Die 52. Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika fand am 3. November 1992 statt. Gewählt wurde der Gouverneur von Arkansas William Jefferson („Bill“) Clinton, der damit 42. Präsident der Vereinigten Staaten wurde.
Kandidaten Republikaner
Obwohl der Amtsinhaber George H. W. Bush in den Umfragen nur 33 Prozent Zustimmung für seine Politik als Präsident bekam, konnte er sich in den Vorwahlen und auf dem republikanischen Nominierungsparteitag gegen den früheren Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses Pat Buchanan durchsetzen. Die teilweise überraschend guten Vorwahlergebnisse für Buchanan (z. B. mehr als 30 Prozent in New Hampshire) deuteten jedoch darauf hin, dass sich auch innerparteilich die Begeisterung für Bush in Grenzen hielt und man ihm insbesondere den Bruch seines Wahlversprechens von 1988 („Lest meine Lippen – keine neuen Steuern!“) übelnahm.Der Kampf um die Konservativen, Artikel vom 28. Februar 1992 von Ulrich Schiller auf Zeit Online
Demokraten
Für die Demokratische Partei ging Bill Clinton, zusammen mit Senator Al Gore (Tennessee) als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten, ins Rennen. Er konnte sich in den demokratischen Vorwahlen klar durchsetzen, obwohl sein Wahlkampf anfangs wegen einer Reihe von Vorwürfen (eheliche Untreue, Drücken vor dem Militärdienst, Drogenkonsum) in eine ernste Krise geraten war. Ein zweiter Platz bei der ersten Vorwahl in New Hampshire rettete jedoch seine Kampagne, worauf sich Clinton selbst noch am Wahlabend zum „Comeback Kid“ erklärte. In der Folge gelang es ihm mit dem (inoffiziellen) Wahlkampfmotto: „It’s the economy, stupid!“ („Es geht um die Wirtschaft, Dummkopf!“) zunehmend Fragen der Wirtschaftspolitik in das Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken und damit Erfolge zu feiern. Die meisten anderen Kandidaten wie die Senatoren Bob Kerrey (Nebraska) und Tom Harkin (Iowa) sowie Ex-Senator Paul Tsongas (Massachusetts), der Sieger von New Hampshire, gaben nach einer Reihe von Vorwahlniederlagen nach und nach auf. Einzig der kalifornische Ex-Gouverneur Jerry Brown hielt seine Kandidatur bis zuletzt aufrecht, war jedoch beim Parteitag, der in New York stattfand, chancenlos.
Sonstige Ross Perot, ein Milliardär aus Texas, kandidierte als unabhängiger Kandidat für das Amt des Präsidenten.
Wahlkampf Als Clintons Vorsprung in den Umfragen die vierte Amtszeit für einen republikanischen Präsidenten in Folge bedrohte, wandte sich George Bush an James Baker, der von da an die Kampagne Bushs leitete. Während Clinton und Gore per Bus durch das Land reisten, rief Perot in langen TV-Werbungen zu Steuererhöhungen und Haushaltskürzungen auf, um das Haushaltsdefizit auszugleichen, und wandte sich gegen die Gründung der Nordamerikanischen Freihandelszone (NAFTA). Ende Juni verkündete Perot seinen Ausstieg aus dem Rennen und Anfang Oktober seinen Wiedereinstieg.
Ergebnis Wie nach den Umfrageergebnissen bereits vorhergesagt worden war, konnte Clinton die Wahl für sich entscheiden. Er erhielt 44,9 Millionen der insgesamt 104,4 Millionen Stimmen. Bush bekam 39,1 Millionen. Im Wahlmännerkollegium erhielt Clinton 370 Stimmen, Bush hingegen nur 168. Perot, der bei der Wahl 19,7 Millionen Stimmen erhalten hatte – die mit Abstand höchste absolute Stimmenzahl, die je ein „dritter“ Kandidat auf sich vereinen konnte –, erzielte in keinem Staat eine Mehrheit und bekam keine Wahlmannstimme.Spiegel Online, Sieger und Besiegte, Januar 2008. Bei 126,58 Millionen registrierten Wählern bedeuteten die abgegebenen 104,42 Millionen Stimmen die mit 82,49 % bis dahin größte Wahlbeteiligung in der Geschichte der US-Präsidentschaftswahlen. Dies ist vor allem auf die Wählermobilisierung durch den Independent Candidate Ross Perot zurückzuführen.
Damit wurde nach drei republikanisch dominierten Wahlen seit 1976 wieder ein Demokrat zum Präsidenten gewählt. Zudem beendete die Wahl aus Sicht der Demokraten eine seit mehr als zwei Jahrzehnten anhaltende „Flaute“ in mehreren Staaten: Colorado, Illinois, Kalifornien, Montana, Nevada, New Hampshire, New Jersey, New Mexico und Vermont votierten erstmals seit 1964 wieder mehrheitlich für den Kandidaten der Demokraten, während Connecticut, Maine und Michigan dies erstmals seit 1968 wieder taten. Viele dieser Staaten sind seither integraler Bestandteil der sogenannten Blue Wall, die alle Siege der Demokraten bei späteren Präsidentschaftswahlen entscheidend begünstigte. Zugleich war dies die letzte Wahl, bei der ein demokratischer Präsidentschaftskandidat eine Mehrheit in Montana erhielt – bei allen nachfolgenden Wahlen siegten dort ausnahmslos Kandidaten der Republikaner.
Landesweites Wahlergebnis Kandidat Partei Stimmen Wahlmänner Anzahl Prozent Bill Clinton Demokrat 44.909.889 43,01 % 370 George Bush Republikaner 39.104.545 37,45 % 168 Ross Perot unabhängig 19.742.267 18,91 % — Andre Marrou Libertarian 291.628 0,28 % — Bo Gritz Populist/America First 107.002 0,10 % — Sonstige 271.328 0,26 % — Gesamt 104.426.659 100 % 538
Wahlergebnisse nach Bundesstaat
Filme Bill Clinton vs. George H.W. Bush. USA 2016, 41-minütiger Dokumentarfilm (CNN) von Kim Flitcroft für die Serie Race for the White House.
Literatur Donald Richard Deskins, Hanes Walton, Sherman C. Puckett: Presidential Elections, 1789-2008: County, State, and National Mapping of Election Data. University of Michigan, Ann Arbor 2010, ISBN 978-0-472-11697-3, S. 498–507 (= Kapitel 54: William J. Clinton’s Initial Election.). Paul F. Boller: Presidential Campaigns: From George Washington to George W. Bush. 2., verbesserte Auflage. Oxford University Press, New York 2004, ISBN 978-0-19-516716-0, S. 387–399 (= 1992–Clinton and the Call for Change).
Weblinks
Einzelnachweise
#1992 Vereinigte Staaten Kategorie:Bill Clinton Kategorie:George H. W. Bush Kategorie:Geschichte der Vereinigten Staaten (seit 1988)