mini|Ari Rath, 2013 Ari Rath (geboren am 6. Jänner 1925 in Wien als Arnold Rath; gestorben am 13. Jänner 2017 ebenda)Alexandra Föderl-Schmid: Ari Rath im Alter von 92 Jahren in Wien gestorben. DerStandard.at, 13. Jänner 2017, abgerufen am 13. Jänner 2017. war ein israelischer Journalist, Publizist und Friedensaktivist. Von 1975 bis 1989 war er Chefredakteur und Herausgeber der Jerusalem Post. In Deutschland wurde Rath einem breiteren Publikum durch seine häufige Teilnahme an der Fernsehsendung Der Internationale Frühschoppen bekannt.
Leben 1925–1938, Kindheit in Wien Ari Rath wurde als Arnold Rath am 6. Jänner 1925 in Wien als zweiter Sohn von Laura Rath (geborene Gross) und Josef Rath, einem Papiergroßhändler, geboren. Sein Vater betrieb seine Firma gemeinsam mit seinem älteren Bruder, Jakob Fried, zunächst im 1. Wiener Bezirk, Schulerstraße 16,Adressen ermittelt aus Lehmanns Wiener Adressbuch, Ausgabe 1924 (Digitalisat bei wienbibliothek.at) später in größeren Räumlichkeiten in der Wiesingerstraße. Ari Rath trug anfangs die polnische Staatsbürgerschaft und war in Kolomea, dem Geburtsort seines Vaters, heimatberechtigt.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 20.Die ersten Monate lebte die Familie in der Piaristengasse 46 in der Wiener Josefstadt, ehe sie in die Porzellangasse im Alsergrund umzog. Zu seinen Erlebnissen in der Kindheit führte Rath 2011 ein im österreichischen Fernsehen gesendetes Gespräch mit Eric Pleskow, der vor 1938 ebenfalls an der Porzellangasse gewohnt hatte. Ari Rath und Eric Pleskow im Gespräch, ORF III, produziert 2011, Sendung vom 5. Mai 2012
Im April 1929 nahm sich Laura Rath das Leben. Aris Vater gestattete ihm und seinem 1921Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 11. geborenen Bruder Maximilian (später Meshulam)Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 16. nicht, am Begräbnis teilzunehmen. 1930 bis 1934 besuchte Rath die Schubertschule in der Grünentorgasse.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 19. 1931 erhielt er die österreichische Staatsbürgerschaft. Im September 1934 wechselte er an das Gymnasium Wasagasse, wo er gemäß einem Erlass des damaligen Bundeskanzlers und Unterrichtsministers Kurt Schuschnigg eine sogenannte Judenklasse besuchte.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 23. 1937 feierte Ari Rath seine Bar Mitzwa im Müllnertempel.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 44. Im selben Jahr wurde seine Halbschwester Henny „Channa“ geboren.´Ari Rath: Von Wien nach Jerusalem. Lebenstationen. In: Ari Rath: Auf dem Weg zum Frieden. Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 2005, ISBN 3-935035-77-2, S. 23.
Einen Monat nach dem Anschluss Österreichs 1938 siedelte die Schubertschule in die Kalvarienberggasse in Hernals über.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 33. Rath trat der zionistischen Jugendbewegung Makkabi Hazair bei.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 36. Im Mai 1938 wurde sein Vater in das KZ Dachau deportiert. Der bereits zuvor als Kommissar bei der Papiergroßhandelsgesellschaft Fried & Rath eingesetzte SA-Sturmführer Boris Zeilinger übernahm die Geschäfte des Vaters.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 36–38.
Im September 1938 besuchte Ari Rath ein vierwöchiges Seminar zur Vorbereitung auf die Emigration nach Palästina bei Aron Menczer.Ari Rath: Aron Menczers Qual der Wahl. In: Joanna Nittenberg, Benjamin Kaufmann (Hrsg.): Trotz allem… Aron Menczer und die Jugendalijah. Edition INW, Wien 2013, ISBN 978-3-9500356-6-7, S. 147–149. Die 200 teilnehmenden Jugendlichen bewarben sich um 50 Ausreisezertifikate. In einem leidenschaftlichen Aufsatz überzeugte Rath Menczer, ihm einen der 50 Auswandererplätze zuzuteilen, obwohl er und sein Bruder bereits ein Children's Permit des Vereinigten Königreiches und Aussicht auf ein US-amerikanisches Affidavit hatten. Als überzeugter Zionist wollte Rath unbedingt nach Palästina. Am 31. Oktober 1938 wurde er zur Zwangsarbeit für die sogenannte Hermann-Göring-Alteisensammlung in die Lobau gebracht, doch gelang ihm die Flucht,Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 7–8. und am 1. November 1938 nahm er wie geplant einen Zug vom Wiener Südbahnhof nach Triest.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 41–42.
