Die Abtei Sainte-Marie de Fontfroide (okzitanisch: abadiá santa Maria de Fontfreja, französisch: Abbaye Sainte-Marie de Fontfroide, meist kurz Abbaye de Fontfroide) ist eine ehemalige Zisterzienserabtei auf dem Gebiet der Stadt Narbonne, die im Jahre 1093 unter dem lateinischen Namen Fons Frigidus („kalter Brunnen“) als Benediktinerabtei gegründet wurde., The Tablet (International Catholic News Weekly), 17. April 1886 (englisch), cistercium.info Die Klosteranlage liegt am Auslauf eines Tals an einem Bach, etwa 15 Kilometer südwestlich der Innenstadt von Narbonne im Département Aude in der Region Okzitanien.
Vermutlich anlässlich des Aufenthalts des heiligen Bernhard von Clairvaux im Languedoc schloss sich 1146 die bis dahin benediktinische Mönchsgemeinschaft dem Zisterzienserorden an.
Fontfroide gehört zu den besterhaltenen Klosterensembles des Zisterzienserordens aus dem 12. und 13. Jahrhundert. mini|hochkant=1.2|Abbaye de Fontfroide, Kreuzganghof, SO-Ecke, vor Querhausarm
Geschichte Die Wahl des Gründungsortes der Abtei entspricht in keiner Weise den Gepflogenheiten der jungen Ordensgemeinschaften, etwa der Benediktiner, ganz besonders aber der Zisterzienser. Sie suchten sich eher einsame und abseits der menschlichen Zivilisation gelegenen Orte, um dort ihre Klöster zu errichten. Warum das hier nicht geschah, ist nicht bekannt und auch nicht zu erklären. Wenn man heute Fontfroide besucht, erscheint einem seine Lage, umschlossen von ausgedehnten Hochwäldern und Höhenrücken, besonders ruhig und still, was die Gründer vielleicht auch schon beeindruckt hat.
Etwa um 1093, noch vor der Gründung von Cîteaux (1098), dem Ursprungskloster des Zisterzienserordens, ließ sich hier in vermeintlicher „Einöde“ neben einer alten Römerbrücke eine Gruppe frommer Mönche nieder, denen Aymaric (Haimricus) der ErsteAymeri de Narbonne, chanson de geste, publié d’après les manuscrits de Londres et de Paris, Seite CXXVIIüber dessen sarazenischen Ursprung Vermutungen angestellt wurden, der bis 1105 Vizegraf von Narbonne war, gern das unwirtliche Stück Land überließ.Fontfroide Abbey, lescorbieres.com Die Gründermönche gaben sich zunächst die Regel des heiligen Benedikt, aber der Attraktion der unter Bernhard von Clairvaux mächtig anwachsenden Reformbewegung der Zisterzienser konnte sich auch diese junge Mönchskongregation in den Corbières nicht entziehen.
So schloss sich diese 1146, gut fünfzig Jahre nach der Gründung Fontfroides, dem Orden von Cîteaux an, möglicherweise in direktem Zusammenhang mit der großen Predigtreise des Bernhard von Clairvaux, die er auf Verlangen der okzitanischen Grafen und Bischöfe unternommen hatte. Sein Weg führte ihn 1146 geradewegs an Fontfroide vorbei. Im selben Jahr begannen die Mönche mit dem Bau der Klosterkirche, ein beeindruckendes Beispiel für die Schlichtheit zisterziensischer Baukunst. Nach einer anderen Quelle war das 1157.
mini|hochkant=1.2|Abbaye de Fontfroide, Kreuzgang, Südgalerie
Auch der Kreuzgang stammt ebenso wie der Kapitelsaal aus dem 12. Jahrhundert, beides Meisterwerke romanischer Baukunst. Allerdings wurde die Nordgalerie mit ihrer Aufstockung im 17. und 18. Jahrhundert neu errichtet. Bei ihr sind die großen Arkaden gänzlich offen geblieben.
