Die Fahrzeuge RSN Nr. 1 bis 5 waren schmalspurige Tenderlokomotiven der Kreiskleinbahn Rathenow-Senzke-Paulinenaue-Nauen (RSN). Die Deutsche Reichsbahn übernahm 1949 zwei Exemplare und ordnete sie in die Baureihe 99.451 ein.

Geschichte

Die RSN bestellte 1898 bei Krauss in München drei Lokomotiven, die 1899 mit den Numern 1 bis 3 ausgliefert wurden. 1901 bestellte die Kreiskleinbahn für die Verlängerung der Strecke nach Nauen zwei Lokomomotiven bei der Firma Orenstein & Koppel (O&K), die andere Abmessungen als die Krauss-Maschinen hatten (Lok Nr. 4–5).

Eingesetzt wurden die Lokomotiven auf den ab 1. April 1900 eröffneten Strecken zwischen Rathenow und Nauen sowie zwischen Senzke und Paulinenaue.

Als die Deutsche Reichsbahn im April 1949 die Betriebsführung dieser ehemaligen Kreisbahn übernahm, reihte sie aus jeder Bauserie eine Lokomotive in ihren Bestand ein. Die Lokomotive Nr. 3 erhielt die Nummer 99 4511. Die Nr. 5 erhielt die neue Nr. 99 4512. Sie wurde 1964 ausgemustert und verschrottet. Die DR setzte die 99 4511 (alt) im Jahr 1961 zur ehemaligen Rügensche Kleinbahn um.

Die 99 4511 wurde 1965 im Reichsbahnausbesserungswerk Görlitz einer Großteilerneuerung unterzogen, und dabei faktisch neu gebaut. Die alten Lokschilder mit der Nummer 99 4511 übernahm sie von ihrer Vorgängerin. Allerdings hatte die neue Lok praktisch nichts mehr mit dem Original gemein: Die neue Lokomotive hatte einen neuen Rahmen, lediglich die drei Treibachsen (die Nachlaufachse war bei der Neukonstruktion weggelassen worden), einen neuen Kessel und ein neues Führerhaus. Sie glich der 1960 erneuerten 99 4701.

1965 kam die neu gebaute 99 4511 auf die Insel Rügen zurück, wo sie jedoch nicht mehr eingesetzt wurde. Problematisch waren die Leistung (die Altbaulok hatte 95 PSe gehabt, die „Neubaulok“ hatte nur noch 80 PSe), sowie das höhere Gewicht. Insbesondere die Fehlende Nachlaufachse war Grund dafür, dass durch das höhere Grundgewicht und die fehlende Nachlaufachse die Achslast auf 6 t stieg, was ihre Tauglichkeit auf Rügen derart drastisch verschlechterte, sodass die Lok die meiste Zeit in Altenkirchen als kaltes „Ausstellungsstück“ verbrachte. Da das Gleis auf der Rügener Nordstrecke stark verschlissen war und die fehlende Nachlaufachse die Laufruhe stark beeinträchtigten, wurde die Lok daher kaum noch eingesetzt. Für das Jahr 1966 stand sie ganze 3 Tage unter Dampf und absolvierte dabei ca. 498 km. Am 14. November 1966 entgleiste die Lok. Dies war dann auch ihr Ende auf Rügen und so setzte die DR die Lok zu den ehemaligen Prignitzer Kreiskleinbahnen um, wo sie bis 1969 im Einsatz blieb. Ab dem 4. Januar 1967 versah sie ihren Dienst von Kyritz (bei Wittenberge) aus bis ins Jahr 1969. Danach stand sie mehrere Jahre in Glöwen abgestellt. 1971 wurde sie dann abgestellt. 1973 wurde sie an den Holiday-Park Haßloch in der Pfalz verkauft. Am 5. November 1976 musterte die DR die Lokomotive aus und 1977 wurde die Lok in ihre neue Heimat in der Pfalz überführt.

1977 wurde sie im „Holiday-Park“ in Haßloch aufgestellt.

Seit 1998 gehört sie der IG Preßnitztalbahn in Jöhstadt, die sie betriebsfähig aufarbeitete. Sie kommt seitdem gelegentlich auf der Museumsbahn Steinbach-Jöhstadt zum Einsatz.

Aufgrund ihrer auffälligen Fahrgeräusche trug sie ursprünglich (als Altbaulok) noch den Spitznamen Pusteliese. Nach ihrem „Umbau“ bzw. dem Neubau der Lok im RAW Görlitz Schlauroth und nach ihrer Rückkehr zur DR, bekam sie dann jenen Namen, unter dem sie noch heute bekannt ist: Bei der Preßnitztalbahn wird sie mundartlich als Meppel bezeichnet.

Technische Merkmale RSN Nr. 1 bis 3 Die Lokomotiven mit den Nr. 1–3 verfügten über einen Innenrahmen, in dem die drei Kuppelradsätze gelagert waren. Für die Aufnahme der Laufachse war der Rahmen unter dem Führerhaus zu einem Außenrahmen verbreitert, die Achse lief mit der dritten Kuppelachse in einem Krauss-Helmholtz-Lenkgestell. Auf dem Kessel befand sich der Dampf- und der Sanddom. Die Lokomotiven hatten einen Heusingersteuerung, der Antrieb erfolgte auf die zweite Achse.

RSN Nr. 4 und 5 Die Loks mit den Nr. 4 und 5 verfügten über einen Außenrahmen. Die Nachlaufachse lief in einem Bisselgestell. Die Loks hatten eine Lenker-Steuerung, ein Patent von Arthur Koppel (O&K-Patentsteuerung), sie verursachte aufgrund schlechter Reguliermöglichkeiten unregelmäßige Auspuffschläge. Darum war die Nummer 5 als Röchelanna oder als Springender Hirsch, was auf ihr Fahrverhalten zurückzuführen war, bekannt.

Literatur

Horst J. Obermayer: Taschenbuch Deutsche Schmalspur-Dampflokomotiven. Franckh, Stuttgart 1971, ISBN 3-440-03818-1 Klaus Kieper, Reiner Preuß: Schmalspur zwischen Ostsee und Erzgebirge, Alba Buchverlag, Düsseldorf 1980, ISBN 3-87094-069-7 Kenning, L., Rickelt A.: Kleinbahnreise über die Insel Rügen Band 1: Die Fahrzeuge seit 1950, Verlagsgruppe Bahn, ISBN 978-3-944390-16-1 0e Club Hamburg: 99 4511 (ex RSN3) in der Ursprungsversion und als „Reko“ - 0e-club-hamburg

Kategorie:Tenderlokomotive Achsfolge C1 Kategorie:Triebfahrzeug (Kreisbahn Rathenow-Senzke-Nauen) Kategorie:Schienenfahrzeug (Orenstein & Koppel) Kategorie:Schienenfahrzeug (Krauss)