Liste der Straßen, Gassen und Plätze des 5. Wiener Gemeindebezirks Margareten
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A mini|Schloss Hundsturm im 17. Jahrhundert Am Hundsturm, 1923 benannt nach der 1849 / 1850 selbstständigen Gemeinde Hundsturm, die 1632 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Im Jahre 1600 ließ Erzherzog Matthias, der spätere Kaiser, ein Rüdenhaus in der Gegend errichten. Der Name Hundsturm stammt möglicherweise von diesem Rüdenhaus ab. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass er auf die ehemalige „Hundsmühle“ zurückgeht, die im Jahre 1408 erstmals als Hunczmühle in der Scheibenried belegt ist. Die Gasse hieß früher Schloßgasse bzw. Schloßplatz nach dem Schloss Hundsturm (erbaut 1672, abgerissen 1885). Czeike führt an, dass amtlich von 1886 bis 1923 die Bezeichnung Hundst(h)urmplatz bzw. Hundst(h)urmer Platz in Gebrauch war. Amtshausgasse, 1862 benannt nach dem ehemaligen Amtshaus des Grundgerichts Hundsturm, das 1847 abgerissen wurde. Das Grundgericht war für die „niedere Gerichtsbarkeit“ zuständig.Grundgericht, das Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 832. Die Gasse hieß davor Zwerchgasse und Schmidgasse. Anzengrubergasse, 1890 benannt nach dem Schriftsteller Ludwig Anzengruber (1839–1889); sein Werk ist dem ausgehenden Realismus zuzurechnen. Er gestaltete eine Dorfwelt, die ihre natürliche Unmittelbarkeit bewahrt hatte, und vollendete so das österreichische Volksstück in der Tradition Johann Nestroys und Ferdinand Raimunds. Die österreichische Arbeiterbewegung sah Anzengruber wegen der sozialkritischen Tendenz seiner Stücke als einen der bedeutendsten Volksdichter neben Peter Rosegger und Marie von Ebner-Eschenbach an. Die Anzengruberstraße im 14. Bezirk, Penzing, ist ebenfalls nach ihm benannt; ebenso waren es bis 1955 bzw. 1956 fünf weitere Verkehrsflächen in den Bezirken 13, 16, 22 und 23. Arbeitergasse, 1871 benannt. In der Arbeitergasse 22–30 befindet sich eine der ältesten Arbeiterwohnhausanlagen Wiens, das „Carolinum“, ein 1872 errichteter Wohnblock. Bauherr war der katholische Maria-Elisabeth-Verein, ein privater Fürsorgeverein, dessen Mitglieder vor allem adelige Damen waren. Benannt wurde der Komplex nach Kaiserin Karoline Auguste (1792–1873), die dem Verein eine ansehnliche Summe spendete. Mehr als hundert Arbeiterfamilien konnten hier Quartier finden, im Erdgeschoß befand sich eine „Kinderbewahranstalt“ für die Kinder berufstätiger Frauen. Die Anlage war grundsätzlich nicht auf Gewinn ausgerichtet, weshalb die Mietzinse wesentlich geringer waren als in vergleichbaren Zinskasernen.
B Bacherplatz, 1871 benannt nach dem Gärtner Leopold Bacher (1793–1869), bürgerlicher Zier- und Lustgärtner; er war durch vier Jahrzehnte Armenrat bzw. Armenbezirksdirektor in Margareten. „Armenrat“ war eine Bezeichnung für jene Bürger, die u. a. zuständig waren für die Betreuung der Armen, die Verteilung von Spenden und Pfründen und die Ausstellung von Armutszeugnissen (die etwa in Spitälern oder Schulen vorzuweisen waren). Der nahe Bacherpark ist ebenfalls nach Leopold Bacher benannt. Bärengasse, 1862 benannt nach dem Haus „Zum braunen Bären“ in der Bräuhausgasse 22. Nach einer Sage soll der entlaufene Braunbär eines Schaustellers die Bewohner in Angst und Schrecken versetzt, dann aber ein ihm wehrlos ausgeliefertes Baby in einer Wiege nur beschnuppert und völlig unversehrt gelassen haben. Die Gasse hieß davor Schmiedgasse. Blechturmgasse, 1862 benannt nach dem alten Flurnamen blechernes Thurm-Feld. Der Name leitet sich von einem Eckhaus ab, das seinerzeit mit einem blechernen Turm geziert war und als eines der ältesten Häuser der Vorstadt Wieden gilt. Die Gasse bildet seit 1861 die Grenze zum 4. Bezirk. Sie hieß um 1829 Blecherne Thurmgasse; ihre Verlängerung außerhalb des Linienwalls hieß Alter Bürgerweg. Brandmayergasse, 1875 benannt nach dem Apotheker Eduard Brandmayer (1810–1874); er führte bis 1844 die Apotheke „Zum schwarzen Mohren“ in der Wipplingerstraße 12 im heutigen 1. Bezirk und gründete dann eine Fabrik für chemische Produkte. Er war Grundrichter, ab 1848 Mitglied des neuen Wiener Gemeinderats und von 1862 bis 1874 der erste Bezirksvorsteher des 1861 vom 4. Bezirk, Wieden, abgetrennten Margareten.Eduard Brandmayer in Alex. Skofitz: Oesterreichische botanische Zeitschrift, XXV. Jahrgang, S. 36, abgerufen am 23. November 2011 Bräuhausgasse, 1901 benannt nach dem ehemaligen Margaretner Brauhaus, das sich an der heutigen Adresse Margaretenplatz 4 befand. Das zum Gut Margareten gehörende Brauhaus wurde 1564 in der Nähe des Margaretner Schlosses erbaut; es wurde 1860 demoliert. Die Kellergewölbe haben sich unter einem Teil des Margaretenhofs (Stiege 12) erhalten. Die Gasse hieß davor Untere Bräuhausgasse und ursprünglich Sackgasse.
