Als Schlierenwagen wird eine Bauart von Reisezugwagen der ÖBB bezeichnet, die in den Jahren 1965 bis 1981 als Lizenzbau der Schweizer Einheitswagen II entstand. Der Name leitet sich von der Schweizer Stadt Schlieren ab, wo eine der beiden Lizenzgeberinnen ihren Sitz hatte. Die Schlierenwagen waren sowohl im Fern- als auch im Nahverkehr im Einsatz und wurden bei den ÖBB bis Ende 2010 ausgemustert.

Allgemeines mini|Sitzgruppe mit Bremshey-Sitzen in einem 2.-Klasse-Schlierenwagen mini|Rote Flugzeugsitze in einem 2.-Klasse-Schlierenwagen der letzten Bauserie mini|Blaue Flugzeugsitze in einem 1.-Klasse-Schlierenwagen mini|Gerade Türflügel (oben) und gekröpfte Türflügel (unten) Die Schlierenwagen sind vierachsige Großraumwagen für den Inlandsverkehr, bestellt im Jahr 1963 und gebaut von 1965 bis 1981 von SGP, hauptsächlich in Wien Simmering, und den Jenbacher Werken (JW) in Jenbach. Sie sind modifizierte Lizenznachbauten des Schweizer Einheitswagens II der Schweizerischen Bundesbahnen, welcher von der Schweizerischen Industrie-Gesellschaft Neuhausen am Rheinfall (SIG) und der Schweizerischen Wagons- und Aufzügefabrik Schlieren (SWS) gebaut wurde. Im Gegensatz zu den Schweizer Wagen besitzen die 1.-Klasse-Wagen nur 7 statt 8 bzw. die 2.-Klasse-Wagen nur 9 statt 10 Fenster mit Sitzgruppen.

Insgesamt wurden 800 Wagen der Gattungen Apo, ABpo, Bpo, Bpoz (Reihe 85-35 mit Buffet), BDpo und BDpoz gebaut (das Nebengattungszeichen „o“ für Wagen ohne Dampfheizung entfiel 1981). 495 Fahrzeuge wurden von den Jenbacher Werken geliefert, 305 Fahrzeuge von SGP. Die ersten 211 Wagen wurden noch mit der alten Gattung B4ipüho und den Nummern 33 000 bis 33 211 geliefert. Danach erhielten sie die UIC-Nummern 50 81 29-35 xxx.

Zahlreiche Wagen wurden im Laufe der Jahre mit einer Zugführerkabine – zuerst bei den Wagen 29-35 348 bis 351 und 363 bis 379 anstelle der Notsitze im Einstiegsraum, später anstelle einer Sitzgruppe im Fahrgastraum (bei der Serie 28-33 anstelle eines WC) – ausgestattet und als Bp-k bezeichnet. Die Halbgepäckwagen gibt es in zwei Ausführungen mit großen und kleinen (82-35 400 ff.) Gepäckräumen. Sie haben ein Zugführerabteil sowie keinen Seitengang neben dem Gepäckraum und werden deshalb in der Regel an der Zugspitze oder am Zugschluss eingereiht.

Gattung Nummer Hersteller Baujahr(e) Anzahl Bemerkungen Ap 17-35 000 – 019 SGP 1970 20 ABp 37-35 000 – 069 SGP 1968–1970 70 ab 1992 deklassiert zu Bp 28-33 ABp 36-35 000 SGP/ÖBB 1985 1 Umbau aus Ap 17-35 005; Prototyp mit Behinderten-WC Bp 29-35 000 – 259 SGP/JW 1965–1970 260 Bp 29-35 300 – 379 SGP/JW 1973–1975 80 Bpz 29-35 400 – 439 JW 1977–1978 40 Bpz 29-35 500 – 569 JW 1979–1980 70 Bpz 29-35 600 – 759 JW 1980–1981 160 BDp 28-35 124, 129 & 150 JW 1998-1999 3 Umbau aus ABp 37-35 & Bp 28-33; Prototyp Fahrradtransportwagen BDp 82-35 000 – 034 JW 1971–1972 35 BDp 82-35 300 – 314 JW 1972–1973 15 BDpz 82-35 400 – 439 JW 1978 40 BDp-l 84-33 000 – 068 SGP/ÖBB 1999–2001 33 Umbau aus Bp 28-33; Fahrradtransportwagen BRpz 85-35 300 – 309 JW 1975 10 "Stamperlwagen" (Buffetwagen)

