Die Schwarzkümmel (Nigella) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Die je nach Autor 14 bis 20 Arten sind von Südeuropa über Vorder- und Zentralasien sowie Nordafrika verbreitet.
Beschreibung mini|links|Illustration des Acker-Schwarzkümmel (Nigella arvensis) mini|Blüte des Echten Schwarzkümmel (Nigella sativa) mini|Offene Balgfrüchte von Nigella ciliaris mini|Frucht und Samen der Jungfer im Grünen (Nigella damascena)
Vegetative Merkmale Nigella-Arten sind einjährige krautige Pflanzen, die Wuchshöhen von meist 20 bis 45 (10 bis 70) Zentimetern. Es werden Pfahlwurzeln gebildet. Die aufrechten und meist verzweigten Stängel sind gerillt und meist kahl.
Die grundständig und wechselständig am Stängel verteilt angeordneten Laubblätter sind meist in Blattstiel und -spreite gegliedert; die obersten sind sitzend. Bei den Grundblättern sind die Blattstiele bis zu 15 Millimeter lang. Ihre Blattspreiten sind bei einer Länge von 15 bis 35 Millimetern sowie einer Breite von 8 bis 20 Millimetern im Umriss länglich bis verkehrt-eiförmig und zwei- bis dreifach fiederteilig. Ihre Blattsegmente sind linealisch. Die Blattstiele der Stängelblätter sind (falls welche vorhanden sind) höchstens 1 bis 2 Millimeter lang. Die Blattspreiten der Stängelblätter sind nur selten ungeteilt, oder meist zweifach fiederteilig. Die Blattsegmente sind fadenförmig, fein zerschlitzt, fast haarförmig. Der Blattrand ist glatt.
Generative Merkmale Die Blüten sind einzeln end- oder achselständig oder meist zu mehreren in locker verzweigten, traubigen Blütenständen angeordnet. Es sind meist fünf bis sechs Hüllblätter vorhanden; dieses Involucrum befindet sich direkt unter der Blüte. Die Hüllblätter sind fein fiederteilig.
Die zwittrigen Blüten sind bei Durchmessern von 10 bis 15, selten bis zu 20 Millimetern radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die meist fünf bis 25 haltbaren Kelchblätter sind kronblattartig und weiß bis blau oder rosafarben, selten gelblich-weiß oder grün bis braun. Die kahlen, genagelten Kelchblätter sind bei einer Länge von 5 bis 5 Millimetern sowie einer Breite von 2,5 bis 4 Millimetern länglich, elliptisch, verkehrt-eiförmig mit spitzem oder zugespitztem oberen Ende. Die meist fünf, selten sechs bis zehn freien Honigblätter sind bleifarben, kastanienbraun, bräunlich, blau, violett und mit Flecken oder Linien gezeichnet. Die Honigblätter sind bei einer Länge von 2 bis 5 Millimetern zweilippig und nicht kronblattartig, mit kaputzenförmigen Ende; selten fehlen sie. In den Honigblättern befinden sich die Nektardrüsen am oberen Ende. Die Honigblätter sind genagelt und der Nagel ist mindestens doppelt so lang wie die Kelchblätter. Die Platte ist kreisförmig und am oberen Ende tief ausgerandet. Die Oberlippe (= inner Lippe) ist 1 bis 1,5 Millimeter lang sowie 1,5 bis 2 Millimeter breit. Die Unterlippe (= äußere Lippe) ist bei einer Länge von 7 bis 9 Millimetern sowie einer Breite von 5 bis 8 Millimetern kreis- oder eiförmig. Sie ist spärlich lang behaart mit unregelmäßig gezähnten Rand und gewellt. Es sind meist 15 bis 16 (12 bis 75 – viele) Staubblätter in zwei Kreisen vorhanden. Die dünnen Staubfäden sind 3 bis 5 Millimeter lang. Die 1 bis 2 Millimeter langen Staubbeutel sind am oberen Ende gestutzt und grünlich, gelb oder braun bei Pollenreife. Es sind keine Staminodien vorhanden. Die selten nur zwei, meist fünf oder zehn oberständige Fruchtblätter sind im oberen Bereich teilweise oder ganz verwachsen. Es sind 25 bis 100 Samenanlagen vorhanden. Die relativ langen Griffeläste bleiben weit voneinander getrennt (frei); sie bilden in sich tordierte oder im Raum geschraubelte Stylodien.
