mini|In Bildmitte der Seerhein, vorne die Insel Reichenau im Untersee – Blickrichtung nach Südost
Der Seerhein ist ein etwa vier Kilometer langer, im Bodenseebecken liegender Abschnitt des Flusses Rhein. Er ist der Abfluss des Obersees und Hauptzufluss des Untersees. Der Unterschied zwischen den Wasserspiegeln beider Seen beträgt im langjährigen Mittel der Jahresmittel 20 cm, in den langjährigen Mitteln der Monatsmittel zwischen 16 und 27 cm.hydrodaten.admin.ch Pegel Romanshorn → Jahrestabelle 2012 (PDF): 1930–2012 Mittleres Jahresmittel 395,59 m ü. M Pegel Berlingen → Jahrestabelle 2012 (PDF): 1930–2012 Mittleres Jahresmittel 395,39 m ü. M
Durch die Mitte des Seerheins verläuft teilweise die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz, größte Gemeinde an seinem Ufer ist Konstanz. Sein östlichster Punkt markiert zugleich den Beginn (km 0,0) der Rheinkilometrierung.
Lage mini|300px|Satellitenbild des Bodenseebeckens. Zwischen dem größeren Obersee und dem kleineren Untersee ist der Seerhein zu erkennen.
Verlauf Der Seerhein erstreckt sich über eine Länge von 4,3 km von der Alten Konstanzer Rheinbrücke im Osten bis zur Insel Triboldingerbohl im Westen. Schmale Nebenmündungsarme verlaufen zwischen dieser Insel, der Insel Mittler oder Langbohl sowie dem Wollmatinger Ried. Im Konstanzer Stadtgebiet ist das Ufer befestigt und wird teilweise als Bootsanlegestelle genutzt.
Der Seerhein ist zwischen 100 und 500 Meter breit und zwischen 7 und 25 Meter tief. Etwa auf halber Strecke weist er eine kleine, nicht näher bezeichnete seeartige Verbreiterung und Untiefe auf. Dem Seerhein fließen ein paar kleine Bäche zu, insbesondere von links der Saubach (Grenzbach) an der westlichen Stadtgrenze von Konstanz und der Dorfbach bei Gottlieben.
Grenze Deutschland – Schweiz mini|300px|Seerhein vom Paradies (unten links) zum Wollmatinger Ried (oben rechts) mit der Schänzlebrücke
Der Großteil des Flusses, darunter das gesamte Nordufer und der östliche Teil des Südufers, liegt auf deutschem Territorium. Auf den westlichen zwei Kilometern verläuft in der Mitte des Flusses die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz. Mit ihrer Gemarkung stoßen auf Schweizer Seite die Gemeinden Tägerwilen und Gottlieben an den Seerhein an, auf deutscher Seite die Gemeinden Konstanz und Reichenau. Moorig-sumpfig und mit Schilfrohr bewachsen sind das westliche Nordufer (Wollmatinger Ried) und das Schweizer Ufer westlich von Gottlieben (Riet). Durch ihre Größe und Ungestörtheit sind diese Riedgebiete von großer Bedeutung. In der vom Seerhein durchflossenen Niederung liegt zudem die schweizerische Stadt Kreuzlingen, die mit Konstanz eine Agglomeration von über 100.000 Einwohnern bildet.
Südufer mini|Vom Konstanzer Rheintorturm spannte sich früher die Konstanzer Rheinbrücke über den Rhein
Am Südufer liegen die Konstanzer Altstadt und der Ortskern des ehemaligen Konstanzer Dorfes Paradies; zwischen den beiden erstreckt sich dicht bebautes Siedlungsgebiet des 19. und 20. Jahrhunderts. Es folgen das auf schweizerischem Hoheitsgebiet (Gemeinde Tägerwilen) liegende Tägermoos, in dessen Verwaltung Konstanz eingebunden ist, und Gottlieben. Im Tägermoos ist das Ufer unbefestigt und weist zwei Badeplätze auf, das Konstanzer Kuhhorn im Tägermoos sowie das Tägerwiler Bad. Entlang des Seerheins führt ein naturbelassener Spazierweg vom Ziegelhof im Tägermoos nach Gottlieben. Zwischen Ziegelhof und Schwimmbad wird er durch eine Pappelallee gesäumt.Nikolaj Schutzbach: Mehr als 100 Pappeln sollen fallen. In: Südkurier, 15. Dezember 2014. Baugeschichtliche Sehenswürdigkeiten am Südufer sind vor allem die Reste der Konstanzer Stadtbefestigung (Rheintorturm und Pulverturm) und das Schloss Gottlieben.
