miniatur|Roderich Fick Roderich Fick (* 16. November 1886 in Würzburg; † 13. Juli 1955 in München) war ein deutscher Architekt und Professor an der Technischen Hochschule München, dessen Werk von traditionellen und regionalen Bauformen bestimmt wurde. Zur Zeit des Nationalsozialismus machte er eine steile Karriere und war einer der anfänglichen Lieblingsarchitekten Adolf Hitlers, der sich stark von Ficks regionaltypisch-konservativem Baustil und der damit verbundenen Ablehnung normierter Universalbauformen angesprochen fühlte.

Leben Herkunft, Schule und Studium Roderich Fick wurde am 16. November 1886 als zweites Kind des Augenarztes Adolf Gaston Eugen Fick und seiner Frau Marie Katharina, geb. Wislicenus, in Würzburg geboren. Sein Vater hatte dort Medizin studiert und in Breslau eine Fachausbildung für Augenheilkunde absolviert. 1879 war er nach Südafrika ausgewandert und betrieb in Richmond eine allgemeinmedizinische Praxis. Ein längerer Heimaturlaub bot ihm die Gelegenheit, Marie Wislicenus, die Tochter des Professors für Chemie Johannes Wislicenus in Zürich, kennenzulernen. Die entstandene Freundschaft führte schließlich 1884 zur Heirat in Würzburg. Nach weiteren zwei Jahren in Südafrika kehrten beide mit ihrer 1885 in Richmond geborenen Tochter Hildegard endgültig nach Europa zurück. Bereits im Jahr nach der Geburt Roderichs zog Adolf Fick mit seiner Familie 1887 von Würzburg nach Zürich, um an der dortigen Universität als Privatdozent für Augenheilkunde zu arbeiten.

Die mütterliche Linie der am 26. Juli 1863 in Zürich geborenen Marie Wislicenus geht auf die Familie Sattler-Geiger in Schweinfurt zurück. Die Mutter Roderichs wies in den Vorfahren ihrer weiteren Verwandtschaft etliche Künstler wie die Maler Hermann Wislicenus, Conrad Geiger und Johann Ernst Sattler auf. Sie brachte somit ebenfalls künstlerische Anlagen mit, die sie teilweise an ihre Kinder weitergab. So zeigte auch Roderich schon frühzeitig eine auffallende zeichnerische und musikalische Begabung, die in seinem kunstsinnigen Elternhaus entsprechend gefördert und unterstützt wurde. Allerdings charakterisierte ihn seine Mutter auch als „Sonderling“ mit Hang zum „Einspännertum“.

Neben seinem Bruder Roland hatte Fick noch fünf Schwestern, von denen Hildegard als älteste bereits 1890 an Diphtherie verstarb.

In Zürich besuchte Fick das humanistische Gymnasium und trat 1903 aufgrund schlechter schulischer Leistungen in die dortige Industrieschule (Oberrealschule) über. 1904 besuchte er auf einer Italienreise mit der Familie Sattler seine mütterlichen Verwandten in Florenz. Nach seinem Abitur im Herbst 1906 leistete Fick als Einjährig-Freiwilliger seinen Militärdienst in Karlsruhe. Obwohl ihm der militärische Drill zuwider war und er nur das Reiten als Gewinn empfand, leistete er noch während seines Studiums immer wieder kurze Fortbildungsübungen ab, so dass er 1911 zum Reserveoffizier ernannt wurde.

Seine Entscheidung für ein Architekturstudium war wohl ein Kompromiss zwischen seinem Hang zum künstlerischen Zeichnen und Bildhauen und den Vorstellungen seines Vaters von einem einträglichen soliden Beruf, wie Fick später in seinem Tagebuch notierte. Im Herbst 1907 nahm er sein Architekturstudium an der Technischen Hochschule in München auf. Zum Wintersemester 1907/08 lernte er bei Alfred Friedrich Bluntschli in der Architekturabteilung des Polytechnikums in Zürich, wo er vom Sommer 1909 an im Büro des Architekten Alexander von Senger arbeitete. Für das Sommersemester 1910 wechselte er zur Ingenieurabteilung der Technischen Hochschule Dresden. Hier besuchte er nebenbei auch Vorlesungen zur Astronomie und Geodäsie. Fick folgte dem Ratschlag von Theodor Fischer, der seit 1909 als Professor für Baukunst an der Technischen Hochschule München lehrte, auf Abschlussexamen und Diplomarbeit zugunsten einer unmittelbaren Praxisaufnahme zu verzichten. Im Herbst 1910 kehrte er daher nach Zürich zurück, um sich dort als freischaffender Architekt zu verdingen.

