mini|Die Jama Masjid in Delhi ist die größte Moschee Indiens. Der Islam in Indien ist nach dem Hinduismus die zweitgrößte Glaubensrichtung. Von den 1,2 Milliarden Einwohnern Indiens bei der letzten Volkszählung 2011 waren 79,8 % Hindus und 14,2 % Muslime. Nach Indonesien und vor Pakistan ist Indien damit das Land mit der zweitgrößten islamischen Gemeinschaft. Das Mogulreich war ein von 1526 bis 1858 auf dem indischen Subkontinent bestehender muslimischer Staat.
Seit seiner Einführung in Indien hat der Islam zahlreiche Beiträge zur Kultur und zum sozialen wie politischen Leben Indiens beigetragen. Zugleich ist es im Laufe der Geschichte immer wieder zu Konflikten zwischen Muslimen und Hindus gekommen, die auch der maßgebliche Grund dafür waren, dass das britische Kolonialgebiet Britisch-Indien 1947 in die überwiegend muslimisch geprägten Staaten Pakistan und später Bangladesch auf der einen und in die Republik Indien mit überwiegend hinduistischer Bevölkerung, aufgeteilt wurde. Der religiöse Gegensatz zwischen Indien und Pakistan ist ein wesentlicher Faktor in den gespannten Beziehungen zwischen beiden Staaten, doch auch innerhalb Indiens kommt es immer wieder zu heftigen Konflikten zwischen Angehörigen beider Glaubensrichtungen.
Erste Kontakte Im Gefolge der Islamischen Expansion und dem Sieg der Araber über das Perserreich der Sassaniden führte Al Muhallab ibn Abi Suffrah des umayyadischen Kalifats im Jahre 664, bereits 32 Jahre nach dem Tod Mohammeds, den ersten Vorstoß nach Multan, damals auch bekannt als die „Stadt aus Gold“. Die umayyadischen Heere gelangten 712 bis an den Indus. Der letzte Vorstoß der Umayyaden unter Muhammad ibn al-Qasim, endete mit dessen Niederlage in der Schlacht von Rajasthan im Jahr 738 n. Chr. Die Konversion zum Islam in den Fürstentümern des Binnenlandes erfolgte zunächst durch Akkreszenz.
Während der Eroberungszüge entwickelten sich auch Handelskontakte zwischen Arabern und Indern, wobei vor allem die Hafenstädte der indischen Westküste dem gegenseitigen Austausch dienten. In Kerala kam es dabei zum Übertritt erster Hindus zum islamischen Glauben. Bereits im Jahr 642 wurde in Kasaragod eine erste Moschee errichtet. Weniger friedlich gestalteten sich die Verhältnisse am oberen Indus, wo die muslimischen Machthaber in Persien immer wieder in Konflikte mit den Herrschern von Sindh gerieten, ohne dabei zunächst territoriale Gewinne zu erzielen.
Besondere Bedeutung erlangte die nach der im heutigen Afghanistan gelegenen Stadt Ghazna benannte turkstämmige Dynastie der Ghaznawiden. Sie wurde 977 gegründet und attackierte unter Mahmud von Ghazni (998–1030) in insgesamt 17 Feldzügen das Industal, wobei die Kavallerie der Invasoren sich dem indischen Fußheer mit seinen Elefanten häufig überlegen zeigte. Den Ghaznawiden gelang es so, sich im Punjab festzusetzen. Am Hof der Ghaznawiden stellte sich zugleich eine erste kulturelle Blüte ein; so wirkten dort der Dichter Firdausi und der Mathematiker Al Biruni. Neben den kriegerischen Auseinandersetzungen lässt sich also bereits hier auch ein kultureller Austausch beobachten. Nach der Eroberung der nordwestlichen Teile Indiens wurden die dort lebenden Hindus zu Schutzbefohlenen erklärt.
Die Angriffe der Ghaznawiden stellten zunächst allerdings aus indischer Perspektive eher eine Randerscheinung dar. Erst gegen Ende des 12. Jahrhunderts sollte es zu einem umfassenden Eroberungsversuch kommen. 1186 stürzten die Ghuriden die Ghaznawiden und bereits kurz darauf, im Jahre 1192, konnte Muhammad von Ghur eine Konföderation der indischen Rajputen unter Führung des Fürsten von Delhi, Prithviraj III. Chauhan, in der Schlacht von Taraori besiegen. Muhammad zog daraufhin in Delhi ein. Nachdem er 1206 einem Mordanschlag zum Opfer gefallen war, konnte sein General und Statthalter Qutb-ud-Din Aibak die indischen Eroberungen behaupten; aus Aibaks Herrschaft ging wenig später das Sultanat von Delhi hervor.