Der Name Fontfroide entstammt dem lateinischen fons frigidus = kalte, frische Quelle, der dem Brauch der Zisterzienser entspricht, ihre Klöster an Wasserläufen zu errichten.
mini|hochkant=0.7|links|Tochterkloster Santa Maria de Poblet
Mit der Mitgliedschaft in der zisterziensischen Bewegung entwickelte sich die Abtei rasch zu einer der bedeutendsten Niederlassungen des Ordens im Süden Frankreichs. Zu den Förderern des Klosters gehörten Gerard von Roussillon, Alfons von Aragon, Guillaume von Montpellier, der Graf von Toulouse und der Vizegraf von Béziers und Carcassonne. Bereits 1151 erbat sich Berengar IV. von Barcelona die Gründung eines Tochterklosters in Katalonien. Poblet, das erste Tochterkloster von Fontfroide, übertraf sein Mutterkloster an Einfluss und Bedeutung, denn es wurde zur Grablege der Grafen-Könige von Barcelona-Aragon.
Ende des 12., Anfang des 13. Jahrhunderts erreichte Fontfroide den Höhepunkt seiner historischen Mission. Es war im Laufe der Ketzerbekämpfungen zu einem der einflussreichsten Bollwerke der Orthodoxie geworden. Papst Innozenz III. berief 1199 den Abt von Fontfroide, Pierre de Castelnau, den ehemaligen Erzdiakon der Kathedrale von Maguelone, und mit ihm den Mönch Raoul von Fontfroide zu seinen persönlichen Legaten im Kampf gegen die Häresie. Die Ermordung des allzu zelotischen Pierre de Castelnau lieferte den unmittelbaren Anlass, die Albigenserkriege auszurufen. Mit dessen Ausbruch zu Beginn des 13. Jahrhunderts erfuhr die Bautätigkeit im Kloster eine Unterbrechung. Nach Friedensschluss (1229) wurden im Kloster wieder umfangreichen Bauarbeiten durchgeführt. Die Kirche von 1146 wurde renoviert, mit einem großen Maßwerkfenster geschmückt, der Kreuzgang eingewölbt und seine Nordgalerie aufgestockt. An einzelnen Elementen – etwa am Fenster über der Chorapsis – wurde deutlich, dass die in der Anfangszeit übliche Strenge der Zisterzienser nach und nach aufweichte und etwas größerer Prachtentfaltung Raum gegeben wurde.
mini|hochkant=0.7|links|Papst Benedikt XII. Als ehemaliger Abt von Fontfroide wurde Jaques Fournier, der zunächst Bischof von Pamiers (ab 1317) und Mirepoix (ab 1326) gewesen war, 1334 unter dem Namen Benedikt XII. der dritte Papst, der in Avignon residierte. Ihm verdankt man den älteren, im strengen zisterziensischen Geist geschaffenen Teil des Papstpalastes in Avignon. Wahrscheinlich in der Amtszeit Jacques Fourniers als Abt des Klosters Fontfroide (1311–1317) wurde das südliche Seitenschiff der Klosterkirche um fünf im Grundriss rechteckige Kapellen erweitert.
1348 erreicht die Pest auch Frontfroide, und vom Verlust von immerhin drei Viertel seiner Mönche erholte sich die Abtei nicht mehr. Sie spielte zwar noch im 15. Jahrhundert, in der Zeit des großen Schismas eine bedeutende Rolle, wegen des erworbenen Reichtums und der Einmischung in weltliche Angelegenheiten ging bereits im 13. Jahrhundert der ursprüngliche strenge zisterziensische Geist verloren.
Der große Reichtum Fontfroides erweckte Begehrlichkeiten und 1476 fiel es unter die Kommende. Im 17. und besonders im 18. Jahrhundert wurden durch die Kommendataräbte und ihre Priore zahlreiche Veränderungen an den Konventsgebäuden vorgenommen: So wurde der Schlafsaal der Laienbrüder in einen Gästetrakt und in einen Wohntrakt für den Abt umgebaut, eine Orangerie begrenzte den inneren Hof, im Ehrenhof wurde eine elegante Mauer errichtet, Terrassengärten wurden angelegt, und ein neues großes Portal schirmte diese kleine Welt nach außen ab.
Obgleich das Kloster weitgehend von den Verwüstungen im 16. und 18. Jahrhundert verschont blieb, war sein Niedergang nicht aufzuhalten.