1938–1948, vom Kibbuz nach New York und zurück In Triest ging Rath an Bord des italienischen DampfschiffsDon Kindell: British and Other Navies in World War 2 Day-by-Day. Abgerufen am 4. Januar 2017. MS GalileaAri Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 42., das am 8. November 1938 Haifa erreichte. Rath wurde im Ahavah-Jugendheim in Kirjat Bialik untergebracht.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 47. Nach Abschluss seiner Ausbildung im September 1941Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 61. übersiedelte er zunächst in den Kibbuz Beit Jehoschuʿa,Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 63. ehe er nach Zwischenstationen in den Kibbuzim Ramat DavidAri Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 65. und Newe EitanAri Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 66. im September 1945 zum Kibbuz Chamadja fand, der seine neue Heimat wurde.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 67. Im selben Jahr entsandte der Kibbuz ihn zur neugegründeten, 1959 in der Histadrut ha-Noʿar ha-ʿOved we-ha-Lomed aufgegangenen Jugendbewegung Ha-Tnuʿah ha-Meʾuchedet, deren Haifaer Zweig er gründete und leitete.
Im Herbst 1946 wurde Rath in die USA zur zionistischen Jugendbewegung HaBonim entsandt, um junge Juden für die Kibbuz-Bewegung anzuwerben.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 80. Mit Hilfe eines US-Konsuls ergatterte er einen der 15 Quotenplätze für Juden aus Palästina an Bord des einzigen Passagierschiffs, das zwischen dem Nahen Osten und Amerika verkehrte, der Marine Carp, mit der er am 8. Dezember 1946 New York erreichte.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 80–82. In der Ankunftshalle traf er mit seinem Vater, seiner Stiefmutter Rita Rath, seinem Bruder Meshulam und seiner Halbschwester Henny zusammen.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 82. Neben seiner Arbeit für Habonim bot er sich dem späteren Gründer des AIPAC-Vorläufers American Zionist Committee for Public Affairs, Isaiah L. Kenen, als Mitarbeiter bei der Jewish Agency an.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 100. Um an den UNSCOP-Sitzungen teilnehmen zu können, besorgte sich Rath über einen Bekannten bei der hebräischen sozialistischen Tageszeitung Davar einen Presseausweis. Es gelang ihm als Erstem zu melden, dass die Ostblockstaaten die Teilung Palästinas und die Gründung eines jüdischen Staates befürworteten – sein erster Scoop, lange bevor er Journalist wurde.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 101.
Teddy Kollek warb Rath an, um Waffenlieferungen aus den USA nach Palästina zu organisieren. In dieser Rolle lernte er Mosche Scharett kennen. Nach der Staatsgründung Israels wurde Rath gemeinsam mit Kollek und dessen engstem Kreis im Garten des Truman-Unterstützers und Waffenschmugglers Abraham Feinberg zum Offizier der israelischen Armee ernannt.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 104. Mit einem Empfehlungsschreiben Kolleks schiffte sich Rath im September 1948 wieder nach Europa ein, um an der UNO-Generalversammlung in Paris teilzunehmen.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 105. Dort begegnete er dem Mossad-Verantwortlichen in Europa, Asher Ben-Natan, der ihm ein Empfehlungsschreiben für seine Weiterreise nach Wien gab. In Wien besuchte Rath am 9. November 1948 eine Gedenkveranstaltung zum zehnten Jahrestag der Reichspogromnacht im Musikverein.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 109. Einige Tage später reiste er nach Marseille, um dort als Kommandant das Schiff namens Caesarea mit 900 Immigranten nach Israel zu führen.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 105–111.
1948–1957, Kibbuznik in Chamadia Nach seiner Rückkehr in den Kibbuz Chamadia meldete sich Rath im Verteidigungsministerium in Tel Aviv zum Militärdienst.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 112. Doch erhielt er keine Freigabe des Kibbuzsekretariats, daher blieb er in Chamadia und arbeitete als Melker und Kindergärtner.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 113. 1951 warb die vereinigte Jugendbewegung um Rath als Generalsekretär und tauschte seine Freistellung vom Kibbuz gegen die Entsendung von 60 Nachal-Absolventen (kämpfende Pionierjugend), die eine erhebliche Stärkung des bis dahin 90 Mitglieder zählenden Kibbuz bedeutete.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 115–116. Rath bezog eine Kommune in Jaffa und hielt sein neues Amt zweieinhalb Jahre, ehe er 1953 zum Sekretär von Chamadia gewählt wurde, in den Kibbuz zurückkehrte und die Kibbuz-Zeitung Ma Nishma gründete.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 118.
1956 wurde er ausgewählt, um Israel beim Jahreskongress der IUSY, des internationalen Verbandes sozialistischer Jugendorganisationen, in Tampere zu vertreten.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 121. Danach reiste er nach Bommersvik zum Sommerseminar der Sozialistischen Jugend Schwedens, wo er sich mit Olof Palme anfreundete.Ari Rath: Ari heißt Löwe. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-552-05585-8, S. 121–122.
Von 1957 bis 1959 ließ sich Rath vom Kibbuz beurlauben und zog nach Jerusalem, um an der Hebräischen UniversitätKurzbiographie. In: Rath, Ari: Auf dem Weg zum Frieden, Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 2005, ISBN 3-935035-77-2, S. 173–174. Volkswirtschaft und Geschichte zu studieren.
1958–1989, Journalist und Chefredakteur der Jerusalem Post