Die 1959 eröffnete Severinsbrückenicht zu verwechseln mit der Severn-Brücke in Wales war der erste vollständige Brückenneubau in Köln nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Schrägseilbrücke verbindet das Severinsviertel über den Rhein und den Rheinauhafen mit dem rechtsrheinischen Stadtteil Deutz sowie den innerstädtischen Autoverkehr mit dem rechtsrheinischen Straßennetz und Fernverkehrsstraßen, vor allem der B 55 und der A 559. Den Stadtbahnlinien 3 und 4 steht ein besonderer Bahnkörper mit den beiderseitigen Haltestellen Severinstraße und Suevenstraße zur Verfügung.

Planung und Bau mini|Severinsbrücke, 1961 mini|Severinsbrücke bei Nacht, 2006

Der 1956 von der Stadt beschlossene Generalverkehrsplan sah aufbauend auf den Plänen zum schon vor dem Krieg begonnenen Nord-Süd-Durchbruch, der heutigen Nord-Süd-Fahrt, zwei neu zu bauende Rheinbrücken vor. Die Severinsbrücke war nach dem Wiederaufbau oder Neubau von fünf Kölner Rheinbrücken der erste neue Brückenstandort. Bei der Bauvorbereitung geschah am 21. September 1956 ein Unfall,Datei: 040 tödl. Verletzte Severinsbrücke, Anfrage der CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung Köln 1 an den Bürgermeister der Stadt Köln vom 20. August 2016. Auf politik-bei-uns.de, abgerufen am 20. September 2016 als der Senkkasten für die Gründung des Brückenpfeilers in Schieflage geriet und mindestens fünf Arbeiter dabei tödlich verletzt wurden.Chris Merting: Severinsbrücke Wie viele Tote liegen hier noch?. Am 9. September 2016 auf express.de

Die Brücke wurde ab 1958/59 nach den Plänen der Gutehoffnungshütte und des Kölner Brückenbau-Architekten Gerd Lohmer gebaut, die aufgrund der Vorschläge des renommierten Brückenbau-Ingenieurs Fritz Leonhardt geändert worden waren.Fritz Leonhardt: Baumeister in einer umwälzenden Zeit. Erinnerungen. 2. Aufl. Dt. Verl.-Anst., Stuttgart 1998, ISBN 3-421-02815-X, S. 130 Am 7. November 1959 wurde sie in Anwesenheit von Bundeskanzler Konrad Adenauer von Kardinal Josef Frings eingeweiht und Oberbürgermeister Theo Burauen eröffnet. Das Besondere an der Brücke ist, dass sie mit nur einem asymmetrisch gestellten A-förmigen Pylon auskommt, an dem der Brückenkörper mit Stahlseilen aufgehängt ist. Nur so blieb der Deutzer Hafen auch weiterhin für Küstenmotorschiffe nutzbar. Außerdem ließ der nahe am rechten Ufer stehende Pylon die Sicht auf den Dom und die Altstadt am linken Rheinufer weitgehend ungestört. Wie die anderen städtischen Brücken ist sie im Kölner Brückengrün gestrichen. Seit 1989 steht die Brücke unter Denkmalschutz.

Konstruktion Die Severinsbrücke ist eine seilverspannte Balkenbrücke mit 691 Metern Länge und 29,50 Metern Breite. Die größte Stützweite ist 302 m lang. Der Pylon ragt 77,2 m über das Brückenfundament hinaus. Insgesamt wurden 8.300 Tonnen Stahl verbaut. Die Baukosten betrugen 25,3 Millionen D-Mark. Bei ihrer Eröffnung war sie die Schrägseilbrücke mit der längsten Hauptspannweite der WeltSven Ewert: Brücken – die Entwicklung der Spannweiten und Systeme. Ernst und Sohn, Berlin 2003, ISBN 3433016127. S. 167 (als Auszug online per books.google.de) und die erste mit einem A-förmigen Pylon. Einen ähnlichen weist die 1979 fertiggestellte Oktober-Brücke auf, die im russischen Tscherepowez die Scheksna quert und deren Konstruktion an die der Severinsbrücke erinnert.Октябрьский мост в Череповце. Auf architectureguru.ru, abgerufen am 20. September 2016 Ebenfalls 1979 fertiggestellt wurde in Linz an der Donau (Österreich) die Donaubrücke Steyregg (lokal auch Steyreggerbrücke genannt), welche auch eine ähnliche Konstruktion des Pylons aufweist.

Durch die besondere Steifigkeit der Konstruktion konnten auch Straßenbahnen auf Rillenschienen über die Brücke fahren. Seit dem Umbau von 1979/80 fahren die Stadtbahnen auf einem eigenen Gleiskörper. 2014 entschied man sich, die Brücke im Bereich der Hauptträgerkästen und im Pylon mit feuerverzinkten U-Profilen zu verstärken. Da diese von außen nicht sichtbar sind, blieb das Erscheinungsbild der Brücke unverändert.