Nordufer thumb|Konstanz: Wohnhäuser am Nordufer des Seerheins mini|Konstanz: Seerhein, Bleiche, Wasserturm und Station der Wasserschutzpolizei
Am Nordufer des Seerheins liegen die Konstanzer Stadtteile Petershausen-West und Industriegebiet-Stromeyersdorf. Die Flur „Zugwiesen“ gegenüber Gottlieben gehört zur Gemeinde Reichenau.
Das Konstanzer Nordufer erlebte in den letzten Jahren eine rege Bautätigkeit. Industrieareale wurden abgetragen und durch Wohnanlagen ersetzt, das Ufer durchgängig zugänglich gemacht und parkartig gestaltet. Ebenfalls am Nordufer liegt das innerstädtische Rheinstrandbad. Baugeschichtliche Sehenswürdigkeiten am Nordufer sind vor allem das ehemalige Kloster Petershausen und die ehemaligen Fabrikanlagen im Stromeyersdorf.
Konstanzer Niederung / Seetal Der Seerhein durchströmt eine talartige Niederung, für die die Bezeichnungen Konstanzer Niederung und Seetal existieren. Diese Niederung wird im Süden vom Seerücken und im Norden vom Hügelland des Bodanrück begrenzt.
Die Bezeichnung Konstanzer Niederung wurde von Benzing im Rahmen seines Beitrags zur naturräumlichen Gliederung Deutschlands verwendet, der die „Konstanzer Niederung“ als naturräumliche Untereinheit auswarf.Benzing, S. 11 und Kartenanhang. Die Konstanzer Niederung erhielt die Signatur 030/031.22. Als nächsthöhere Einheiten legte er die „Mittlere-Hegau-Untersee-Senke“ (030/031.2) und das „Nördliche Bodensee- und Hegaubecken“ (030/031) fest. Als benachbarte naturräumliche Einheiten definierte Benzing im Osten den Obersee (030/031.0 - Konstanzer Trichter), im Westen den Untersee (030/031.20) und die Insel Reichenau (030/031.21), im Norden das Bodanrückhügelland (030/031.23) und im Süden den Seerücken (Schweiz, daher keine Signatur). (Die naturräumlichen Einheiten Baden-Württembergs wurden 1998 im Auftrag der Landesanstalt für Umweltschutz überarbeitet, die Benzing’sche Haupteinheit 030/031 wurde dabei durch „Hegau und Westliches Bodenseebecken“ (030) ersetzt, vgl. )
Die Niederung wird auf Schweizer Seite „Seetal“ genannt. Der Name schlägt sich in Bezeichnungen wie Schulzentrum Seetal, Pumpwerk Seetal oder Seetalstrasse nieder (alle Kreuzlingen). Im Rahmen einer nicht rein naturräumlichen geographischen Gliederung der Schweiz ordnete Schilter das Seetal einer sich bis Romanshorn erstreckenden Uferlandschaft zu.Schilter, Karte 5, Einheit 213/10/2/5.
Verkehr mini|Blick vom Konstanzer Münsterturm auf den Beginn des Seerheins an der alten Konstanzer Rheinbrücke
Der Seerhein ist schiffbar und wird vor allem von den Ausflugsbooten der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein, Sportbooten und Ruderern genutzt.
Über den Seerhein führen insgesamt drei Brücken, sie liegen alle am oberen Teil des Flusses. Ganz im Osten befindet sich im Bereich einer Engstelle an der Endmoräne (s. u.) die (Alte) Rheinbrücke, die den Grenzpunkt zwischen Obersee und Seerhein darstellt, und deren Vorläufer wohl bis in die Antike zurückreichen. Wenig westlich davon führt seit 1991 die Fahrradbrücke, eine Geh- und Radwegbrücke, über den Fluss. Am Westrand von Konstanz überquert die vierspurige, als Autobahnbrücke geplante Schänzlebrücke (auch „neue Rheinbrücke“) den Seerhein. Sie ist Teil der deutschen Bundesstraße 33, die an der Staatsgrenze in die Schweizer Autobahn A7 übergeht.
Früher existierten mehrere Personenfähren,Untersee und Rhein. In: : TG 42.-Bodensee. In: Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz: TG 40. so vom Pulverturm zum gegenüberliegenden Ufer (bis zur Fertigstellung der Fahrradbrücke 1991) sowie zeitweise zwischen dem Paradies und Stromeyersdorf.