Die Wagen sind leicht erkennbar an ihren charakteristischen Einstiegen, die aus jeweils zwei miteinander gekoppelten schmalen Klapptüren bestehen, sowie den Ganzfenstern. Die Länge über Puffer beträgt 23,7 m, die Wagen sind für eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h zugelassen (bis 1967 nur 120 km/h). In der ersten Klasse wurden 14 Sitzreihen in 2+1-Anordnung, in der zweiten Klasse 18 Sitzreihen in 2+2-Anordnung untergebracht. Dabei entsprechen die Sitze in der ersten Klasse den Triebzügen ÖBB 4010, in der zweiten Klasse sind je nach Bauserie Bremshey-Sitze oder feste Einzelsitze (ab 29-35 600 ff.) eingebaut. Die Sitzbezüge sind in der ersten Klasse blau, in der zweiten Klasse gab es ursprünglich grüne Kunstlederbezüge, ab Ende der 1970er Jahre orangebraune Veloursbezüge.

Die Schlierenwagen sind als Inlandsreisezugwagen konzipiert und waren zu Beginn nur für den Einsatz auf den Strecken der Bahnverwaltungen SBB, DB und FS zugelassen, wobei nicht alle Wagen freizügig eingesetzt werden konnten. Die Zulassung im jeweiligen Einsatzland lässt sich durch die Hunderterstelle der Wagennummer ableiten:

Hunderterstelle Schweiz (SBB) Deutschland (DB) Italien (FS) Anmerkung 0 Ja Nein Ja 1 Ja Nein Ja 2 Ja Nein Ja 3 Ja Ja Ja 4 Ja Ja Nein 29-35 400 – 439 auch bei den FS zugelassen 5 Ja Ja Nein 6 Ja Ja Nein 7 Ja Ja Nein

Die nur bei den SBB und FS zugelassenen Wagen haben gerade Türflügel, welche zwar im geöffneten Zustand das Umgrenzungsprofil von 3150 mm nicht überschreiten, aber beim Öffnen und Schließen an den hohen DB-Bahnsteigkanten anstehen würden. Ab Baujahr 1973 wurden diese Türen geändert, der Drehpunkt nach innen verlegt und die Türflügel gekröpft, wodurch die Wagen auch in Deutschland eingesetzt werden konnten. Die lichte Weite verringerte sich von 720 mm auf 694 mm. Die Wagen der Gattung Bpz wurden wegen der Energieversorgung über die Zugsammelschiene nicht von den FS übernommen.

Technische Daten Wagenserien mini|Apz 17-36 002-3 (ex ÖBB Ap 17-35 012) der MÁV-Nosztalgia mini|Bp 28-33 047-1 (ex ABp) am Bhf. Pulkau. Der ehemalige 1.-Klasse-Bereich im linken Wagenteil ist anhand des Fensterabstandes gut erkennbar. mini|Bpz 29-36 021-9 (ex ÖBB Bpz 29-35 624) der MÁV-Nosztalgia mini|Bp 29-35 082-5 in grüner Nostalgie-Lackierung mini|Bp 29-35 065-0 (Regiobahn-Lackierung) mini|Zugführerkabine im Bp-k 29-35 156-7 mini|Halbgepäckwagen BDp 82-35 015-9 (großes Gepäckabteil) mini|Halbgepäckwagen BDp 82-35 305-4 (Regiobahn-Lackierung; großes Gepäckabteil) mini|Halbgepäckwagen BDpz 82-35 410-2 (kleines Gepäckabteil) mini|Schlierenwagen mit Mehrzweckabteil BDp-l 84-33 039-9 mini|Mehrzweckabteil eines BDp-l 84-33 mini|Alternative Sitzbezüge im BDp-l 84-33 039-9 mini|Buffetwagen BRz 85-35 306-9 Wagenserie 17-35 000 – 019 Lieferfirma: SGP (1970) Eigengewicht: 32 Tonnen Abteile: 2 (Nichtraucher, Raucher) Sitzplätze: 42 (24 Nichtraucher, 18 Raucher) Heizung: Widerstandsheizung 1000 V, 16 2/3 Hz mit Energieregler Beleuchtung: Lichtband mit Leuchtstoffröhren Energieversorgung: Lichtmaschine 2,5 kW, 24 V Batterie: Nife 300 Ah, 24 V Lautsprechereinrichtung: bei allen Wagen vorhanden Inneneinrichtung: Flugzeugsitze mit verstellbarer Rückenlehne, mit blauem Reinwollvelours überzogen Lackierung: Tannengrün Der ehemalige Ap 17-35 008 trug als Nostalgiewagen Ap 97-32 956 im November/Dezember 1998 im Rahmen der Aktion „Licht ins Dunkel“ eine blaue Lackierung mit Märchenmotiven. Der Wagen Ap 17-35 005 wurde im Jahr 1985 versuchsweise rollstuhlgängig gemacht. Er erhielt ein Behinderten-WC, zwei Klappsitze im Fahrgastraum und eine breitere Abteiltür (90 cm).