Die zwei bis acht, selten bis zu 14 sitzenden Balgfrüchte sind mehr oder weniger zusammenhängend und enthalten jeweils einige Samen. Die Balgfrüchte sind einschließlich des Schnabels 5 bis 10 Millimeter lang sowie 2 bis 3 Millimeter breit und ihre Oberfläche ist warzig mit feinen Nerven. Auf den Balgfrüchten sind lange haltbare Griffel und die haltbaren Kelchblätter vorhanden. Der 13 bis 20 Millimeter lange Schnabel ist gerade. Die schwarzen oder braunen, glänzenden oder matten Samen sind bei einer Länge von 2 bis 4 Millimetern sowie einem Durchmesser von 2 bis 3 Millimetern breit verkehrt-eiförmig. Die Samenschale ist netzartig mit erhabenen Kämmen.
Chromosomensätze Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 6; es liegt Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 12 vor.
Analytik Zur qualitativen und quantitativen Bestimmung der Inhaltsstoffe des Kümmelsamens kommt nach angemessener Probenvorbereitung die Kopplung der Gaschromatographie oder HPLC mit der Massenspektrometrie zur Anwendung.
Ökologie Es handelt sich um Therophyten. Die Bestäubung erfolgt durch ein breites Spektrum von Insekten.
Systematik und Verbreitung mini|Blüte von Nigella ciliaris mini|Blüten von Nigella gallica mini|Blüte von Nigella orientalis mini|Nigella oxypetala mini|Nigella segetalis
Die Gattung Nigella wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 534 aufgestellt. Als Lectotypusart wurde Nigella arvensis festgelegt. Ein Synonym für Nigella ist Erobathos .
Die Gattung Nigella gehört mit den beiden Gattungen Garidella sowie Komaroffia zur Tribus Nigelleae in der Unterfamilie Ranunculoideae innerhalb der Familie Ranunculaceae.
Die Gattung Nigella ist von Südeuropa über Vorder- und Zentralasien sowie Nordafrika verbreitet. Das Zentrum der Artenvielfalt ist der Mittelmeerraum. In der Türkei kommen 14 Arten vor, zehn davon kommen dort ursprünglich vor.
Die Gattung Nigella wird in die drei Untergattungen Erobathos , Nigellaria sowie Nigellastrum gegliedert.
Die Systematik der Gattung Nigella wird kontrovers diskutiert. Die Darstellung in Euro+Med 2014+ wird fortlaufend verändert, beispielsweise bei Dönmez et al. 2021.
Je nach Autor gibt es 13 bis 20 Arten: Acker-Schwarzkümmel (Nigella arvensis , Syn.: Nigella divaricata , Nigella arvensis subsp. divaricata , Nigella foeniculacea , Nigella tuberculata ): Je nach Autor gibt es eine unterschiedliche Zahl von Unterarten und Varietäten. Hier erfolgt die Darstellung der Subtaxa nach Dönmez et al. 2021 mit nur drei Varietäten: Nigella arvensis var. arvensis (Syn.: Nigella agrestis , Nigella assyriaca , Nigella assyriaca var. longicornis , Nigella assyriaca var. longicornis , Nigella carpatha , Nigella catanae , Nigella cretensis , Nigella degenii , Nigella degenii subsp. barbro , Nigella degenii subsp. minor , Nigella deserti , Nigella deserti var. arabica , Nigella deserti var. assyriaca , Nigella deserti var. assyriaca , Nigella deserti var. latilabris , Nigella deserti , Nigella deserti var. arabica , Nigella divaricata , Nigella divaricata var. palaestina , Nigella divaricata var. palestina , Nigella doliata , Nigella foeniculacea , Nigella foeniculacea , Nigella tuberculata , Nigella glauca , Nigella huthii , Nigella doerfleri , Nigella icarica , Nigella stricta , Nigella taubertii , Nigella arvensis subsp. arvensis , Nigella arvensis subsp. glauca , Nigella arvensis subsp. normlalis , Nigella arvensis subsp. taubertii , Nigella arvensis subsp. brevifolia , Nigella arvensis subsp. divaricata var. daucifolia , Nigella arvensis subsp. arvensis var. arabica , Nigella arvensis var. glaucescens , Nigella arvensis var. glauca , Nigella arvensis var. assyriaca , Nigella arvensis var. assyriaca , Nigella arvensis var. mutica , Nigella arvensis var. negevensis , Nigella arvensis var. multicaulis , Nigella arvensis var. cossoniana , Nigella arvensis var. typica , Nigella arvensis var. verruculosa , Nigella arvensis var. involucrata , Nigella arvensis var. beershevensis , Nigella arvensis