An der Alten Rheinbrücke in Konstanz beginnt die im Rahmen der aufkommenden Industrieschifffahrt im 19. Jahrhundert eingeführte Rheinkilometrierung mit dem Rheinkilometer Null.
Schiffländen Orte mit Schifflände der Personenschifffahrt:
+ Schiffländen am Seerhein Name Lage Land ⊙ Ansicht Aussicht Konstanz BodenseeForum (See) Konstanz: vor der Schänzlebrücke, beim Bodenseeforum D 140px Gottlieben (Schifflände) Gottlieben, Thurgau CH 140px|2012 140px|2018
Wasserbus Seit dem 4. April 2026 pendelt der Wasserbus „MS Seeperle“ über den Seerhein zwischen dem Bodenseeforum am Parkhaus Europabrücke und dem Hafen Konstanz. Die Überfahrt dauert etwa 15 Minuten und findet im 50-Minuten-Takt statt.Bodensee-Schiffsbetriebe abgerufen am 1. Juni 2026
Geschichte
Paläogeographische Entwicklung Die gesamte Landschaft des Seerheins und seiner Umgebung liegt im Bereich des Molassebeckens, das sich bis zum Obermiozän während etwa 30 Millionen Jahren gebildet hatte. In den nachfolgenden 7 Millionen Jahren bis heute wird – im Gegensatz zur Zeit der Molasseaufschüttung – die Sedimentation von der Erosion übertroffen. Während dieser Zeit entstand das heutige Landschaftsbild. Die pliozäne und pleistozäne Erosion erfolgte zuerst durch die Aare-Donau, später vor allem durch den Hochrhein. Durch Flüsse und Gletscher entstanden Furchen und Becken.Schreiner, S. 164.
Die paläogeographische Entwicklung des Seerheins ist eng mit derjenigen der von ihm durchströmten Niederung verbunden. Diese ist durch den früheren Hochrhein und die Rheingletscher vorgeprägt und durch verschiedene Seeablagerungen verfüllt. Das gesamte Bodenseebecken ist geprägt durch den Wechsel von weiten Becken, engen Quertälern und Berglandschaften. Die den Seerhein umgebende Niederung ist größtenteils Verlandungsebene und eine der Beckenlandschaften, die Nachbarn Bodanrück und Seerücken sind (glazial überformte) Molasse-Bergländer.Schreiner, S. 3. Eine entscheidende Vorprägung der heutigen Seerhein- und Bodenseelandschaft fand mit der Umlenkung des Alpenrheins von der Donau zur Aare vor der Günz-Kaltzeit statt. Auf der Linie Bodensee-Seerhein-Hochrhein erfolgte eine verstärkte Tiefenerosion, während der Vorstöße der Rheingletscher wurde das heutige Bodenseebecken vorbereitet.Schreiner, S. 168–169.
mini|Gletscher mit Eisstausee (Moreno-Gletscher, Argentinien)
Der Rückzug des letzten Rheingletschers (Würmkaltzeit) erfolgte in verschiedenen Abschmelz- und Stillstandsphasen, die in neun Stadien eingeteilt sind. Mit dem Stillstand des Eisrandes bei Konstanz beginnt das letzte Stadium 9 (Konstanzer Stadium). Der Eisrand des östlich gelegenen Gletschers zog sich vom Überlinger See über die Ostspitze des Bodanrück durch Konstanz und Kreuzlingen zum Nordrand des Seerücken. Im Bereich des heutigen Seerheinbeckens und westlich davon hatte sich mit Beginn des Konstanzer Stadiums ein Eisstausee gebildet, in dem umfangreiche siltig-kalkige, glazilimnische Ablagerungen stattfanden (Beckentone). Diese reichen heute an einigen Stellen am Rand der Niederung bis an die Oberfläche. Entlang des Eisrandes entstand, vermutlich nach dem Verschwinden des Eisstausees, eine Endmoräne, die für den späteren Siedlungsverlauf einige Bedeutung gewann (s. u.). Die Schmelzwässer strömten zuerst aus dem Überlinger-See-Becken durch das entfernt gelegene Stahringer Tal, erst später durch die Allmannsdorfer Schmelzwasserrinne in den Bereich der heutigen Seerheinniederung. Mit dem folgenden Abschmelzen wurden Konstanzer Trichter und Obersee eisfrei.Schreiner, S. 126–130, 134–137, Karte.