Dieser Artikel behandelt tagesbezogene Nachrichten und Ereignisse im April 2006.
Tagesgeschehen
Samstag, 1. April 2006 Orbit: Brasiliens erster Astronaut Marcos Pontes erreicht um 9.00 Uhr nach zweitägigem Flug in einem Sojus-Raumschiff die Internationale Raumstation.cnn.com: (englisch)
Sonntag, 2. April 2006 Bangkok/Thailand: Zu den Parlamentswahlen haben alle drei Oppositionsparteien einen Wahlboykott angekündigt; siehe auch 3. April.independent.co.uk: (englisch) Mitteleuropa: Das durch die plötzliche Schneeschmelze verursachte Hochwasser nimmt in vielen Gebieten Mitteleuropas größere Ausmaße an; bis jetzt sind 7 Todesopfer zu beklagen. In der Tschechischen Republik ist der Oberlauf der March im Umkreis von Olmütz betroffen, in Niederösterreich ist ein tagelang durchnässter Damm bei Dürnkrut am Brechen. Zwischen Böhmen und Dresden ist der Wasserstand der Elbe stellenweise um 6 Meter höher als normal (8,5 statt 2 m). In Ungarn sind weite Gebiete an der Donau überschwemmt, auch im Bereich von Budapest. Murray Hill/Vereinigte Staaten: Der Hersteller von Systemen und Geräten für die Telekommunikation Alcatel SA wird laut heutiger Mitteilung seines Konkurrenten Lucent Technologies Corp. 60 % der Aktien von Lucent erwerben. Der Name der neuen Firma, die in Frankreich ansässig sein und eine Marktkapitalisierung von 30 Milliarden Euro haben wird, ist noch nicht bekannt. Österreich: in der Affäre um die BAWAG P.S.K. tauchen Meldungen auf, die Bank bzw. der Gewerkschaftsbund ÖGB hätten illegal die SPÖ finanziert. Deren Generalsekretär Darabos verneint die Beschuldigungen. Laut dem Experten Hubert Sickinger findet jedenfalls eine Unterstützung von Vorfeldorganisationen beider Großparteien durch Kammern und Verbände statt. Türkei: Der zuletzt etwas beruhigte Konflikt zwischen Staatsführung und der kurdischen Bevölkerung im Südosten und Westen bricht wieder aus. In zahlreichen Städten kommt es zu Straßenschlachten zwischen Kurden und der Polizei. Vatikanstadt: In einer Serie von Gedenkveranstaltungen wird der vor einem Jahr verstorbene Papst Johannes Paul II. gewürdigt. Allein auf dem Petersplatz versammelten sich Hunderttausende Gläubige. Wie gemeldet, wird zur Todesstunde als emotionaler Abschluss der Gedenkveranstaltungen eine Nachtwache auf dem Platz abgehalten. Warschau/Polen: Zigtausende strömen in Polens Hauptstadt auf den Piłsudski-Platz, um ihren inoffiziellen Nationalheiligen zu ehren. Auf diesem Platz begann Johannes Paul II. seinen historischen Polenbesuch 1979. Um 21.37 Uhr (zur Todesstunde vor einem Jahr) läuten für 3 Minuten die Kirchenglocken Warschaus und vieler anderer Städte. Des neuen Papsts Benedikt XVI. Grußbotschaft wird live aus der Vatikanstadt übertragen. Auch in der südpolnischen Heimat von Johannes Paul II. sowie vielen Städten weltweit wird des langjährigen Papstes gedacht. Wien/Österreich: Der belarussische Oppositionsführer Aljaksandr Milinkewitsch trifft zu Beratungen mit dem derzeitigen Präsidenten des Rats der Europäischen Union Wolfgang Schüssel zusammen, um politische Auswege nach der gefälschten Präsidentschaftswahl zu erörtern. Wien/Österreich: Die Gespräche über die politische Zukunft der serbischen Provinz Kosovo bringen keine Fortschritte. Nach wie vor wollen die Albaner einen eigenen Staat und die Serben lehnen dies grundsätzlich ab.
