Lewin Brzeski () ist eine Stadt im Powiat Brzeski in der südpolnischen Woiwodschaft Opole. Das etwa 5600 Einwohner zählende Lewin Brzeski ist Sitz der gleichnamigen Stadt-und-Land-Gemeinde mit etwas mehr als 12.000 Einwohnern.
mini|Das Barockschloss in einer Lithographie, um 1860
Geografische Lage Lewin Brzeski liegt im Westen der Woiwodschaft Opole, etwa 20 Kilometer nordwestlich von Opole sowie 15 Kilometer südöstlich von Brzeg (Brieg). Die Stadt liegt am linken Ufer der Nysa Kłodzka (Glatzer Neiße) gegenüber der Mündung der Ścinawa Niemodlińska (Steinau). Das Tal der Nysa Kłodzka zeichnet sich durch sein relativ flaches Relief aus. So finden sich nahe dem Fluss Feuchtgebiete und die Umgebung muss mit Deichen vor Hochwassern geschützt werden. Historisch lag der Ort an der Grenze Niederschlesiens zu Oberschlesien.
Geschichte mini|Das 1837 im klassizistischen Stil erbaute Rathaus am Ring mini|Die Häuser am Ring stammen hauptsächlich aus der Mitte des 19. Jahrhunderts - Hier ist das Haus Nr. 21 am Ring zu sehen
Nahe dem Übergang der Handelsstraße von Schlesien nach Ungarn, der so genannten Bernsteinstraße über die Glatzer Neiße, entstand das heutige Lewin Brzeski als Marktflecken. Erstmals urkundlich bezeugt wurde diese Ortschaft im Jahre 1257, als das Johanniterkloster Lossen eine Mühle kaufte und ein Kaufvertrag ausgestellt wurde. Hierbei wurde auch der Münzer Walter von Lewin erwähnt, der der örtlichen Münze vorstand, die von den Oppelner Herzögen betrieben wurde. Bereits zur Mitte des 13. Jahrhunderts wurde die Ortschaft mit dem Magdeburger Stadtrecht ausgestattet. In der ovalen Stadtanlage wurde ein rechteckiger Marktplatz, der Ring, angelegt, Löwen hatte jedoch keinen schachbrettartigen Grundriss wie vergleichbare Städte. Umgeben wurde die Stadt von einem Erdwall mit Palisaden und davor konnte bei Bedarf ein Graben durch eine Schleuse mit Neißewasser gefüllt werden. Außerdem bestanden hier vier Stadttore. Noch vor 1285 baute der Dominikanerorden in Löwen ein Kloster auf, das Dominikanerkloster Löwen. Im Jahre 1333 wurden das Stadtrecht und die damit verbundenen Privilegien, wie das Brau- und Ausschankrecht von Bier, später auch das Recht zum Abhalten von Mittwochsmärkten, von Herzog Boguslaus von Brieg bestätigt, denn Löwen war Teil des Herzogtums Liegnitz-Brieg geworden und mit diesem bereits 1329 an Böhmen gefallen.
Das 16. Jahrhundert brachte für die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung, 1526 ging die Stadt an die Habsburger über und seit 1592 wurden in der Stadt auf Erlaubnis des Herzogs von Brieg Jahrmärkte veranstaltet. Nach der Reformation wurde Löwen größtenteils protestantisch und die katholische Pfarrgemeinde aufgelöst. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt geplündert, abgebrannt und von der Pest heimgesucht. Im Jahre 1742 wurde Löwen Teil Preußens und stellte damals ein von der Landwirtschaft geprägtes Städtchen mit 700 Einwohnern dar. In Löwen wüteten mehrere Stadtbrände, deren verheerendster im Jahre 1829 die hölzerne Bebauung der Stadt vollkommen vernichtete und einen grundlegenden Wiederaufbau der Stadt einleitete. Es wurden diesmal steinerne Bauten errichtet, von denen besonders das klassizistische Rathaus von 1837 auf dem Ring hervorzuheben ist.