Die letzten Mönche verließen Fontfroide 1791, die Klostergebäude überstanden die Wirren der Revolution aber ohne allzu große Verluste. Neues klösterliches Leben entstand 1858, als sich eine kleine Gemeinschaft von Mönchen aus Sénanque wieder in Fontfroide ansiedelte. Der letzte Abt Père Jean starb 1895, weithin als Heiliger angesehen. Mit dem Gesetz gegen die religiösen Glaubensgemeinschaften aus dem Jahr 1901 erlosch das klösterliche Leben endgültig. Die letzten Mönche flohen nach Spanien, und die Anlage war bis 1908 sich selbst überlassen.
mini|hochkant=0.6|Gustave Fayet (1865–1925) In einer Versteigerung wurde Fontfroide 1908 von dem Maler und Kunstsammler Gustave Fayet erworben. Umfangreiche Restaurierungsarbeiten folgten, so wurden farbige Kirchenfenster eingebaut, kunstvolle Schmiedearbeiten verzieren die Fensteröffnungen, Statuen und Halb-Reliefs schmücken die Mauern und Gärten. Fayet finanzierte den Erwerb und die Sanierung des Klosters durch Verkäufe aus seiner Kunstsammlung; er war ein Freund und Gönner von Paul Gauguin, von dem er etwa 100 Werke besaß; außerdem sammelte er Bilder von Degas, Manet, Monet, Cézanne, Pissarro und Odilon Redon. 1916 erwarb er auch die Abtei Saint-André in Villeneuve-lès-Avignon. Beide Abteien gehören bis heute seinen Nachfahren und dienen als Museen.
1990 wurde südlich der Kirche ein Rosengarten mit mehr als 3000 Rosenstöcken angelegt. Fontfroide gehört heute zweifellos zu den besterhaltenen Klosterensembles des Zisterzienserordens aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Der im Laufe der Zeit etwas rötlich gewordene Sandstein der Konventsgebäude verschmilzt mit den Tonwerten seiner Umgebung zu einer Harmonie mit der Natur, welche schon von den zisterziensischen Baumeistern beabsichtigt gewesen sein dürfte.Rolf Legler: Languedoc, Roussillon. Von der Rhône bis zu den Pyrenäen. 1981, S. 171–172.
Eine Zisterzienserabtei
mini|hochkant=0.7|links|Abtei von Citeaux im 16. Jahrhundert mini|hochkant|Robert de Molesme
Sainte-Marie de Fontfroide war seit 1146 eine Abtei des Zisterzienserordens, der im Jahr 1098 in Cîteaux – südlich von Dijon – von dem Benediktinerabt Robert de Molesme (1028–1111), auch Robert von Citeaux genannt, gegründet worden war.
Die Angehörigen dieses benediktinischen Reformordens befolgten strikt die Regeln des Heiligen Benedikt von Nursia (480–550). Das Besondere an dieser Glaubensgemeinschaft ist die wirtschaftliche Eigenständigkeit der einzelnen Abteien sowie ihre ordensrechtliche Verfassung. Zwischen jeder „Mutterabtei“ und ihren „Töchtern“, das heißt ihren Neugründungen, besteht eine Art Familienbande. So brachten die ersten Filialhäuser der Abtei Cîteaux, besonders ihre vier bedeutendsten: La Ferté, Pontigny, Clairvaux und Morimond, wiederum zahlreiche „Töchter“ hervor, die bald ganz Europa wie ein Netz überspannten.
Für alle Klöster galt eine „Charta“, in der die Grundsätze des Ordens festgelegt sind. Die Äbte trafen sich, zumindest in der Frühzeit des Ordens, einmal im Jahr zu einem Generalkapitel im Kloster Cîteaux, dessen Abt sie unterstanden. mini|hochkant|Bernhard von Clairvaux – Darstellung aus einem hochmittelalterlichen Manuskript Die Forderung nach schlichter Lebensweise und Eigentumsverzicht steht im Mittelpunkt des Lebens der Mönche, denn sie begünstigen die Verinnerlichung des Glaubens. Bernhard von Clairvaux, der berühmteste Abt und Theologe des Ordens (1090–1153), verurteilte alles, was den Mönch von seinem Streben nach Gott ablenken kann, einschließlich Skulpturen, Gemälden, bunten Kirchenfenstern und Wandbehängen, wie sie viele mittelalterliche Bauten schmückten. Die einzigen Funktionen, die der Kunst zuerkannt wurden, sind die vollendete Gestaltung der Formen und Volumen, sowie Licht- und Schatteneffekte. Dabei boten grundsätzlich Ruhe und Natur den unverzichtbaren Rahmen.
Der Zisterzienserorden breitete sich außerordentlich schnell aus. Beim Wechsel der Mönchsgemeinschaft von Fontfroide in den Zisterzienserorden im Jahr 1146 zählte er bereits ungefähr 330 Klöster.
Das tägliche Leben der Zisterzienser