jemanden nach einem bestimmten Standard).