Im Jahre 1846 wurde Löwen an die Eisenbahnlinie Breslau–Oppeln angeschlossen, was einen Aufschwung der Stadt und die Ansiedlung von Industrie mit sich brachte. 1901 wurde die Ortschaft Fröbeln (Wróblin) eingemeindet, die seit 1882 eine Zuckerfabrik besaß und 1895 544 Einwohner gezählt hatte. Administrativ war Löwen Teil des Landkreises Brieg und Sitz eines eigenen Amtsgerichts. In der Stadt bestand seit 1866 ein Metallbetrieb, in dem zuerst landwirtschaftliche Nutzgeräte, später Schrauben und schließlich Tonbandgeräte hergestellt wurden. Weitere wichtige industrielle Einrichtungen waren eine Ziegelei, eine Dachziegel- und Fliesenfabrik und darüber hinaus eine Mühle. Aber auch die Straßen der Stadt wurden ausgebaut und 1898 erhielt Löwen eine Verbindung mit Fröbeln. Die alte, baufällige Brücke über die Neiße wurde 1913 durch eine Stahlbrücke ersetzt. Seit dem 7. April 1866 bestand in der Stadt wieder eine katholische Pfarrgemeinde, für die später die Marienkirche errichtet wurde.
Am 4. Februar 1945 wurde die von Kriegshandlungen stark in Mitleidenschaft gezogene Stadt von der Roten Armee besetzt. In der Folge des Krieges wurde der Ort Teil Polens und erhielt zunächst die Ortsbezeichnung Lubień, später Lewin Brzeski, und gehörte administrativ zunächst zur Woiwodschaft Breslau. 1950 wurde die Stadt der Woiwodschaft Opole angeschlossen, bei der sie auch nach der Verwaltungsreform in Polen 1999 blieb.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1756 768 Friedrich Albert Zimmermann: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien. Band I: Fürstenthum Brieg. Verlag Johann Ernst Tramp, Brieg 1783, S. 90 (books.google.de). 1769 799 1771 702 1780 824 1781 841 1803 1112 1810 1016 1816 984 darunter 858 Evangelische und 106 KatholikenAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 328–335, Ziffer 406 (books.google.de). 1821 1158 in 171 Privatwohnhäusern 1825 1105 darunter 110 Katholiken und eine Person jüdischen Glaubensbekenntnisses, in 181 Häusern (davon 125 massiv)Johann Georg Knie: Alphabetisch-Statistisch-Topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Melcher, Breslau 1830, S. 963 (books.google.de). 1840 1500 darunter 1257 Evangelische, 223 Katholiken und 20 Juden, in 192 Häusern (davon 183 massiv)Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage. Graß, Barth und Comp., Breslau 1845, S. 866–867 (books.google.de). 1875 2001 1880 2229 1885 2362 1890 2589 1900 3245 meist Evangelische 1910 3514 am 1. DezemberLöwen, Kreis Brieg. In: Meyers Gazetteer. meyersgaz.org (mit Eintrag aus dem Meyers Orts- und Verkehrslexikon. Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Löwen) 1933 3991 1939 3977 1969 4666 Heinz Rudolf Fritsche: Schlesien Wegweiser. Bechtermünz Verlag, Augsburg. 31. Dez. 1995 5961 31. Dez. 2000 5875stat.gov.pl 31. Dez. 2005 5843 30. Jun. 2015 5906 2024 5585 Główny Urząd Statystyczny, Powierzchnia i ludność w przekroju terytorialnym w 2024 roku, abgerufen am 27. März 2026
Wappen Das Wappen der Stadt Lewin Brzeski wurde am 18. Juni 1998 angenommen und hat ein Siegel des Jahres 1333 zum Vorbild. Es zeigt einen nach rechts schreitenden goldenen Löwen über drei grünen Hügeln auf blauem Grund. Der Löwe im Wappen weist auf den alten deutschen Namen Löwen hin.