Wagenserie 37-35 000 – 069 Lieferfirma: SGP (1968–1970) Eigengewicht: 32 Tonnen Abteile: je 2 (Nichtraucher, Raucher) Sitzplätze: 1. Klasse: 24 (12 Nichtraucher, 12 Raucher) 2. Klasse: 30 (14 Nichtraucher, 16 Raucher) Heizung: Widerstandsheizung 1000 V, 16 2/3 Hz mit Energieregler Beleuchtung: Lichtband mit Leuchtstoffröhren (1. Klasse) bzw. Einzelleuchtstoffröhren (2. Klasse) Energieversorgung: Lichtmaschine 2,5 kW, 24 V Batterie: Nife 300 Ah, 24 V Lautsprechereinrichtung: 37-35 060 – 069 Inneneinrichtung: 1. Klasse: Flugzeugsitze mit verstellbarer Rückenlehne, mit blauem Reinwollvelours überzogen 2. Klasse: Ausziehbare Bremsheysitze mit grünem Kunstleder und stehenden Gepäckträgern Lackierung: Tannengrün

Ab 1987 wurden die Wagen mit einer automatischen Türschließeinrichtung ausgestattet. Die Wagen 002, 006, 011, 018, 020, 022-023, 039-042, 046, 051, 058-059, 062, 065 und 069 besitzen eine Zugführerkabine (Gattung Bp-k).

Wagenserie 29-35 000 – 259 Lieferfirmen: SGP: 29-35 000-029 (1965/1966), 060 – 089 (1966/1967), 120 – 149 (1967/1968) JW: 29-35 030 – 059 (1966), 090 – 119 (1966/1967), 150 – 259 (1967–1970) Eigengewicht: 32 Tonnen Abteile: 2 (Nichtraucher, Raucher) Sitzplätze: 72 (40 Nichtraucher, 32 Raucher) bzw. 68 (Bp-k) Heizung: Widerstandsheizung 1000 V, 16 2/3 Hz Beleuchtung: 24 Leuchtstoffröhren Energieversorgung: Lichtmaschine 2,5 kW, 24 V Batterie: Nife 300 Ah, 24 V Lautsprechereinrichtung: 29-35 000 – 089 Inneneinrichtung: Ausziehbare Bremsheysitze mit grünem Kunstleder und stehenden Gepäckträgern Lackierung: Tannengrün (bis 199 Nitrolack, danach DD-Lack). Der Wagen 29-35 099 erhielt im Zuge einer Instandsetzung nach einem Unfall für eine kurze Zeit eine Versuchslackierung: Fensterband elfenbein, Wagenbauch blutorange, Dach & Türen silber.

Die Wagen 150 bis 199 besitzen eine Zugführerkabine (Gattung Bp-k).

Wagenserie 29-35 300 – 379 Lieferfirmen: JW: 29-35 300 – 344 (1973–1975) JW: 29-35 345 – 379 (1975) Eigengewicht: 32 Tonnen Abteile: 2 (Nichtraucher, Raucher) Sitzplätze: 72 (40 Nichtraucher, 32 Raucher) bzw. 68 (Bp-k) Heizung: Widerstandsheizung 1000 V, 16 2/3 Hz Beleuchtung: 24 Leuchtstoffröhren Energieversorgung: Lichtmaschine 2,5 kW, 24 V Batterie: Nife 300 Ah, 24 V Lautsprechereinrichtung: 29-35 345 – 354 Inneneinrichtung: Ausziehbare Bremsheysitze mit grünem Kunstleder (345 – 354: kupferroter Reinwollvelours) und stehenden Gepäckträgern Lackierung: Tannengrün, (345 – 354: Blutorange/Elfenbein; 362 – 363: Blutorange/Weiß). Der Wagen 29-35 319 erhielt im Zuge einer Instandsetzung nach einem Unfall für eine kurze Zeit eine Versuchslackierung: Fensterband elfenbein, Wagenbauch blutorange, Dach & Türen silber.

