Taufers im Münstertal (italienisch Tubre, ) mit Einwohnern (Stand ) ist die westlichste Gemeinde Südtirols in Italien und liegt auf über dem Meeresspiegel. Die Gemeinde liegt im unteren Münstertal.
Geographie Lage Die Gemeinde Taufers befindet sich im unteren Münstertal, einem Seitental des Vinschgaus im äußersten Westen Südtirols, direkt an der italienisch-schweizerischen Staatsgrenze zum Kanton Graubünden. Dieses wird hier vom Rambach in nordöstliche Richtung durchflossen. Die Berge auf der orographisch linken Talseite gehören zur Sesvennagruppe. Am namensgebenden Piz Sesvenna () erreicht das Gemeindegebiet seinen höchsten Punkt. Der das Münstertal bei Taufers auf der orographisch rechten Seite begrenzende Chavalatschkamm wird zu den Ortler-Alpen gerechnet und ist im Nationalpark Stilfserjoch unter Schutz gestellt.
Taufers grenzt an die Südtiroler Gemeinden Mals, Glurns, Prad und Stilfs sowie an die Graubündner Gemeinden Val Müstair und Scuol.
Siedlungspunkte mini|links|Dorfstraße mit Nikolauskirche Die Siedlungspunkte von Taufers liegen zwischen 1105 m (Unterrifair) und 1723 m (Egghof Tella) über dem Meeresspiegel.
Der Hauptort Taufers auf etwa 1250 m Höhe ist ein langgezogenes Straßendorf und erstreckt sich, obwohl er nur etwa 700 Einwohner zählt, über 1,5 km. In diesem Teil der Gemeinde liegen alle öffentlichen Einrichtungen (Schule, Gemeindeamt, Arztambulatorium, Pfarrkirche), fast alle Gasthäuser und Läden. Am Beginn des Hauptortes befindet sich auch die St.-Johann-Kirche, deren Ursprünge bis auf das 9. Jh. zurückgehen sollen.
Rifair () ist unterteilt in zwei Weiler: Unterrifair (Rifair) und Oberrifair (Schlossoir). Während Unterrifair wiederum langgestreckt zwischen dem Rambach, dem Hauptgewässer des Münstertales und dem Bergfuß liegt, ähnelt Oberrifair eher einem Haufendorf.
Puntweil war ursprünglich ein Haufendorf, das in letzter Zeit aufgerissen wurde, gleichzeitig schrumpfte auch seine Bevölkerung. Die Siedlung an der Grenze entstand in der Neuzeit. Sie dient fast ausschließlich dem Handel mit dem Ausland und dem Grenzbetrieb. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden dort zunächst ein Verwaltungsgebäude, eine Kaserne und zwei Gasthäuser errichtet.
Tella ist eine Höfegruppe, die auf südexponierter Lage über dem Talboden liegt. Die Bewohner der Höfe betreiben ausschließlich Landwirtschaft: Baustadelhof (1370 m), Schlosshof (1509 m), Kasparethof (1534 m – abgebrannt 1985), Bachhof (1558 m), Gandhof (1671 m), Egghof (1723 m) und Sommhof (1802 m – 1939 abgebrannt). An diesem Hang wurden zu Beginn des Mittelalters auch die Burgen Rotund, Reichenberg und Helfmirgott erbaut.
Die Gesamtfläche des Gemeindegebietes auf italienischem Staatsgebiet beträgt 4603 ha. Davon werden zurzeit noch etwa 350 ha als Äcker oder Wiesen genutzt. Weiters besitzt die Gemeinde Taufers 42,5 ha Wald und Weideland jenseits der Staatsgrenze in der angrenzenden Gemeinde Müstair in der Schweiz.
Geschichte Das Tal war schon in der Antike leicht besiedelt. Durch das Tal lief eine Römerstraße. In Puntweil südwestlich von St. Rochus finden sich römerzeitliche Baustrukturen, die in der Karolingerzeit neu bebaut wurden. Bereits im frühen Mittelalter ist ein Hospiz nahe der Kirche St. Johann belegt.