Berufliche Anfänge Ein erster Auftrag bestand in der Errichtung eines Bootshauses mit Gartenanlage in Rüschlikon. Da er sich als Architekt nicht ausgelastet fühlte, experimentierte er auf Anregung seines Onkels Johannes Wislicenus in seiner eigenen Werkstatt mit der Entwicklung einer „Selbsttätig messenden Druck- und Saugpumpe“. Seine Konstruktion wurde schließlich bei der Internationalen Hygieneausstellung 1911 in Dresden vorgestellt.

Grönlandexpedition alternativtext=Die Teilnehmer der Schweizerischen Grönlandexpedition im Jahr 1912|mini|Die Teilnehmer der Schweizerischen Grönlandexpedition Im Sommersemester 1911 belegte Fick erneut Vorlesungen über Chemie, Geologie, Meteorologie, Astronomie und Luftschifffahrt mit Blick auf die Verwirklichung eines seiner frühen Jugendträume, nämlich der Teilnahme an einer Arktisexpedition.

Schon im Herbst 1911 gelang es ihm zusammen mit einem Freund, sich als Teilnehmer einer von Alfred de Quervain geleiteten schweizerischen Expedition zur Durchquerung Grönlands zu qualifizieren. Von Mitte Juni bis Ende Juli 1912 durchquerten die Schweizer Forscher als zweite Expedition nach der von Fridtjof Nansen 1888 Grönland von Westen (Ilulissat) nach Osten (Ammassalik).1912, Schweizer Grönland-Expedition. Die vergessenen Arktis-Pioniere Ficks Aufgabe bestand dabei in der geographischen Ortsbestimmung sowie in kartographischen Vermessungsarbeiten. Diese nicht direkt berufsbezogene Leistung zählte Fick gleichwohl zu seinen wichtigsten. alternativtext=Die Schweizerische Grönlandexpedition auf der Heimreise in Kopenhagen|mini|Die Schweizerische Grönlandexpedition auf der Heimreise in Kopenhagen Rund hundert Jahre nach Fick wiederholte sein Enkel, der Spiegel-Redakteur Stephan Orth (* 1979), die historische Expedition seines Großvaters.Auf Skiern durch Grönland, Artikelsammlung zur Expedition von Ficks Enkel Stephan Orth auf Spiegel Online. Abgerufen am 16. April 2013.

Kolonialdienst in Kamerun Nach Zürich zurückgekehrt, tat er sich weiterhin schwer, Aufträge als Architekt zu bekommen. Auch eine vorgesehene Anstellung in einem Architekturbüro kam nicht zustande. Fick widmete sich daher gezwungenermaßen wieder verschiedenen handwerklichen Tätigkeiten in seiner Werkstatt. Die Spanne seiner Versuche reichte vom Geigen- bis zum Segelflugzeugbau. Da jedoch auch diese Experimente keine existenzsichernde Alternative darstellen konnten, entschloss er sich, in den Kolonialdienst einzutreten. Vorher unternahm er im Frühjahr 1914 eine Studienreise nach Italien und war kurz im Büro der Architekten Helmuth Griesebach und Georg Steinmetz in Berlin tätig.

Fick verlobte sich mit der aus Dresden stammenden 17-jährigen Marie Günther und ging dann im Juni 1914 in die deutsche Kolonie Kamerun. Dort wurde er als Ingenieur und Leiter der Abteilung für Hoch- und Tiefbau des Bezirksamtes Douala eingesetzt. Der kurz darauf folgende Ausbruch des Ersten Weltkrieges beendete abrupt seinen für 1½ Jahre vorgesehenen Kolonialdienst. Als Leutnant der Reserve wurde er zur deutschen Schutztruppe von Kamerun eingezogen. Die zahlenmäßig und materiell unterlegene Schutztruppe konnte sich noch zwei Jahre in Kamerun halten. Das Gros der Truppe überschritt dann Anfang Februar 1916 die Grenze zum benachbarten spanischen Muni-Gebiet (heute: Mbini) und wurde auf Fernando Póo bzw. in Spanien interniert. Fick kam in ein Lager bei Pamplona. Hier nutzte er seine Zeit zum Geigenspiel und Reiten. Für die spanische Gemeinde Burlada fertigte er Entwürfe für ein Elektrizitätswerk. Ein von ihm entworfener Umbau des Klosters Puente la Reina in der Provinz Navarra wurde zum Teil verwirklicht.