Sehenswürdigkeiten mini|Die evangelische Kirche mini|Die katholische Marienkirche mini|Das barocke Schloss von 1722 Sehenswert ist der Löwener Ring, dessen gleichförmige Bebauung auf den Wiederaufbau nach dem großen Stadtbrand von 1829 zurückgeht. Damals entstanden zweistöckige schlichte Bauten mit steilen Dächern und ersetzten die verbrannten Holzhäuser. Auch in den Nebenstraßen finden sich Häuser aus dieser Zeit, die teilweise nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut wurden. Zur selben Zeit wurde das Rathaus 1837 im klassizistischen Stil auf dem Ring errichtet. Der einfache, rechteckige Bau ist zweistöckig und mit einem Krüppelwalmdach bedeckt. Über dem Haupteingang verfügt das Rathaus über einen Dreiecksgiebel, in dem das von Stuck umgebene Stadtwappen eingelassen ist. Bekrönt wird das Dach von einem kleinen Dachreiter mit schlichter Zwiebelhaube. In der Nähe des Rings befindet sich auch die evangelische Kirche St. Peter und Paul. Sie stammt bereits aus dem Jahre 1312 und wurde in der Folgezeit mehrfach umgebaut. 1534 wurde die Kirche von den Protestanten übernommen, nachdem sie zu Beginn des Jahrhunderts umgestaltet worden war. Diese bauten sie nach einem Brand im Jahre 1586 wieder auf und erweiterten das Gebäude im Renaissancestil. 1660 folgte ein Umbau des Kirchenschiffs und des Kirchturms, der, nachdem er 1761 durch Blitzschlag ausbrannte, mit einem barocken Turmhelm bekrönt wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche beschädigt und der Turm später in vereinfachter Form mit gotischem Turmhelm wiederaufgebaut.Im Inneren der verwahrlosten und nicht mehr genutzten Kirche konnten sich noch viele Ausstattungsstücke der Renaissance erhalten. Besonders sehenswert ist der hölzerne Renaissancehauptaltar von 1613, der von Hermann Fischer aus Neisse geschnitzt wurde. Darüber hinaus findet sich in der Kirche eine barocke Kanzel und im Chor sind noch einige Epitaphien aus dem 16. und 17. Jahrhundert aufgestellt. Die neuromanische katholische Marienkirche wurde von 1903 bis 1904 errichtet. Wichtigstes Kunstwerk ist ein Sandsteinaltar mit einer Kreuzigungsszene vom Ende des 16. Jahrhunderts. Er wurde von seinem ursprünglichen Standort in der Turmkapelle der evangelischen Kirche hierher gebracht. Das barocke Schloss Löwen wurde 1722 von Otto Leopold von Beeß zweistöckig in U-Form erbaut. Der Vorgängerbau war 1666 abgebrannt. 1860 erfolgte ein Umbau, bei dem über dem barocken Hauptportal ein Giebel angebracht wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Schloss verlassen, verfiel zusehends und brannte 1955 aus. Im Jahre 2000 wurde es grundlegend saniert und seiner neuen Nutzung als Gymnasium zugeführt.wodip.opole.pl Umgeben wird das Schlossgelände von einer barocken Mauer mit drei Toren.
Gemeinde
Die Gmina Lewin Brzeski ist eine Stadt-und-Land-Gemeinde (gmina miejsko-wiejska) welche sich über eine Fläche von 159,7 km² erstreckt und neben dem gleichnamigen Hauptort in 20 Dörfer mit Schulzenämtern beinhaltet.
Gemeindepartnerschaften Lewin Brzeski unterhält mit folgenden Orten Partnerschaften: Szegvár, Ungarn – seit 1997 Senieji Trakai, Litauen – seit 2006
Fernverkehr mini|Brücke der Staatsstraße 94 im Gemeindegebiet, nahe Skorogoszcz Drei wichtige Ost-West-Verbindungen durchziehen das Gemeindegebiet:
Die Autobahn A4 – die wichtigste Ost-West-Transitstraße Polens – verläuft rund vier Kilometer südlich der Stadt entlang der Südgrenze der Gemeinde. Es bestehen im Gemeindegebiet jedoch keine direkten Anschlussstellen, sondern erst in über 20 km Entfernung und außerhalb des Gemeindegebiets. Die Gemeinde hat auch Anteil an der Staatsstraße 94, die Breslau mit Kattowitz verbindet.
Der Bahnhof Lewin Brzeski liegt an der in diesem Abschnitt 1843 eröffneten Bahnstrecke Bytom–Wrocław.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Gottfried August Thilo (1766–1855), deutscher Kupferstecher, Miniatur-, Landschafts- und Porträtmaler Carl von Plotho (1780–1820), preußischer Oberstleutnant, Militärhistoriker und Schriftsteller Gustav Hellmann (1854–1939), deutscher Meteorologe und Klimatologe Alfred Groß (1885–1976), deutscher Richter Martin Schlensog (1897–1987), deutscher Komponist und Musikpädagoge Dietmar Schicke (* 1942), deutscher Politiker
Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben Otto Leopold von Beeß (1690–1761), preußischer Minister, Erbheer zu Löwen und Errichter des Löwener Schlosses Johann Sigismund Kunth (1700–1779), Geistlicher, Theologe und Kirchenlieddichter, Pfarrer in Löwen Johann Daniel Hensel (1757–1839), deutscher Pädagoge, zeitweise Diakon in Löwen Valentin Wojciech (1868–1940), katholischer Geistlicher und Weihbischof in Breslau, zeitweise Pfarrer in Löwen Erich Simmel (1885–1974), deutscher Jurist und Politiker, zeitweise als Rechtsanwalt und Notar in Löwen
Literatur