Sultanat von Delhi mini|400px|Karte des Sultanats von Delhi Bis etwa 1230 hatte das muslimische Sultanat die Kontrolle über das Gebiet nördlich der Narmada gewonnen, während sich im Süden des Subkontinents unabhängige hinduistische Fürsten halten konnten – eine Zweiteilung, die auch für die Folgezeit charakteristisch bleiben sollte. Die Sultane förderten die Ausbreitung des Islams und errichteten ein straffes Herrschaftssystem, dessen kennzeichnendes Merkmal die Vergabe weiter Gebiete an verdiente Gefolgsleute als Lehen (jagir) war. Auf diese Weise war auch ein gewisses Maß an Kontrolle über die Großen des Reiches gewährleistet. Die arabisch-indischen Kaufleute lebten in relativem Wohlstand und die arabische Welt profitierte durch den Ausbau des Handels mit Indien; die indischen Bauern und Handwerker hingegen lebten großteils in Armut, da sie beispielsweise unter Sultan Ala ud-Din Khalji die Hälfte ihrer Erträge als Steuern abliefern mussten. Aus religiösen Gründen wurden viele traditionelle hinduistische Klöster und Tempel zerstört und Schriften vernichtet. Zudem wurde den Hindus die Jizya, die „Ungläubigensteuer“, auferlegt, was den Hass auf die Eroberer nährte. Da im Süden weiterhin hinduistische Reiche Widerstand leisteten, machte sich der seit 1325 regierende Sultan Muhammad bin Tughluq daran, auch die verbleibenden Hindu-Reiche zu unterwerfen. Tatsächlich gelang ihm innerhalb weniger Jahre die Eroberung des gesamten Subkontinents, doch kurze Zeit später zeigte sich, dass dieser Sieg die Ressourcen des Sultanats zu sehr beansprucht hatte. In Bengalen entstand 1338 ein eigenes Sultanat, 1347 ein weiteres, das Bahmani-Sultanat im heutigen Maharashtra. Vor allem aber erwuchs im hinduistischen Reich von Vijayanagar („Stadt des Sieges“), das bis heute unter Hindus als Symbol des Widerstandswillens gegen die Muslime gilt, ein mächtiger Gegner. Sultan Firuz III., Herrscher seit 1351, versuchte unterdessen den Rückgang der islamischen Macht in Indien durch Reformen aufzuhalten; er erbaute Firozabad im Dekkan als neue Hauptstadt, förderte die Wirtschaft und nahm einige besonders hindu-feindliche Maßnahmen seiner Vorgänger zurück. Den Niedergang des Sultanats konnte er dennoch nur verzögern, nicht aufhalten. 1398 fiel der Mongolenherrscher Timur Lenk ins Sultanat ein, was die Hindus Indiens nutzten, um in Gujarat, Malwa und Jaunpur unabhängige Staaten auszurufen, sodass die Sultane von Delhi in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts über kaum mehr als die Stadt Delhi selbst regierten. Eine grundlegende Erneuerung der moslemischen Herrschaft erfolgte dann erst durch einen erneuten Eingriff von außen: Im Jahre 1526 stieß Babur, ein Urenkel Timurs, von seiner Residenz in Kabul nach Indien vor und besiegte den Sultan von Delhi, Ibrahim Lodi, unter Einsatz von Artillerie in der Ersten Schlacht bei Panipat. Damit begründete Babur das Mogulreich, das bis zur britischen Herrschaft Bestand haben sollte.
Mogulreich mini|Die von dem Großmogul Shah Jahan errichtete Grabmoschee Taj Mahal in Agra Die Anfänge des Mogulreichs Nachdem Barbur 1526 Delhi eingenommen hatte, eroberte er schrittweise Nordwestindien. Seine Nachfolger bauten durch weitere Eroberungen das Mogulreich auf. Die Grenzen des Mogulreiches umfassten maximal Teile Pakistans und Afghanistans, Bangladesch und bis auf einen kleinen Teil im Süden ganz Indien. Baburs Nachfolger Humayun (reg. 1530–1556) hatte zunächst noch mit heftigem Widerstand der Hindus zu kämpfen. Während seiner Regierungszeit versuchte sein Vasall, der Afghane Sher Khan, noch einmal das Sultanat von Delhi zu erneuern und vertrieb Humayun zeitweise aus Indien. Sher Khans Dynastie bezeichnet man als Sur-Dynastie (1538–1555). 1555 eroberte Humayun jedoch sein Reich zurück.