Montag, 3. April 2006 mini|200px|Handelssaal der Börse Frankfurt mini|150px|Zacarias Moussaoui Afghanistan: Die Staatsführung versichert anlässlich des Gerichtsverfahrens gegen den Christen Abdul Rahman, dass eine Neuordnung der gesetzlichen Vorgangsweise bei moslemischen Konvertiten im Gange ist. Im Jahr 2002 war in die afghanische Rechtsordnung wieder die Scharia eingeführt worden. Für die von Menschenrechts-Gruppen geforderte Änderungen im Grundgesetz sei es aber noch zu früh. Frankfurt am Main/Deutschland: Der Aktienindex DAX für die 30 größten an der Börse Frankfurt gelisteten Unternehmen erreicht erstmals seit 2001 wieder einen Schlussstand oberhalb der Marke von Punkten. Gegenüber dem bisherigen Bestwert im Tagesverlauf des 7. März 2000 mit Punkten verbleibt nur noch ein Verlust des Index von rund 25 %. Im Jahr 2003 waren es noch rund 72 %. Freetown/Sierra Leone: In Freetown beginnt der Prozess gegen Charles Taylor, einst Diktator in Liberia, vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal mit der Verlesung der Anklage. Österreich, Slowakei, Ungarn: Die durch die plötzliche Schneeschmelze verursachten Hochwässer nehmen größere Ausmaße an. In Niederösterreich müssen wegen eines Dammbruchs der March 2.100 Einwohner Dürnkruts evakuiert werden. In Ungarn sind weite Gebiete an der Donau überschwemmt, von der slowakischen Grenze über das Donauknie bis zur Hauptstadt Budapest. Sachsen/Deutschland: Das Hochwasser der Elbe (Wasserstand 6 Meter höher als normal) steigt pro Halbtag um 10 bis 20 Zentimeter. In Dresden werden 1.500 Menschen evakuiert, in die Senke des Stadtteils Gohlis schwappt die Elbe über den Deich. Für weitere 130 Kilometer Dämme in Sachsen sieht Umweltminister Stanislaw Tillich (CDU) noch keine Gefahr. Die Abdichtung ist aber schwierig, weil die Schutzwälle gefroren waren und nun auftauen. In Pirna, Schona, Meißen und im Kreis Torgau bleibt die Lage kritisch, wird aber das Ausmaß der Jahrhundertflut von 2002 nicht erreichen. Rund 100 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Der Deich um den Ort Polbitz ist vom Wasser eingeschlossen und kann laut Umweltminister Tillich nicht mehr stabilisiert werden. Auch in Sachsen-Anhalt steigt nun die Flut. In Bayern hingegen entspannt sich die Lage, weil der Regen nachließ. Thailand: Im Gefolge der Wahlen wirft die Opposition dem Premierminister Thaksin autoritären Führungsstil und Korruption vor. Politische Kreise befürchten eine Verfassungskrise, weil das Parlament durch den Wahlboykott beschlussunfähig ist. Tschechische Republik: Im Hochwasser der Elbe ertranken laut ČTK bereits sieben Menschen. Bei der nordböhmischen Stadt Ústí nad Labem hat die nach Sachsen strömende Elbe am Abend 8,60 Meter Wasserstand – normal sind 2 Meter. Die Prager Regierung ruft nach einer abendlichen Sondersitzung den Notstand für den Kreis Ústí nad Labem und sechs weitere Regionen – u. a. den Kreis Olmütz – aus. Der Notstand gilt laut Ministerpräsident Jiří Paroubek zunächst bis zum 10. April. Vatikanstadt: Nach der Nachtwache für den vor einem Jahr verstorbenen Papst Johannes Paul II., an der Tausende Christen teilnahmen, wird erneut der Ruf nach Johannes’ rascher Seligsprechung laut. Auch bei Gedenkfeiern in anderen Ländern wird derselbe Wunsch geäußert. Vereinigte Staaten: Im Prozess gegen Zacarias Moussaoui, der wegen terroristischer Aktivitäten angeklagt ist, hält die Jury ein Todesurteil für möglich. Wellington/Neuseeland: Wie Premierministerin Helen Clark verkündet, hat Königin Elizabeth den Richter Anand Satyanand (62) zum Nachfolger von Dame Silvia Cartwright ernannt. Er wird ihr Amt als Generalgouverneur am 4. August 2006 übernehmen. Satyanand ist von Fidschi-indischer Abstammung.govt.nz: (englisch)
Mittwoch, 5. April 2006 mini|150px|Karl-Heinz Grasser mini|150px|Gustav Klimts lange umstrittene Dame in Gold Brüssel/Belgien: Der Rat der 25 Finanzminister der Mitgliedstaaten der Europäischen Union kann sich frühmorgens auf den lange verhandelten Budgetrahmen 2007–2013 einigen. Wie der Ratsvorsitzende, Österreichs Finanzminister Karl-Heinz Grasser mitteilt, waren dafür mehrere Kompromissvorschläge erforderlich. Das Europaparlament hatte Ende 2005 (?) den von den Regierungschefs erarbeiteten zwischenstaatlichen Kompromiss abgelehnt und eine Budgetaufstockung um 12 Milliarden Euro gefordert, um Bildungsprogramme (Erasmus, Leonardo) und EU-Verkehrsprojekte stärker zu forcieren. Die nunmehrige Einigung – der das Parlament noch zustimmen muss – sieht 4 Milliarden Aufstockung vor, die aus Notreserven und Umschichtungen kommen. Neben Bildung und vorrangigem Transitverkehr soll auch die gemeinsamen Außenpolitik GASP und die Wirtschaftsförderung erhöhte Geldmittel erhalten. Palästinensische Autonomiegebiete: Die Hamas deutet unabsichtlich an, dass sie zu einer Zweistaatenlösung bereit ist, womit sie erstmals merkbar die Existenz sowohl Palästinas als auch Israels in Betracht ziehen würde. Vereinigte Staaten: Jene 5 berühmten Jugendstil-Gemälde des Malers Gustav Klimt (1862–1918), die ein Schiedsgericht im Jänner den in Amerika lebenden Erben zugesprochen hat, sind von österreichischen Museen in die USA überstellt worden, wo sie ab Juni 2006 ausgestellt werden. Für 2–3 der Gemälde (v. a. die „Dame in Gold“, das Ganzkörperporträt Adele Bloch-Bauer I von 1907), die für die Alpenrepublik einen hohen Erinnerungs- und Symbolwert haben, werden noch private Sponsoren für einen geplanten Rückkauf gesucht. Von den erforderlichen 200–300 Mill.€ (?) ist erst ein Teil zugesagt.
