Die RLM-Typenliste war eine Liste des Technischen Amts des Reichsluftfahrtministeriums (RLM), um eine eindeutige und systematische Bezeichnung deutscher Flugzeugtypen zu gewährleisten.
Entstehung und Geschichte der Liste In den Jahren 1929 und 1930 fanden Gespräche zwischen dem Heereswaffenamt im Reichswehrministerium, der Luftfahrtindustrie und weiteren Institutionen statt, um die bisher von den jeweiligen Herstellern frei gewählten Bezeichnungen ihrer Flugzeuge durch einheitliche zu ersetzen. Die neuen Bezeichnungen bestanden aus einem zweibuchstabigen Kürzel für den Hersteller, wobei der erste Buchstabe groß-, der zweite kleingeschrieben wurde, und einer durch eine Zentralstelle vergebenen laufenden Nummer. Während ein zweibuchstabiges Namenskürzel bis dahin nur von den Dornier und Rohrbach verwendet wurde, hatten insgesamt zehn deutsche Hersteller ihre Flugzeuge in einer firmeneigenen Sequenz aufsteigend nummeriert. Später wurden in Einzelfällen auch Herstellerkürzel mit zwei Großbuchstaben zugelassen, so erstmalig für Blohm & Voss (BV).
Es lässt sich anhand der bekannten Bezeichnungen für tatsächlich gebaute Flugzeugmuster und Projekte erkennen, dass im Nummernbereich bis etwa 350 einzelnen Herstellern ganze Nummernblöcke zugewiesen wurden. Doppelbelegungen ein und derselben Nummer waren nicht ungewöhnlich; bei zum Zeitpunkt der Einführung der Liste um 1932/33 vorhandenen oder in Entwicklung befindlichen Flugzeugtypen wurde einfach die alte herstellereigene Zählnummer mit dem neuen Herstellerkürzel kombiniert (bis Nummer 66), oder es wurden dann die Nummern obsoleter Typen, die nicht mehr in Verwendung waren, erneut verwendet. Später wurde die Modifikation oder Weiterentwicklung eines Flugzeugtyps oft dadurch angezeigt, das die letzten beiden Ziffern bei ansteigender Hunderterstelle beibehalten wurden (so z. B. Junkers Ju 88 – Ju 188 – Ju 288 – Ju 388 – Ju 488).
Im Vorfeld und Verlauf des Zweiten Weltkriegs wurden auch einige wenige tschechische, französische und italienische Baumuster in die Liste aufgenommen, die von der Luftwaffe übernommen bzw. sogar für diese gebaut wurden. Als Zählnummer wurde eine aus der jeweiligen Typenbezeichnung abgeleitete Zahl verwendet, eigene Herstellerkürzel für deren Hersteller wurden aber nicht eingeführt.
Die Einfachheit und gleichzeitig Eindeutigkeit dieses Bezeichnungssystems brachte es mit sich, dass nicht nur offizielle vom RLM zugewiesene Bezeichnungen verwendet wurden und werden. Zum Teil benutzten die Hersteller inoffizielle werksinterne Bezeichnungen gleichen Stils, entweder wiederum zur Kennzeichnung der Fortentwicklung eines Flugzeugmusters (z. B. Messerschmitt Bf 109 – Me 409), oder abgeleitet von einer Zeichnungs-, Ausschreibungs- oder sonstigen Nummer (z. B. Focke-Wulf Fw 195, Fw 238, Fw 261). Bereits während des Zweiten Weltkriegs kamen aus Propaganda- und Tarngründen erfundene oder von Kriegsgegnern Deutschlands irrtümlich angenommene Bezeichnungen hinzu, die dann in der Nachkriegsliteratur weiter kolportiert wurden. Wo immer bekannt, sind in der folgenden Liste solche fiktiven, aber nichtsdestoweniger geläufigen Verwendungen benannt.
Die Systematik des RLM war über die Bezeichnung von Motorflugzeugen hinaus weiter gefasst: Für diese wurde der Zählnummer eine 8 vorangestellt, beispielsweise 8-109. Entsprechend gab es Nummern für weitere Kategorien, die 9 für Kolbentriebwerke, 108 (bis auf einige Ausnahmen, die in Kategorie 8 geführt wurden) für Segelflugzeuge und 109 für Strahl- und Raketentriebwerke.
