Vilafranca del Penedès (offiziell katalanisch; spanisch Villafranca del Panadés) ist eine Gemeinde im Südwesten der spanischen Provinz Barcelona und der autonomen Region Katalonien (). Vilafranca del Penedès ist Verwaltungssitz des Bezirks Alt Penedès. Die Gemeinde hat Einwohner (Stand: ). Die Stadt hat eine Fläche von 19,63 km².

Neben dem Stadtzentrum gibt es die Stadtviertel Sant Julià, l'Espirall, Molí d'en Rovira, Poble Nou, les Clotes, Barceloneta-Sant Magí und la Girada.

Die Stadtpatrone sind sant Ramon de Penyafort, sant Jocund und sant Fèlix màrtir, obwohl während des Stadtfestes Ende August vor allem Bezug auf Letzteren genommen wird.

Vilafranca ist international für seine Schaumweine bekannt: der Cava und die Weine aus dem Herkunftsgebiet („Denominacion de Origen“) Penedès. Darüber hinaus ist es auch für die katalanische Tradition des gemeinschaftlichen Baus von Menschenpyramiden (katalanisch castells) bekannt, die von vier Organisationen mit vielen Freiwilligen sehr aktiv betrieben wird und oft bei öffentlichen Anlässen wie dem Stadtfest Ende August zu sehen ist.

Die Stadt besitzt einen der ältesten Feuerdrachen Europas, der von 17 Trägern getragen wird und vom Beginn des 17. Jahrhunderts stammt.

Namensherkunft Der Name Vilafranca nimmt Bezug auf einen Ort innerhalb der freien („Franc“) Stadt von Olèrdola de Penedès (einem Nachbarort) und die Gründung erfolgt nach dem gescheiterten Wiederaufbau von Olerdola, nachdem dort im Jahre 1108 die Almoraviden eingefallen waren.

Geschichte Gründung Man geht davon aus, dass Vilafranca gegen Mitte des 12. Jahrhunderts als Reaktion auf den Niedergang von Olèrdola gegründet wurde, denn dessen Einwohner waren die ersten Bewohner. Genauer gesagt zwischen 1108 und 1151, dem Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung. Der Ort lag damals nahe der Via Augusta. Seit der Stadtgründung hatte die Stadt Marktrechte. Der Aufbau der Stadt war typisch für eine mittelalterliche Stadt mit einer Stadtmauer, einem Judenviertel, den Zünften und den Fürsten.

Die mittelalterliche Gesellschaft Vilafranca zeichnete sich während der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts durch ein starkes Wachstum aus. Die Lage an einer Route, die christliches und moslemisches Gebiet verband, war dafür ausschlaggebend. Als Konsequenz dieser Bedeutung verlieh der König der Kirche Notariatsrechte im Jahr 1188. Die gleichzeitige Organisation von religiösen Festen mit Messen und Märkten als unzertrennliche Aktivitäten und die königliche Vergabe der Notariatsrechte verlieh der Kirche große rechtliche und wirtschaftliche Macht.

Während des 13. Jahrhunderts erfuhr Vilafranca einen bedeutenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufschwung und es setzt sich die Wiederbesiedlung seines Einzugsgebietes fort. Es hatte eine führende Position als Handelszentrum am Schnittpunkt wichtiger Handelstrassen. Als königliche Stadt erhält es Schutz und gleichzeitig viele Privilegien, wodurch es sich in eine Stadt mit herausragendem königlichen Einfluss in dieser Zeit verwandelt und wo 1218 eine Jaume I einberufene Versammlung stattfindet, an der sowohl die Fürsten als auch die Prälaten und die Vertreter der Städte und Dörfer teilnehmen. Die territoriale Bedeutung Vilafrancas wird durch die Gründung der Vegueria von Vilafranca de Penedès und von Ordenshäusern bekräftigt. Beides sorgen dafür, dass die Stadt sich zu einem Zentrum von großer Aktivität entwickelt

mini|Sant-Pelegri-Kapelle (Vilafranca de Penedès)

Die mittelalterliche Stadt Das Zentrum der Ansiedlung befand sich rund um die erste einfache Kirche Santa Maria, einer Kirche, die als eine der ersten gotische Elemente enthielt. Auch andere bedeutende Gebäude wurden in dieser Zeit gebaut, wie der Konvent des Bettelordens von Sant Francesc, die Kirches eines Konvents eines Militärordens: die Sant-Joan-Kapelle und andere Gebäude, die wichtig waren in der Geschichte Kataloniens, wie zum Beispiel der Palau Reial, wo Pere der Große starb oder der Palau Baltà, der als Ort überliefert ist, wo man die Kapitulation von Vilafranca 1461 unterzeichnete, die als Auslöser des Bürgerkriegs zwischen der Krone und der Generalität im 15. Jahrhundert gilt.

