mini|hochkant=1.4|Logo von Vienna’s English Theatre mini|Eingangsportal von Vienna's English Theatre Das Vienna's English Theatre (VET) ist ein englischsprachiges Theater in Wien. Es wurde 1963 gegründet und befindet sich seit 1974 an der Josefsgasse 12 im 8. Wiener Gemeindebezirk Josefstadt. Es ist das älteste englischsprachige Theater Europas außerhalb Großbritanniens.

Die Spielstätte mini|Auditorium des Vienna's English Theatre mini|Foyer des Vienna's English Theatre mini|Saal des Vienna's English Theatre vom Balkon Im Lehrerhaus Das VET befindet sich im Festsaal des sogenannten Lehrerhaus, welches im Besitz des LehrerhausvereinsDer Lehrerhausverein wurde am 8. Mai 1886 gegründet. 1938 wurde der Verein von den Nationalsozialisten aufgelöst, das Haus und das andere Vereinsvermögen wurden dem NS-Lehrerbund einverleibt. Im Oktober 1945 wurde der Verein wiedergegründet. steht. Gebaut wurde das Haus im Jahr 1906 auf dem vom Lehrerhausverein in der Josefsgasse 12 erworbenen Grundstück. Vom Lehrerhaus wurde es später in Lehrerheim umbenannt. 1997 erfolgte die Umbenennung in Pension Lehrerheim und zu einem Beherbergungsbetrieb für die Allgemeinheit ausgebaut. Mit Wirkung vom 1. März 2010 wurde der Hotelbetrieb an einen Hotelbetreiber ausgelagert, das Haus (und damit auch der Festsaal) sind weiterhin im Eigentum des Vereins.Website des Lehrerhausverein: Geschichte des Lehrerhausvereins. Abgerufen am 15. Mai 2010.

Der Theatersaal Im Festsaal des um die Jahrhundertwende gebauten Hauses befindet sich ein Deckengemälde, das in den Jahren 1905/06 entstand und auf die Architekten Titus Neubauer und Gustav Richter (gemeint wohl der Maler Gustav Richter der Jüngere) zurückgeht. Es gilt als besonderes Beispiel des österreichischen Neobarock. Beginnend ab 1959 war der Festsaal an verschiedene Theater vermietet. Darunter waren die Neue Wiener Bühne, das Theater im Josefssaal, das Theater in der Josefsgasse und teilweise bespielte auch das Volkstheater den sogenannten Josefssaal. In den 1970er Jahren wurde der Saal, in das 1974 schließlich das Vienna's English Theatre einzog, um rund 200.000 DM (umgerechnet rund 100.000 Euro) zu einem 250 Plätze fassenden Theater umgebaut.

Geschichte des Vienna's English Theatre Das Vienna's English Theatre wurde im Jahr 1963 vom Regisseur Franz Schafranek (* 6. Februar 1930 in Nové Hrady, Tschechoslowakei; † 4. Juni 1991 in Wien)Schafranek, Franz. In: austria-lexikon.at, 30. Januar 2012, abgerufen am 22. August 2012. und seiner Frau, der amerikanischen Schauspielerin Ruth Brinkmann (* 22. Juli 1934 in Berlin; † 18. Jänner 1997 in Wien)Brinkmann, Ruth. In: austria-lexikon.at, 14. März 2012, abgerufen am 22. August 2012. gegründet. Es ist außerhalb Großbritanniens das älteste englische Theater in Europa. Laut Spiegel (24/1978) war es „das letzte von rund 30 angloamerikanischen Theatern, die nach 1945 auf kontinentalem Boden entstanden waren – […] das „größte Minischauspiel-Wunder von Wien“ (so „Die Presse“).“

Die Gründungsjahre Die US-amerikanische Jungschauspielerin Ruth Brinkmann kam 1959 mit ihren Eltern über einen Europaurlaub nach Wien, drei Tage waren eingeplant. In der Heimat spielte sie in Stücken von Shakespeare, Shaw und Tschechow. Vom Time-Magazin war sie zu den 15 meistversprechenden US-Nachwuchsdarstellern gezählt worden. In Wien führte sie der Weg an allen drei Abenden ins Burgtheater in immer dieselbe Aufführung von Arthur Schnitzler. Da sie kein Wort verstand – sie konnte nicht Deutsch – und beschloss in Österreich zu bleiben, suchte sie sich einen Dolmetscher. Den fand sie, auf Vermittlung von H. C. Artmann im Café Hawelka, in dem mit einschlägiger Fachbildung aus Böhmen stammenden Burgtheater-Regieassistenten Franz Schafranek. Die beiden heirateten 1960.