Das Bauwerk erhielt 1967, nicht zuletzt seiner innovativen Konstruktion wegen, den Kölner Architekturpreis. mini|2014 wurde die Severinsbrücke mit feuerverzinkten U-Profilen verstärkt.

Technische Einzelheiten mini|Wenig Brückenverkehr an einem Sonntag 2018

Die Severinsbrücke überquert – von Westen nach Osten – die Holzmarkt genannte vierspurige Uferstraße, den Rheinau-Hafen, dessen Zollhafen genannte stromseitige Bebauung, den Rhein, die Einfahrt zum Deutzer Hafen und die Siegburger Straße. Die Achsabstände der entsprechenden Öffnungen sind 49,11 + 89,13 + 47,81 + 301,67 + 150,68 + 52,46 m.Heinrich Heß: Die Severinsbrücke Köln. In: Der Stahlbau, August 1960, n° 8 v. 29, S. 225, dem die Angaben dieses Abschnitts entnommen sind. Die Brücke wird begrenzt von mit Naturstein verkleideten Widerlagern, die von Wendeltreppen eingefasst sind. Auf beiden Seiten schließen sich noch längere Rampenbrücken bis zu den jeweiligen Auffahrten an.

Das Brückendeck ist zwischen den Geländern 29,50 m breit und unterteilt in den Gleiskörper für die beiden Stadtbahngleise, je zwei Fahrspuren sowie 2,25 m breite Radwege und 3,00 m breite Gehwege. Von Außenkante zu Außenkante gemessen ist das Brückendeck 30,10 m breit.

Der Überbau besteht aus zwei stählernen, 3,20 m breiten Hohlkästen, deren Höhe von maximal 4,57 m bis zu den Widerlagern auf 3,00 m abnimmt. Sie werden durch Querscheiben versteift. Zwischen den Hohlkästen befindet sich eine orthotrope Platte mit einer mittigen Längsrippe und regelmäßigen Querrippen. Die Hohlkastenträger sind über den beiden Hauptöffnungen an den Schrägseilen angehängt; über den Nebenöffnungen werden sie durch schmale, runde Pfeiler gestützt.

Die genieteten Pylonpfosten sind aus architektonischen Gründen von Profilen eingefasst und mit einer Dachplatte abgeschlossen. Sie haben auf ihrer Fundamentplatte einen Abstand von 42,12 m zueinander. In der seitlichen Brückenansicht verjüngen sich die Pfosten von 4,17 m auf 3,36 m am Kopf des Pylons, während sie sich in der Längsansicht von 3,72 m am Fuß auf 4,60 m am Pylonkopf verbreitern.

Die 4 × 3 Tragkabel haben, anders als sonst üblich, einen rechteckigen Querschnitt, der erkennen lässt, dass sie aus 4 bzw. 12 oder 16 vollverschlossenen Seilen bestehen. Bei den äußeren, stärkeren Tragkabeln sind die oberen Seile im Pylonkopf verankert, während die unteren Seile über ein Sattellager durch den Pylonkopf durchgeführt werden.

Kunst auf der Brücke Am 22. März 1997 wurde auf dem Pylon der Severinsbrücke von einem Hubschrauber aus eine Kunstinstallation des Kölner Aktionskünstlers HA Schult mit einer speziellen Lichttechnik des Kölner Medienausstatters Michael Zilz montiert. Es handelte sich um eine Weltkugel, die nach den Mustern von Längen- und Breitengraden als filigrane Gitterkonstruktion ausgeführt war, auf der Neonleuchten in Form der Kontinente in verschiedenen Farben angebracht waren. Zusätzlich ragte aus dem Standort Kölns auf der Weltkugel als einziger Auswuchs der Kugel eine rot leuchtende Neonfigur in einer euphorischen Pose hervor.

Die für wenige Monate geplante Kunstinstallation wurde trotz kontroverser öffentlicher Diskussion und Ablehnung durch den Kölner Oberbürgermeister Norbert Burger„Sehen Sie zu, dass das Ding da runterkommt“, soll Burger zu Reinhard Thon, dem Leiter des Amtes für Brücken und Stadtbahnbau, gesagt haben. Vgl. Kölner Brückenserie: Die Severinsbrücke, in: WDR Lokalzeit aus Köln, 10. September 2021. verlängert. Am 15. Oktober 2000Ariane Goschkowski: . Am 22. September 2000 auf presseservice.pressrelations.de wurde die konstruktiv überarbeitete Weltkugel mit einem Hubschrauber von der Severinsbrücke zum heutigen Standort auf dem Dach des linksrheinisch neben der Zoobrücke gelegenen Gebäudes der DEVK-Zentrale geflogen.

Die Brücke in der Kunst Bela Chekurishvili schrieb ein Gedicht mit dem Titel An der Severinsbrücke und widmete es Sabine Schiffner.Bela Chekurishvili: Das Kettenkarussell. Gedichte. Heidelberg 2021. S. 57.

Siehe auch Liste der Rheinbrücken

Weblinks

Severinsbrücke Website der Stadt Köln

Einzelnachweise

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