Sämtliche (und zukünftige) Wagen besitzen eine zweite Luftleitung sowie eine 12-polige UIC-Kabel. Die Wagen 320 bis 379 besitzen eine Zugführerkabine (Gattung Bp-k).

Wagenserie 29-35 400 – 439 Lieferfirma: JW (1977–1978) Eigengewicht: 33 Tonnen Abteile: 2 (Nichtraucher, Raucher) Sitzplätze: 72 (40 Nichtraucher, 32 Raucher) Heizung: Zweikanal-Warmluftheizung 1000 V mit einer Heizleistung von 39,6 kW; ab 1987: Webastoheizung Beleuchtung: 24 Leuchtstoffröhren Energieversorgung: Lichtmaschine 2,5 kW, 24 V und Statisches Ladegerät mit Ladung über die Zugsammelschiene Batterie: Nife 300 Ah, 24 V Lautsprechereinrichtung: keine Inneneinrichtung: Ausziehbare Bremsheysitze mit kupferrotem Reinwollvelours und stehenden Gepäckträgern Lackierung: Blutorange/Elfenbein

Wagenserie 29-35 500 – 569 Lieferfirma: JW (1979–1980) Eigengewicht: 33 Tonnen Abteile: 2 (Nichtraucher, Raucher) Sitzplätze: 72 (40 Nichtraucher, 32 Raucher) Heizung: Zweikanal-Warmluftheizung Beleuchtung: 24 Leuchtstoffröhren Energieversorgung: Statisches Ladegerät mit Ladung über die Zugsammelschiene Batterie: Nife 430 Ah, 24 V Lautsprechereinrichtung: keine Inneneinrichtung: Ausziehbare Bremsheysitze mit kupferrotem Reinwollvelours und stehenden Gepäckträgern Lackierung: Blutorange/Elfenbein

Wagenserie 29-35 600 – 759 Lieferfirmen: JW: 29-35 600 – 669 (1980–1981) SGP: 29-35 670 – 759 (1980–1981) Eigengewicht: 33 Tonnen Abteile: 2 (Nichtraucher, Raucher) Sitzplätze: 72 (40 Nichtraucher, 32 Raucher) Heizung: Zweikanal-Warmluftheizung Beleuchtung: 24 Leuchtstoffröhren Energieversorgung: Statisches Ladegerät mit Ladung über die Zugsammelschiene Batterie: Nife 430 Ah, 24 V Lautsprechereinrichtung: keine Inneneinrichtung: Flugzeugsitze mit verstellbaren Rückenlehnen sowie Längsgepäckträger. Lackierung: Blutorange/Elfenbein

Wagenserie 82-35 000 – 034 Lieferfirma: JW (1971–1972) Eigengewicht: 30 Tonnen Abteile: 3 (Nichtraucher, Raucher, Zugführerabteil) Sitzplätze: 40 Ladefläche im Gepäckabteil: 20 m² Heizung: Widerstandsheizung 1000 V mit Energieregler Beleuchtung: 22 Leuchtstoffröhren Energieversorgung: Lichtmaschine 2,5 kW, 24 V Batterie: Nife 300 Ah, 24 V Lautsprechereinrichtung: keine Inneneinrichtung: Ausziehbare Bremsheysitze mit grünem Kunstleder und stehenden Gepäckträgern Lackierung: Tannengrün

Wagenserie 82-35 300 – 314 Lieferfirma: JW (1972–1973) Eigengewicht: 31 Tonnen Abteile: 3 (Nichtraucher, Raucher, Zugführerabteil) Sitzplätze: 40 Ladefläche im Gepäckabteil: 20 m² Heizung: Widerstandsheizung 1000 V mit Energieregler