Der Gemeine Bocksdorn (Lycium barbarum) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Bocksdorne (Lycium) innerhalb der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). In Mitteleuropa gilt er als Neophyt und er wird auch Gewöhnlicher Bocksdorn, Chinesische Wolfsbeere, Hexenzwirn oder Gemeiner Teufelszwirn oder nur Teufelszwirn genannt und ist nicht zu verwechseln mit der parasitären Schlingpflanze Teufelszwirn (Cuscuta australis). Der Gemeine Bocksdorn wird auch als Zierpflanze verwendet.

Die Bocksdorn-Beeren finden sowohl in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) als auch insbesondere in chinesischen Küchen Verwendung. Im englischsprachigen Raum sind die Beeren des Gemeinen Bocksdorns wie auch die des Chinesischen Bocksdorns (Lycium chinense) als Goji oder Chinese wolfberries bekannt. Im Deutschen finden sich die Begriffe Goji-Beeren und Gojibeeren. bei Karlsruher Institut für Technologie – Botanischer Garten, abgerufen am 23. März 2025.Helmut Pirc: Enzyklopädie der Wildobst- und seltenen Obstarten. Leopold Stocker Verlag, 2015, ISBN 978-3-7020-1635-7.

Beschreibung mini|Illustration in Thomés Flora von 1885 mini|Habitus mini|Blüten mini|Blüten und Knospen mini|Reife Bocksdorn-Beeren

Vegetative Merkmale Der Gewöhnliche Bocksdorn ist ein sommergrüner Strauch, der Wuchshöhen von 2 bis 4 Metern erreicht. Seine rutenförmigen Äste hängen bogenartig herab. Es sind wenige schlanke Dornen vorhanden.

Die kurz gestielten, leicht fleischigen und (wechselständigen) Laubblätter sitzen einzeln oder gruppiert am Zweig. Der Blattstiel ist 2 bis 20 Millimeter lang. Die einfache Blattspreite ist bei einer Breite von 1 bis 2 Zentimetern sowie einer Länge von 3,5 bis 7 Zentimetern eiförmig bis lanzettlich, länglich, seltener verkehrt-eiförmig mit gerundetem bis meist spitzem oberen Ende und ganzrandig.Lycium barbarum auf discoverlife.org, abgerufen am 5. September 2019.

Generative Merkmale Die Blütezeit des Gemeinen Bocksdorns reicht von Juni bis August und teils bis September. Der blattachselständige Blütenstand enthält eine bis drei Blüten. Der Blütenstiel ist 1 bis 2 Zentimeter lang.

Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Blütenkelch ist bei einem Durchmesser von 4 bis 5 Millimetern glockenförmig und etwas zweilippig. Die Oberlippe des Kelchs ist kurz zweizähnig und die Unterlippe ist dreizipfelig. Die Blütenkrone ist grün-violett und trichterförmig. Die Kronröhre ist 8 bis 10 Millimeter lang. Die sich spreizenden Kronlappen sind 5 bis 6 Millimeter lang und am Rand fast kahl. Die Staubblätter sind am Grund behaart. Die Staubbeutel sind eiförmig und springen der Länge nach auf. Der oberständige Fruchtknoten ist zweifächerig. Der lange, fadenförmige Griffel endet in einer kopfigen Narbe. Die oben in der Kronröhre sitzenden Staubblätter und Griffel überragen die Blütenkrone etwas.

Die bei Reife leuchtend roten oder orange-gelben Beeren sind bei einer Länge von 4 bis 20 Millimetern sowie einem Durchmesser von 5 bis 12 Millimetern länglich bis eiförmig. Der Geschmack wird unter anderem mit Paprika und Tomaten verglichen, wobei in der Regel ein scharf-herber, teils anhaltender Nachgeschmack vorhanden ist.Goji-Beeren – Gartenpraxis. (PDF; 2,7 MB) auf raess-wildbeeren.ch.Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). auf lwg.bayern.de, Freistaat Bayern, Körperschaft des öffentlichen Rechts. Die Früchte reifen von August bis Oktober. Jede Frucht enthält 4 bis 20 Samen. Die braun-gelben, rundlichen und abgeflachten Samen sind etwa 1,5–2,5 Millimetern groß.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24.

Ökologie Der Gewöhnliche Bocksdorn gilt als sehr winterhart und verträgt Frost bis −25 °C. Am Standort verbreitet sich Bocksdorn durch Wurzeln (Rhizome) und wird deshalb durch Rhizomsperren begrenzt. Als Verbreitungsmöglichkeit sind Ableger von herabhängenden Zweigen bekannt.