Donnerstag, 6. April 2006 Karlsruhe/Deutschland: Das seit 1997 besetzte autonome Zentrum Ex-Steffi wird geräumt. Vor zwei Monaten lief der mit der Stadt Karlsruhe ausgehandelte Mietvertrag aus, da die Stadt das Gelände verkaufen will. Verhandlungen über alternative Standorte schlugen wiederholt fehl. Am Morgen wurde die Räumung des mittlerweile verbarrikadierten Hauses angeordnet. Kassel/Deutschland: Halit Yozgat, ein türkischstämmiger Betreiber eines Internetcafés, wird am helllichten Tag in der Kasseler Innenstadt durch zwei gezielte Pistolenschüsse ermordet. Er ist das neunte Todesopfer der NSU-Mordserie.Vgl. Artikel Nationalsozialistischer Untergrund Mitteleuropa: Die Überschwemmungen der letzten Tage lassen nach, erstmals seit einer Woche sinkt der Wasserstand der March. In den niederösterreichischen Orten Dürnkrut und Stillfried sind aber noch immer hunderte Personen evakuiert. Washington, D.C./Vereinigte Staaten: Das bilaterale Abkommen mit Indien über die zivile Nutzung der Atomkraft, das im März abgeschlossen wurde, wird im US-Kongress heftig diskutiert. Außenministerin Rice nennt Indien einen verlässlichen Partner, der nicht mit Iran oder Nordkorea verglichen werden dürfe.
Freitag, 7. April 2006 Brüssel/Belgien: Nach gestriger Ermahnung an die radikal-islamische Hamas-Regierung kündigt Außenkommissarin der Europäischen Union Benita Ferrero-Waldner einen Stopp der Zahlungen an. Das Nahost-Quartett stellt 3 Bedingungen für jegliche Direktzahlung: Gewaltverzicht, Anerkennung Israels, Respektieren der bisherigen Abkommen der Palästinenser mit Israel. Wien/Österreich: Die seit langem vorbereitete Konferenz Europäischer Imame und Seelsorger an der Universität Wien wird eröffnet. In Interviews konstatieren deutsche Islam-Vertreter wie Ayyub Köhler und Hofmann die sinkende Achtung vor Religionen.
Samstag, 8. April 2006 Minsk/Belarus: Der im März unter zweifelhaften Umständen wiedergewählte Staatspräsident Aljaksandr Lukaschenka wird auf seine dritte Amtszeit vereidigt. Im Vorjahr hatte „der letzte Diktator Europas“ für diesen Zweck die Verfassung ändern lassen. Inzwischen wirbt sein unterlegener Gegenkandidat Alexander Milinkewitsch diese Woche in Westeuropa um Unterstützung für die demokratischen Kräfte, die vor der Wahl massiv behindert wurden. Die EU hat im März beschlossen, Mitarbeitern des belarussischen Regimes die Einreise zu verwehren. Wien/Österreich: Am Wochenende findet in Österreichs Hauptstadt eine internationale Islamische Konferenz mit über 100 Imamen und Vertretern der EU statt. Beratungsthemen sind u. a. eine bessere Vernetzung, Integration und Bildung, ferner die Aufstiegschancen moslemischer Frauen, die Meinungsfreiheit (anlässlich der Mohammed-Karikaturen) und die belasteten Beziehungen zu einigen EU-Ländern.
Sonntag, 9. April 2006 Budapest/Ungarn: Bei der Parlamentswahl wird ein Kopf-an-Kopf Rennen zwischen Regierung (Sozialisten) und Opposition (konservative Fidesz) erwartet. Der zweite Wahldurchgang folgt erst am 23. April, weil das Wahlrecht eine Mischung zwischen Verhältnis- und Mehrheitswahlrecht darstellt.