mini|Marquee Moon Frontmann Nigel Degray
Marquee Moon war eine Band, die der Dark-Wave-Bewegung zugerechnet wird. Sie wurde Anfang Januar 1984 von Skid Byers (Gesang), Hanzy Nischwitz (Gitarre), Nigel Degray (Bass) und Tom Petersen (Schlagzeug) in Berlin gegründet. Sie benannte sich nach dem Album Marquee Moon der amerikanischen Art-Punk-Band Television.
Geschichte Anfang der 1980er Jahre, zu einer Zeit, als in England die Gothic-Bewegung aufkeimte, laborierte die alternative deutsche Musikszene noch an den Folgen der Neuen Deutschen Welle. Dennoch gab es auch in Deutschland interessante Bands, die aber meist nicht mehr als Insidertipps waren. Zu den wenigen herausragenden und später auch trendsetzenden Bands aus dieser frühen Zeit gehören die Berliner Marquee Moon., stormyvisionsradio Nach ihrer Gründung entwickelten sie sich nicht nur zu einer der erfolgreichsten Berliner Bands,Oxmox, Hamburgs Stadtmagazin, Nr. 11, November 1985, S. 17.http://www.trouserpress.com/contributors.php/terryrompers/strangersinthemonkeybiz, www.trouserpress.com, abgerufen am 11. Juni 2011. sondern zu einer zentralen und treibenden Kraft der Waveszene und wurden im Verlauf ihrer Entwicklung zu „einer der Speerspitzen“ des Gothic Rock.https://www.gutsofdarkness.com/.../objet.ph, gutsofdarkness, Le webzine des musiques, abgerufen am 23. Oktober 2011.
Heute zählt sie zu den bedeutendsten Vertretern dieses Genres. Man kann sie als „Wegbereiter der deutschen Gothic-Szene“ bezeichnen. Sie „brachten bis 1989 auf einer Mini-LP und zwei Alben neopsychedelischen Rock heraus, der in Deutschland als einmalig galt und in der Independent-Szene viele Anhänger fand“.Christian Graf: Rocklexikon Deutschland. S. 231, 2002, Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf, ISBN 3-89602-273-3. Das Gothic- und Dark-Wave-Lexikon vermerkt dazu: „Bereits mit ihrem ersten Album Beyond The Pale wurden sie legendär. Die Platte enthält mit Songs wie Prince Of Darkness und dem Titeltrack gleich zwei Klassiker des deutschen Gothic und stößt auch im europäischen Ausland auf großes Interesse“.Matzke u. Seeliger: Das Gothic- und Dark-Wave-Lexikon. S. 280–281, 2002, Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf, ISBN 3-89602-277-6. Weitere Veröffentlichungen sowie zahlreiche Konzerte und Tourneen folgen. Damit erobern sich Marquee Moon eine große Fangemeinschaft und werden zu „Galionsfiguren“ der schwarz gewandeten Subkultur.wolkenspiegel.blogspot.com.thats-berlin
Nach dem Erfolg ihrer LP Future Patrol im Jahr 1989 verschwand Marquee Moon aus ungeklärten Gründen plötzlich von der Bildfläche, jedes der Mitglieder verfolgte seinen eigenen Weg. Drei Jahre später jedoch beteiligte sie sich an einer Kompilation eines Berliner Labels mit ihrem neuesten Stück Angst + War, welches „allseits Beifall fand“ und die Gruppe ermutigte, ein komplettes Album aufzunehmen.
Die Veröffentlichungen des Albums Angst + War 1993 und der EP Desert House 1995 ließen die Gothic-Gemeinde noch einmal aufhorchen. Nach einer „überaus erfolgreichen Best-Of-CD“ 1996 wurde es dann ruhig um die Gruppe. Nach ihrem Auftritt beim Bizarre-Festival in Köln 1997 löste sich die Band endgültig auf. Heute gelten sie als „Meilensteine“ des deutschen Gothic Rock und werden „stilistisch in die Nähe von Gruppen wie The Cure, The Lords of the New Church, The Sisters of Mercy und anderen Größen des Genres gerückt“.http://www.darkdimensions.de/index.php?content=artist&artist=81, darkdimensions.de, abgerufen am 16. Oktober 2011. „Im Verlauf ihrer Karriere zitierte die Band intelligent und erfolgreich sämtliche Koryphäen der Pop-Geschichte, in dem diese als Vergleichsmöglichkeit protegiert wurden“.Spex, deutsche Musikzeitschrift, Nr. 9, 1986.