var. divaricata , Nigella arvensis var. divaricata , Nigella arvensis var. microcarpa , Nigella arvensis var. tauricola , Nigella arvensis var. assyriaca , Nigella arvensis var. assyriaca , Nigella arvensis var. caudata , Nigella arvensis var. anatolica , Nigella arvensis var. longicornis , Nigella arvensis var. iranica): Sie ist von Europa bis Vorderasien, Nordafrika, in der Ukraine, auf der Krim, und in Ägypten verbreitet. In Mitteleuropa ist sie eine Ackerrand- und Ruderalpflanze. Nigella arvensis var. aristata (Syn.: Nigella aristata , Nigella aristata subsp. rechingeri , Nigella arvensis subsp. aristata , Nigella arvensis subsp. rechingeri , Nigella arvensis var. involucrata , Nigella huthii var. aristata , Nigella degenii subsp. jenny ): Diese Neukombination erfolgte 2021. Sie kommt auf der Balkanhalbinsel und in der Türkei vor. Nigella arvensis var. simplicifolia (Syn.: Nigella arvensis var. oblanceolata ): Sie kommt nur in der Türkei und im Irak vor. Nigella ciliaris (Syn.: Nigella oxypetala DC. subsp. ciliaris ): Sie ist nur von sieben Fundorten in Zentralasien, in Syrien, im Libanon, Jordanien, in Palästina und auf Zypern bekannt. Jungfer im Grünen (Nigella damascena , Syn.: Nigella bourgaei , Nigella elegans , Nigella multifida , Nigella taurica , Nigella damascena var. africana , Nigella damascena var. minor , Nigella damascena subsp. minor ): Sie wurde und wird in Gärten kultiviert und verwildert, Heimat ist Südeuropa bis Vorderasien und Nordafrika. Nigella elata (Syn.: Nigella involucrata , Nigella involucrata , Nigella bithynica ): Sie kommt in Bulgarien, Griechenland, auf Inseln in der Ägäis, in der westlichen Türkei und auf der Krim vor.0 Nigella fumariifolia (Syn.: Nigella fumariifolia subsp. normalis ): Sie kommt auf Zypern, Kreta und auf Inseln in der Ägäis vor. Nigella gallica (Syn.: Nigella hispanica , Nigella hispanica subsp. gallica , Nigella hispanica subsp. confusa , Nigella hispanica var. parviflora , Nigella arvensis subsp. hispanica , Nigella arvensis auct. non , Nigella divaricata sensu , Nigella amoena , Nigella gaditana , Nigella intermedia , Nigella intermedia , Nigella polygynia ,): Sie kommt in Spanien sowie Portugal vor. Nigella koyuncui : Sie wurde 2015 erstbeschrieben. Es sind nur zwei Fundorte bekannt, die etwa 20 km voneinander entfernt sind. Dieser Endemit kommt nur in der Provinz Sinop in der nordöstlichen Türkei vor. Insgesamt wurden nur 150 blühfähige Exemplare gefunden. Nigella orientalis (Syn.: Nigellastrum flavum , Nigellastrum orientale ): Sie kommt im europäischen und asiatischen Teil der Türkei, Griechenland, auf Inseln in der östlichen Ägäis, im Kaukasusraum und in Vorderasien bis zum Iran vor. Nigella oxypetala (Syn.: Nigella noeana , Nigella persica , Nigella oxypetala var. persica , Nigella oxypetala var. noeana , Nigella oxypetala var. tenuifolia , Nigella oxypetala var. typica , Nigella oxypetala subsp. normalis ): Seit 2021 gibt es drei Varietäten: Nigella oxypetala var. oxypetala: Sie kommt in der östlichen Türkei, im Libanon, Iran, Syrien, Aserbaidschan sowie Armenien vor. Nigella oxypetala var. latisecta (Syn.: Nigella latisecta , Nigella oxypetala subsp. latisecta , Nigella oxypetala subsp. latisecta ): Diese Neukombination erfolgte 2021. Sie kommt in von der zentralen bis östlichen Türkei uns in Armenien vor. Nigella oxypetala var. lancifolia (Syn.: Nigella lancifolia ): Diese Neukombination erfolgte 2021. Dieser Endemit kommt im zentralen asiatischen Teil der Türkei nur in den Provinzen Niğde sowie Konya vor. Nigella papillosa : Es gibt etwa zwei Unterarten: Nigella papillosa subsp. atlantica , Nigella hispanica subsp. atlantica , Nigella atlantica , Nigella hispanica var. intermedia , Nigella hispanica subsp. intermedia , Nigella arvensis subsp. atlantica : Sie kommt im westlichen Mittelmeerraum in Spanien, Portugal, Andorra, Gibraltar, Sizilien, Malta und Algerien, Tunesien sowie Marokko vor. Nigella papillosa subsp. papillosa: Sie kommt auf der Iberischen Halbinsel vor.