Als sich Ruth Brinkmann um ein Engagement in Wien bemühte, wurde sie von den Direktoren mangels ausreichender Deutschkenntnisse abgewiesen. Dies brachte sie auf die Idee, sich ihr eigenes englischsprachiges Theater zu gründen. Ursprünglich war es als Sommertheater für englische Touristen in Wien geplant. Die erste Spielstätte war das Palais Erzherzog Carl mit 90 bzw. 99Website des Vienna's English Theatre: Abgerufen am 15. Mai 2010. Sitzplätzen. 1963 hob sich das erste Mal der Vorhang, gespielt wurde mit Dear Liar (‚Geliebter Lügner‘) von Jerome Kilty „[das] wohl […] erfolgreichste und billigste Zwei-Personen-Stück“ (Spiegel, 1978). Die beiden Rollen spielten Ruth Brinkmann und Anthony Steel. Die Kritiker prophezeiten dem Theater anfangs eine baldige „Pleite“, da mit ein paar Touristen kein „Theatersommer“ gemacht werden könnte. Schon im ersten Jahr jedoch wurde die Spielzeit auf das ganze Jahr ausgedehnt.

Von 1964 bis 1974 musste das Theater, dem steigenden Besucherandrang folgend, noch einige Male die Veranstaltungsräume wechseln. Spielstätten waren neben dem Palais Erzherzog Carl zum Beispiel das Amerika Haus und das Theater Experiment am Liechtenwerd. Trotz des Erfolgs kämpfte man mit dem Überleben. Das laufende Defizit deckte über Jahre der Ruth Brinkmanns Vater, damals Leitz-Bevollmächtigter in den USA, ab. Um die Kosten zu minimieren, saß die Prinzipalin Brinkmann selbst an der Kasse, gab die Platzanweiserin und spielte anschließend im jeweiligen Stück die Hauptrolle. Ihr Mann Franz führte Regie, er malte die Kulissen und bediente die Scheinwerfer.

Ab 1974 in der Josefsgasse Im Jahr 1974 fand das Vienna’s English Theatre mit der Europapremiere von In Praise of Love (→ Produktionen), mit Hilfe der Stadt Wien seine endgültige Spielstätte und Heimstatt am heutigen Standort in der Josefstadt. Mit „amtlichen Subventionen von nicht mal 300.000 Mark“ (Spiegel, 24/1978; umgerechnet rund 150.000 EuroDie tatsächlichen Subventionen des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst beliefen sich 1978 auf 1,85 Millionen Schilling (rund 134.500 Euro) und 1,70 Millionen Schilling (rund 123.500 Euro) laut Kunstbericht 1978, S. 57 (Online (PDF, S. 22; 1,4 MB). Abgerufen am 16. Mai 2010.) Zum Vergleich: Förderung im Jahr 2008: 260.000 Euro laut Kunstbericht 2008 (Online (PDF, S. 59; 1,4 MB). Abgerufen am 16. Mai 2010.)), den Einheimischen als Besuchern statt der erwarteten Touristen, trotz relativ hoher Eintrittspreise und mit (damals wie heuteOnline-Magazin „Die Josefstadt“: Vienna’s English Theatre ist seit 45 Jahren eine kosmopolitische Institution mitten in der Josefstadt, 21. April 2009. Abgerufen am 15. Mai 2010.) 5.000 Abonnenten sorgte das Haus für wochenlang ausverkaufte Vorstellungen und konnte sich so in der Wiener Theaterlandschaft etablieren.

1978 wurde das Theater von Franz Schafranek um einen französischsprachigen Zweig, das Théâtre Français de Vienne, erweitert, in dem Schauspieler wie Jean-Louis Barrault, Jeanne Moreau, Jean Marais, Jean-Paul Belmondo, Annie Girardot und Leslie Caron Gastauftritte hatten. 1985 kam auch noch das Teatro Italiano di Vienna hinzu, das italienische Stücke in Originalsprache aufführt. Dafür konnten Schauspieler wie Vittorio Gassman oder Andrea Jonasson verpflichtet werden. Seit Beginn lebt das Theater von den als „Hauptattraktion […] zweifellos […] exzellenten Schauspieler. Sie importieren in die Wiener Josefsgasse ein Stück Londoner Westend-Boulevard.“, so der Spiegel (24/1978), der das darauf zurückführte: „Anders als die meisten, erfolglosen Fremdsprachenbühnen ist die Brinkmannsche auf professionelle Perfektion gedrillt.“

Mit seinen 230 Sitzplätzen hat die Bühne einen festen Platz in der Wiener Theaterszene. Seine beste Auslastung mit 110 % hatte das Theater im Jahr 1996 mit der Inszenierung von Ein Sommernachtstraum, die durchschnittliche Auslastung liegt (Stand April 2008) bei rund 80 %.Wieninternational.at: , 30. April 2008. Abgerufen am 15. Mai 2010.