Wie alles begann Bereits im Frühjahr 1984 legte Marquee Moon mit der Single Don’t Go Out Tonight ihre erste Veröffentlichung vor, deren Wirkung sogar von John Peel zur Diskussion gestellt wurde. Don't Go Out Tonight erinnerte an Siouxsie and the Banshees oder Echo & the Bunnymen, denn anders als der Bandname vermuten ließ, eiferte Marquee Moon nicht der Band Television nach, sondern eher The Cure oder U2.Tip, Berliner Stadtmagazin, März 1984. Als nächste Veröffentlichung erschien im gleichen Jahr der Sampler Berlin Visions. Marquee Moon war darauf mit den Titeln The Poison Is Working und Candy and the Golden Flies vertreten. Die auf dieser Langspielplatte versammelten fünf Berliner Bands Fou Gorki, Stricher, Blue Face, Imperial Dance Band und Marquee Moon gehörten zur Creme der Stadt.
Der Musikkritiker Hans-Jürgen Günther schrieb dazu: „Die insgesamt überzeugendsten Töne kommen von Marquee Moon: Hochgeschwindigkeits-Rock mit Pop-Anspruch, der sich seine Inspirationen bei den Doors und den spätsiebziger New-Wave-Bands holt. Die dunklen Texte stehen in einem spannenden Gegensatz zu der sehr vitalen Musik, die mit etlichen guten Ideen im Detail aufwartet“. Die deutschlandweit erscheinende Musikzeitschrift Musik Szene konstatierte: „Marquee Moon – bei ihnen stimmt einfach alles. Gitarrenpop mit Anlehnung an die Sixties. Keith Relf von den Yardbirds heißt jetzt Skid Byers. Den Song Candy And The Golden Flies hätten besagte Yardbirds nicht besser bringen können. The Poison Is Working ist eine gute Komposition, ein gutes Arrangement, wobei Bass, Gitarre und Schlagzeug füreinander spielen und sich dem Song dermaßen gut anpassen, wie man es leider nicht von den meisten deutschen Bands gewohnt ist.“Musik Szene, deutsche Musikzeitschrift, Nr. 11, 1984 Diese beiden Titel deuteten schon an, in welche Richtung die Band künftig gehen sollte. Kafkaeske Horrorfilmszenarien mit einem im Sixties Beat gehaltenen Soundtrack der 1980er Jahre. Literarische Einflüsse wie H. P. Lovecraft und Edgar Allan Poe wurden ebenso eingearbeitet wie eigene, persönliche Albträume.(vergl.) Text der Innenhülle der LP Berlin Visions
„Marquee Moon hatten sich eine englischsprachige Rock-Variante zurechtgelegt, die weitab von totgeackerten Feldern angesiedelt war. Aber das eigentlich erstaunliche an der Marquee-Moon-Musik bestand darin, dass sie zu keinem direkten Vergleich mit diesen großen Inspirationsquellen provozierte, weil die selbstbewusst entwickelte eigene Linie eine ganz andere Parallele erkennen ließ: das australische Beispiel. Genauso, wie die Bands vom fünften Erdteil zunehmend abgekoppelte Klangwelten installierten, konnten auch Marquee Moon ungestraft Dinge tun, die den Keim eines neuen positiven Ansatzes hierzulande enthielten“.Tip, Berliner Stadtmagazin, September 85
1985 musste sich Skid Byers aus gesundheitlichen Gründen auf die Managerposition zurückziehen und überließ Nigel Degray den Gesang, der gleichzeitig die Rhythmusgitarre übernahm. Neu in die Band kam dafür Humphy Sabothe. Von nun an zog Byers als Manager im Verborgenen die Fäden und wurde zur treibenden Kraft hinter der Band. Darüber hinaus stand er der Band weiterhin als Songtexter zur Verfügung.