Lange Zeit waren die Besitzverhältnisse zwischen dem Bistum Chur und der Grafschaft Tirol unklar und umstritten. Im Schwabenkrieg wurde Taufers durch die Kampfhandlungen schwer in Mitleidenschaft gezogen. Spätestens seit dem 16. Jahrhundert galt das „Landesconfinkreuz ob Puntweil“ als Grenze zwischen dem Gotteshausbund (und in der Folge der Schweiz) einerseits und Tirol bzw. dem Kaisertum Österreich andererseits.Otto Stolz: Politisch-historische Landesbeschreibung von Südtirol 1: Allgemeines und Viertel Vintschgau und Burggrafenamt. In: Raimund von Klebelsberg (Hrsg.): Schlern-Schriften. Veröffentlichungen zur Landeskunde von Südtirol, Universitäts-Verlag Wagner, Innsbruck 1937, S. 84f. Noch heute befindet sich an dieser Stelle der Grenzübergang. Die Gemeinde gehörte bis 1809 dem Bistum Chur an, als sie zunächst provisorisch, ab 1816 formell der Diözese Brixen angeschlossen wurde. Im Vertrag von St. Germain 1919 wurde Taufers zusammen mit dem gesamten heutigen Trentino-Südtirol Italien zugesprochen.
Als eines der letzten Dörfer im Vinschgau gab Taufers spätestens um 1800 die rätoromanische Sprache zugunsten der deutschen Sprache auf. Noch heute zeugen jedoch Orts-, Flur- und Höfenamen von der romanischen Vergangenheit. Taufers ist 881 als Tuberis erstgenannt. Das Toponym lässt sich mehrmals in Tirol finden, etwa als Langtaufers oder Taufers (bei Bruneck), seine Etymologie ist unbekannt. Rifair ist 1322 als Rivare genannt und geht auf zurück. Puntweil (1322 Puntvile) kommt von .
Politik Bürgermeister Bürgermeister seit 1952: Alfons Dietl: 1952–1969 Serafin Schgör: 1969–1980 Rudolf Schütz: 1980–1985 Heinrich Peer: 1985–1995 Serafin Schgör: 1995–2000 Hermann Fliri: 2000–2015 Roselinde Gunsch Koch: seit 2015
Wappen Schild schrägrechts geteilt, oben rot, unten von Blau und Silber schräg gerautet. Wappen der Herren von Reichenberg, welche vom 12. Jahrhundert an bis 1373 auf der gleichnamigen Burg über Dorf Taufers als Lehnsträger der Bischöfe von Chur saßen. Das Geschlecht ist zu Beginn des 15. Jahrhunderts ausgestorben.
Bevölkerung Taufers ist gemäß den erhobenen Sprachgruppenzugehörigkeitserklärungen bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen eine weitgehend deutschsprachige Gemeinde. Als Berechnungsgrundlage der folgenden Prozentwerte wurden die gültigen Erklärungen von Personen mit italienischer Staatsbürgerschaft herangezogen. Verteilung nach Sprachgruppenzugehörigkeits- bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen Sprache 1981 1991 2001 2011 2024 Deutsch 92,98 % 94,55 % 95,42 % 97,85 % 97,68 % Italienisch 7,02 % 5,45 % 4,58 % 2,15 % 2,32 % Ladinisch 0,00 % 0,00 % 0,00 % 0,00 % 0,00 %
Bildung In Taufers gibt es eine Grundschule für die deutsche Sprachgruppe.
Verkehr Für den Kraftverkehr ist Taufers durch die SS 41 erschlossen.
Sehenswertes mini|St. Johann
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Gemeinde Peter Wiesler (1820–1885), Politiker, Mitglied des Abgeordnetenhauses 1867–1868, 1869–1870 Heini Holzer (1945–1977), Alpinist, Extremskifahrer
Literatur Gemeinde Taufers im Münstertal (Hrsg.): Taufers im Münstertal im Wandel der Zeit. 2. Auflage 2006, Verfasser: Dr. Serafin Heinrich Schgör.
Weblinks
Gemeinde Taufers
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in Südtirol Kategorie:Gemeinde in Südtirol Kategorie:Ersterwähnung 881
Kategorie:Nationalpark Stilfserjoch