Sein Bruder Roland war in der Schlacht von Tahura schwer verwundet worden und starb am 9. Juli 1916 in einem französischen Lazarett, ein Verlust, der ihn sehr schmerzlich traf.

Neuanfang in Herrsching Erst im Oktober 1919 konnte Fick zu seinen Eltern zurückkehren. Diese waren kurz nach Kriegsausbruch nach Schonungen in Mainfranken umgezogen, wo sie in einem Anwesen der Verwandtschaft von Ficks Mutter die Kriegszeit verbrachten, während sein Vater als Sanitätsrat in Frankreich eingesetzt wurde und erst im August 1919 heimkehrte. Fick heiratete hier am 27. Dezember 1919 seine Verlobte und bemühte sich um einen neuen Lebensmittelpunkt für seine berufliche Entfaltung. Im Frühjahr 1920 erwarb er die sog. Alte Mühle in Herrsching-Mühlfeld und bezog mit seiner Familie das ausgebaute und sanierte Anwesen im Juli des gleichen Jahres. Zusammen mit seinem Kompagnon Rudolf Menzel, den er aus der gemeinsamen Internierungszeit in Spanien kannte, betrieb er neben einem Architekturbüro noch eine Bootswerft und widmete sich ab 1922 wieder zunehmend dem Segelflugzeugbau. In Zusammenarbeit mit der an der Technischen Hochschule München entstandenen Akademischen Fliegergruppe („Akaflieg München“) entwickelte Fick ein Segelflugzeug, das vom Wasser aus gestartet werden konnte („Vogel Roch“). 1926 verpachtete er dann seine Firma.

Karriere als Architekt Als Architekt erhielt er mit dem Entwurf für ein Wohnhaus im Herrschinger Ortsteil Lochschwab für den Bildhauer Ernesto de Fiori einen ersten größeren Bauauftrag. Bereits bei dieser Planung erwies er sich als ambitionierter Architekt mit einem ausgeprägten Sinn für handwerkliche Detailausführung. Die Auftragslage blieb jedoch weiterhin nur mäßig. Ein weiteres größeres Projekt stellte die Anlage eines neuen Friedhofs mit Leichenhaus in Herrsching 1926 dar. Die qualitätsvollen, detaillierten und auffallend reich illustrierten Entwurfsdarstellungen verschafften Fick einen zunehmenden Bekanntheitsgrad. 1926/29 gestaltete Fick für die Fabrikantenfamilie Heinrich Otto in Reichenbach an der Fils mehrere Gebäude auf deren Anwesen (Bürogebäude, Pförtnerhaus, Wagenhalle, Gartenhaus). 1928 baute er für die Firma Heinrich Otto neben deren Fabrikgebäude in Plochingen das nach dem „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn benannte „Jahnhaus“, das danach dem Turnverein Plochingen e. V. (TVP) als Sport- und Vereinsheim dienteDagmar Bluthardt, Joachim Hahn, Susanne Martin: Kunst in Plochingen. Architektur 2 – 20.–21. Jahrhundert. Herausgeber: Stadt Plochingen 2020 S. 56–59.. 1928 nahm er an einer Ausschreibung für ein Gebäude des Völkerbundes in Genf teil. Im gleichen Jahr entwarf er ein Wohnhaus in Schweinfurt (Dr. G. Graetz, Am Löhlein 4, heute unter Denkmalschutz). In der Zeitschrift „Der Baumeister“ erschien 1928 eine erste Gesamtwürdigung seines bisherigen Werkes.26. Jahrgang, Heft 2, Seiten 73–88 Schließlich erhielt er einen großen Auftrag für die Errichtung eines neuen Hallenbades für die Stadt Schweinfurt, der Stadt, zu der er noch verwandtschaftliche Beziehungen hatte und in der sein Schwager Heinrich Zierl Oberbaurat war. Für das nach dem Stifter, dem Industriellen Ernst Sachs, benannte und in den Jahren 1931 bis 1933 errichtete Bad fertigte Fick Planzeichnungen bis ins letzte Detail, so dass von den Türen, Fenstern, Möbeln bis zu den Leuchtkörpern und Beschlägen alles aufeinander abgestimmt wurde und seine Handschrift trägt.

Architekt im NS-Staat