Moderne Epoche Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts hält die Wachstumszeit in der Stadt an. Danach begann im ganzen Land ein Niedergang, der mit schlechten Ernten begann. Das Jahr 1333 ist als erstes schlechtes Jahr bekannt. Danach kam um 1348 die Pest und andere unschöne Ereignisse, wie verschiedene Epidemien der Grippe, Cholera, und Morbus die Vilafranca in den Jahren 1530, 1558 und 1564 heimsuchten. Diese Epidemien fielen zeitlich zusammen mit den folgenden Kriegen: der katalanische Bürgerkrieg (katalanisch Guerra Civil catalana; 1462–1472), der die Stadt stark betraf, der Remenzenkrieg (Guerra dels remences;1483–1486), der Aufstand der Schnitten (Guerra dels Segadors; 1640–1659) und der Spanische Erbfolgekrieg (Guerra de Successió Espanyola; 1705–1715.) Trotz dieser schlechten Rahmenbedingungen ließ die Wirtschafts- und Handelsaktivität in diesen Jahren nur wenig nach.

Während der Napoleonischen Kriege ist Katalonien wiederum Kriegsschauplatz. Ab dem Jahre 1808 wurde Vilafranca, inzwischen Sitz des obersten Rates von Katalonien, verschiedene Male geplündert. Als der Krieg vorbei war, ging der Weinanbau im Verwaltungsbezirk weiter und brachte einen deutlichen Bevölkerungszuwachs mit sich. Ab dem Jahr 1879 zerstörte die Reblaus die Weinpflanzen und es kam zu einer bedeutenden Senkung der wirtschaftlichen Aktivitäten und einer einhergehenden Verringerung der Bevölkerung. Trotzdem kehrte der Weinanbau noch vor Ende des Jahrhunderts wieder als wichtigste Einkommensquelle der Stadt zurück und konsolidierte ihren landwirtschaftlichen Charakter als Weinanbaugebiet.

Der wirtschaftliche Aufschwung im Verwaltungsbezirk Alt Penedès nach dem Reblausplage sorgte auch dafür, dass sich hier wie im Rest von Europa eine künstlerische und soziale Strömung etablieren konnte. Gutsherren und Händler nahmen den Jugendstil auf und sorgen für Bau von Gebäuden in diesem Baustil entsprechend ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten. Die Jugendstilroute von Vilafranca ist Teil der neun Jugendstilrouten in der Nähe von Barcelona, die von der Regionalverwaltung der Provinz Barcelona gefördert wird.

Gegenwärtige Epoche In den Jahren zwischen 1950 und 1981 wächst Vilafranca wiederum sehr stark. Es werden verschiedene Industrien angesiedelt und der Wein- und Cavasektor entwickelt sich zu voller Blüte. Vilafranca ist heute eine der führenden mittleren Städte in Katalonien, ein Wirtschafts- und Handelszentrum mit allen notwendigen Dienstleistungen und guten Verbindungen in alle wichtigen Städte Kataloniens und Spaniens. In den letzten Jahren während des Baubooms bis 2007 sind neue Stadtteile mit einer großen Anzahl neuer Wohnungen entstanden, von denen derzeit (2014) allerdings 20 Prozent leer stehen.

Stadtviertel Vilafranca unterteilt sich administrativ in acht Stadtviertel.

Das Zentrum, der älteste Teil, der von den anderen Stadtvierteln umrahmt wird. Hervorheben kann man die Plaça de la Vila (den Rathausplatz), die Rambla Nostra Senyora und die Rambla Sant Francesc, la Plaça Penedès (den Penedès-Platz), la Plaça de Jaume I (den Jaume-I-Platz) und die Santa-Maria-Kirche.

L'Espirall, dort kann man die Avinguda de la Peregrina und die Espirall-Straße hervorheben, die zum Kreiskrankenhaus führen. Das Straßenbild im Viertel ist stark von andalusischen und arabischen Einflüssen geprägt, die vor allem in den 1970er Jahren und nach der Jahrtausendwende hierher kamen.

Barceloneta, mit dem Bahnhofsplatz, wo sich der Bahnhof von Vilafranca de Penedès befindet.

Molí d'en Rovira, ein Stadtviertel, das von der Comerç-Straße und dem Bahnhof bis zur Landstraße N-340 reicht.

La Girada, eines der jüngsten Stadtviertel, das vom Busbahnhof im Süden bis zur N-340 reicht.

Poble Nou, dort kann man den Tivoli-Park hervorheben und die Amàlia-Soler-Straße, eine der längsten Straßen von Vilafranca.