Liste der Motorflugzeuge Bemerkungen zur tabellarischen Darstellung In der Spalte RLM-Nr. findet sich die für den jeweiligen Flugzeugtyp gültige laufende Nummer, ohne die die Motorflugzeuge ausweisende vorangestellte 8.
Der Flugzeugtyp ist prinzipiell durch die Kombination von Herstellername, Hersteller- oder Konstrukteurskürzel und laufender Zählnummer bezeichnet. Ausnahmen wurden nur bei einigen älteren (z. B. Junkers W 34) und eingereihten ausländischen (z. B. Caproni Ca.313) Flugzeugmustern gemacht, wo die bisherige Bezeichnung beibehalten wurde. Führte eine Flugzeugbauart eine Bezeichnung nur anfangs oder zeitweise und wurde umbenannt, so ist diese in der Tabelle kursiv gesetzt. Ebenfalls kursiv stehen aus Propaganda- und Tarngründen erfundene Bezeichnungen sowie solche, die irrtümlich von Deutschlands Kriegsgegnern angenommen wurden.
Beinamen sind in spitze (»…«), allfällige Spitznamen in normale („…“) Anführungszeichen gesetzt. Namensvergabe für Flugzeuge war in Deutschland mit Ausnahme der Firma Focke-Wulf, die für ihre Typen Vogelnamen verwendete, eher selten und nahm erst mit dem Aufkommen von Suggestivnamen im Verlauf des Zweiten Weltkriegs zu.
Ist ein Flugzeugtyp tatsächlich geflogen, wird in der Tabelle das Jahr des Erstflugs angegeben. Ist dieses nicht bekannt – zumeist bei Flugkörpern – so steht ein ‘?’. Bei Flugzeugen, die zwar gebaut wurden, aber aus den verschiedensten Gründen nicht flogen, und reinen Projekten steht ein ‘—’.
In der Spalte Antrieb folgt auf die Zahl der Triebwerke entweder ‘mot.’ für Flugzeuge mit Kolbenmotoren oder ‘str.’ für Flugzeuge mit Strahltriebwerken. Ob es sich dabei um Turbinen-Luftstrahltriebwerke oder Raketenantrieb handelte, ist unter Anmerkungen erläutert. Einige wenige Baumuster gab es mit unterschiedlichen Motorisierungen, so z. B. die Messerschmitt Me 323 zwei- und viermotorig, dies wird in der Tabelle mit 4-/6-mot. angegeben.
Unter Bauart wird nach der Anordnung der Tragflächen unterschieden, also ob das jeweilige Flugzeug ein Hoch-, Schulter-, Mittel-, Tief- oder Doppeldecker war. Als Sonderbauarten sind neben Nurflüglern und Drehflüglern auch die unterschiedlichen Bauarten von Flugbooten, nämlich (normale) Flugboote, Großflugboote (Flugschiffe) und Amphibien, die zusätzlich über ein Fahrwerk verfügen, ausgewiesen. Für Schwimmerflugzeuge, die üblicherweise in ihrer Bauart Landflugzeugen entsprechen, ist der Anordnung der Tragflächen die Präzisierung ‘See‘ in Klammern hinzugefügt. Ebenfalls gesondert gekennzeichnet sind Flugkörper, die in die Liste eingereiht wurden. Kriterium für die Aufnahme eines Flugkörpers in die Liste der Motorflugzeuge scheint das Vorhandensein von Flügeln gewesen zu sein.
Die Spalte Verwendungszweck listet die Verwendung(en) eines Flugzeugtyps, zivil und militärisch. Häufig wurde ein bestimmtes Flugzeug nicht nur für einen, sondern für verschiedene Zwecke verwendet, so dass ggf. neben der Hauptbestimmung mehrere andere angeführt sind. Baumuster, die von vornherein für vielfältigen Einsatz entworfen wurden, sind als Mehrzweck(kampf)flugzeug bezeichnet.
Unter Status finden sich Angaben, ob ein Flugzeugentwurf realisiert wurde oder Projekt blieb, und, sofern er gebaut wurde, in welchem technischen Reifegrad: Prototyp(en), Nullserie, Kleinserie oder Serie. Die Unterscheidung zwischen Kleinserien- und Serienbau wird dabei bei etwa 30 gebauten Exemplaren gemacht.
Anmerkungen sind verschiedenste Informationen zu Entstehungsgeschichte, Technik oder Einsatz des jeweiligen Baumusters.
Tabelle der Flugzeugtypen