Die Bestäubung erfolgt durch Insekten (Bienen) oder Selbstbestäubung. Die Samen werden durch Tiere, die die Früchte fressen, ausgebreitet.

Auf dem Bocksdorn wurden Schmetterlingsraupen des Tabakschwärmers (Manduca quinquemaculatus) und des Totenkopfschwärmers beobachtet. Besonders Echter Mehltau ist auf Bocksdorn zu finden. Als Schädlinge kommen Läuse der Gattungen Aphis und Paratrioza vor, gelegentlich auch Schnecken.

Vorkommen Nach Ellenberg ist der Gewöhnliche Bocksdorn eine Volllichtpflanze. Er kommt vorwiegend in und nahe den Städten im Osten Deutschlands vor, verwildert an Mauern und Zäunen. Weniger häufig sieht man ihn im Westen Deutschlands. Er verträgt weder Salz noch Schwermetalle. Durch die häufige Verwendung zur Dammbepflanzung und als Zierpflanze kommt Bocksdorn vor allem in südlichen Ländern verwildert vor. In Europa verhält er sich invasiv, weswegen seine Anpflanzung in freier Landschaft zu unerwünschter Verdrängung heimischer Ruderalvegetation führen kann., S. 25. April 2008, auf bfn.de, abgerufen am 13. Dezember 2023.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).

Taxonomie und Systematik Die Erstveröffentlichung von Lycium barbarum erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum Band 1 Seite 192. Synonyme für Lycium barbarum sind Lycium halimifolium und Lycium vulgare .

Molekularbiologische Untersuchungen belegen eine stark unterstützte Klade, die neben dem Gemeinen Bocksdorn (Lycium barbarum) aus Lycium ruthenicum und dem Chinesischen Bocksdorn (Lycium chinense) besteht. Die Beziehungen der drei Arten zu anderen altweltlichen Arten sind nicht eindeutig geklärt.Rachel A. Levin et al.: Evolutionary Relationships in Tribe Lycieae (Solanaceae). In: D. M. Spooner, L. Bohs, J. Giovannoni, R. G. Olmstead, D. Shibata (Hrsg.): Solanaceae VI: Genomics meets biodiversity. Proceedings of the Sixth International Solanaceae Conference, ISHS Acta Horticulturae 745, Juni 2007, ISBN 978-90-6605-427-1. S. 225–239 (englisch).

Von Lycium barbarum gibt es zwei Varietäten: Lycium barbarum var. auranticarpum : Diese Varietät kommt nur in China vor. Die Laubblätter sind eher schmal und fleischig. Nur vier bis acht Samen befinden sich in den orange-gelben Früchten. Lycium barbarum var. barbarum: Die Laubblätter sind eher breit, dünn oder sogar papierartig. Die Anzahl der Samen pro Frucht liegt höher als 15. Die Früchte haben eine rote Farbe.

mini|Ernte von Bocksdorn-Beeren in Ningxia

Verwendung und Trivialnamen Herkunft und Geschichte Wo die eigentliche Heimat des Bocksdorns liegt, ist unklar. Sein natürlicher Standort ist von Südosteuropa bis China zu finden. Eine typische Wolfsbeerenregion in China ist Ningxia. Von dort breitete er sich als Kulturpflanze nach ganz Asien, Europa, Nordamerika, Nordafrika und Australien/Neuseeland aus. Andere geben als Verbreitungsgebiet nur den Mittelmeerraum an. Besonders die verwandten Arten Lycium chinense, Lycium ruthenicum und Lycium turcomanicum sind in Asien verbreitet. Die Art Lycium pallidum ist in Mittelamerika und Lycium europaeum im Mittelmeerraum bis Portugal zu finden. In den nordwestchinesischen Provinzen Gansu, Ningxia, Qinghai und Innere Mongolei ist der Bocksdorn sehr stark verbreitet.

In China heißt der Gemeine Bocksdorn Ningxia gouqi (). Im Chinesischen ist diese Bezeichnung auch synonym für Bocksdorn von hoher Qualität, da in der Region Ningxias Chinas qualitativ bester Bocksdorn gedeiht. Der EPPO-Code ist LYUHA.

Küche mini|Getrocknete Goji-Beeren ()

Bocksdorn wird in China zum Kochen und in der Naturheilkunde (TCM) verwendet. Im Sommer und Herbst werden die Früchte geerntet und in der Sonne getrocknet.J. P. Hou: The Healing Power of Chinese Herbs and Medicinal Recipes. Haworth Integrative Healing Press, 2005, ISBN 0-7890-2202-8, S. 152 ff (englisch). Die Früchte werden gekocht oder, wenn es süße sind, auch roh gegessen; einige Varianten sind sehr sauer. Blätter von Jungpflanzen werden auch als Blattgemüse verwendet.