Sant Julià mit dem Sant-Julià-Park und dem städtischen Sport- und Messezentrum.

Les Clotes, wo sich der Gasplatz in Erinnerung an die alte Kokerei und die Gebäude de ehemaligen Schlachthofs befinden, der heute als Gemeinschafts- und Veranstaltungszentrum dient.

Lage Die Lage von Vilafranca (223 m Höhe über NN), im Zentrum des Tieflandes des Penedès, zwischen der Serralada Prelitoral und dem Garrafmassiv war von jeher eine bedeutende Verbindung. Schon in romanischer Zeit führte von hier die Via Augusta in Richtung Tarragona. Im Mittelalter war hier der Weg nach Begues und Olesa de Bonesvall. Und seit 1865 ist die Eisenbahnlinie von Martorell nach Tarragona in Betrieb. Im Tiefland des Penedès gibt es einige Berge, die sich bis zu einigen hundert Metern über die Umgebung erheben: der Turó de Sant Jaume (296 m), die Muntanya de Sant Pau (302 m), die als Hausberg der Stadt gilt und vom Stadtzentrum durch einen kurzen Spaziergang durch das Weinanbaugebiet erreichbar ist.

Die Stadt grenzt im Norden an die Städte les Cabanyes und la Granada, im Osten an Sant Cugat de Sesgarrigues und Olèrdola, im Süden an Santa Margarida i els Monjos und im Westen an Sant Martí Sarroca i Pacs del Penedès.

Klima Es herrscht Mittelmeerklima. Die Durchschnittstemperatur im Januar beträgt 7 °C und im Juli 25 °C. Es fallen jährliche Niederschläge von 550 Litern pro Quadratmeter.

Klimatabelle

Kultur und Gesellschaft Feste und Traditionen Von den Stadtfesten sollte man besonders die „Fires de Maig“ (Maifeste) hervorheben, sowie die Feste in den einzelnen Stadtteilen im Juli und August, und das große Stadtfest vom 29. August bis zum 2. September, das von der katalanischen Regierung, der Generalitat, zum nationalen Kulturerbe erklärt wurden. Ein weiteres wichtiges Fest ist das Weinerntefest im Penedès.

Während des großen Stadtfestes kann man folkloristische Figuren, Gesellschaftsbälle und Figuren aus dem Kulturerbe bewundern, wie zum Beispiel den Drachen (siehe nächster Absatz), die Teufel, den Serrallonga-Ball, Aliga, els Gigants, els Nans, den Ball der Zigeunerinnen. Außerdem findet immer am 30. August der Bau von Menschenpyramiden statt, die „Diada de Sant Fèlix“. Seit 1985 wurde zudem auch die Tradition des Moixiganga-Balls wiederbelebt.

Vilafranca ist zudem auch im Besitz einer fast 4 m langen und 115 kg schweren Tierfigur, die sowohl als die älteste von Katalonien als auch Europa gilt: ein feuerspeiender Drachen, der nach Dokumenten aus dem Jahr 1601 stammt, obwohl er sicher noch weit älter ist. Derzeit existieren zwei Kopien davon, eine in Vilafranca und eine in Belgien.

„Vijazz“ ist ein Fest das den Weinen und Caves des Penedès gewidmet ist und am ersten Juliwochenende gefeiert wird. Musikalische Auftritte von national und international bekannten Jazzgrößen auf Bühnen im historischen Stadtzentrum sowie ein kulturell-gastronomisches Rahmenprogramm.

Vilafranca organisiert das Xató-Fest (siehe Gastronomie), den die Stadt liegt an der Xató-Route, die von Beginn an sowohl bei lokalem Publikum als auch bei auswärtigen Besuchern auf große Beliebtheit gestoßen ist. Das Xató-Fest in Vilafranca de Penedès wird in der dritten Januarwoche gefeiert und ist stets gut besucht, weil es die einzige Schau ist, bei der alle vier offiziellen Varianten dieser volkstümlichen Speise zubereitet werden. Während auf den anderen Xató-Festen wie zum Beispiel in den Städten el Vendrell oder in Vilanova i la Geltrú sich auf das Verkosten ihres eigenen Xatós beschränken, kann man in Vilafranca alle 4 Xatós probieren: den aus Sitges, den aus Vilanova, den aus Vendrell und den aus Vilafranca.

Kulturzentren und andere Ereignisse, Kino, Musik Vilafranca verfügt über das Kulturzentrum „La Principal“ und das „Kubrick“ als herausragende Filmtheater. Weiterhin gibt es in der Stadt eine kürzlich eröffnete städtische Musikhalle („Auditori municipal“) in der Nähe des städtischen Sport- und Messezentrums, um musikalischen Aufführungen und Konzerten Platz zu bieten.