Beyond the Pale Mit ihrem 1985 erschienenen Album namens Beyond The Pale im Gepäck, gingen die Newcomer nur ein Jahr nach ihrer Gründung mit den Ramones, den legendären Urvätern des US-Punkrock, auf Tour., LabelLos.de, abgerufen am 2. August 2012 Dieses Engagement als Supportband der Ramones trug beträchtlich zu ihrer Popularität bei. Was dabei herauskam, brachte die notorischen Schwarz- und Strassträger im Endeffekt in die Bannmeile des Zauberworts „Gothic“. Ihre offene Zuneigung zu Poe, Kafka und Lovecraft machte derlei allerdings auch verständlich.(vergl.) Interview in Blickpunkt das Jugend-Journal, Seite 39, Juni 1985 Mit Beyond the Pale hatte Marquee Moon die Vorreiterrolle einer Szene übernommen, die zu der Zeit noch gar nicht als „die“ Gothic-Szene wahrgenommen wurde. Noch sehr von der rohen Kraft des Punk bestimmt (Bands wie Bauhaus oder Killing Joke waren der Maßstab) bildete sich dieser neue Trend aus England hierzulande gerade erst aus.Transmission, Leipziger Wave-Magazin, Ausgabe 2, Frühjahr 2004, Seite 21
In einem Interview aus dem Jahre 2004 sagt Nigel Degray dazu folgendes: „Siouxsie und Robert Smith waren da noch unsere Galionsfiguren. Der große Teil des Publikums, wie auch der der Journalisten, war bei unserem Anblick immer wieder sehr irritiert. Sie fragten am Anfang ständig Sachen wie: >Was seid ihr denn? Seid ihr Punks? Warum lacht ihr denn nie?< Man darf nicht vergessen, dass eine Band wie die Sisters zu der Zeit dabei war, sich erst im Underground zu etablieren und ich weiß noch, wie man deren Musik am Anfang in der Presse mit Bowie oder Lou Reed zu erklären versuchte, da das erst später entstandene Gothic-Muster noch nicht existierte.“Transmission, Leipziger Wave-Magazin, Ausgabe 2, Frühjahr 2004, Seite 22
Dieses erste Album, „dessen Stücke alle Hitpotential besaßen“,Transmission, Leipziger Wave-Magazin, Ausgabe 2, Frühjahr 2004, Seite 17 und die zahlreichen, damit verbundenen Konzerte brachten der Band den Ruf ein, „die schärfste Pop-Underground Band Deutschlands“ zu sein.Go for Gold, Hamburger Musikmagazin, Nr. 6, 1986 „Die Band stand mit ihrem musikalischen Konzept in der Bundesrepublik und Berlin einzig da. Nur internationale Vergleiche, wie etwa The Cure, Magazine oder U2 ließen sich heranziehen, um ihrer Bedeutung auch für die Zukunft gerecht zu werden“.Der Tip-Siegerland, Regionalmagazin, (Nordrhein-Westfalen), September 1985 Das Berliner Stadtmagazin Tip schrieb in diesem Zusammenhang: „Einfache und traumhaft schöne Songs, die nicht durch überladene Studioarrangements zerstört werden, zeichnen Marquee Moon aus. Ihre Einflüsse aus Sixties und Eighties, die sie in Neo-Psychedelischen Klangbildern reflektieren, lassen an Intensität nichts zu wünschen übrig. Die Songs auf ihrer LP „Beyond The Pale“ sind Beweis dafür, wie es sich anhören muss, um süchtig nach noch mehr Material zu werden“.Tip, Berliner Stadtmagazin, Nr. 9, Seite 62, 1985
Die vier „Moonatics“Joachim Deicke in: Zitty, Berliner Stadtmagazin, Nr. 21, 1986 verstanden es, „aus der Rockmusik der letzten zwanzig Jahre ein musikalisches Fazit zu ziehen und gleichzeitig mit allen Beinen in der Gegenwart zu stehen“. Zwar waren die Einflüsse von Garagenbeat und Psychedelia bis zu den kompetentesten neuen Vertretern englischer Rockmusik spürbar – aber der Band „ging es nicht um die Wiederbelebung oder Kopie eines Musikstils. Marquee Moon bemühten sich um eine eigene Musik“. Es waren nicht die realen britischen oder australischen Klänge, die abgekupfert wurden, es ging um die gedankliche Eigenständigkeit, die die Aussies so bravourös vorgeführt hatten und an der sich die Gruppe orientierte.
Strangers in the Monkey Biz Im Sommer des Jahres 1986 erschien ihre zweite Single Here Today and Gone Tomorrow, gleichzeitig als 7 Inch sowie als Maxi-Single und einige Wochen später das Album Strangers in the Monkey Biz, das eine neue Seite von Marquee Moons musikalischer Vielseitigkeit offenbarte. Die meisten Titel stammten wieder aus der Songschmiede des Songwriter Teams Degray/Byers.
Mit diesem neuen Album hatte das Berliner Quartett seinem schwarzen Finsterimage einige psychedelische Farbtupfer verpasst und präsentierte sich, „mit einer Prise Bosheit“, auf seiner zweiten LP so einfalls- wie abwechslungsreich.Berliner Morgenpost, Tageszeitung, 16. Oktober 1986 Der eher heftige Live-Stil der Band war im Studio etwas geglättet worden, wobei, wie der Kritiker des New-Wave-Magazins Limited Edition meinte: „für den Baß und Gitarrenbereich stellenweise ein wenig zu viel Weichspüler hinter die Regler gekippt“ wurde. Gleichwohl war die Produktion geglückt, ohne der Band das Gesicht zu nehmen.Limited Edition, Berliner Wave-Magazin, Nr. 13, 1986 Marquee Moon hatten beim Songschreiben gewaltig dazugelernt.Tip, Berliner Stadtmagazin, Nr. 23, 1986