Da in Europa andere Teile der Pflanze nicht als Lebensmittel zugelassen sind, wird hier in der Lebensmittelindustrie ausschließlich die Beere verarbeitet. So wurde zunächst der Fruchtsaft von einigen Herstellern angeboten. Später wurde die Bocksdornbeere, der ein besonders hoher Anteil sogenannter vitaler Inhaltsstoffe zugeschrieben wurde, unter der Bezeichnung Goji als Superfood vermarktet. In der Folge wurde sie zum TrendlebensmittelAndreas Fischer: So gesund sind die neuen "Wunderbeeren" wirklich. Am 15. Mai 2011 auf welt.de, abgerufen am 12. Mai 2017. und es werden vermehrt getrocknete Beeren importiert, die allerdings oftmals starke Pestizidrückstände aufweisen.Udo Pollmer: Keine Wunderfrucht – sondern lebensgefährlich! auf deutschlandfunkkultur.de, 1. April 2016, abgerufen am 12. Mai 2017. So waren z. B. sämtliche Stichproben des Jahres 2009 hoch belastet mit dem Insektizid Acetamiprid, wobei mehr als zehn weitere Wirkstoffe nachgewiesen wurden.Managementbericht 2009, S. 15, Juli 2010, auf cvuas.de, Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart, abgerufen am 13. Dezember 2023 (PDF; 1,2 MB).

Seit 2013 werden auch frische Früchte aus europäischem Kulturanbau angeboten,Goji-Beere erstmals flächendeckend als Frischfrucht im Handel auf gojivital.com, 4. Juni 2013, abgerufen am 13. Dezember 2023 (PDF; 171 kB). die eingefroren oder in getrocknetem Zustand aufbewahrt werden können. Saft und Früchte werden für Müslis, Joghurt und Smoothies verwendet.

Kommerzielle Hauptertragssorte ist die chinesische „Ningqi 1“ (NQ1, vermarktet als „Number 1 Lifeberry“). Die Kultur ist anspruchsarm was den Standort bzw. Boden betrifft. Es besteht eine Anfälligkeit für den Echten Mehltau. Zum Erhalt von Fruchtansatz und -qualität muss regelmäßig stark ausgedünnt werden. Der Markterfolg steigerte auch das Interesse am privaten Eigenanbau, wobei oft abschreckende Sorten verkauft wurden, mit dem beim Wildtyp üblichen scharf-herben Nachgeschmack oder auch mit geringem Fruchtansatz. Als Positivbeispiele werden regelmäßig die NQ1 und Sorten der Gärtnerei Umbach/Heilbronn (L 9/Turgidus, L 22) empfohlen.

Zierpflanze Der Bocksdorn wird als Zierpflanze verwendet und auch in deutschen Baumschulen angeboten.

Erosionsschutz Bocksdorn wird auch als Strauch zur Dammbepflanzung als Erosionsschutz genutzt.

Traditionelle chinesische Medizin In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) werden getrocknete Bocksdornbeeren gegen hohen Blutdruck und Blutzucker eingenommen, ferner bei Augenproblemen, zur Unterstützung des Immunsystems und zur Vorbeugung und Behandlung von Krebs. Als Einzeldosierung werden 6 bis 15 Gramm der getrockneten Beeren als Absud, in Wein oder als Tinktur angegeben.

Traditionell verwenden Chinesen Gojibeeren, um das Yin zu erhöhen. Bei Mangel an Yin in Leber und Nieren gibt es in der TCM folgende Indikationen: Benommenheit, Diabetes mellitus, Anämie, Erkältungen, Erschöpfung, Impotenz, Müdigkeit, vorzeitiges Altern, Nachtschweiß, Schwäche in Rücken und Knien, Schwindel, Tinnitus und Sehschwäche, Überanstrengung und Unfruchtbarkeit.

Pharmakologie Untersuchungen zu Wirkungen Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen und Laborstudien zu postulierten medizinischen Effekten, insbesondere der Inhaltsstoffe Zeaxanthin und Lutein: Extrakte aus gemeinem Bocksdorn sollen vor Zerstörung des Sehnervs schützen, wenn ein Glaukom vorliegt. H. C. Chan, R. C. Chang, A. Koon-Ching Ip, K. Chiu, W. H. Yuen, S. Y. Zee, K. F. So: Neuroprotective effects of Lycium barbarum Lynn on protecting retinal ganglion cells in an ocular hypertension model of glaucoma. In: Exp. Neurol. Volume 203, 2007, S. 269–273, PMID 17045262.