C mini|Ignaz Franz Castelli Castelligasse, 1874 benannt nach dem Schriftsteller Ignaz Franz Castelli; der populäre und vielseitiger Dichter des Wiener Biedermeier verfasste ab 1811 für das Kärntnertortheater 199 Stücke. Daneben war Herausgeber der Zeitschrift Der Sammler (ab 1808) und der Wiener Modezeitung (1815–1848) sowie Begründer der literarischen Gesellschaft Ludlamshöhle (1819). Im Jahr 1846 gründete er den „Niederösterreichischen Verein gegen Misshandlung der Tiere in Wien“, der als „Wiener Tierschutzverein“ heute noch existiert. Die Gasse hieß ursprünglich Zwerchgasse bzw. Zwerggasse und später dann Traubengasse. Christophgasse, benannt (Datum unbekannt, um 1860) nach dem ehemaligen Hausschild „Zum hl. Christoph“. Der hl. Christoph ist ein historisch nicht belegter Heiliger des Christentums; er wird häufig als Hüne mit Stab dargestellt, der das Jesuskind auf den Schultern über einen Fluss trägt. Er zählt zu den Vierzehn Nothelfern und ist heute besonders als Patron der Autofahrer populär. Die Gasse hieß um 1830 Blumengasse.
D Diehlgasse, 1886 benannt nach dem Unternehmer Karl Diehl (1812–1886), Seidenwarenfabrikant; er stiftete eine Fortbildungsschule für Mädchen. Die Gasse hieß davor Koflergasse.
E Einsiedlergasse, 1873 benannt nach dem Eremiten Matthäus Käufler († 1783), der hier 1763 mit Unterstützung der Gemeinden Margareten und Nikolsdorf eine Einsiedlerbruderschaft gründete. Nach Aufhebung der Bruderschaft (1782) arbeitete er als Kirchendiener an der Nikolsdorfer Friedhofskirche. Er lebte weiterhin in seiner Klause, wurde aber 1783 ermordet. Der Einsiedlerpark ist ebenfalls nach ihm benannt. Einsiedlerplatz, 1873 benannt nach dem Eremiten Matthäus Käufler; siehe Einsiedlergasse. Embelgasse, 1875 benannt nach dem Beamten und Topografen Franz Xaver Embel (1770–1856), Beamter der Kameral-Hauptbuchhaltung (1787–1807) und dann Stadtoberkämmerer und Magistratsrat (1807–1830). Er kümmerte sich um das städtische Kassenwesen sowie die Schaffung neuer Gemeindehäuser und Schulen in den Vorstädten. Nebenbei verfasste er Reiseschilderungen, in denen die Naturschönheiten und Bauwerke Niederösterreichs geschildert werden. In Margareten erbaute er das erste Haus in dieser Gasse. Emil-Kralik-Gasse, 1927 benannt nach dem Journalisten Emil Kralik (1864–1906), Herausgeber der sozialistischen Zeitung Vorwärts! (1888–1894), Redakteur der Volkstribüne (1891–1893) und der satirischen Zeitschrift Glühlichter (ab 1896). Von 1896 bis 1906 schrieb er für die Arbeiter-Zeitung, wo er vor allem Kolumnen und fiktive Leserbriefe verfasste. Durch seine deftige Kritik am Wiener Kleinbürgertum – oft verfasst unter dem Pseudonym „Habakuk“ – war er in Wien populär, wurde aber auch mehrmals zu Gefängnisstrafen verurteilt.Eckart Früh (Herausgeber): Emil Kralik, Spuren und Überbleibsel - Bio-bibliographische Blätter, Nr. 58, Eigenverlag, Juni 2004 (via archive.org)
F mini|Die Falcostiege Falcostiege, 2003 benannt nach dem Popmusiker Falco (eigentlich Hans Hölzel, 1957–1998); er wird gelegentlich als „der erste weiße Rapper“ bezeichnet. Sein Titel Rock Me Amadeus erreichte als erstes und bisher einziges deutschsprachiges Lied die Spitze der US-Billboard-Charts. Der Musiker lebte eine Zeit lang in der Ziegelofengasse in Margareten. Die Falcogasse im 22. Bezirk Donaustadt ist ebenfalls nach ihm benannt. Fendigasse, 1875 benannt nach dem Maler und Lithografen Peter Fendi (1796–1842). Als Lithograf war er wegen seiner Versuche, mehrfarbig zu drucken, Pionier. Als Porträt- und Genremaler war er Begründer dieses Genres im Wiener Biedermeier und zählt neben Ferdinand Georg Waldmüller und Josef Danhauser zu den bedeutendsten Künstlern der Zeit. Großer Beliebtheit erfreuen sich auch seine ca. 400 Aquarelle, die zu den besten und bedeutendsten ihrer Gattung im Österreich des 19. Jahrhunderts zählen. Franzensgasse, 1862 benannt nach Kaiser Franz II. (1768–1835); er war von 1792 bis 1806 als Franz II. König aus dem Haus Habsburg-Lothringen und letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Von 1804 bis 1835 regierte er als Franz I. Kaiser von Österreich und begründete damit das österreichische Kaisertum. Von 1792 bis 1835 war er außerdem König von Böhmen, Kroatien und Ungarn. Die Gasse hieß vorher Leopoldsgasse.
G Gartengasse, 1862 benannt nach dem Margaretener Schlossgarten. 1555 kaufte Nikolaus Oláh, Erzbischof von Gran, das Gut Margareten. Er ließ den Margaretner Hof und die Kapelle teilweise neu erbauen und legte einen großen Schlossgarten an. Um 1727 verkaufte Graf von Sonnau die Vorstadt Margareten an die Gemeinde Wien; in der Folge wurden die ausgedehnten Gartengründe sukzessive zu einem dicht besiedelten Gebiet verbaut. Siehe auch Hofgasse und Schloßgasse. Die Gasse hieß davor Gärtnergasse. Gassergasse, 1875 benannt nach dem Maler und Bildhauer Hanns Gasser (1817–1868); er war ein zu seiner Zeit sehr erfolgreicher Bildhauer, der Figuren für Kirchen, Brunnen oder Grabmäler schuf, aber auch Porträtbüsten und Heiligenfiguren. Gasser arbeitete in einem klassizistisch-romantischen Stil und zählt neben Anton Dominik Fernkorn zu den bedeutendsten Bildhauern Österreichs in jener Zeit. Die Gasse hieß davor Raingasse. Gaudenzdorfer Gürtel, 1894 bzw. 1910 benannt nach dem ehemaligen Vorort Gaudenzdorf; dieser wurde 1819 von Untermeidling abgetrennt und konstituierte sich 1849 als selbstständige Gemeinde mit dem Namen Gaudenzdorf. Der Name wurde zu Ehren des Propstes Gaudentius Andreas Dunkler, Oberhaupt des Grundherrn bis 1848, des Stiftes Klosterneuburg, gewählt; siehe auch die Dunklergasse in Meidling. 1892 wurde der Vorort Wiens mit anderen als 12. Bezirk eingemeindet. Die Straße hieß ursprünglich Gürtelstraße und ab 1881 Margaretengürtel. Es handelt sich um den westlichen, im 12. Bezirk südwärts befahrenen Teil des Gürtels. Die Bezirksgrenze verläuft etwa in der Mitte der Grünanlage zwischen ihm und dem westlichen, im 5. Bezirk nordwärts befahrenen Teil namens Margaretengürtel. Geigergasse, 1894 benannt nach dem Maler, Zeichner und Schnitzer Peter Johann Geiger (1805–1880); er arbeitete zunächst als Kunstschnitzer. Um 1840 machte er durch Zeichnungen in Vaterländische Immortellen aus dem Gebiete der österreichischen Geschichte auf sich aufmerksam. Er unterrichtete in der Folge Erzherzog Franz Joseph und Erzherzog Ferdinand Max und wurde Professor der Wiener Akademie. Gießaufgasse, 1842 benannt nach dem Webermeister Georg Gießauf (um 1763–1840), Armenvater in Margareten, Kriminalgerichtsbeisitzer und Außerer Rat; er eröffnete diese Gasse. Grohgasse, 1843 benannt nach dem Gastwirt Georg Groh (1787–1879), Besitzer der Gastwirtschaft „Zum grünen Tor“, Mitglied des Bezirksausschusses des 5. Bezirks. Er stellte das Areal zur Anlage der Gasse kostenlos zur Verfügung unter der Bedingung, dass diese nach ihm benannt werde.