Als ein Höhepunkt des Mogulreiches gilt die Herrschaft von Humayuns Sohn Akbar I. (Jalal ud-din Muhammad Akbar Padshah-i Ghazi) (reg. 1556–1605). Akbar besiegte 1556 die Hindus in der Zweiten Schlacht bei Panipat. Er ist bekannt und berühmt für seine tolerante Religionspolitik und seine Verwaltungsreformen, die in weiten Teilen Nordindiens zu Frieden, Wohlstand und einem Aufschwung der Städte führte. Dem Mogulreich gelang es, eine stabilere Herrschaft als die des Sultanats von Delhi zu errichten, da nunmehr die Regierung mehr nach politischen als nach religiösen Gesichtspunkten erfolgte. 1564 wurden die Sondersteuern für Hindus aufgehoben, Hindus wurde die Aufnahme in den Staatsdienst gestattet (der erste Minister der Region Malwa Anfang des 16. Jahrhunderts war etwa ein Hindu), außerdem kam es nun vermehrt zu Ehen zwischen Hindu-Prinzessinnen und muslimischen Amtsträgern. Im Jahr 1583 verkündete Akbar in einem Edikt die religiöse Toleranz in einer zunehmend religiös diversifizierten Gesellschaft. Ganz ohne Konflikte zwischen Hindus und Muslime verlief aber auch diese Periode nicht, was nicht zuletzt daran lag, dass es im Süden, wie schon zu Zeiten des Delhi-Sultanats, weiterhin selbständige Hindu-Staaten gab, mit denen das Mogulreich regelmäßig Krieg führte. Bereits unter Akbar kam es im Jahr 1568 bei Chittorgarh zu einem Massaker an Rajputen. Akbars Herrschaft fundierte aber grundsätzlich auf dem Prinzip der Toleranz; der din-i ilahi geht auf ihn zurück. Auf Akbar folgte sein Sohn Jahangir (reg. 1605–1627), der von einer Rajputen-Prinzessin geboren worden war; er setzte die väterliche Toleranzpolitik fort, hatte aber wegen seiner Alkohol- und Opiumsucht einen schlechten Ruf bei Moslems und Hindus gleichermaßen. Zugleich stieg der persische Einfluss am Mogulhof, der zu einer Blüte der Künste und Wissenschaften beitrug. Jahangirs Nachfolger Shah Jahan (reg. 1628–1657/9) sorgte mit dem Bau des Taj Mahal, einem 1648 vollendeten Grabmal für seine Lieblingsfrau Mumtaz Mahal, schließlich für den Höhepunkt islamischer Baukunst in Indien. Unter dem Einfluss orthodox-muslimischer Geistlicher ging Shah Jahan zwar zunächst hart gegen Hindus und Christen vor, in der Folge konzentrierte er sich aber mehr auf seinen luxuriösen Lebensstil. Seiner Armee gelangen unterdessen Fortschritte durch die Eroberung mehrerer Hindu-Staaten in Zentralindien. Als letzter großer Herrscher des Mogulreichs gilt Aurangzeb (reg. 1659–1707), der sich verstärkt, aber mehr oder weniger erfolgreich dem Dekkan-Plateau zuwandte. Nach Aurangzebs Tod im Jahre 1707 folgten eine Reihe eher unbedeutender Herrscher, die sich in rascher Folge ablösten, während die indischen Fürsten an Macht gewannen und die Kolonialmächte – zunächst Frankreich, seit 1763 Großbritannien – die Gegensätze unter den einheimischen Mächten nutzten, um ihren eigenen Einfluss auszudehnen. Zwar regierte in Delhi dann mit Shah Alam II. (reg. 1759–1806) wieder ein islamischer Herrscher etwas länger, doch war das Mogulreich längst nur noch ein Schatten seiner selbst und machtlos gegen die Einfälle der Afghanen, denen es im Jahr 1788 gelang, Delhi zu plündern und den Mogul zu blenden. Endgültig wurde der Mogulkaiser im Jahr 1858 nach dem Aufstand von 1857 (Sepoy-Aufstand) von den Briten abgesetzt.
Der Islam im Mogulreich Der Islam war in der Mogulzeit keine Mehrheitsreligion. Neben Muslimen lebten im Mogulreich Hindus, Juden, Christen, Zoroastrier und Anhänger zahlreicher synkretistischer Strömungen. Innerhalb des Hinduismus bildeten sich neue Sekten, in denen es auch zu synkretistischen muslimisch-hinduistischen Glaubensrichtungen kam. In Nordindien propagierte Ramananda bereits im 15. Jh. die Bhakti-Bewegung, die auch für Muslime offen war und die sich vor allem die Kritik an überkommenen hinduistischen Tempelpraktiken zugunsten einer unmittelbareren Hinwendung des Gläubigen zu Gott zum Ziel setzte. Ramanandas Schüler Kabir verband dann um 1500 den islamischen Monotheismus mit der Lehre vom Karma. Grundsätzlich lässt sich darüber hinaus die Entwicklung verschiedener islamischer Strömungen beobachten.
Zur Verbreitung des Islams trugen vor allem die Sufi-Orden bei.
Der Sufismus