Das Theater im 21. Jahrhundert Zum Stand April 2009 werden im VET jede Saison fünf englischsprachige Produktionen gespielt. Darunter werden Klassiker und zeitgenössische Autoren, Komödien, Farcen und Krimis, inszeniert von Native Speakers, auf die Bühne gebracht. Ergänzt wird das Programm durch Kurzgastspiele in französischer oder italienischer Sprache sowie durch Kabarettprogramme. Das Theater hat (immer noch, siehe oben) 5.000 Abonnenten, von denen einige seit Beginn des VET dabei sind, die 60 % des Publikums ausmachen.

Theaterleitung Bis zu seinem Tod leiteten Franz Schafranek (ausgezeichnet mit dem OBE) und seine Frau Ruth (ausgezeichnet mit dem MBE), das von ihnen gegründete Theater. Als Franz im Jahr 1991 in der Nacht nach einer Premierenvorstellung plötzlich verstarb,Englische Website des Vienna's English Theatre: Biografie von Franz Schafranek, OBE. 1930–1991. Abgerufen am 22. August 2012. übernahm Ruth die Leitung des Theaters. Die Tochter der beiden, Julia Schafranek (* 23. Mai 1967), stieg nach ihrem Studium im Ausland (1986–1988) ins Familienunternehmen ein. Mit dem Tod des Vaters verstärkte sie ihre Mitarbeit.Hübners Who is Who in Österreich: , Stand 9. Mai 2008. Abgerufen am 15. Mai 2010. Als ihre Mutter Ruth Schafranek (Brinkmann behielt sie als Künstlernamen) im Jahr 1997 starb, übernahm Julia die Leitung zur Gänze und führt das Theater als Artistic Executive Director bis heute im Sinne ihrer Eltern fort. Am 7. März 2014 wurde Julia Schafranek das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (1952) verliehen. Am 4. September 2014 wurde sie von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien ausgezeichnet.

Produktionen (Auswahl) Der folgende Überblick erfolgt auf Basis der Angaben des Vienna's English Theatre:Website des Vienna's English Theatre: Abgerufen am 15. Mai 2010.

1960er Jahre Die erste Produktion des 1963 neugegründeten Theaters wurde mit Dear Liar von Jerome Kilty mit Ruth Brinkmann und abwechselnd mit George Francis, David Carlile und Anthony Steel auf die Bühne im Palais Erzherzog Carl gebracht. In den Jahren darauf wurden Spoon River von Edgar Lee Masters (1964 und 1966), The Owl and the Pussycat von Bill Manhoff (1965) mit Maurice Warner,H(arald) St(erk): Gallows Humor von Jack Richardson (1966) und einige andere Stücke, jeweils mit Ruth Brinkmann und unter der Regie von Franz Schafranek gespielt.

1970er Jahre Erstmals 1970 wurde im Amerika Haus gespielt: The World of Carl Sandburg mit Ruth Brinkmann, Walker Wyatt und Marilyn Close unter der Regie von Franz Schafranek. Verschiedene Produktionen folgten bis 1974 abwechselnd im Amerika Haus und im Palais Erzherzog Carl. 1971 wurde mit Lovers von Brian Friel, ebenfalls unter der Regie von Franz Schafranek, erst- und einmalig im Theater Experiment am Liechtenwerd gespielt.

Im Jahr 1974 wurde mit der Europapremiere von In Praise of Love (Terence Rattigan) des Erfolgsduos Schauspiel Brinkmann / Regie Schafranek wurde in die heutige Spielstätte in der Josefstadt eingesiedelt. Ebenfalls 1974 wurde mit dem Dauerbrenner der Erstlingsproduktion von 1963, Dear Liar, wiederum mit Ruth Brinkmann in der weiblichen Hauptrolle und unter der Regie von Franz Schafranek, ein letztes Mal im Amerika Haus ein Gastspiel auf die Bühne gebracht.

Das Drama The Red Devil Battery Sign von Tennessee Williams wurde 1976 im VET welturaufgeführt. Der Autor selbst führte Regie, die Prinzipalin Brinkmamm verkörperte die weibliche Hauptrolle.

1990er Jahre Die Auftragsproduktion des Vienna's English Theatre Three Tall Women von Edward Albees, die 1991 ebenda uraufgeführt wurde, wurde mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

1998 hatte Julia Stemberger ihr englischsprachiges Bühnendebüt in Terence McNallys Frankie and Johnny in the Clair de Lune, gleichzeitig war dies die erste Regiearbeit der Regisseurin Beverly Blankenship am VET. Mit der ersten Produktion des Jahres 2002 brachte das Theater die englischsprachige Europapremiere des mit dem Pulitzer-Preis 2001 ausgezeichnete Stück Proof von David Auburn auf die Bühne.

2010er Jahre